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Urininkontinenz

Synonyme: Urin-Inkontinenz, Harninkontinenz

Zum SeitenanfangAllgemeines

Nieren und Harnwege

Die Urininkontinenz beschreibt den Zustand, bei dem die betroffenen Patienten an einem ungewollten Urinabgang leiden. Dies ist ein sehr häufiges Leiden, das eine von vier Frauen und einen von zehn Männern im Verlauf ihres Lebens betrifft. Damit sind Frauen sehr viel häufiger betroffen. Auch bei jungen Erwachsenen ist sie nicht selten anzutreffen. Obwohl diese Beschwerden sehr häufig auftreten und die Therapie in den meisten Fällen sehr erfolgreich ist, werden sie oft nicht vom Arzt diagnostiziert, da sich viele Leute dafür schämen und ihre Beschwerden dem Arzt nicht mitteilen.

Sie wagen sich oft nicht mehr unter die Leute aus Angst vor einem plötzlichen, ungewollten Harnabgang. Es gibt auch Leute mit der Ansicht, dies sei eine ganz normale Alterserscheinung, was absolut nicht der Wahrheit entspricht.

Da die Pflege von älteren Personen mit Urininkontinenz sehr anstrengend ist, ist dies der häufigste Grund für eine Einweisung in ein Pflegeheim. Sie verursacht zudem oft eine wunde Haut im Genitalbereich. Bei diesen Personen treten auch vermehrt Entzündungen der Harnblase und des Nierenbeckens auf.

Wissenswertes über die Harnblase

Nieren, Harnleiter, Harnblase

Die Harnblase ist ein mit Muskulatur ausgekleidetes Organ, welches innen hohl ist und je nach Füllung seine Form verändern kann. Sie speichert den Harn bis zur Harnentleerung. Das normale Fassungsvermögen, das zunehmenden Harndrang auslöst, beträgt 200-500 ml. Bei der Harnblasenentleerung wird die Muskulatur der Harnblase angespannt. Dadurch werden die Öffnungen zu den beiden Harnleitern verschlossen, damit der Urin nicht zurück in die Nieren fliessen kann. Ausserdem wird auf den Blaseninhalt Druck ausgeübt und der Übergang zur Harnröhre geöffnet. Durch die Harnröhre fliesst der Urin nach aussen.

Die Tätigkeit der Blasenmuskulatur wird durch das Nervensystem gesteuert. Nur ein korrektes Zusammenspiel aller beteiligten Nerven und Muskeln ermöglicht eine gute Speicher- und Entleerungsfunktion der Harnblase. Nervenschäden oder Nervenverletzungen stören dieses Zusammenspiel. Ursachen für eine solche Schädigung können z.B. eine Querschnittslähmung durch Unfall sein, eine fortgeschrittene Zuckererkrankung (Diabetes mellitus) oder auch Operationen, bei denen Nerven verletzt wurden.

Zum SeitenanfangFunktion der Harnwege

Im Produktionsort des Urins, den Nieren, entstehen konstant kleine Mengen von Urin, welcher aus den Nierenbecken über die Harnleiter in die Harnblase abfliesst. Diese hat die Aufgabe eines Reservoirs, das den Urin sammelt und zwischenspeichert. Hat sich eine genügend grosse Menge Urin in der Harnblase angesammelt, wird durch die Dehnung der Blasenwand ein Reiz zum Wasser lassen ausgelöst. Dieser kann in jungen Jahren besser unterdrückt werden als im hohen Alter und damit der Zeitpunkt zum Wasser lassen selber bestimmt werden. Beim Gang auf die Toilette wird einerseits der Verschluss der Harnblase geöffnet, und anderseits zieht sich die Harnblasenwand zusammen und beschleunigt so die Entleerung des Harns.

Durch ein Zusammenziehen der Harnblase werden gelegentlich "falsche" Befehle zum Wasserlassen ausgelöst, die vom Rückenmark, das als zentrale Schaltstelle für den gesamten Vorgang wirkt, als falsch erkannt und gestoppt werden. Bei älteren Leuten funktioniert diese Kontrolle immer weniger, und dadurch geht ab und zu unwillentlich Harn ab. Dazu kommt, dass mit steigendem Alter die Harnblase weniger dehnbar wird und somit weniger Urin speichern kann, weshalb schneller ein Harndrang ausgelöst werden kann. Bei älteren Frauen kann aufgrund eines Östrogenmangels der Verschluss der Harnblase undicht werden. Deswegen kann, sobald sich die Blase zu füllen beginnt, der Urin nicht mehr gehalten werden.

Bei Männern vergrössert sich häufig die Prostata mit steigendem Alter zunehmend (Prostatahyperplasie), was die Harnröhre einengt und deshalb zu erschwertem Wasserlassen führen kann.

Zum SeitenanfangArten der Inkontinenz

Die Inkontinenz kann sich entweder rasch oder über längere Zeit entwickeln. Einige Arten der Inkontinenz treten plötzlich auf, meist im Rahmen einer anderen Erkrankung, und verschwinden auch wieder, wenn die Krankheit erfolgreich behandelt ist. Das häufigste Beispiel ist der Harnwegsinfekt (Blasenentzündung, Nierenbeckenentzündung), der sehr viel häufiger bei der Frau auftritt. Auch schwere Infektionskrankheiten wie zum Beispiel eine Lungenentzündung (Pneumonie), schwere Verstopfung (Obstipation), oder der exzessive Konsum von alkoholhaltigen oder koffeinhaltigen Getränken kann zu einer vorübergehenden Urininkontinenz führen.

Anhand der auftretenden Symptome wird die Harninkontinenz in drei Typen eingeteilt: Die Stressinkontinenz, die Drang- oder Urgeinkontinenz und die Überlaufinkontinenz. Es existieren wie meistens auch gemischte Formen dieser drei Typen.

Zum SeitenanfangStressinkontinenz

Allgemeines und Symptome

Bei der Stressinkontinenz handelt es sich nicht um eine Inkontinenz, die durch psychischen Stress ausgelöst wird. Vielmehr ist dabei der Stress gemeint, der bei körperlicher Anstrengung auf die Blase ausgeübt wird. Wird beispielsweise ein schwerer Gegenstand vom Boden angehoben, gehustet oder gelacht, entsteht im Bauchraum ein höherer Druck, der die Harnblase zusammenpresst. Ist der Verschlussmechanismus der Blase zum Beispiel durch einen Östrogenmangel bei älteren Frauen bereits nicht mehr voll funktionsfähig, kann in diesen Situationen der Blasenverschluss überfordert werden und ungewollt Urin abgehen. Die Stressinkontinenz kommt jedoch nicht nur bei älteren Leuten vor, sondern ist der häufigste Grund für Inkontinenz bei jungen Frauen und Frauen im mittleren Alter. Die Ursache hierfür ist meist eine Bauchoperation, eine unübliche Lage der Gebärmutter oder eine Geburt.

Leiden Männer an einer Inkontinenz, was deutlich weniger häufig vorkommt als bei Frauen, wurde meistens bei einer Prostataoperation die Harnröhre oder der untere Teil der Harnblase beschädigt. Bei Männern wie bei Frauen können die Symptome durch Übergewicht verschlimmert werden.

Therapie

Eine langfristig erfolgreiche Therapie ist schwierig, wenn die Faktoren, welche die Stressinkontinenz begünstigen nicht ausgeschaltet werden können. Dazu gehören unter anderem körperliches Übergewicht, schweres körperliches Arbeiten und chronischer Husten. Deshalb müssen diese Probleme als erstes angegangen werden.

Der zweite Grundstein einer erfolgreichen Therapie liegt in einer gesunden, das heisst kräftigen Beckenbodenmuskulatur. Ist der Beckenboden nicht genügend kräftig, wird er im höheren Lebensalter dem Druck der Organe, vor allem der Gebärmutter, nachgeben und absinken.

Weil dadurch der Blasenverschluss beeinträchtigt wird, ist in dem Zustand eine erfolgreiche Therapie nicht möglich. Das Training der Beckenbodenmuskulatur wird am besten durch eine erfahrene Physiotherapeutin angeleitet und in einer Gruppe durchgeführt. Das Training fällt so den Einzelnen meist leichter und wirkt einer sozialen Isolation der Betroffenen entgegen. Zur Unterstützung des Beckenbodentrainings können auch kleine, tamponförmige Gewichte in die Scheide eingelegt werden, die dann zum Training der Muskulatur am eingelegten Ort gehalten werden müssen.

Die Gebärmutter ist das Organ, welches den grössten Druck auf die Beckenbodenmuskulatur ausübt. Bei Frauen, welche sich nicht mehr im gebärfähigen Alter befinden, kann deshalb auch eine Gebärmutterentfernung die Symptome deutlich lindern.

Wenn die Erkrankung bereits weit fortgeschritten ist, das heisst, wenn die Betroffenen bereits in liegender Position, beim Sitzen oder im ruhigen Stehen Urin verlieren, stehen eine Vielzahl von chirurgischen Therapiemöglichkeiten zur Auswahl.

Eine Methode, das Einlegen einer TVT-Plastik (Gynecare TVT®), hat sich jedoch in den letzten Jahren zunehmend durchgesetzt und verbucht sehr hohe Erfolgsraten. Dabei wird unter lokaler Betäubung, die Frau ist also während der Operation bei vollem Bewusstsein, ein Kunststoffband um die Harnröhre gelegt. Zur Kontrolle, ob das Band der Harnröhre genügend eng anliegt, wird die Patientin während der Operation aufgefordert zu Husten und, falls immer noch etwas Urin abgeht, das Band noch etwas enger angelegt.

Zum SeitenanfangDranginkontinenz (Urge-Inkontinenz)

Allgemeines und Symptome

Bei dieser Form der Inkontinenz ist der Blasenverschluss voll funktionsfähig und somit, im Unterschied zur Stressinkontinenz, nicht das Problem. Hier liegt das Problem bei der Blase selbst, die sich ohne Grund plötzlich zusammenzieht, damit einen Harndrang verursacht und sich entleert.

Eine Untergruppe der Dranginkontinenz, die so genannte sensorische Form, führt zum andauernden Harndrang ohne ungewollten Urinverlust, wie dies zum Beispiel bei der Blasenentzündung vorkommt. Die Füllrezeptoren in der Blasenwand melden andauernd die falsche Information über das Vorhandensein einer so grossen Urinmenge, dass die Harnblase entleert werden müsse.

Therapie

Bei der Dranginkontinenz muss unbedingt zuerst die Grunderkrankung, also zum Beispiel ein vorliegender Harnwegsinfekt, behandelt werden. Es sollten ebenfalls alle Medikamente, die eine Blasenentleerungsstörung verursachen können, abgesetzt werden.

Tritt dann keine Verbesserung der Beschwerden ein, wird eine symptomatische Therapie durchgeführt, die jedoch oft wenig Erfolg hat. Durch Entspannungsübungen sowie durch regelmässiges Wasserlassen "nach der Uhr" können bei der sensorischen Dranginkontinenz die Phasen des Harndrangs verhindert werden. Mit Hilfe eines Blasentrainings, bei dem das Wasserlösen bei Harndrang um eine Minute in der ersten Woche, zwei Minuten in der zweiten Woche usw. hinausgezögert wird, kann Schritt um Schritt die Kontrolle über den Vorgang erreicht werden. Auch die Trinkmenge, die Zeit in der sie getrunken wird und die Art des Getränkes haben einen Einfluss auf das kontrollierte Wasser lassen.

In hartnäckigen Fällen können auch Medikamente zur Linderung der Beschwerden beitragen. Da bei der sensorischen Form psychosomatische Aspekte häufig eine grosse Rolle spielen, sind diesbezügliche Probleme unbedingt anzugehen.

Zum SeitenanfangÜberlaufinkontinenz

Allgemeines und Symptome

Die Überlaufinkontinenz entsteht durch eine Harnentleerungsstörung, infolge der die Blase überfüllt wird und "überläuft". Es entsteht ein andauerndes Harnträufeln aus der Blase, die wegen der Überfüllung vergrössert und prall gefüllt ist. Drückt man auf den Unterbauch dieser Personen, verstärkt sich das Tröpfeln. Die Überlaufinkontinenz entsteht meist durch eine gutartige Vergrösserung der Prostata im Alter (Prostatahyperplasie), welche die Harnröhre zudrückt, oder durch einen bösartigen Tumor der Harnröhre oder er Harnblase.

Therapie

Liegt eine Grunderkrankung wie eine Prostatahyperplasie oder ein Tumor der Harnblase oder der Harnröhre als Ursache vor, muss diese zuerst behandelt werden. Diese Therapien finden sie im Kapitel der Prostatahyperplasie und des Blasentumors. Zur Entlastung der Harnblase kann ein Katheter eingeführt werden, der den Harn ableitet.

Autor/in:Dr. med. Urspeter Knecht, Arzt
Keywords:Urininkontinenz, Urin-Inkontinenz, Harninkontinenz, Harn-Inkontinenz, Inkontinenz, Inkotinenz, Inkontinez, Stressinkontinenz, Stress-Inkontinenz, Urgeinkontinenz, Urge-Inkontinenz, Dranginkontinenz, Drang-Inkontinenz, Überlaufinkontinenz, Harndrang, Blasenschwäche
ICD-10:N39.4, N39.3
Zuletzt geändert:05.11.2016Zum Seitenanfang
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