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Pathologisches Spielen – was lässt sich dagegen tun?

Glücksspiel ist für viele Menschen einfach nur ein Freizeitvergnügen? Was aber, wenn das Vergnügen zur Sucht wird und sich nicht mehr kontrollieren lässt? Der Grat zwischen diesen beiden Welten ist sehr schmal – und ein Abdriften kündigt oftmals schleichend an.

Bild: Roulette gilt als eines der klassischen Glücksspiele und bringt einen gewissen Suchtfaktor mit sich. Quelle: Lisa S. – 269969453 / Shutterstock.com
Tisch in Aktion

Eine halbe Million Menschen in Deutschland sind spielsüchtig. Das stellt die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler fest, wie die Osnabrücker Zeitung berichtet. Besonders gefährdet sind demnach Langzeitarbeitslose, junge Männer mit ausländischen Wurzeln und Personen mit einem niedrigen Bildungsabschluss. Besorgt zeigt sich die Drogenbeauftragte angesichts der Tatsache, dass der Trend bei jungen Menschen nach oben zeige. In dieser Hinsicht spielen auch Online-Glücksspiele eine wichtige Rolle. Mortler fordert deshalb eine bessere Regulierung von Glücksspiel in Deutschland – offline und online.

Doch was ist Spielsucht eigentlich genau, worin bestehen ihre Ursachen und welche effektiven Maßnahmen gibt es gegen pathologisches Spielen?

Infografik: Schulabschlüsse von ambulanten Suchtpatienten in Deutschland 2014, Quelle: eesom.com, ITF, Statista
Schulabschlüsse von Suchtpatienten, Ausbildungsgrad von Suchtpatienten

Zum SeitenanfangWas wird unter Spielsucht verstanden?

Ursprünglich diente Glücksspiel vor allem der Unterhaltung. Dass sich daraus eine Krankheit entwickeln kann, wird seit 2001 auch von Rentenversicherungsträgern und Krankenkassen anerkannt. Das pathologische Glücksspiel gilt heute als eine rehabilitationsbedürftige Krankheit, genauso wie beispielsweise Alkoholismus. Die folgenden Kriterien gelten als entscheidende Merkmale einer Spielsucht:

  • Regelmäßiges Spielen mit immer höheren Einsätzen
  • Starke negative Gefühle bei Versuchen, mit dem Glücksspiel aufzuhören oder dieses einzuschränken
  • Ständige gedankliche Beschäftigung mit dem Thema (zum Beispiel mit möglichen „Taktiken“, Verlusten etc.)
  • Krampfhafte Versuche, Verluste durch das Spielen am nächsten Tag wieder auszugleichen
  • Spielen bei belastenden Gefühlen – zum Beispiel bei depressiver Stimmung, Wut etc.
  • Verlust von Beziehung, Arbeitsplatz oder Ausbildung durch das Glücksspiel

Wie auf den Internetseiten der Allgemeinen Hospitalgesellschaft AG nachzulesen ist, gehören auch das Belügen anderer und die Suche nach finanzieller Unterstützung durch Freunde, Bekannte und Co. zu den typischen Symptomen von pathologischem Glücksspiel. Mitunter kann es bei der Beschaffung von Geld für das Spielen sogar zu kriminellen Handlungen kommen.

Im ICD-10 (International Statistical Classification of Diseases and Related Health) wird pathologisches Glücksspiel folgendermaßen definiert:

“Die Störung besteht in häufigem und wiederholtem episodenhaften Glücksspiel, das die Lebensführung des betroffenen Patienten beherrscht und zum Verfall der sozialen, beruflichen, materiellen und familiären Werte und Verpflichtungen führt.“

Zum SeitenanfangUrsachen und Behandlungsmöglichkeiten

Wie bei vielen anderen Süchten gilt auch bei Spielsucht: Eine einzige Ursache gibt es nicht. Allerdings lassen sich einige zentrale Risikofaktoren für die Krankheit anführen.

 

Mögliche Ursachen

Traumatische Erlebnisse in der Vergangenheit

·         Früher Verlust von Vater oder Mutter

·         Kriegserlebnisse

·         Gewalterfahrungen (körperlich oder physisch)

·         Suchtproblematik naher Verwandter beziehungsweise der eigenen Eltern

Aktuelle Anlässe

·         Wirtschaftliche und finanzielle Schwierigkeiten

·         Beziehungskrisen

·         Krankheit

·         Berufliche und private Veränderungen

·         Verlust von Freunden oder nahen Verwandten

Sonstige Faktoren

·         Genetische Faktoren

·         Suchtpotenzial von Glücksspiel

·         Leichte Verfügbarkeit

Wie sich aus dieser Tabelle bereits ableiten lässt, treten oft verschiedene Ursachen für eine Glücksspielsucht gleichzeitig auf beziehungsweise bedingen sich gegenseitig. Welche Rolle persönliche Veranlagungen beim Entstehen der Krankheit spielen, ist noch nicht endgültig geklärt.

Doch was lässt sich tun, ist der Ernstfall eingetreten? Die moderne Behandlung von Spielsucht kann auf zwei Arten stattfinden:

  • Stationär in einer Klinik
  • Ambulant

Viele Betroffene finden es leichter, aus dem Teufelskreis ihrer Sucht auszubrechen, wenn sie sich für eine bestimmte Zeit in eine Klinik begeben. Allerdings ist dies nicht immer ohne Weiteres möglich. In beiden Fällen kreist eine Therapie der Krankheit um Fragen wie die folgenden:

  • Welche Auslöser für die Glücksspielsucht lassen sich feststellen?
  • Wie lassen sich bestehende Probleme / Konflikte anders in den Griff bekommen?
  • Wie lässt sich die Kontrolle über das eigene Handeln wieder zurückgewinnen?

Wie die  Landesstelle Glücksspielsucht in Bayern anmerkt, ist für viele Suchterkrankte außerdem ein Schuldenmanagement ein wichtiger Bestandteil der Behandlung ihrer Krankheit. Zudem bieten Glücksspieltherapien Beratungen bei rechtlichen Themen, familiären Konflikten etc. an. Schließlich ist das Leben der meisten Betroffenen schon erheblich aus der Bahn geraten, wenn diese eine Therapie beginnen.

Wichtig:  In noch einer weiteren Hinsicht gleicht die Glücksspielsucht anderen Süchten. Sich aus den eigenen Haaren aus dem Sumpf zu ziehen, ist kaum bis gar nicht möglich. Laut dem Glückspielexperten Heinz Patzelt von Sportwettentest.net gehört die Spielsucht zu einer Erkrankung die nur mit Hilfe behandelt werden kann. Dass Selbsthilfegruppen und Freunde beziehungsweise Verwandte dabei unterstützend wirken können, ist dagegen unbestritten.

Zum SeitenanfangWie lässt sich Spielsucht erkennen?

Eine Spielsucht festzustellen, ist gar nicht so leicht – weder bei sich noch bei anderen. Die folgende Tabelle gibt einige Symptome wieder, bei denen es sinnvoll ist, sich Sorgen zu machen:

 

Anzeichen einer Glücksspielsucht

Für andere

 

Die betreffende Person:

·         hat starke Stimmungsschwankungen

·         vernachlässigt Freunde und Familie

·         leiht sich häufig Geld

·         lügt und ist unzuverlässig

·         erweckt den Anschein, sie würde etwas verheimlichen

 

Für den Betroffenen selbst

 

·         Verlust von Kontrolle

·         Immer höhere Einsätze sind notwendig, um die gewünschte Erregung zu spüren

·         Entzugserscheinungen wie Unruhe oder Reizbarkeit

·         Das Spielen dient als Trost in schwierigen Momenten

·         Es wird trotz drohendem Verlust von Beziehungen oder Arbeitsplatz fortgesetzt.

 

Wer meint, er könnte von einer Spielsucht betroffen sein, findet online diverse Selbsttests, die ihm dabei helfen, seinen Verdacht zu überprüfen. Als erste anonyme Anlaufstellen bieten sich auch Foren beziehungsweise Selbsthilfegruppen an.

Davon abgesehen ist es empfehlenswert, sich so schnell wie möglich professionelle Hilfe zu holen. Suchtberatungsstellen bieten ihre Dienste grundsätzlich anonym und kostenlos an. Das bedeutet, dass weder Arbeitgeber noch Familie ohne eigenes Einverständnis etwas von der Erkrankung erfahren. Gleichzeitig helfen Beratungsstellen bei der Suche nach einer geeigneten Therapie

Zum SeitenanfangDas Risiko wird schnell unterschätzt

Mit der Ausweitung des Glücksspielangebots im Internet hat auch die Gefahr, an einer Glücksspielsucht zu erkranken, zugenommen – darauf deuten aktuelle Zahlen hin. Renommierte Anbieter von Online-Casinos und –Sportwetten reagieren darauf, indem sie auf ihren Seiten Selbsttests, Informationen zur pathologischem Glücksspiel und Adressen von Beratungsstellen anbieten. Diejenigen, die bereits mitten in der Krankheit stecken, sind allerdings oft kaum in der Lage, dieses Hilfsangebot wahrzunehmen. Allein deshalb sollten sich Nutzer von Online- und Offlineangeboten gut beobachten und bei kritischen Anzeichen – zum Beispiel einem „Nicht-aufhören-können“ – so schnell wie möglich die Finger vom Spielen lassen.

 

 

Quelle: Lisa S. – 269969453 / Shutterstock.com

Autor/in:Gabriel Löffler
Keywords:Pathologisches Spielen, Spielsucht, schleichender Verlauf, Anzeichen, erkennen, Regelmäßiges Spielen, Suchthilfe, Therapie, Ursachen, Risiko
Zuletzt geändert:08.06.2016Zum Seitenanfang
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