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Prothesen aus dem 3D Drucker – eine große Hilfe für Menschen mit Handicap

Der 3D-Drucker könnte die bedeutendste Erfindung des 21. Jahrhunderts sein. Noch befindet sich diese Technologie in ihrem Anfangsstadium. Sie zeigt aber schon jetzt, dass ein 3D-Drucker beeindruckende Dinge wie zum Beispiel eine Prothese produzieren kann. Für Menschen, die einen Teil ihres Körpers verloren haben, sind sie eine Notwendigkeit, um wie jede andere Person zu leben. Doch die Körperersatzteile sind im Regelfall teuer, da sie für den Patienten angefertigt werden müssen. In Zukunft könnte diese Aufgabe der 3D-Drucker übernehmen.

Seit Jahren häufen sich die Beiträge zum Thema 3D-Drucker und der Möglichkeit, mit ihrer Hilfe die verschiedensten Artikel selbst herstellen zu können. In der nahen Zukunft könnten die Drucker ganze Häuser erstellen. Durch die sinkenden Investitionskosten für einen 3D-Drucker, der inzwischen für unter 1.000 Euro zu haben ist, könnte er bald in jedem Haushalt stehen. Menschen mit Handicap wären in der Lage, ihre Prothese selbst zu drucken. Das ist insbesondere für Kinder wichtig, deren Körper sich noch im Wachstum befindet und regelmäßig ein neues Ersatzkörperteil benötigt.

Zum SeitenanfangDer restriktive Zugang zu Prothesen

In Deutschland gibt es mehr als 150.000 Menschen, die mit einer Beinprothese ihren Alltag bewältigen. Doch nicht jeder Mensch kann sich eine Prothese mit Hightechkniegelenk für 20.000 Euro leisten.

Nicht nur die hohen Preise machen hochwertige Prothesen zu einem Luxusgut, auch die Bestimmungen der Krankenkassen sind keine große Hilfe.

Prothesen gehören grundsätzlich zu den medizinischen Hilfsmitteln, auf die gemäß Sozialgesetzbuch V § 33 Abs. 1 Satz 1 jeder Mensch einen Anspruch hat. Der behandelnde Arzt stellt zunächst die Verordnung der Prothese aus. Ein Orthopädietechniker übernimmt die praktische Versorgung und erstellt auf Basis der ärztlichen Verordnung einen Kostenvoranschlag für das Ersatzkörperteil.

Jeder Patient hat einen Anspruch darauf, eine Prothese zu erhalten, die auf dem neusten Stand der Technik ist. Seine verlorene Körperfunktion ist so wiederherzustellen, dass er mit seinen Mitmenschen gleichziehen kann. Eine Ablehnung aufgrund eines zu hohen Preises darf nicht erfolgen. Und doch gibt es zahlreiche Fälle, in denen die Krankenkasse die Versorgung ablehnt. Dann müssen Patienten Widerspruch einlegen. Bei einer erneuten Ablehnung geht der Fall vor das zuständige Sozialgericht.

Zum SeitenanfangDen Datensatz für den 3D-Druck besorgen

Wer vor Gericht erfolglos bleibt oder sich den Aufwand ersparen möchte, kann eine Prothese über den 3D-Druck realisieren. Dieser unterscheidet sich vom klassischen Ausdruck einer Grafik oder eines Artikels in einer wichtigen Hinsicht: Der Datensatz muss dreidimensional vorliegen.

Es gibt Menschen wie der Informatikstudent Jordan Nickerson, die sich problemlos eine eigene Handprothese drucken können. Sie besitzen die notwendigen Kenntnisse, um eine Prothese zu entwickeln – doch dieses Wissen fehlt dem Otto-Normalverbraucher.

www.youtube.com/watch

Für alle anderen Menschen gibt es glücklicherweise fertige Designs, die sie im Internet herunterladen und verwenden können. Ein solches Design ist zum Beispiel The Raptor Hand von e-NABLE, welche auf thingiverse.com zum Download bereitsteht.

Der genannte Datensatz wird, genauso wie alle anderen Entwürfe, nach dem Prinzip der kostenlosen Verbreitung angeboten. Ziel ist es, Menschen mit Handicap zu helfen, ohne einen finanziellen Nutzen daraus zu ziehen.

Zum SeitenanfangOpen-Source vs. moderne Forschung

Die frei im Internet erhältlichen Designs werden immer wieder mit modernen Prothesen verglichen, die mehrere tausend Euro kosten. Bereits beim Anblick wird klar, dass zwischen den beiden Varianten Welten liegen.

Moderne Handprothesen zum Beispiel erfassen elektrische Signale aus der Kontraktion von Muskeln. Bei hochwertigen Prothesen sind eingebaute Sensoren in der Lage, Feedback zu geben. Die Open-Source-Hände aus dem 3D-Drucker funktionieren mit simpler Mechanik: Die Handgelenkbewegung wird auf Fäden übertragen, damit sich die Hand schließt. Dank der simplen Funktion können selbst Laien die Einzelteile zusammenbauen.

Die simple Konstruktion reduziert die Kosten auf einen zwei- bis dreistelligen Bereich. Einige Handprothesen sind folglich für weniger als 100 Euro erhältlich. Durch die niedrigen Produktionskosten eignen sich die simplen Prothesen aus dem 3D-Drucker insbesondere für Kinder. Diese befinden sich noch in der Wachstumsphase und müssen ihre Prothese jährlich austauschen – für Eltern oder die Krankenkasse wären das kaum bezahlbare Kosten.

Zum SeitenanfangFortschritte in der Forschung dank 3D-Druck

Nicht alle Prothesen sind so simpel wie die kostengünstigsten Varianten, die im Internet erhältlich sind, wie die Abschlussarbeit eines Industriedesigners zeigt. Dieser war mit den aktuell erhältlichen Prothesen nicht zufrieden und versuchte, eine bessere, kostengünstigere und dazu noch anpassungsfähige Alternative zu erstellen.

Bei seiner Version einer Beinprothese können einzelne Fraktale ausgetauscht und farblich gestaltet werden. Der Hintergrund: Patienten sollen die Prothese nicht verstecken. Seiner Ansicht nach soll sie ein neues Körperteil werden. Für einen Preis von rund 500 Euro ist der Entwurf zwar teurer als die günstigen Designs im Internet, aber immer noch preiswert im Vergleich zu den teuren Versionen, für die Krankenkassen zehntausende Euro zahlen.

Der Fall des Absolventen der Hochschule Pforzheim zeigt, dass der 3D-Druck den Bereich Prothesen vorantreibt, weil jeder fähige Mensch eigene Produkte entwerfen und diese produzieren kann.

Zum SeitenanfangKrankenhaus setzt auf 3D gedruckte Prothesen

Von Prothesen aus dem 3D-Drucker profitieren nicht nur Verbraucher, die sich keine teuren Ersatzkörperteile leisten können oder wollen. Die Paracelsus-Klinik Henstedt-Ulzburg bietet ihren Patienten seit Anfang 2016 3D gedruckte Knieprothesen aus Titan an.

Diese Knieprothesen sind seit drei Jahren auf dem amerikanischen Markt erhältlich. In Deutschland arbeiten derzeit nur zwei Kliniken mit diesen neuen Produkten. Jüngere Patienten bis 65 Jahre profitieren von den Titan-Prothesen, weil sie den Knochenerhalt garantieren. Patienten können ihr Knie von Anfang an und ohne Kompromisse voll belasten.

In den kommenden Jahren könnten 3D gedruckte Prothesen immer mehr Menschen helfen, normale Körperfunktionen zurückzugewinnen. Je mehr Kliniken die neue Technologie nutzen und je schneller die Krankenkassen für 3D gedruckte Prothesen bezahlt, desto größer sollten die Fortschritte in diesem Bereich sein.

Autor/in:Anna Heiniger
Keywords:Prothesen, 3D Drucker, künstliche Körperteile aus dem 3D Drucker, kostengünstige Körperteile
Zuletzt geändert:13.07.2016Zum Seitenanfang
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