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Schematherapie - eine neue Therapieform zeigt vielversprechende Ergebnisse

Bildquelle: Pixabay.com © McLac2000 (CC0 1.0)
Schematherapie, Borderline-Patienten

Die Zahl psychischer Erkrankungen nimmt in der Bevölkerung immer mehr zu. Gleichzeitig ist aber auch die Zahl der Therapieangebote gestiegen: Depressionen, Angststörungen und Persönlichkeitsstörungen werden immer öfter entdeckt und entsprechend behandelt. Doch oft ist eine solche Behandlung langwierig und ihr positiver Ausgang unsicher. Auch nach jahrelanger Therapie können manche Patienten keine Besserung ihrer Leiden verzeichnen. Abhilfe schafft hier ein neues Konzept, dass bei einigen Störungen sehr vielversprechende Erfolge erzielt. Die Schematherapie stellt ihre Effizienz in verschiedenen Studien und in ihrer alltäglichen Anwendung unter Beweis.

Zum SeitenanfangSchemata erklären Patienten ihr Verhalten

Grundsätzlich lassen sich bei Therapien, die die Krankenkasse bezuschusst, zwei Richtungen unterscheiden. Verhaltenstherapeutische Ansätze versuchen, bei den Patienten eine Änderung ihrer Handlungsweisen zu bewirken. Durch diese Änderung soll die psychische Krankheit überwunden werden. Psychoanalytische und tiefenpsychologisch fundierte Verfahren gehen stattdessen davon aus, dass die Gründe für psychische Erkrankungen in der Biografie der Patienten zu suchen sind. Dementsprechend richten sie ihre Therapie auf Kindheitserfahrungen und Traumata und helfen ihren Patienten, indem diese aufgearbeitet und so überwunden werden. Die Schematherapie ist eine der ersten Formen, die beide Ansätze integriert: Sie arbeitet sowohl im Hier und Jetzt als auch mit den Kindheitserfahrungen der Patienten.

Die Schematherapie wurde 1990 von Jeffrey E. Young entwickelt und zielte in ihrer ursprünglichen Anwendung auf die Therapie von Persönlichkeitsstörungen ab. Ihren Namen erhält die Therapie davon, dass sie davon ausgeht, dass jeder Mensch bestimmte Grundschemata hat, nach denen er handelt. Diese Schemata hat er in seiner Kindheit erworben, und sie finden in zwischenmenschlichen Kontakten ihre Anwendung. Bei schlimmen Kindheitserfahrungen oder Traumata bilden Menschen sogenannte "maladaptive Schemata" aus: Sie reagieren mit einem Verhalten, das ihnen nicht guttut, beispielsweise mit der absoluten Unterwerfung unter ein dominantes oder aggressives Elternteil. Funktioniert dieses Verhalten in der Kindheit, verfestigt es sich und wird zu einem Schema. Dieses maladaptive Schema wird dem Erwachsenen später zur Last und führt im schlimmsten Fall zu einer psychischen Krankheit.

Zum SeitenanfangBorderline-Patienten profitieren von der Flexibilität des Verfahrens

Young geht davon aus, dass jeder Mensch viele solcher Schemata besitzt, die in unterschiedlichen Situationen zum Einsatz kommen und sich quasi automatisch abspielen. In der Schematherapie lernt der Patient mithilfe seines Therapeuten, eigene Schemata als hinderlich zu erkennen. Dabei werden auch die Kindheitserfahrungen einbezogen, und der Patient erfährt Trost und Rückversicherung bei seinem Therapeuten. In einem zweiten Schritt versucht der Patient, mithilfe des Therapeuten diese Schemata im Alltag zu überwinden. Dazu führt er ein Tagebuch und kann auch zwischen den Therapiestunden E-Mail-Kontakt zu seinem Therapeuten pflegen.

Besonders Borderline-Patienten profitieren von dieser Therapieform, weil die Borderline-Störung eine komplexe Persönlichkeitsstörung ist, die sich sehr unterschiedlich äußert. Die Arbeit mit den Schemata bietet ausreichende Flexibilität, um die unterschiedlichen Ausprägungen der Krankheit zu erfassen. Laut dem Spiegel-Artikel "Heilende Reise in die Kindheit" wurde in mehreren Studien die Wirksamkeit der Schematherapie bei Borderline-Patienten bewiesen. So sollen Patienten mit einer Schematherapie wesentlich schneller keine Merkmale der Persönlichkeitsstörung mehr aufweisen als bei anderen Therapieformen. Aber auch andere Krankheiten wie die narzisstische Persönlichkeitsstörung, Depressionen, Angststörungen und Essstörungen sollen durch die Schematherapie therapiert werden können.

Wegen dieser positiven Befunde lassen sich immer mehr Therapeuten in dieser Therapieform ausbilden. In Deutschland gibt es unter anderem in Berlin und in Frankfurt am Main Fortbildungsinstitute für die Schematherapie. Außerdem integrieren immer mehr Kliniken die Schematherapie in ihr Behandlungskonzept. Dementsprechend setzen immer mehr Stellenanzeigen für Psychologen und psychotherapeutisch arbeitende Ärzte eine Schematherapieausbildung voraus oder integrieren diese in die Ausbildung ihres Personals. Inwieweit diese Therapieform nicht nur Borderlinern, sondern auch Patienten mit anderen psychischen Leiden hilft, wird sich durch die Verbreitung der Therapie und in empirischen Studien in Zukunft zeigen.

Autor/in:Anna Heiniger
Zuletzt geändert:25.03.2016Zum Seitenanfang
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