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GHRH-Überschuss

Synonyme: Überschuss an Growth Hormon Releasing Hormon, Überschuss an Growth Hormon Releasing Factor, Überschuss an Somatoliberin, Überschuss an Somatotropin Releasing Hormon, SRH-Überschuss, GRF-Überschuss, GRH-Überschuss

Zum SeitenanfangZusammenfassung

Bei einem GHRH-Überschuss hat es im Blut zu viel Growth Hormon Releasing Hormon. Ein GHRH-Überschuss kann durch einen Tumor des Hypothalamus oder durch einen bösartigen Tumor anderer Organe im Körper verursacht werden. Ein GHRH-Überschuss hat einen Wachstumshormonüberschuss zur Folge. Bei einem Wachstumshormonüberschuss sind Veränderungen des äusseren Erscheinungsbildes typisch. Dazu gehören bei Kindern und Jugendlichen ein ausgeprägter Hochwuchs, ein sogenannter Gigantismus, beziehungsweise bei Erwachsenen eine Vergrösserung einzelner Anteile des Körpers, eine sogenannte Akromegalie.

Die Diagnose eines GHRH-Überschusses wird mit Gespräch, körperlicher Untersuchung, Blutuntersuchungen, einer Glukosebelastung, einer Magnetresonanztomographie MRI und/oder einer Computertomographie CT gestellt. Ausserdem hilft bei Erwachsenen bei der Diagnose eines GHRH-Überschusses oft ein Fotoalbum und bei Kindern eine sogenannte Wachstumskurve. Die Behandlung des GHRH-Überschusses hängt von seiner Ursache ab. Es sind Operation, Bestrahlung und/oder Medikamente möglich.

Zum SeitenanfangAllgemeines

Beim GHRH-Überschuss hat es im Blut eine zu grosse Menge an Growth Hormon Releasing Hormon. Das Growth Hormon Releasing Hormon wird auch Growth Hormon Releasing Factor, Somatotropin Releasing Hormon, Somatoliberin, SRH, GRF, GRH oder GHRH genannt. Das GHRH ist ein lebenswichtiges Hormon, das im Hypothalamus, einem bestimmten Hirnareal, gebildet wird. Hormone sind Botenstoffe, die die Anweisungen des Körpers seinen einzelnen Organen mitteilen und Meldungen von den Organen an den Körper zurückgeben. Mit dem Growth Hormon Releasing Hormon regt der Hypothalamus im Vorderlappen der Hirnanhangsdrüse, dem sogenannten Hypophysenvorderlappen, die Produktion und Ausschüttung des Wachstumshormons ins Blut an. Das Wachstumshormon, auch Growth Hormon genannt, beeinflusst im Körper eine Reihe von Stoffwechselprozessen und regt den Körper mit seinen Organen zum Wachstum an.

Besteht ein GHRH-Überschuss, befiehlt die zu grosse Menge an GHRH dem Hypophysenvorderlappen ständig noch mehr Wachstumshormon herzustellen. Ein Wachstumshormonüberschuss ist die Folge.

Der Hypothalamus

Abbildung: Hypothalamus
Hypothalamus, Hirnanhangdrüse, Grosshirn, Kleinhirn, Sella turcica, Schädelknochen

Der Hypothalamus ist ein kleiner lebenswichtiger Teil des Zwischenhirns, der unten am Gehirn, etwa in der Mitte des Schädels und auf Höhe der Augenbrauen sitzt (siehe Abbildung).

Der Hypothalamus ist das wichtigste Steuerzentrum eines Teils des Nervensystems und die oberste Steuerzentrale des Systems der Hormone. Dadurch hält er das Gleichgewicht im Körper aufrecht und beeinflusst unter anderem die Körpertemperatur, den Blutdruck, die Atmung, die Nahrungs- und die Flüssigkeitsaufnahme, das Bewusstsein, den Wach-Schlaf-Rhythmus, den Schlaf, das Sexual- und das Fortpflanzungsverhalten.

Der Hypothalamus stellt acht lebenswichtige Hormone her, mit denen er auf verschiedene Vorgänge im Körper einwirkt. Mit dem Thyreotropin Releasing Hormon (TRH) regt der Hypothalamus in der Hirnanhangsdrüse die Produktion von thyreoideastimulierendem Hormon und Prolaktin an. Das thyreoideastimulierende Hormon regt in der Schilddrüse das Wachstum, die Jodaufnahme und die Schilddrüsenhormonproduktion an. Das Prolaktin ermöglicht in der Brust die Produktion von Muttermilch. Mit dem Corticotropin Releasing Hormon (CRH) nimmt der Hypothalamus Einfluss auf die Produktion von adrenocorticotropem Hormon in der Hirnanhangsdrüse. Das adrenocorticotrope Hormon steuert die Hormonproduktion in der Nebennierenrinde und ermöglicht es dadurch dem Körper, optimal auf Stresssituationen zu reagieren. Mit dem Gonadotropin Releasing Hormon (GnRH) regelt der Hypothalamus in der Hirnanhangsdrüse die Produktion der Gonadotropine LH und FSH. Die Gonadotropine LH und FSH nehmen Einfluss auf das Wachstum und die Sexualhormonproduktion der Hoden beim Mann und der Eierstöcke bei der Frau. Mit dem Growth Hormon Releasing Hormon (GHRH) reguliert der Hypothalamus die Produktion von Wachstumshormon in der Hirnanhangsdrüse. Das Wachstumshormon beeinflusst eine Reihe von Stoffwechselprozessen im Körper und regt den Körper mit seinen Organen zum Wachstum an. Mit dem Dopamin verhindert der Hypothalamus in der Hirnanhangsdrüse eine Überproduktion von Prolaktin und mit dem Somatostatin eine Überproduktion von thyreoideastimulierendem Hormon und Wachstumshormon. Mit dem Vasopressin (ADH) reguliert der Hypothalamus den Wasserhaushalt im Körper und befiehlt dabei den Nieren, nicht zu viel Flüssigkeit mit dem Urin aus dem Körper auszuscheiden. Und mit dem Oxytozin erlaubt der Hypothalamus der Brust, die gebildete Muttermilch nach aussen abzugeben.

Die Produktion und die Ausschüttung des Thyreotropin Releasing Hormons, des Corticotropin Releasing Hormons, des Gonadotropin Releasing Hormons, des Growth Hormon Releasing Hormons, des Dopamins, des Somatostatins, des Vasopressins und des Oxytozins regelt der Hypothalamus selbst, indem er andauernd den Zustand des Körpers mithilfe von Messungen der Hormonmengen im Blut und mithilfe von über den ganzen Körper verteilten Nerven überwacht.

Zum SeitenanfangUrsachen

Ein GHRH-Überschuss kann durch einen Tumor des Hypothalamus oder durch einen bösartigen Tumor anderer Organe im Körper verursacht werden. Bei einem Tumor sind aus einem bisher nicht bekannten Grund Fehler in den Zellen eines Gewebes aufgetreten. Diese fehlerhaften Zellen teilen sich so oft, wie sie wollen, und richten sich nicht mehr nach den Anforderungen des Körpers.

Bei einem Tumor des Hypothalamus interessieren sich die fehlerhaften Tumorzellen des Hypothalamus zudem nicht mehr dafür, ob es im Körper bereits genügend Wachstumshormon hat, sondern befehlen dem Hypophysenvorderlappen mit einer gesteigerten Produktion des GHRH ständig, noch mehr Wachstumshormon herzustellen.

Bei bösartigen Tumoren irgendwo anders im Körper können die fehlerhaften Tumorzellen selbst GHRH herstellen. Die bösartigen Tumoren stellen so viel GHRH her, wie sie möchten. Es interessiert sie nicht, ob es schon genügend Wachstumshormon im Körper hat. In der Fachsprache wird bei einem bösartigen Tumor, der wie beim GHRH-Überschuss Substanzen herstellt, die zu Veränderungen im Körper führen, von einem paraneoplastischen Syndrom gesprochen.

Zum SeitenanfangSymptome

Beim GHRH-Überschuss hat es im Blut eine zu grosse Menge an Growth Hormon Releasing Hormon. Mit dem Growth Hormon Releasing Hormon regt der Hypothalamus im Vorderlappen der Hirnanhangsdrüse, dem sogenannten Hypophysenvorderlappen, die Produktion und Ausschüttung des Wachstumshormons ins Blut an. Besteht ein GHRH-Überschuss, befiehlt die zu grosse Menge an GHRH dem Hypophysenvorderlappen ständig noch mehr Wachstumshormon herzustellen. Ein Wachstumshormonüberschuss ist die Folge. Betroffene eines GHRH-Überschusses leiden hauptsächlich an den Beschwerden eines Wachstumshormonüberschusses.

Ein Wachstumshormonüberschuss kann wegen seinen verschiedenen Aufgaben bei Betroffenen zu einer breiten Palette von Beschwerden führen. Neben allgemeinen Beschwerden wie erhöhtem Blutdruck, häufigeren Kopfschmerzen, vermehrter Wassereinlagerung, Gewichtszunahme und psychischen Veränderungen mit Stimmungsschwankungen, Müdigkeit, Schläfrigkeit oder verlangsamter psychischer Aktivität treten typische Veränderungen des äusseren Erscheinungsbildes auf. Diese Veränderungen des äusseren Erscheinungsbildes kommen schleichend durch ein Wachstum von Knorpel, Knochen und Bindegewebe zustande und fallen vor allem bei Erwachsenen den Betroffenen und ihren Angehörigen meist erst nach Jahren auf, wenn sie alte Fotos des Betroffenen betrachten.

Bei Kindern und Jugendlichen, bei denen das Längenwachstum noch nicht abgeschlossen ist, kommt es im Rahmen der Veränderung des äusseren Erscheinungsbildes zu einem ausgeprägten Hochwuchs mit einer Körpergrösse weit über zwei Metern, der in der Fachsprache Gigantismus genannt wird. Bei Erwachsenen ist das Längenwachstum abgeschlossen, deshalb führt ein Wachstumshormonüberschuss mit Veränderung des äusseren Erscheinungsbildes nicht zu einem Hochwuchs, sondern zu einer Vermehrung der einzelnen Körperzellen mit Vergrösserung einzelner Anteile des Körpers. In der Fachsprache wird dabei von einer Akromegalie gesprochen. Es fällt eine Vergrösserung der Hände, der Füsse und des Schädels auf, sodass Ringe, Schuhe und Hüte nicht mehr passen.

Durch das Wachstum von Knochen, Knorpel und Bindegewebe können die Gelenke verändert und schneller abgenutzt oder Nerven eingeklemmt werden, sodass Betroffene an Schmerzen in den Gelenken  oder an Fühlstörungen wie Kribbeln in Händen und Füssen leiden. Eine typische Veränderung des äusseren Erscheinungsbildes ist auch die Vergröberung der Gesichtszüge durch Wachstum von Nase, Zunge, Lippen, Ohren, Wangenknochen, Lidwülsten, Ober- und Unterkiefer mit Veränderung der Zahnstellung. Diese Vergröberung der Gesichtszüge tritt aber nur nach und nach auf. Durch eine Vergrösserung des Kehlkopfes und der Zunge verändert sich zudem die Stimme und einzelne Personen können in der Nacht an kurzen Atemaussetzern, einem sogenannten Schlaf-Apnoe-Syndrom, leiden. Vervollständigt wird die typische Veränderung des äusseren Erscheinungsbildes bei einem Wachstumshormonüberschuss durch eine Veränderung der Haut, die neu verdickt, fettig und schweissig ist.

Neben der Veränderung des äusseren Erscheinungsbildes können einzelne Organe wie die Schilddrüse, der Darm, die Nieren, die Leber und das Herz an Grösse zunehmen. Die Vergrösserung der Schilddrüse kann zu einem Schilddrüsenhormonüberschuss führen, die Verlängerung des Darmes zu einer Verstopfung. Die Vergrösserung des Herzens kann eine Herzschwäche bis zum Herzversagen zur Folge haben, da der Herzmuskel irgendwann nicht mehr ausreichend mit Blut und den darin enthaltenen Nährstoffen und Sauerstoff versorgt werden kann, wenn das Herz immer grösser wird. So sterben Zellen des Herzmuskels ab und das Herz verliert an Leistungsfähigkeit.

Wenn der Wachstumshormonüberschuss den Stoffwechsel beeinflusst, steigen die Blutzuckerwerte an, sodass eine Zuckerkrankheit, ein sogenannter Diabetes mellitus, auftritt. Der Diabetes mellitus schädigt zusammen mit dem bei einem Wachstumshormonüberschuss häufig auftretenden Bluthochdruck die Gefässe und kann dadurch einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zur Folge haben.

Je nach Ursache des GHRH-Überschusses sind weitere Beschwerden möglich. Tumoren im Bereich des Hypothalamus können beispielsweise auch auf andere Strukturen in der Umgebung des Hypothalamus drücken, wie beispielsweise die Sehnerven, und so zu einer Einschränkung des Sehens führen. Kopfschmerzen sind möglich bei Tumoren im Schädel. Zudem stellt der Hypothalamus nicht nur GHRH her, mit dem er auf die Produktion von Wachstumshormon in der Hirnanhangsdrüse wirkt, sondern noch weitere Hormone, mit denen er beispielsweise die Funktion der Schilddrüse, der Nebennierenrinden, der Hoden beim Mann und der Eierstöcke bei der Frau reguliert. Durch die Veränderung im Hypothalamus kann die Produktionsmenge dieser Hormone, die im Hypothalamus hergestellt werden, ebenfalls beeinflusst werden, sodass zusätzliche Beschwerden durch die vermehrte oder verminderte Produktion dieser Hormone zu den Beschwerden des GHRH-Überschusses und des Wachstumshormonüberschusses hinzutreten. Diese Beschwerden durch die Über- oder Unterproduktion anderer Hormone des Hypothalamus werden in den entsprechenden Kapiteln des Hypothalamus besprochen. Wird der GHRH-Überschuss durch einen bösartigen Tumor anderer Organe im Körper verursacht, können Betroffene zudem an Beschwerden durch diese bösartigen Tumoren leiden.

Zum SeitenanfangDiagnose

Fällt bei Kindern oder Jugendlichen auf, dass sie im Vergleich zu Gleichaltrigen sehr schnell und sehr stark wachsen, sollte ein Arzt zur weiteren Abklärung und bei Bedarf Behandlung aufgesucht werden. Ebenfalls sollten Erwachsene einen Arzt aufsuchen, wenn bei ihnen Beschwerden im Sinne eines Wachstumshormonüberschusses wegen eines GHRH-Überschusses auftreten. Der Arzt wird in einem ausführlichen Gespräch nach Beschwerden, Veränderungen und Auffälligkeiten fragen, die ihm einen Hinweis auf einen Wachstumshormonüberschuss und dessen Ursachen geben.

Weiter wird er sich nach Krebserkrankungen erkundigen, die einen GHRH-Überschuss zur Folge haben können. Bei Erwachsenen hilft bei der Diagnose eines Wachstumshormonüberschusses zudem ein Blick in ein Fotoalbum, das ältere Fotographien des Betroffenen enthält. Auf diesen Fotographien sind die Veränderungen, die nur nach und nach im Rahmen des Wachstumshormonüberschusses aufgetreten sind, deutlich erkennbar. Anschliessend wird der Arzt den Betroffenen von Kopf bis Fuss untersuchen.

Bei Kindern und Jugendlichen kann der Arzt zudem anhand der Grössen und der Entwicklung beider Elternteile abschätzen, wie gross das Kind etwa werden wird und in welchem Zeitrahmen es sich etwa entwickeln sollte. Dies sind aber lediglich Schätzungen. Durch die Bestimmung der Wachstumsgeschwindigkeit des Kindes kann der Arzt genauer abwägen, wie gross das Kind einmal werden wird. Die Wachstumsgeschwindigkeit kann bei einem Kind bestimmt werden, wenn bei den Routineuntersuchungen, die bei jedem Kind durchgeführt werden sollten, immer die Grösse und das Gewicht des Kindes gemessen und in eine Kurve eingezeichnet werden.

Aus dieser sogenannten Wachstumskurve kann nicht nur herausgelesen werden, wie schnell Kinder und Jugendliche wachsen, sondern auch ob ihr Längenwachstum regelmässig ist oder ob das Längenwachstum sich beschleunigt hat. Mit der Wachstumsgeschwindigkeit kann der Arzt dann entscheiden, ob die Entwicklung und das Wachstum von Kindern oder Jugendlichen normal ist oder ob die Entwicklung beispielsweise durch einen Wachstumshormonüberschuss gestört ist. So ist die Wachstumsgeschwindigkeit bei einem Wachstumshormonüberschuss ab einem gewissen Zeitpunkt deutlich beschleunigt.

Hat der Arzt aufgrund der Ergebnisse des Gesprächs und der Untersuchungen den Verdacht auf einen GHRH-Überschuss mit einem Wachstumshormonüberschuss, wird er zur Erhärtung des Verdachts die Menge an GHRH und an Wachstumshormon im Blut messen. Die Menge an GHRH und an Wachstumshormon ist bei einem GHRH-Überschuss vermehrt. Die Messung des GHRH und des Wachstumshormons im Blut allein reicht für die Bestimmung eines GHRH-Mangels aber nicht aus, da die Menge an GHRH und an Wachstumshormon im Blut sehr schwankt.  Um die Diagnose eines Wachstumshormonmangels stellen zu können, muss zusätzlich die Menge derjenigen Substanz im Blut gemessen werden, in die die Leber die Botschaften des Wachstumshormons für Knochen und Knorpel übersetzt. Diese Substanz ist im Blut bei einem GHRH-Überschuss mit einem Überschuss an Wachstumshormon in der Regel ebenfalls vermehrt.

Eine sogenannte Glukosebelastung kann den Verdacht auf einen GHRH-Überschuss mit einem Wachstumshormonüberschuss zusätzlich erhärten. Es wird dabei auch von einem Glukose-Suppressionstest oder einem Glukosetoleranztest gesprochen. Bei der Glukosebelastung wird bei einem Betroffenen erneut die Menge an Wachstumshormon im Blut gemessen. Anschliessend muss der Betroffene in Wasser aufgelösten Traubenzucker (Glukose) trinken. Danach wird in einer zweiten Blutentnahme erneut die Menge an Wachstumshormon im Blut gemessen. Normalerweise ist die Menge an Wachstumshormon in der zweiten Blutentnahme niedriger, da die Zuckereinnahme zu einem Anstieg der Zuckermenge im Blut führt.

Der Hypothalamus sieht im Anstieg der Zuckermenge im Blut ein Zeichen dafür, dass es bereits genügend Wachstumshormon im Blut hat. Als Reaktion stellt der Hypothalamus deshalb weniger Growth Hormon Releasing Hormon her und gibt dadurch dem Hypophysenvorderlappen die Anweisung, weniger Wachstumshormon herzustellen. Deshalb nimmt normalerweise die Menge an Wachstumshormon im Blut in der zweiten Blutentnahme ab. Leidet eine Person aber an einem GHRH-Überschuss, bleibt die Menge an Wachstumshormon im Blut gleich gross wie vor der Zuckereinnahme und nimmt nicht ab. Der Grund liegt darin, dass die Tumorzellen, die für den GHRH-Überschuss verantwortlich sind, soviel GHRH produzieren, wie sie möchten. Es interessiert diese Tumorzellen nicht, ob es bereits genügend GHRH und Wachstumshormon im Körper hat.

Mit Hilfe von bildgebenden Untersuchungen wie der Computertomographie CT oder der Magnetresonanztomographie MRI können die Tumoren, die für den Wachstumshormonüberschuss verantwortlich sind, gefunden werden. Und mit Hilfe einer Messung der anderen Hormone im Blut, die neben dem Growth Hormon Releasing Hormon im Hypothalamus hergestellt werden, kann bestimmt werden, ob die Betroffenen nur an einem GHRH-Überschuss leiden oder ob der GHRH-Überschuss noch von einem Mangel oder einem Überschuss anderer Hormone begleitet wird.

Zum SeitenanfangTherapie

Bei einem GHRH-Überschuss mit einem Überschuss an Wachstumshormon sollte immer die Ursache behandelt werden, wenn dies möglich ist. Bei einem Tumor im Hypothalamus stehen die Behandlungsmöglichkeiten Operation oder Bestrahlung zur Verfügung.

Mit einer Operation soll der Tumor des Hypothalamus, der für den Wachstumshormonüberschuss verantwortlich ist, entfernt werden. Nach einer erfolgreichen Operation normalisiert sich die Menge an GHRH und an Wachstumshormon im Blut. Ist die Operation eines Tumors im Bereich des Hypothalamus nicht möglich oder nicht erfolgreich, kann eine Bestrahlung des Tumors durchgeführt werden. Die Bestrahlung schädigt die Tumorzellen so, dass sie innert Monaten bis Jahren absterben und die Menge an Wachstumshormonen im Blut sich normalisiert. Der Erfolg einer Strahlenbehandlung zeigt sich daher im Gegensatz zur Operation meist erst nach Monaten bis Jahren.

Wenn der Tumor des Hypothalamus mit einer Operation oder einer Bestrahlung nicht erfolgreich behandelt werden kann, kann mit gewissen Medikamenten versucht werden, die Produktion von Wachstumshormon in der Hirnanhangsdrüse zu vermindern und dadurch die Beschwerden durch den Wachstumshormonüberschuss bei Betroffenen zu lindern. Diese Medikamente sehen gleich aus und wirken wie Somatostatin. Somatostatin ist derjenige Botenstoff, mit dem der Hypothalamus normalerweise den Hypophysenvorderlappen an einer Überproduktion von Wachstumshormon hindert. Gibt man einem Betroffenen eines GHRH-Überschusses diese Somatostatin-ähnlichen Medikamente, können diese Medikamente teilweise die Produktion von Wachstumshormon in der Hirnanhangsdrüse vermindern. Ein neu entwickeltes Medikament kann zudem die Wirkung des Wachstumshormons im Körper verhindern und dadurch den Betroffenen Beschwerden durch den Wachstumshormonüberschuss nehmen. Der Tumor selbst wird von diesen Medikamenten in der Regel aber nicht am Wachsen gehindert oder gar verkleinert.

Bei einem Wachstumshormonüberschuss, der durch einen bösartigen Tumor anderer Organe des Körpers zustande kommt, wird die Behandlung durch die Therapie des verursachenden bösartigen Tumors bestimmt. Diese Behandlungen der verschiedenen bösartigen Tumoren werden in den entsprechenden Kapiteln besprochen. Bis eine Behandlung bei einem bösartigen Tumor erfolgreich ist oder wenn ein bösartiger Tumor nicht behandelt werden kann, können den Betroffenen zur Beschwerdelinderung wie oben beschrieben Somatostatin-ähnliche Medikamente oder Medikamente, die die Wirkug des Wachstumshormons im Körper verhindern, gegeben werden.

Nach einer erfolgreichen Behandlung mit einer Abnahme der Menge an Wachstumshormon im Blut oder einer Hemmung der Wirkung des Wachstumshormons sind Beschwerden wie ein Schlaf-Apnoe-Syndrom, eine Zuckerkrankheit oder Weichteilschwellungen rückgängig. Eine Herzschwäche, Folgeschäden eines Schlaf-Apnoe-Syndroms, Folgeschäden einer Zuckerkrankheit und knöcherne Veränderungen durch den Wachstumshormonüberschuss bleiben aber auch nach einer erfolgreichen Behandlung eines GHRH-Überschusses und können nicht rückgängig gemacht werden.

Wird der GHRH-Überschuss von einem Mangel oder einem Überschuss eines anderen Hormons begleitet, das im Hypothalamus hergestellt wird, müssen Betroffene diese Hormone lebenslang einnehmen. Ebenso müssen die Hormone des Hypothalamus lebenslang ersetzt werden, wenn der Hypothalamus durch Operation oder Bestrahlung bei der Behandlung des GHRH-Überschusses so stark geschädigt wird, dass der Hypothalamus nicht mehr genügend Hormone herstellen kann.

Zum SeitenanfangPrognose

Die Prognose eines GHRH-Überschusses hängt von dessen Ursache und der Erkrankungsdauer, bis die Diagnose gestellt wird, ab. Wird die Diagnose eines GHRH-Überschusses mit einem Überschuss an Wachstumshormon früh gestellt, ist die Behandlung einfacher. Bei Erwachsenen treten die Veränderungen und Beschwerden durch den Wachstumshormonüberschuss und den GHRH-Überschuss aber meist nur nach und nach auf, sodass die Diagnose des GHRH-Überschusses meist erst spät gestellt wird.

Wird die Diagnose eines GHRH-Überschusses mit einem Wachstumshormonüberschuss erst spät gestellt, ist die Behandlung schwieriger und zudem weniger oft erfolgreich. Ohne richtige und rechtzeitige Behandlung ist die Lebenserwartung Betroffener im Vergleich zu gesunden Menschen vor allem durch die Veränderungen im Herz-Kreislauf-System deutlich verkürzt.

Autor/in:Dr. med. Sidonie Achermann, Ärztin
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ICD-10:E22.0, M14.5
Zuletzt geändert:06.11.2016Zum Seitenanfang
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