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Schmerzbetäubung bei Behandlungen - gibt es Alternativen zur Spritze?

Bildquelle: Akupunktur01 © B. Wylezich / Fotolia.com
Schmerz-Akkupunktur

Deutschland bietet nach wie vor eine sehr hochwertige gesundheitliche Versorgung. Durch wissenschaftlichen Fortschritt können Krankheiten zurückgedrängt werden und auch schwere Erkrankungen lassen sich besser behandeln. Bei verschiedenen medizinischen Eingriffen und Operationen ist jedoch eine Betäubung dringend notwendig, da die Behandlung selbst sonst starke Schmerzen hervorrufen würde. Dass diese Einsicht gerade in den letzten 20 Jahren sehr stark in den Vordergrund rückt, beweisen die GBE-Zahlen, die das Anästhesie Netz Deutschland veröffentlicht hat. Demnach ist die Zahl der Anästhesisten zwischen 1991 und 2011 von 10.140 auf 24.886 angestiegen. Doch wann wird eine Anästhesie eigentlich angewendet und gibt es heute bereits verträgliche Alternativen zur berüchtigten Spritze beim Zahnarzt? Dieser Ratgeber soll die Möglichkeiten sowie die vielfältigen im Bereich der Betäubung etwas beleuchten.

Zum SeitenanfangFür welche Eingriffe ist die Schmerzbetäubung wichtig?

Die Anzahl und Art der verschiedenen Behandlungen sowie Operationen mit Anästhesiebedarf ist sehr vielfältig. Dabei lassen sich ambulante und stationäre Eingriffe sowie die Vollnarkose und die örtliche Betäubung (Lokalanästhesie) unterscheiden. Darüber hinaus kommt es gerade bei kleineren Eingriffen auch immer auf den Einzelfall an. Die folgende Tabelle beschreibt ausgewählte operative Eingriffe mit ihrer Ausführungsmethode und der bevorzugten Anästhesieart an:

Tabelle 1: Ausgewählte Behandlungen und die Art der Betäubung
Behandlung Ausführung Betäubung
Mandel-Op (Tonsillektomie) stationär im Normalfall Vollnarkose
Weisheitszahn-Op ambulant Vollnarkose oder Lokalanästhesie
Entfernung der Gallenblase überwiegend stationär Vollnarkose
Entfernung von Muttermalen ambulant Lokalanästhesie
Operation bei einem Glaukom sowohl ambulant als auch stationär Vollnarkose oder Lokalanästhesie

Zum SeitenanfangWelche Methoden existieren in der Anästhesie?

Bildquelle: Beautiful patient receives anaesthetic © Herjua / Fotolia.com
Möglichkeiten der Schmerzbetäubung

Die Möglichkeiten im Bereich der Anästhesie haben in den letzten Jahren stark zugenommen und geben den Spezialisten ganz neue Instrumente in die Hand. Natürlich hängt es letztlich sehr vom Eingriff ab, welche Art der Schmerzbetäubung letztlich angewendet wird. Folgende Methoden sind dabei gängig:

1. Allgemeinanästhesie (Vollnarkose)

Die Vollnarkose besteht aus einer Kombination verschiedener Medikamente, die in Summe den gewünschten Zustand herbeiführen. Laut der Beschreibung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf werden Schlafmittel mit Schmerzmitteln, Medikamenten zur Muskelerschlaffung sowie Mitteln zu Beeinflussung des vegetativen Nervensystems gemeinsam verabreicht. Die Beatmung während der Vollnarkose erfolgt entweder über eine Gesichtsmaske oder über einen Tubus (bei längeren Eingriffen).

Einsatzgebiete: Hauptsächlich bei komplizierten Eingriffen, für die keine minimal-invasiven Operationstechniken infrage kommen.

2. Spinalanästhesie

Bei der Spinalanästhesie werden nur die Nerven betäubt, die vom Rückenmark bis zur Operationsregion reichen. Zu diesem Zweck spritzt der Anästhesist ein Betäubungsmittel in Bereich der Lendenwirbelsäule, der mit Nervenflüssigkeit gefüllt ist (Liquor-Raum). Auf diese Weise lassen sich beispielsweise Beine, der Beckenbereich und auch der Unterleib sehr gezielt betäuben. Reicht die Art der Betäubung nicht aus, erfolgt im Normalfall eine Kombination mit einer Allgemeinanästhesie.

Einsatzgebiete: Unkomplizierte Eingriffe unterhalb des Bauchnabels.

3. Periduralanästhesie (PDA)

Die Methode ähnelt der Spinalanästhesie sehr. Hier wird jedoch das Betäubungsmittel in die Wirbelsäule nahe der zu betäubenden Nervenbahnen gespritzt. Zu diesem Zweck punktiert der Anästhesist die Einstichstelle (vorher leicht betäubt) per dünner Nadel und führt daraufhin einen dünnen Schlauch ein, über den das Schmerzmittel eingeleitet wird. Auf diese Weise lässt sich gut eine örtliche Betäubung erreichen.

Einsatzgebiete: Ähnliche Einsatzgebiete wie bei der Spinalanästhesie. Zusätzlich können hier aber auch Operationen am Oberkörper und am Bauch begleitet werden.

4. Infiltrationsanästhesie

Diese Form der örtlichen Betäubung findet man hauptsächlich beim Zahnarzt vor. Der Arzt betäubt mit dem Anästhetikum en Bereich um die Einstichstelle. Da hierfür das Betäubungsmittel jedoch in den Knochen eindringen muss, ist dies nur in Kieferbereichen möglich, in denen die Knochenschicht dies zulässt.

Einsatzgebiete: Zahnbehandlungen am Oberkiefer sowie am frontalen Unterkiefer.

5. Leitungsanästhesie

Bei dieser Art der Betäubung in der Zahnmedizin wird das Anästhetikum in die Nähe des Nervs gespritzt, der für die Versorgung des entsprechenden Kieferbereiches verantwortlich ist. Eine solche Anästhesie sorgt oftmals für Taubheitsgefühle in der Unterlippe und partiell auch auf der Zunge.

Einsatzgebiete: Zahnbehandlungen am Unterkiefer oder in größeren Kieferbereichen.

Nahezu allen Arten der Anästhesie haben gemeinsam, dass die Betäubung per Spritze erfolgt. Bei großen Operation stellt dies kein so großes Problem dar, weil der Anästhesist Körperstellen wählen kann, die nicht so schmerzempfindlich sind. Zur Not kann die Einstichstelle selbst lokal oberflächlich betäubt werden. Im Bereich der Zahnbehandlungen kann eine Anästhesie mittels Spritze jedoch durchaus für Angstschweiß sorgen. Aus diesem Grund hat die Wissenschaft gerade für Zahnärzte einige andere Methoden entwickelt, die mitunter deutlich schonender ausfallen.

Zum SeitenanfangAlternativen zur klassischen Anästhesie beim Zahnarzt

Bildquelle: Pulp disease, root canal treatment. Young woman at dentist © Stasique / Fotolia.com
Junge Frau beim Zahnarzt

Glücklicherweise gibt es heute eine ganze Reihe von Verfahren der Schmerzbetäubung, welche ohne die gefürchtete Spritze auskommen. Im Folgenden wird eine kleine Auswahl vorgestellt:

1. Anästhesie per Hypnose

Auch wenn die Hypnose lange Zeit eher als Scharlatanerie galt, ist sie mittlerweile ein in der Fachwelt anerkanntes therapeutisches Mittel. Mittlerweile setzen auch zahlreiche Zahnärzte in Deutschland auf die Option der Anästhesie per Hypnose. Zu diesem Zweck werden vor dem Eingriff zwei bis drei Lehrhypnosen durchgeführt, um einfacher in Trance zu geraten.

Steht der Eingriff tatsächlich an, werden die Patienten unterstützt durch eine Entspannungs-CD über Kopfhörer in den Trance-Zustand versetzt. In diesem sind die Bohrgeräusche kaum noch zu hören und der Stresslevel sinkt deutlich. Die zusätzliche Gabe einer kleinen Dosis Schmerzmittel bemerken die Patienten ebenfalls nicht. Ist der Eingriff beendet, wird die Hypnose wieder aufgehoben und viele Betroffene fühlen sich danach sehr entspannt, was gerade bei Zahnarztangst sehr hilfreich ist. Nach Informationen auf Ergodirekt wird diese beliebte Methode der Anästhesie aktuell leider noch nicht von der gesetzlichen Krankenversicherung bezahlt und muss privat abgesichert oder bezahlt werden.

2. Anästhesie per Lachgas

Die Anästhesie per Lachgas (N20 = Distickstoffoxid) ist gerade in den USA eine sehr weit verbreitete Methode und gehört zudem zu den ältesten Betäubungsmöglichkeiten bei Zahnarzt. Im Normalfall erhält der Patient dabei eine Beatmung mit einem Gemisch aus 50% Lachgas und 50% Sauerstoff. Auf diese Weise wird der Bertoffene in einen Dämmerschlaf versetzt, der dann problemlos eine örtliche Betäubung ermöglicht. Für leichtere Eingriffe oder als unterstützende Methode zur Betäubung ist diese Option durchaus interessant.

Zum SeitenanfangFazit

Grundsätzlich ist eine Betäubung bei Behandlungen und Operationen ein Segen der Medizin. Nur auf diese Weise wurden langwierige und sorgfältige Eingriffe überhaupt möglich, da der Patient keine Schmerzen mehr wahrnimmt. Trotzdem löst gerade bei Zahnarztpatienten auch die Gabe des Betäubungsmittels per Spritze Angstzustände aus. Doch auch hier hat sich die Medizin in den letzten Jahren entwickelt und echte Alternativen entwickelt. Ob nun Hypnose oder Lachgas - beide Methoden bieten dem Zahnarzt die Möglichkeit, auf schonende Art und Weise die Betäubung einzuleiten und daraufhin den nötigen Eingriff mit Lokalanästhesie durchzuführen. Dies ist gerade im Interesse der Zahngesundheit von Menschen mit Zahnarztangst ein echter Fortschritt.

Autor/in:Anna Heiniger
Keywords:Schmerzbehandlung, Schmerzbetäubung, Anästhesie, Vollnarkose, Spinalanästhesie, Periduralanästhesie, PDA, Infiltrationsanästhesie, Leitungsanästhesie, Anästhesie durch Hypnose, Anästhesie durch Lachgas, Schmerzmittel
Zuletzt geändert:25.03.2016Zum Seitenanfang
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