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Chronische Hepatitis

Synonyme: Chronische Leberentzündung

Zum SeitenanfangAllgemeines

Die chronische Hepatitis ist eine Entzündung der Leber die länger als 6 Monate andauert, manchmal sogar über mehrere Jahrzehnte. Bei den meisten Betroffenen ist die Entzündung mild ausgeprägt und verursacht wenig Beschwerden.

Leberzirrhose, Vernarbung der Leber, chronsiche Hepatitis

Bei anderen aber führt sie zu einer zunehmenden Zerstörung und Vernarbung der Leber, einer Leberzirrhose. Die Zirrhose kann schwerwiegende Komplikationen haben, unter anderem ein zunehmender Verlust der Leberfunktion und einem Rückstau von Blut vor der vernarbten Leber (portale Hypertension). Zudem steigt das Risiko einen bösartigen Lebertumor (Hepatozelluläres Karzinom) zu entwickeln.

Die Ursachen einer chronischen Hepatitis sind vielfältigt. Hepatitisviren, sogenannte autoimmune Erkrankungen, bei denen sich das körpereigene Immunsystem durch eine Fehlregulation gegen den eigenen Körper richtet, Erbkrankheiten und Giftstoffe sind dabei die hauptsächlichen Auslöser. Gemeinsam ist all diesen Ursachen, dass sie in der Leber eine Entzündung verursachen. Sie aktivieren Entzündungszellen, die weissen Blutkörperchen (Leukozyten), die durch ihr Abwehrverhalten die Leberzellen angreifen. Wird die Leberentzündung durch eine Infektion mit Viren ausgelöst (virale Hepatitis), dient dieses Abwehrverhalten dazu, die von Viren befallenen Zellen zu vernichten.

Durch Erbkrankheiten und Giftstoffe verursachte Leberkrankheiten führen erst in zweiter Linie zu einer Entzündung. Am Anfang der Entwicklung steht die Ablagerung von giftigen Stoffen, sogenannten Toxinen, in und um die Leberzellen herum. Diese Toxine regen dann eine Entzündungsreaktion an. Beispiele für solche Stoffe sind Alkohol (Alkoholschäden) und gewisse Medikamente. Bei den Erbkrankheiten Hämochromatose und Morbus Wilson sammeln sich Eisen und Kupfer in grossen Mengen Mengen im Körper an, die in diesen hohen Konzentrationen auf den Körper als Giftstoffe wirken. Auch beim Alpha1-Antitrypsinmangel, einer weiteren Erbkrankheit, kommt es zur Speicherung von schädlichen Stoffen in Leberzellen.

Zum SeitenanfangSymptome

Eine chronische Hepatitis kann sich in einem breiten Spektrum von Symptomen zeigen. Von absoluter Beschwerdefreiheit bis zum totalen Ausfall der Leberfunktion mit Bewusstlosigkeit (Leberausfallkoma) ist alles möglich.

Häufige Zeichen einer Leberkrankheit sind Müdigkeit, Leistungsminderung, Appetitlosigkeit und unklare Oberbauchbeschwerden.

Was zudem vorkommen kann, sind Gelenkschmerzen und Veränderungen an der Haut. Typische Hautveränderungen sind zum Beispiel eine Rötung der Handinnenflächen, Lippen und Zunge sowie eine spinnenförmige Vergrösserung von Hautgefässen, die auch Spider naevi genannt werden. Diese und andere Erscheinungen werden Leberhautzeichen genannt.

Wenn durch einen massiven Leberschaden die Entgiftungsfunktion der Leber beeinträchtigt wird, sammeln sich Stoffe im Körper an, die normalerweise über die von der Leber produzierten Galle ausgeschieden werden. Wenn sich diese Stoffe aufgrund der verminderten Ausscheidung im Blut ansammeln, können sie zu einem quälenden Juckreiz und einer Gelbverfärbung der Haut führen. Als erstes fällt diese sogenannte Gelbsucht an den Augen auf, welche sich in diesem Fall gelblich verfärben.

Die Leber hat auch eine wichtige Aufgabe im Hormonhaushalt, indem sie Hormone abbaut oder sie in andere Hormone umwandelt.

Eine Leberkrankheit hat deshalb oft Störungen im Gleichgewicht verschiedener Hormone zur Folge. Häufig ist dabei das Verhältnis der weiblichen und männlichen Geschlechtshormone zu Gunsten der männlichen verschoben. Dies äussert sich bei Frauen meist anhand von Störungen der Regelblutung. Bei Männern hingegen kann dies zu einer Verminderung der männlichen Geschlechtsmerkmalen, also der Behaarung oder der Hodengrösse kommen. Bei manchen Männern tritt deshalb eine Vergrösserung der Brustdrüsen, eine sogenannte Gynäkomastie auf.

Zum SeitenanfangDiagnose

Besteht auf Grund der Art und Dauer der Beschwerden der Verdacht auf eine chronische Hepatitis, führt der Arzt eine genaue körperliche Untersuchung durch. Dabei versucht er den unteren Rand der Leber zu ertasten, um so deren Grösse und Beschaffenheit festzustellen. Während einem Entzündungsschub ist die Leber häufig vergrössert und während dieser Untersuchung auch druckschmerzhaft. Kommt es zu einer zunehmenden Vernarbung wird sie immer kleiner und fester, und bekommt eventuell sogar eine höckerige Oberfläche. In diesem fortgeschrittenen Stadium einer chronischen Leberentzündung besteht eine sogenannte Leberzirrhose, das heisst eine umfangreiche Vernarbung der Leber, die häufig von einer Ansammlung von Flüssigkeit im Bauchraum begleitet ist. Diese Flüssigkeit (Aszites) kann der Arzt auch ertasten oder mit Ultraschall sichtbar machen.

Zusätzlich wird mit einer Blutuntersuchung einerseits die Leberfunktion gemessen werden, und anderseits gibt sie Hinweise auf die Entzündungsaktivität. Die Leberwerte, die im Blut gemessen werden, sind Stoffe die nur im Innern der Leberzellen vorkommen und deshalb nur bei einer Zerstörung der Leberzellen ins Blut gelangen. Somit kann man dadurch feststellen, wie ausgeprägt die momentane Leberschädigung ist.

Weiter ist es möglich im Blut nach möglichen Ursachen der Hepatitis zu suchen. Deshalb wird im Labor eine Virusserologie gemacht, wobei im Blut nach Virusbestandteilen und spezifischen Abwehrstoffen (Antikörper) gegen die Viren gesucht wird.

Zur Bestimmung der genauen Grösse und dem Vernarbungsgrad der Leber wird ein bildgebendes Verfahren durchgeführt. Häufig wird in diesem Fall eine Ultraschalluntersuchung oder eine Computertomographie durchgeführt. Da Patienten, die an einer chronischen Hepatitis leiden, besonders gefährdet sind, einen Leberkrebs zu entwickeln, wird bei diesen Untersuchungen auch auf Hinweise auf bösartige Knoten geachtet.

Häufig wird auch eine Feinnadelbiopsie der Leber durchgeführt. Dabei sticht der Arzt unter Ultraschallkontrolle mit einer feinen Nadel in die Leber. Das aus der Nadel gewonnene Lebergewebe wird dann unter dem Mikroskop untersucht. Das Aussehen der Leberzellen, der Vernarbungsgrad und die Zahl und Art der Entzündungszellen werden beurteilt. So erhält der Arzt Informationen zur Aktivität der Hepatitis und deren Folgen. Manchmal ist es sogar möglich unter dem Mikroskop die Ursache der Hepatitis zu erkennen, so etwa im Fall der Hämochromatose, wo Eisenablagerungen auffallen.

Zum SeitenanfangTherapie

Die Therapie der chronischen Hepatitis muss den unterschiedlichen Ursachen angepasst werden.
Es gibt aber einige Massnahmen die für alle Arten der chronischen Hepatitis gelten. Es ist wichtig weitere Leberschäden zu verhindern, weshalb auf Alkohol und für die Leber gefährliche Medikamente verzichtet werden sollte.

Gegen zwei der Hepatitisviren, A und B, gibt es Impfungen. Liegt nicht eine Infektion mit diesen Viren vor, ist eine Impfung sinnvoll. Ganz wichtig ist es auch die Umgebung des Patienten zu schützen. Hat er zum beispiel eine Hepatitis B, ist es ratsam nahestehende Personen zu impfen.

Speziell beim Vorliegen einer chronischen Leberentzündung gibt es auch die Möglichkeit der medikamentösen Behandlung. Dabei kommt vor allem das Medikament Interferon zum Einsatz. Interferon wird auch vom Körper selbst produziert und regt die Vernichtung von Viren an. Zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten kann es zudem zusätzlich als Medikament gegeben werden. Die bekannten Nebenwirkungen des Interferons sind Fieber und Müdigkeit, die typischerweise auch dann auftreten, wenn der Körper während beispielsweise einer Erkältungskrankheit gegen die verursachenden Viren kämpft. Je nach der genauen Art der Virushepatitis gibt es noch weitere Medikamente, die bei einer chronischen Leberentzündung zum Einsatz kommen.

Im Fall der chronischen Hepatitis zielt die Therapie darauf ab die fehlgeleitete Entzündungsreaktion zu unterdrücken. Das gelingt mit Medikamenten, welche die Reaktion des Immunsystems etwas bremsen und so die Entzündungsreaktion eindämmen. Bei einer solchen Therapie werden meist mehrere dieser Medikamente in Kombination angewendet, wobei sehr häufig steroidale Entzündungshemmer wie beispielsweise Prednison verwendet werden.

Sind Medikamente oder Alkohol die Ursache der Hepatitis, dürfen diese Substanzen nicht mehr weiter eingenommen werden. Dabei kann sich die Leber wieder vollständig erholen, wenn sie durch diese Stoffe noch nicht allzu schwer beschädigt worden ist. Allerdings gibt es ab einem gewissen Grad der Zerstörung und der folgenden Vernarbung keine Umkehr mehr. Der ursprüngliche Aufbau der Leber ist in dem Fall so stark verändert, dass der Körper das nicht mehr korrigieren kann.

Wenn in diesem Fall aufgrund der Zerstörung des Lebergewebes ein Leberversagen auftritt, bleibt als letzte Therapiemöglichkeit nur noch eine Lebertransplantation. Diese Therapie kann jedoch nur bei Patienten angewendet werden, bei denen man nicht davon ausgehen muss, dass die Ursache auch die Transplantierte Leber angreift und mit der Zeit zerstört.

Der Ausgang einer chronischen Hepatitis ist nur schwer vorauszusagen. Es ist nicht genau geklärt, wieso einige Betroffenen eine schwere Entzündung entwickeln, die zu einer Zirrhose führt, und andere über Jahre hinweg in einem guten Zustand sind.

Autor/in:Ursula Hofer, Ärztin
Editor/in:Dr. med. Urspeter Knecht, Arzt
Keywords:chronische Hepatitis, chronische Leberentzündung, Leberinfektion, virale Hepatitis, Leberzirrhose, Leberentzündung (Hepatitis), Gelbsucht, Ikterus
ICD-10:K73, K70.1, K71, K75.3, K75.2, B18
Zuletzt geändert:04.11.2016Zum Seitenanfang
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