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Schilddrüsenentzündung

Synonyme: Thyreoiditis, akute, subakute oder chronische Schilddrüsenentzündung, fibrosierende Schilddrüsenentzündung, Riesenzellthyreoiditis, Hashimoto-Thyreoiditis, Thyreoiditis de Quervain

Zum SeitenanfangZusammenfassung

Bei einer Schilddrüsenentzündung werden die akute, die subakute und die chronische Schilddrüsenentzündung unterschieden. Alle drei Formen haben verschiedene Ursachen, verschiedene Beschwerden, verschiedene Diagnosewege und verschiedene Behandlungen. Die Diagnose einer Schilddrüsenentzündung wird mittels Gespräch, körperlicher Untersuchung, Ultraschall, Blutuntersuchungen, Gewebeuntersuchung und/oder Schilddrüsenszintigraphie gestellt. Die Behandlung einer Schilddrüsenentzündung hängt von ihrer Form und ihrer Ursache ab. Es können Medikamente, Operationen und/oder ein Schilddrüsenhormonersatz in Tablettenform notwendig sein.

Zum SeitenanfangAllgemeines

Eine Entzündung der Schilddrüse wird in der Fachsprache Thyreoiditis genannt. Verschiedene Ursachen können zu einer Schilddrüsenentzündung führen. Die Schilddrüsenentzündungen werden nach Ursache und Verlauf in akute, subakute und chronische Entzündungen unterteilt. Die eigentliche akute und subakute Schilddrüsenentzündungen sind recht selten. Sie zählen nur etwa ein bis drei Prozent aller Schilddrüsenekrankungen. Bei den meisten Schilddrüsenentzündungen handelt es sich um die schmerzlose, meist unbemerkte chronische Form. Frauen sind bis zu zehn Mal häufiger von einer Schilddrüsenentzündung betroffen als Männer.

Die Schilddrüse

Abbildung: Schilddrüse von der Seite
Schilddrüse von der Seite, Schilddrüse, Nebenschilddrüse, Kehlkopf, Zungenbein, Luftröhre

Die Schilddrüse, auch Thyroidea oder Glandula thyroidea genannt, ist ein kleines, lebenswichtiges Organ unterhalb des Kehlkopfs. Von vorne umfasst sie halbkreisförmig die Luftröhre (siehe Abbildung). Unter der Haut des Halses kann sie getastet werden.

Die Schilddrüse produziert die Schilddrüsenhormone. Kontrolliert wird die Schilddrüse dabei durch die Hirnanhangsdrüse, welche wiederum durch ein bestimmtes Areal des Gehirns, den Hypothalamus, gesteuert wird. Durch diesen Regelkreis wird die Menge an Schilddrüsenhormonen im Blut fein eingestellt. Zur Produktion der Schilddrüsenhormone braucht die Schilddrüse Jod aus der Nahrung.
Die Schilddrüsenhormone regen in fast allen Zellen im Körper den Stoffwechsel an. So nehmen sie Einfluss auf den Zucker-, Fett- und Eiweisshaushalt, den Wärmehaushalt und die Körpertemperatur, das Herz und den Kreislauf, die Gemütsverfassung und die Leistungsfähigkeit, den Magen und den Darm, die Muskeln und das Nervensystem. Beim Kind steuern die Schilddrüsenhormone zudem die Gehirn- und Nervenentwicklung sowie das Knochenwachstum.

Neben den Schilddrüsenhormonen produziert die Schilddrüse mit speziellen Zellen, den C-Zellen, das Calcitonin. Das Calcitonin ist ein Hormon, welches den Kalziumspiegel im Blut senkt. Der Gegenspieler des Calcitonins ist dabei das Parathormon, das den Kalziumspiegel im Blut erhöht. Das Parathormon ist ein Hormon, welches von den Nebenschilddrüsen hergestellt wird.

Akute Schilddrüsenentzündung

Die akute und schmerzhafte Schilddrüsenentzündung tritt innert Stunden bis Tagen auf. Deshalb wird sie akute Schilddrüsenentzündung genannt.

Die akute Schilddrüsenentzündung wird meist durch Bakterien ausgelöst und dann als eitrige Schilddrüsenentzündung bezeichnet. Selten sind andere Erreger wie Pilze oder Parasiten Verursacher einer akuten Schilddrüsenentzündung. Der akuten Schilddrüsenentzündung geht ein bakterieller Infekt irgendwo im Körper, meist aber im Hals, voraus. Die Bakterien von diesem Infekt werden mit dem Blut oder der Lymphflüssigkeit in die Schilddrüse transportiert. In der Schilddrüse verursachen diese Bakterien dann eine akute Schilddrüsenentzündung.

Eine akute Schilddrüsenentzündung kann aber auch nach einer Radiojodtherapie auftreten. Eine solche Schilddrüsenentzündung tritt etwa nach einer von hundert Radiojodtherapien auf. Es wird in diesem Fall von einer nicht-eitrigen Schilddrüsenentzündung oder einer Strahlenthyreoiditis gesprochen.

Sehr seltene Ursachen einer akuten Schilddrüsenentzündung sind Verletzungen, Schilddrüsentumoren oder Ableger von bösartigen Tumoren anderer Organe in der Schilddrüse.

Subakute Schilddrüsenentzündung

Die subakute Schilddrüsenentzündung entsteht nicht so plötzlich wie die akute Schilddrüsenentzündung. Deshalb wird von einer subakuten Schilddrüsenentzündung gesprochen. Auch sie ist schmerzhaft.
Die subakute Schilddrüsenentzündung tritt meist etwa 14 Tage nach einem Infekt der oberen Atemwege auf, weshalb Viren als Auslöser verdächtigt werden. Die genaue Ursache dieser Erkrankung ist aber bisher nicht bekannt. Die subakute Schilddrüsenentzündung wird auch Thyreoiditis de Quervain oder Riesenzellthyreoiditis genannt. Sie ist eine seltene Form der Schilddrüsenentzündung. Frauen sind etwa fünf Mal häufiger betroffen als Männer. Betroffene sind meist im Alter von 30 bis 50 Jahren.

Chronische Schilddrüsenentzündung

Die chronische Schilddrüsenentzündung entwickelt sich langsam über Wochen bis Monate. Deshalb wird sie chronische Schilddrüsenentzündung genannt. Im allgemeinen hat der Betroffene keine Schmerzen in der Schilddrüsengegend.

Bei der chronischen Schilddrüsenentzündung handelt es sich meist um eine sogenannte Hashimoto-Thyreoiditis. Die Hashimoto-Thyreoiditis ist eine Autoimmunerkrankung. Der Körper erkennt aus bisher unbekanntem Grund das eigene Schilddrüsengewebe fälschlicherweise als Eindringling, der dem Körper schaden möchte. Das Abwehrsystem des Körpers, das sogenannte Immunsystem, produziert zur Verteidigung Abwehrstoffe gegen das eigene Schilddrüsengewebe. In der Fachsprache heissen die Abwehrstoffe Antikörper. Diese Antikörper werden auch Autoantikörper genannt, da sie fälschlicherweise gegen Gewebe des eigenen Körpers gerichtet sind. Über Wochen bis Monate zerstören die Abwehrstoffe langsam das Schilddrüsengewebe. Als Folge kann die Schilddrüse nicht mehr genügend Schilddrüsenhormone produzieren, weshalb die Menge an Schilddrüsenhormonen im Blut abnimmt. Fast alle Betroffenen einer Hashimoto-Thyreoiditis entwickeln deshalb eine Schilddrüsenunterfunktion.

Frauen sind etwa neun Mal häufiger von einer chronischen Schilddrüsenentzündung betroffen als Männer. Betroffene sind meist im Alter von 40 bis 50 Jahren. Manche von einer Hashimoto-Thyreoiditis Betroffene können gleichzeitig an einer anderen Autoimmunerkrankung leiden, wie einem Diabetes mellitus Typ 1, einer perniziösen Anämie, einem Morbus Addison oder einer Vitiligo.

Zum SeitenanfangSymptome

Je nach Typ der Schilddrüsenentzündung kann der Betroffene an unterschiedlichen Beschwerden leiden.

Akute Schilddrüsenentzündung

Abbildung 1: Akute Schilddrüsenentzündung
Akute Schilddrüsenentzündung, Symptome bei einer akuten Schilddrüsenentzündung

Der Betroffene verspürt am Hals im Bereich der Schilddrüse Schmerzen mit Ausstrahlung bis ins Ohr. Durch Berührung der Schilddrüse werden die Schmerzen noch verstärkt. Insbesondere die eitrige Schilddrüsenentzündung kann zu einem Anschwellen der Schilddrüse mit Rötung der darüberliegenden Haut des Halses führen (siehe Abbildung 1). Teilweise ist beim Betasten der Schilddrüse eine Wellenbewegung spürbar, diese wird durch flüssigen Eiter ausgelöst. Die Schilddrüsenentzündung kann zudem von Fieber, Schluckschmerzen und Heiserkeit begleitet sein. Die Lymphknoten am Hals können vergrössert und ebenfalls schmerzhaft sein. Die Produktion an Schilddrüsenhormonen ist in der Regel normal.

Subakute Schilddrüsenentzündung

Der Betroffene verspürt starke Schmerzen im Bereich der Schilddrüse. Diese Schmerzen können ins Ohr, den Unterkiefer, den ganzen Kopf oder in den Brustkorb ausstrahlen. Die Schilddrüse ist geschwollen. Die Betroffenen fühlen sich krank, schwach und kraftlos. Kopfschmerzen, Fieber und Muskelschmerzen können auftreten. Die Lymphknoten am Hals sind beim Betasten in der Regel nicht schmerzhaft.

Abbildung 2: Beschwerden bei einer Überfunktion der Schilddrüse
Beschwerden bei einer Überfunktion der Schilddrüse, Symptome bei einer subakuten Schilddrüsenentzündung

Durch die Entzündung werden die Schilddrüsenzellen beschädigt. Sie werden undicht, so dass die Schilddrüsenhormone aus den Speichern der Schilddrüse ins Blut entleert werden. Die Menge an Schilddrüsenhormonen im Blut steigt an, der Betroffene verspürt Beschwerden wie bei einer Schilddrüsenüberfunktion mit anhaltendem Unruhezustand, Nervosität, Gereiztheit, Schlaflosigkeit, Depression, vermindertem Antrieb. Die Betroffenen berichten teils über einen unerklärlichen Gewichtsverlust trotz Heisshunger (siehe Abbildung 2). Durchfall, Haarausfall, Muskelschwäche sowie ein feines Zittern der ausgestreckten Finger sind möglich. Die Körpertemperatur steigt an, der Betroffene wird überempfindlich gegenüber Wärme mit vermehrtem Schwitzen trotz normaler Aussentemperatur. Die Haut ist warm und feucht. Durch die Anregung des Kreislaufs steigen der Blutdruck und die Herzfrequenz. Insbesondere bei älteren Patienten kann es dadurch zur Herzschwäche mit Herzvergrösserung und Herzrhythmusstörungen bis zum Herzinfarkt kommen. Bei Betroffenen mit einem Diabetes mellitus ist eine Verschlechterung des Blutzuckers mit Zunahme der Zuckermenge im Blut möglich.

Abbildung 3: Beschwerden bei einer Unterfunktion der Schilddrüse
Beschwerden bei einer Unterfunktion der Schilddrüse, Symptome bei einer subakuten Entzdündung der Schilddrüse

Je nachdem wieviel Schilddrüsengewebe durch die subakute Schilddrüsenentzündung beschädigt wurde, ist das verbliebene gesunde Schilddrüsengewebe nicht mehr in der Lage, genügend neue Schilddrüsenhormone zu produzieren, um den Bedarf des Körpers an Schilddrüsenhormonen weiterhin zu decken. Die Menge an Schilddrüsenhormonen im Blut sinkt wieder. Die Betroffenen leiden nun an einer Schilddrüsenunterfunktion mit Herunterfahren der Körperfunktion (siehe Abbildung 3). Der Grundumsatz des Körpers wird verringert, sodass die Körpertemperatur sinkt und die betroffene Person gegenüber Kälte überempfindlich wird. Die Haut wird trocken und rau, das Haar glanzlos und struppig. Trotz vermindertem Appetit und reduzierter Nahrungszufuhr kommt es zu einer Gewichtszunahme. Die Herzfrequenz verlangsamt sich. Die Nierenfunktion nimmt ab. Wassereinlagerungen ins Gewebe, insbesondere um die Augen, lassen den Körper aufgedunsen wirken. Vor allem bei älteren Patienten kann es aufgrund der verminderten Schilddrüsenhormone zu einer Erkrankung der Herzkranzgefässe mit verminderter Leistungsfähigkeit, Atemnot bis zum Herzversagen kommen. Die Fett- und Cholesterinwerte im Blut können ansteigen. Der Betroffene kann an Blutarmut, Verstopfung, Schwerhörigkeit, Muskelkrämpfen, Müdigkeit mit vermehrtem Schlafbedürfnis, Gedächtnisminderung, Unbeteiligtsein oder Depression leiden. Ein neu aufgetretenes, bösartiges Verhalten des Betroffenen gegenüber seinen Mitmenschen kann auffallen. Ebenso können ein vermindertes sexuelles Verlangen oder eine verminderte Potenz Zeichen einer verminderten Schilddrüsenproduktion sein. Bei Frauen sind Blutungsstörungen, Unfruchtbarkeit und Fehlgeburten zu einem frühen Zeitpunkt der Schwangerschaft möglich.

Chronische Schilddrüsenentzündung

Da sich die Hashimoto-Thyreoiditis langsam über Wochen bis Monate entwickelt, verspüren die Betroffenen, abgesehen von einer langsamen Grössenzunahme der Schilddrüse, keine Beschwerden. Das Schilddrüsengewebe wird durch die Autoimmunerkrankung nach und nach zerstört. Die Schilddrüsenproduktion durch das übriggebliebende Schilddrüsengewebe reicht mit der Zeit oft nicht mehr aus, um den täglichen Bedarf des Körpers an Schilddrüsenhormonen zu decken.

Bei den Betroffenen treten meist erst nach Jahren Beschwerden der Schilddrüsenunterfunktion mit Verlangsamung der Körperfunktionen und des Stoffwechsels auf. Typisch für eine Schilddrüsenunterfunktion sind Müdigkeit, Antriebsarmut bis zur Depression, gesteigertes Schlafbedürfnis, Konzentrationsstörungen, vermehrte Kälteempfindlichkeit, Verstopfung und Gewichtszunahme trotz vermindertem Appetit (siehe Abbildung 3). Die Beschwerden einer Schilddrüsenunterfunktion werden im Abschnitt der subakuten Schilddrüsenentzündung ausführlicher beschrieben.

Zum SeitenanfangDiagnose

Leidet eine Person an Beschwerden im Sinne einer Schilddrüsenentzündung, sollte sie einen Arzt aufgesuchen.

Abbildung 4: Abtasten der Schilddrüse
Abtasten der Schilddrüse, Symptome einer Schilddrüsenentzündung

Der Arzt wird in einem kurzen Gespräch nach Beschwerden, durchgemachten Erkrankungen insbesondere Infekten und durchgeführten Therapien sowie Medikamenten fragen, die als Ursache für eine Schilddrüsenentzündung in Frage kämen. Anschliessend wird der Arzt die betroffene Person von Kopf bis Fuss untersuchen. Zur Schilddrüsenuntersuchung wird er sich hinter die sitzende Person stellen und die Schilddrüse von hinten mit beiden Händen am Hals abtasten (siehe Abbildung 4). Insbesondere bei der akuten Schilddrüsenentzündung werden die Betroffenen beim Abtasten der Schilddrüse durch den Arzt  Schmerzen verspüren. Bei der akuten und der subakuten Schilddrüsenentzündung ist die Schilddrüse meist vergrössert. Der Arzt wird den Betroffenen zum Schlucken auffordern. So kann er feststellen, ob die Schilddrüse mit ihrer Umgebung verwachsen ist. Solche Verwachsungen gibt es vor allem bei bösartigen Erkrankungen der Schilddrüse.

Mit einem Ultraschallgerät kann die genaue Grösse der Schilddrüse gemessen und ihre Gewebestruktur beurteilt werden (siehe Abbildung 5). Die Schilddrüse ist bei der Schilddrüsenentzündung meist vergrössert. Bei der akuten und der subakuten Schilddrüsenentzündung ist das Gewebe ungleichmässig und durch die Entzündungsreaktion des Körpers aufgelockert. Wenn sich in der akuten Schilddrüsenentzündung bereits ein Abszess in der Schilddrüse gebildet hat, können flüssigkeitsgefüllte, abgekapselte Höhlen im Ultraschall gesehen werden.

Abbildung 5: Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse
Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse, Symptome bei einer Schilddrüsenentzündung

Eine Blutentnahme mit Messung der Schilddrüsenhormone kann je nach Typ und Ursache der Schilddrüsenentzündung eine normale, eine vermehrte oder eine verminderte Menge an Schilddrüsenhormonen im Blut zeigen. Die Entzündungswerte im Blut sind vor allem bei der akuten und subakuten Schilddrüsenentzündung stark erhöht. Bei der chronischen Schilddrüsenentzündungk können im Blut zudem Abwehrstoffe gemessen werden, die der Körper aus einer Fehlregulation heraus gegen das eigene Schilddrüsengewebe gebildet hat, sogenannte Antikörper.

Zur Unterscheidung zwischen der akuten und der subakuten Schilddrüsenentzündung kann eine Gewebeuntersuchung der Schilddrüse helfen, da beide Schilddrüsenentzündungen ähnliche Beschwerden machen können. Bei der Schilddrüsengewebeuntersuchung sticht der Arzt oder Spezialarzt mit einer feinen Nadel durch die Haut direkt in die Schilddrüse und entnimmt Gewebe. Mit dem Ultraschallgerät wird währenddessen sichergestellt, dass die Nadel am richtigen Ort liegt. Das Gewebe wird danach durch einen Spezialisten unter dem Mikroskop weiter untersucht.

Teilweise kann der Arzt aufgrund der Angaben des Betroffenen, der körperlichen Untersuchung und dem Ultraschall nicht sicher sein, ob es sich bei der Veränderung der Schilddrüse nicht auch um eine bösartige Gewebeveränderung, das heisst um Schilddrüsenkrebs, handeln könnte. Auch in diesem Fall sollte eine Gewebeuntersuchung der Schilddrüsenveränderung erfolgen.

Eine weitere Untersuchung zur Unterscheidung zwischen einer akuten und einer subakuten Schilddrüsenentzündung ist die Durchführung einer Schilddrüsenszintigraphie. Eine Szintigraphie ist eine Untersuchung, bei der radioaktiv markierte Stoffe in den Körper eingebracht werden. Diese Stoffe reichern sich im zu untersuchenden Organ an und können später mit einer speziellen Kamera sichtbar gemacht werden. Bei der Schilddrüsenszintigraphie spritzt man dem Betroffenen leicht radioaktives Jod oder das dem Jod sehr ähnliche, leicht radioaktive Technetium in eine Vene. Mit einem speziellen Röntgenverfahren kann man dann auf einem Bild alle die Bereiche darstellen, die das Jod oder das Technetium aufgenommen haben.

Bei der subakuten Schilddrüsenentzündung zeigt sich in der Schilddrüsenszintigraphie eine verminderte Jodaufnahme, da die Schilddrüsenzellen durch die Entzündung undicht geworden sind und kein Jod speichern können. Gleichzeitig zeigt sich bei der subakuten Schilddrüsenentzündung im Blut eine vermehrte Schilddrüsenhormonmenge, da durch die Verletzung der Schilddrüsenzellen die Schilddrüsenhormone aus den Speichern der Schilddrüse ins Blut entleert wurden. Findet sich bei einem Betroffenen also eine verminderte Jodanreicherung in der Schilddrüsenszintigraphie mit einem Schilddrüsenhormonüberschuss im Blut, kann die Diagnose einer subakuten Schilddrüsenentzündung gestellt werden. Bei der akuten Schilddrüsenentzündung wird die Produktion der Schilddrüsenhormone normalerweise nicht beeinflusst. Die Jodanreicherung in der Schilddrüsenszintigraphie und die Schilddrüsenhormonmenge im Blut sind bei der akuten Schilddrüsenentzündung normal. Die Radioaktivität, die bei der Schilddrüsenszintigraphie verwendet wird, hat keine negativen Folgen für den Betroffenen.

Zum SeitenanfangTherapie

Die Therapie einer Schilddrüsenentzündung hängt von der Ursache und dem Typ der Schilddrüsenentzündung ab.

Akute Schilddrüsenentzündung

Eine akute Schilddrüsenentzündung, die durch Bakterien ausgelöst wird, muss mit AntibiotikatherapieAntibiotika behandelt werden. Antibiotika zerstören die Bakterien. Sie bekämpfen also den Auslöser der Schilddrüsenentzündung. Die Antibiotika werden dem Patienten über eine Vene als Infusion oder als Tabletten gegeben. Zur Linderung der Beschwerden können die Betroffenen zusätzlich Medikamente nehmen, die die Entzündung hemmen, das Fieber senken und die Schmerzen reduzieren. Auch Kühlung des Halses von aussen kann dem Betroffenen Linderung verschaffen.

Im Allgemeinen ist Bettruhe zu empfehlen. Hat sich eine abgekapselte Eiterhöhle in der Schilddrüse gebildet, ein sogenannter Abszess, ist eine alleinige Antibiotikabehandlung nicht mehr ausreichend. In diesem Fall muss zusätzlich zu den Antibiotika eine Operation durchgeführt werden, während der der Abszess eröffnet und der Eiter entleert wird. Nur so kann ein Abszess richtig behandelt und die Schilddrüsenentzündung geheilt werden.

Wird die akute Schilddrüsenentzündung richtig behandelt, heilt sie in der Regel vollständig. Selten ist soviel Schilddrüsengewebe durch die Entzündung zerstört worden, dass es zu einem Schilddrüsenhormonmangel kommt und der Betroffene vorübergehend oder gar lebenslang Schilddrüsenhormone in Tablettenform einnehmen muss.

Subakute Schilddrüsenentzündung

Da die Ursache der subakuten Schilddrüsenentzündung nicht bekannt ist, können nur die Beschwerden bekämpft werden. Auch ohne Behandlung heilt die Entzündung in etwa 80 % der Fälle folgenlos ab. Mit einer Behandlung können dem Betroffenen aber viele Beschwerden genommen oder zumindest gelindert werden.

Die Beschwerden von weniger schweren Fällen einer subakuten Schilddrüsenentzündung können durch Medikamente, die die Entzündungsreaktion des Körpers hemmen, gelindert werden. Bei schwereren Verläufen sollten Kortikosteroide,wie zum Beispiel Kortison oder Prednison, die die Entzündungsreaktion des Körpers noch stärker hemmen, angewendet werden. In der Regel muss eine subakute Schilddrüsenentzündung über Wochen bis Monate behandelt werden, selten sogar über ein Jahr. Die Dosis der Kortikosteroide sollte nur langsam reduziert werden, damit es nicht zu einem Rückfall kommt.
Treten Beschwerden einer Schilddrüsenunterfunktion auf, können dem Betroffenen Schilddrüsenhormone in Tablettenform gegeben werden. Nur in wenigen Fällen ist ein solcher Schilddrüsenhormonersatz dauerhaft notwendig.

Chronsiche Schilddrüsenentzündung

Da die Ursache der chronischen Schilddrüsenentzündung nicht bekannt ist, können nur die Beschwerden des Betroffenen bekämpft werden. Nur wenige Fälle dieser Entzündungen heilen ohne Behandlung ab.
Das normale Schilddrüsengewebe wird durch die chronische Entzündung langsam zerstört. Der Bedarf an Schilddrüsenhormonen kann nicht allein durch das wenige verbliebene Schilddrüsengewebe gedeckt werden. Ein Absinken der Schilddrüsenhormone im Blut ist die Folge. Um den möglichen Beschwerden der Schilddrüsenunterfunktion entgegenzuwirken, wird den Betroffenen vorübergehend, teilweise aber auch lebenslang, die Einnahme von Schilddrüsenhormonen in Tablettenform empfohlen.

Drückt die vergrösserte Schilddrüse auf die Luftröhre oder die Speiseröhre, können Atem- oder Schluckbeschwerden auftreten. In diesen Fällen ist eine die Schilddrüse verkleinernde Operation notwendig.

Autor/in:Dr. med. Sidonie Achermann, Ärztin, Dr. Julia Feucht, Ärztin
Editor/in:Dr. med. Doris de Marco Stalder, Endokrinologie-Diabetologie FMH
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ICD-10:E06
Zuletzt geändert:18.11.2016Zum Seitenanfang
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