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Nierenzell-Karzinom

Synonyme: Nierenkarzinom, Hypernephroides Karzinom, Hypernephrom, Grawitz-Tumor

Zum SeitenanfangAllgemeines

Das Nierenzellkarzinom ist der häufigste bösartige Tumor in der Niere. Ingesamt kann aber gesagt werden, dass dieser Tumor eher zu den selteneren Krebserkrankungen gehört. Männer, vor allem im höheren Alter sind von dieser Krankheit deutlich häufiger betroffen als Frauen. Die zugrunde liegenden Ursachen sind unbekannt.

Über 60% der Nierenzellkarzinome werden bei einer Ultraschalluntersuchung zufällig entdeckt. Starkes Rauchen und/oder die regelmässige Einnahme von Schmerzmitteln sind Risikofaktoren, welche die Entstehung eines Nierenzellkarzinoms begünstigen.

Wissenswertes über die Niere und ihre Funktionen

Niere - Aufbau (Querschnitt mit Nierenrinde, Nierenmark, Nierenbecken, Harnleiter))

Die Leistungen der Nieren sind enorm. In 24 Stunden durchströmen rund 1500 Liter Blut die Nieren. Diese haben die Aufgabe, daraus den eigentlichen Urin zu bilden.

Die Nieren scheiden pro Tag etwa 1½ Liter Harn aus, der aus dem Blut abfiltriert wird. Das Blut fliesst dabei durch spezielle Minifiltersysteme in der Niere, die man als Nephrone bezeichnet. Sie enthalten verschiedene Strukturen, die zusammen eine Funktionseinheit bilden und Nierenrinde und Nierenmark durchziehen.

Eine gesunde Niere enthält etwa eine Million Nephrone. Hier werden Substanzen aus dem Blut herausgefiltert, die der Körper nicht mehr benötigt, und die in hohen Konzentrationen sogar giftig für den Körper sind. Man bezeichnet sie in der Fachsprache als harnpflichtige Substanzen. Andererseits haben die Filtersysteme die Aufgabe, für den Körper wichtige Substanzen zurückzuhalten. Dazu zählen z.B. Eiweisse und Mineralstoffe. Die abfiltrierte Flüssigkeit ist Urin. Dieser sammelt sich zentral in der Urinsammelstelle, dem so genannten Nierenbecken und fliesst über den Harnleiter in die Blase.

Neben der Harnbildung ist die Niere unter anderem noch für den Wasser- und Elektrolythaushalt zuständig. Elektrolyte sind für den Körper wichtige Salze wie Natrium, Kalium und Kalzium. Die Niere bildet ausserdem Hormone, die auch den Blutdruck regulieren.

Zum SeitenanfangPathogenese (Krankheitsentwicklung und -entstehung)

Nierenzell-Karzinom

Meist entsteht ein Nierenzellkarzinom in der Nierenrinde und wächst von dort in Richtung des Nierenbeckens. Der Tumor wächst meist so, dass er das umliegende Nierengewebe verdrängt. Er kann aber auch zerstörerisch in das Gewebe hineinwachsen, dabei die Organgrenze überschreiten und in die Umgebung einwachsen.

Metastasen beim Nierenzell-Karzinom
(Auf das Bild klicken, um die Einzelbilder zu Vergrössern)

Lungenmetastasen Knochenmetastasen Das Nierenzell-Karzinom wächst in Nierengewebe und später ins Blutgefässsystem ein Hirnmetastasen Lebermetastasen

So sind die Tumorzellen in der Lage, ins Blut- und Lymphsystem einzudringen. Blut- und Lymphgefässe durchziehen den ganzen Körper, so dass die Tumorzellen darüber transportiert werden und sich in anderen Organen ansiedeln können. Diese Tumorzellansiedlungen bezeichnet man als Tochtertumore oder in der Fachsprache als Metastasen. Besonders häufig entstehen Metastasen in der Lunge, in den Knochen, in der Leber und im Gehirn.

 

Zum SeitenanfangSymptome

Da das Nierenzellkarzinom keine typischen Frühsymptome verursacht, treten Krankheitszeichen meist erst spät im Krankheitsverlauf auf. Charakteristisch ist eine Vielzahl von Symptomen, die nicht unbedingt an einen bösartigen Nierentumor denken lassen.

Das Vorhandensein von Blut im Urin ist bereits als Spätsymptom zu bewerten und zeigt ein fortgeschrittenes Stadium an. Doch weist auch dieses Symptom nicht konkret auf ein Nierenzellkarzinom hin, da es zum Beispiel auch bei einer einfachen Blasenentzündung oder Nierenentzündung auftreten kann. Unspezifische Symptome wie Flankenschmerzen und Fieber vervollständigen das Beschwerdebild des Patienten.

Wie bei vielen bösartigen Erkrankungen beklagt der Patient im weiter fortgeschrittenen Stadium einen unerklärlichen Gewichtsverlust.

Hat der Tumor schon eine entsprechende Grösse erreicht, kann der Arzt bei der körperlichen Untersuchung den Tumor durch die Bauchdecke ertasten. Im weit fortgeschrittenen Stadium mit Metastasen im Knochensystem sind auch Rückenschmerzen ein häufiges Symptom.

Die Vielzahl unspezifischer Symptome ist irreführend und verzögert häufig die endgültige Diagnose. Auf der anderen Seite werden viele bösartige Nierentumore durch routinemässig durchgeführte Ultraschalluntersuchungen in einem heilbaren frühzeitigen Stadium entdeckt.

Zum SeitenanfangDiagnostik

Eine Ultraschalluntersuchung der Niere hilft zu erkennen, ob es sich um einen gutartigen Tumor der Niere handelt, oder um eine verdächtig erscheinende Geschwulst, die weiter untersucht werden muss.
Mit Hilfe eines Computertomogramms (CT) kann der Arzt den Tumor noch genauer beurteilen, weil bösartige Tumore dort eine besondere Form aufweisen. Man kann damit auch erkennen, wie weit er sich ausgebreitet hat und ob er schon in andere Organe eingewachsen ist.

Röntgenaufnahmen von Lunge und Leber werden gemacht, um dort eventuell vorhandene Metastasen aufzufinden.

Bei der Ausscheidungsurographie (AUG) wird dem Patienten ein jodhaltiges Röntgenkontrastmittel in die Vene gespritzt, das von den Nieren ausgeschieden wird und die Harnwege füllt. So lässt sich mit Hilfe eines Röntgenbildes das Innere der ableitenden Harnwege gut darstellen. Ist ein Tumor ins Nierenbecken eingewachsen, kann das Kontrastmittel an dieser Stelle das Nierenbecken nicht anfärben, was auf dem Röntgenbild als schwarzer Fleck zu erkennen ist.

Zum SeitenanfangTherapie

Ein Nierenzellkarzinom wird ganz grundsätzlich chirurgisch behandelt. Das bedeutet, dass der Tumor durch eine Operation wenn möglich komplett entfernt werden sollte. Bei einem kleinen Tumor ist es unter Umständen möglich, dass nur ein Teil der betroffenen Niere entfernt werden muss. In aller Regel muss allerdings die ganze Niere mit umliegendem Gewebe und mit dem Harnleiter entfernt werden. Zusätzlich werden die Lymphknoten in der Umgebung zur Sicherheit ebenfalls entfernt.

Auch wenn bereits einzelne Metastasen zum Beispiel in der Lunge oder in der Leber gefunden werden, können diese herausoperiert werden. Sind jedoch bereits mehrere Metastasen vorhanden, ist dies in aller Regel nicht mehr möglich.

Nach der Operation kommen mehrere verschiedene Therapien zum Einsatz, um unterstützend die Prognose der Betroffenen zu verbessern. Dazu gehört zum Beispiel die Chemotherapie, aber auch die Immuntherapie. Bei einer Immuntherapie werden dem Betroffenen, ähnlich wie bei einer Impfung gegen Infektionskrankheiten, unschädlich gemachte Tumorzellen aus dem herausoperierten Tumor wieder in den Körper verabreicht. Somit wird er auf die Tumorzellen sensibilisiert, damit sich das Immunsystem besser gegen den Krebs wehren kann. Es kommen zusätzlich auch Medikamente zum Einsatz, welche das körpereigene Abwehrsystem stärken.

Nach abgeschlossener Therapie werden Nachsorgeuntersuchungen durchgeführt, welche zunächst vierteljährlich, dann halbjährlich innerhalb der ersten fünf Jahre nach der Therapie durchgeführt werden. Sie umfassen Untersuchungen wie Ultraschall, Computertomographie des Bauchraumes, Röntgen des Brustkorbes und Blutuntersuchungen.

Wenn der Tumor schon sehr weit fortgeschritten ist, ist eine Operation oft nicht mehr sinnvoll. Anstelle eines chirurgischen Eingriffs werden dann die den Tumor versorgenden Blutgefässe mit einem Gewebekleber verschlossen. Aber auch die oben genannte Chemotherapie und Immuntherapie kommen in einem solchen Fall zum Einsatz.

Insgesamt muss aber angemerkt sein, dass die Entfernung der tumorbefallenen Niere die einzige zur Heilung des Patienten führende Therapie ist. Chemo- und Strahlentherapie kommen eigentlich nur zum Einsatz, wenn eine Heilung nicht mehr möglich ist, aber eine Linderung der Beschwerden und eine Eindämmung des Krebswachstums erreicht werden soll.

Zum SeitenanfangPrognose

Je kleiner und weniger fortgeschritten der Tumor ist, umso besser sind die Heilungsaussichten. Sind bereits Metastasen in anderen Organen vorhanden, verschlechtert sich die Prognose deutlich, wobei man in diesem Fall von einer Lebenserwartung von etwa 8-12 Monaten ausgehen kann. Letztendlich werden durch den heute weit verbreiteten Einsatz von Ultraschalluntersuchungen viele der Tumoren bereits in einem frühen Stadium erkannt und können so rechtzeitig behandelt werden.

Autor/in:Jutta Manke, Ärztin
Editor/in:Dr. med. Urspeter Knecht, Arzt
Keywords:Nierenkrebs, Nierenkarzinom, Nieren-Karzinom, Nierenzellkarzinom, Nierenzell-Karzinom, Nierenzellcarcinom, Nierenzell-Carcinom, Niere, Krebs, Nierenzellkrebs, Nierenerkrankung, Nierenkrankheit, Hypernephroides Karzinom, Hypernephrom, Grawitz-Tumor
ICD-10:C64
Zuletzt geändert:05.11.2016Zum Seitenanfang
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