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Hypophysenvorderlappen

Synonyme: Hirnanhangsdrüsenvorderlappen, Vorderlappen der Hirnanhangsdrüse, Vorderlappen der Hypophyse, HVL, Adenohypophyse

Zum SeitenanfangZusammenfassung

Der Hypophysenvorderlappen, der auch Adenohypophyse genannt wird, ist ein Teil der hormonproduzierenden Hirnanhangsdrüse. Er stellt sechs unterschiedliche, lebenswichtige Hormone her, mit denen er unterschiedliche Abläufe im Körper steuert. Verschiedene gutartige und bösartige Erkrankungen des Hypophysenvorderlappens sind möglich.

Zum SeitenanfangAllgemeines

Abbildung 1: Hirnanhangsdrüse
Hirnanhangdrüse: Stiel, Hinterlappen, Vorderlappen, Sella turcica

Die Hirnanhangsdrüse ist ein kleines lebenswichtiges, hormonproduzierendes Organ, das im sogenannten Türkensattel etwa im Zentrum des Schädels unterhalb des Gehirns und damit etwa auf Höhe der Nasenwurzel sitzt (siehe Abbildung 1). In der Fachsprache wird sie Hypophyse genannt. Die Hirnanhangsdrüse besteht aus dem Hypophysenvorderlappen und dem Hypophysenhinterlappen (siehe Abbildung 2). Der Hypophysenvorderlappen entsteht während der Schwangerschaft aus einer Ausstülpung des Mundhöhlendaches. Er wird in der Fachsprache auch Adenohypophyse genannt. Der Hypophysenvorderlappen und der Hypophysenhinterlappen sind in ihrer Funktion voneinander unabhängig.

Der Hypophysenvorderlappen stellt sechs verschiedene, lebenswichtige Hormone her, mit denen er auf verschiedene Vorgänge im Körper einwirkt. Dazu gehören das Wachstumshormon GH, die zwei unterschiedlichen Gonadotropine LH und FSH, das adrenocorticotrope Hormon ACTH, das thyreoideastimulierende Hormon TSH und das Prolaktin.

Zum SeitenanfangWachstumshormon

Abbildung 2: Aufbau der Hirnanhangsdrüse
Aufbau der Hirnanhangsdrüse, Stiel, Hinterlappen, Vorerlappen, Sella turcica

Das Wachstumshormon wird in der Fachsprache auch Somatotropin oder somatotropes Hormon und im englischen Sprachraum Growth Hormone, abgekürzt GH, genannt. Das Wachstumshormon hat verschiedene Aufgaben im menschlichen Körper (siehe Abbildung 3). Im Kindes- und Jugendalter spielt das Wachstumshormon eine wichtige Rolle für das Längenwachstum. Es fördert zudem das Wachstum der inneren Organe, ist beteiligt an der Verknöcherung des Skeletts und hat Einfluss auf den Stoffwechsel.

Im Erwachsenenalter beeinflusst das Wachstumshormon die körperliche Leistungsfähigkeit und den Zuckerstoffwechsel, den Fettabbau und den Muskelaufbau, die Knochenfestigkeit und den Knorpelhaushalt, die Wundheilung und die Erneuerung von Gewebe, die Gehirnfunktion und das seelische Wohlbefinden. Das Wachstumshormon wird in grossen Mengen bei Kindern und Jugendlichen gebildet, nach Abschluss der Wachstumsphase wird deutlich weniger Wachstumshormon im Körper produziert.

Abbildung 3: Aufgaben des Wachstumshormons
Aufgaben des Wachstumshormons (GH): Längenwachstum, Wachstum der inneren Organe, Verknöcherung des Skeletts, Einfluss beim Stoffwechsel, körperliche Leistungsfähigkeit, Zuckerstoffwechsel, Fettabbau, Muskelaufbau, Knochenfestigkeit, Wundheilung

Die Produktion und die Ausschüttung von Wachstumshormon im Hypophysenvorderlappen wird durch den Hypothalamus reguliert (siehe Abbildung 4). Der Hypothalamus ist ein bestimmtes Hirnareal. Die normale Menge an Wachstumshormon im Körper hängt vom Zustand ab, in dem sich der Körper gerade befindet. Deshalb muss der Hypothalamus den Zustand des Körpers sowie den Bedarf des Körpers an Wachstumshormon ständig überwachen und mittels zwei von ihm produzierten Substanzen die Produktionsmenge von Wachstumshormon im Hypophysenvorderlappen einstellen.

Die eine dieser Substanzen, das Growth Hormon Releasing Hormon, fördert und die andere, das Somatostatin, hemmt die Produktion und die Ausschüttung von Wachstumshormon im Hypophysenvorderlappen. Je nach Zustand des Körpers ist mehr Wachstumshormon notwendig und der Hypothalamus produziert mehr von der fördernden Substanz oder der Körper benötigt weniger Wachstumshormon und der Hypothalamus produziert deshalb mehr von der hemmenden Substanz.

Schlaf, körperlicher und geistiger Stress, Unterzuckerung, Eiweissmangel und gewisse Medikamente verlangen eine grössere Menge an Wachstumshormon. Der Hypothalamus nimmt diese Zustände wahr und bildet als Reaktion darauf mehr von dem Growth Hormon Releasing Hormon, das die Produktion und Ausschüttung von Wachstumshormon im Hypophysenvorderlappen fördert. Eine zu grosse Menge an Wachstumshormon, viel Zucker oder Fett im Blut und gewisse Medikamente verlangen eine geringere Menge an Wachstumshormon. Der Hypothalamus nimmt auch dies wahr und produziert als Reaktion mehr Somatostatin, das die Produktion und die Ausschüttung von Wachstumshormon im Hypophysenvorderlappen hemmt. Die Substanz, die die Produktion und die Ausschüttung von Wachstumshormon im Hypophysenvorderlappen hemmt heisst Somatostatin.

Regelkreislauf: Produktion und Ausschüttung des Wachstumshormons (GH)

Abbildung 4: Regelkreislauf des Wachstumshormons
Regelkreislauf des Wachstumshormons, Blutgefäss, Hypothalamus, Gehirn, Hirnanhangdrüse

Die Produktion und Ausschüttung des Wachstumshormons (GH) im Hypophysenvorderlappen wird durch einen Regelkreis zwischen der Wahrnehmung des Zustandes, der Menge an Wachstumshormon im Blut, dem Hypothalamus und der Hirnanhangsdrüse eingestellt:

1. Der Hypothalamus misst ständig die Menge an Wachstumshormon im Blut und nimmt den Zustand, in dem sich der Körper befindet, wahr.

2. Mithilfe der Botenstoffe GHRH und Somatostatin leitet der Hypothalamus der Hirnanhangsdrüse weiter, ob die Menge an Wachstumshormon im Blut normal, zu gross oder zu klein ist.

3. Je nach Meldung des Hypothalamus passt die Hirnanhangsdrüse ihre Produktion und Ausschüttung von Wachstumshormon ins Blut an, sodass die Menge an Wachstumshormon im Blut für den jeweiligen Zustand, in dem sich der Mensch gerade befindet, ausreichend ist und weder zu gross noch zu klein ist.

Zum SeitenanfangGonadotropine

Abbildung 5: Aufgaben der Gonadotropine
Aufgaben der Gonadotropine, Eierstock, Gebärmutter, Penis, Hoden, Gehirn, Hypothalamus, Hirnanhangdrüse

Die zwei Gonadotropine, die im Hypophysenvorderlappen produziert werden, sind das luteinisierende Hormon, kurz LH, und das follikelstimulierende Hormon, kurz FSH. Die Gonadotropine beeinflussen das Wachstum, die Funktion und die Sexualhormonproduktion der Hoden beim Mann und der Eierstöcke bei der Frau (siehe Abbildung 5). Beim Mann regt das luteinisierende Hormon in den Hoden die Produktion von Testosteron, dem wichtigsten männlichen Sexualhormon, an. Das Testosteron ermöglicht gemeinsam mit dem follikelstimulierenden Hormon dann die Ausreifung der Spermien.

Bei der Frau regt das luteinisierende Hormon in den Eierstöcken die Produktion von Östrogen, dem wichtigsten weiblichen Sexualhormon, und von Progesteron an. Östrogen und Progesteron regulieren zusammen den Menstruationszyklus. Das luteinisierende Hormon ermöglicht zudem eine Schwangerschaft, indem es bei der Frau zum Eisprung führt und nach dem Eisprung die Umwandlung des Follikels in den Gelbkörper bewirkt. Das follikelstimulierende Hormon ermöglicht bei der Frau die Ausreifung der Eizellen und regt gemeinsam mit dem luteinisierenden Hormon in den Eierstöcken die Produktion von Östrogen an.

Die Produktion und die Ausschüttung der Gonadotropine im Hypophysenvorderlappen wird durch den Hypothalamus überwacht (siehe gelber Kasten unten). Der Hypothalamus misst ununterbrochen die Menge an Sexualhormonen im Blut. Hat es zu wenige Sexualhormone im Blut, nimmt dies der Hypothalamus wahr und teilt dem Hypophysenvorderlappen mithilfe von Botenstoffen mit, dass er mehr Gonadotropine produzieren und ausschütten soll. Hat es zu viele Sexualhormone im Blut, bemerkt auch dies der Hypothalamus und beauftragt den Hypophysenvorderlappen, weniger Gonadotropine herzustellen. Ausserdem hemmt eine grosse Menge an Prolaktin im Blut die Produktion der Gonadotropine im Hypophysenvorderlappen.

Regelkreislauf der Gonadotropine- Regelkreis der Sexualhormone im Blut

Abbildung 6: Regelkreislauf der Gonadotropine
Regelkreislauf der Gonadotropine

Die Menge an Gonadotropinen, die der Hypophysenvorderlappen herstellt und ins Blut ausschüttet, wird durch einen Regelkreis zwischen den Sexualhormonen im Blut, dem Hypothalamus, der Hirnanhangsdrüse und den Hoden beim Mann respektive den Eierstöcken bei der Frau fein eingestellt:

1. Der Hypothalamus misst ständig die Menge an Sexualhormonen im Blut.

2. Mithilfe des Botenstoffs GnRH leitet der Hypothalamus der Hirnanhangsdrüse weiter, ob die Menge an Sexualhormonen im Blut normal, zu gross oder zu klein ist.

3. Mithilfe der Gonadotropine leitet die Hirnanhangsdrüse den Hoden beim Mann respektive den Eierstöcken bei der Frau je nach Menge an Sexualhormonen im Blut weiter, dass sie weiterhin in gleich grosser, in geringerer oder in grösserer Menge Sexualhormone herstellen und ins Blut ausschütten sollen.

4. Je nach Meldung der Hirnanhangsdrüse passen die Hoden beim Mann respektive die Eierstöcke bei der Frau ihre Produktion und Ausschüttung von Sexualhormonen ins Blut an, sodass die Menge an Sexualhormonen im Blut normal bleibt oder wird und weder zu gross noch zu klein ist.

Zum SeitenanfangAdrenocorticotropes Hormon (ACTH)

Abbildung 7: Aufgaben des ACTH
Aufgaben des ACTH

Mit dem adrenocorticotropen Hormon, abgekürzt ACTH, reguliert der Hypophysenvorderlappen die Produktion von Glukokortikoiden, Mineralokortikoiden und Sexualhormonen in der Nebennierenrinde (siehe Abbildung 7). Da das adrenocorticotrope Hormon in Stresssituationen vom Hypophysenvorderlappen vermehrt produziert und ausgeschüttet wird, wird es auch als Stresshormon bezeichnet. Als Stresshormon sorgt das adrenocorticotrope Hormon in Stresssituationen dafür, dass eine ausreichende Menge an Glukokortikoiden vorhanden ist. Die Glukokortikoide stellen den Körper so ein, dass der Betroffene die Stresssituation optimal bewältigen kann.

Die Produktion und die Ausschüttung des adrenocorticotropen Hormons im Hypophysenvorderlappen wird durch den Hypothalamus überwacht (siehe gelber Kasten unten). Die normale Menge an adrenocorticotropem Hormon und Glukokortikoiden im Blut schwankt in Abhängigkeit von der Tageszeit und dem Zustand, in dem sich der Mensch gerade befindet. Normalerweise hat es am frühen Morgen die grösste und am späten Abend die kleinste Menge an adrenocorticotropem Hormon im Blut. Der Hypothalamus misst ununterbrochen die Menge an adrenocorticotropem Hormon sowie Glukokortikoiden im Blut und stellt die Produktionsmenge an adrenocorticotropem Hormon im Hypophysenvorderlappen anhand dieser Messungen und des Zustands des Menschen ein.

Tritt eine Stresssituation auf, nimmt dies der Hypothalamus wahr und teilt dem Hypophysenvorderlappen mithilfe von Botenstoffen mit, dass er mehr adrenocorticotropes Hormon produzieren soll, damit die Nebennierenrinde mehr Glukokortikoide herstellt und der Körper optimal auf die Stresssituation eingestellt wird. Ist die Stresssituation überstanden, bemerkt dies wiederum der Hypothalamus und beauftragt dann den Hypophysenvorderlappen, wieder weniger adrenocorticotropes Hormon herzustellen. Mögliche Stresssituationen sind Prüfungen, Arbeit, Verletzungen, Operationen, Freude, psychische und körperliche Belastungen.

Der Regelkreislauf des ACTH

Abbildung 8: Regelkreislauf des ACTH
Regelkreislauf des ACTH

Die Produktion und Ausschüttung des adrenokortikotropen Hormons (ACTH) im Hypophysenvorderlappen wird durch einen Regelkreis zwischen der Wahrnehmung von Stresssituationen, der Menge an ACTH und Glukokortikoiden im Blut, dem Hypothalamus, der Hirnanhangsdrüse und den Nebennieren fein eingestellt. In dieser Abbildung wird der Regelkreis zur Vereinfachung nur an der rechten Nebenniere gezeigt.

1. Der Hypothalamus misst ständig die Menge an ACTH und an Glukokortikoiden im Blut und nimmt wahr, wenn eine Stresssituation besteht, zu deren Bewältigung mehr ACTH und Glukokortikoide benötigt werden.

2. Mithilfe des Botenstoffs CRH leitet der Hypothalamus der Hirnanhangsdrüse weiter, ob die Menge an ACTH und Glukokortikoiden im Blut normal, zu gross oder zu klein ist.

3. Mithilfe des Botenstoffs ACTH leitet die Hirnanhangsdrüse den Nebennieren je nach Menge an Glukokortikoiden im Blut und je nach Situation in der sich der Mensch gerage befindet weiter, dass sie weiterhin in gleich grosser, in geringerer oder in grösserer Menge Glukokortikoide herstellen und ins Blut ausschütten sollen.

4. Je nach Meldung der Hirnanhangsdrüse passen die Nebennieren ihre Produktion und Ausschüttung von Glukokortikoiden ins Blut an, sodass die Menge an Glukokortikoiden im Blut für die jeweilige Situation, in der sich der Mensch gerade befindet, ausreichend ist und weder zu gross noch zu klein ist.

Zum SeitenanfangThyreoideastimulierendes Hormon (TSH)

Abbildung 9: Aufgaben des TSH
Aufgaben des TSH, Aufgaben des Thyreoideastimulierendes Hormons

Das thyreoideastimulierende Hormon wird auch thyreotropes Hormon, Thyreotropin oder abgekürzt TSH genannt Mit dem thyreoideastimulierenden Hormon reguliert der Hypophysenvorderlappen die Funktion der Schilddrüse (siehe Abbildung 9). Mit dem Blut gelangt das thyreoideastimulierende Hormon aus dem Hypophysenvorderlappen in die Schilddrüse und regt die Schilddrüse zum Wachstum, zur Jodaufnahme und zur Produktion sowie Ausschüttung von Schilddrüsenhormonen an.

Die Produktion und die Ausschüttung des thyreoideastimulierenden Hormons im Hypophysenvorderlappen wird durch den Hypothalamus überwacht (vgl. gelber Kasten unten). Der Hypothalamus misst ununterbrochen die Menge an Schilddrüsenhormonen im Blut und stellt anhand dieser Messungen mithilfe von zwei von ihm produzierten Substanzen die Produktionsmenge an thyreoideastimulierendem Hormon im Hypophysenvorderlappen ein.

Ist die Menge an Schilddrüsenhormonen im Blut zu gering, produziert der Hypothalamus das sogenannte Thyreotropin Releasing Hormon, das die Produktion und Ausschüttung von thyreoideastimulierendem Hormon im Hypophysenvorderlappen fördert. Ist die Menge an Schilddrüsenhormonen im Blut zu gross, stellt der Hypothalamus Somatostatin her, das die Produktion und die Ausschüttung von thyreoideastimulierendem Hormon im Hypophysenvorderlappen hemmt.

Somatostatin hemmt daneben auch die Produktion und Ausschüttung von Wachstumshormon im Hypophysenvorderlappen. Die Produktion und Ausschüttung von thyreoideastimulierendem Hormon und diejenige von Wachstumshormon im Hypophysenvorderlappen beeinflussen sich deshalb gegenseitig. Wenn also zuviel Wachstumshormon im Blut vorhanden ist, wird durch den Hypothalamus nicht nur die Produktion und Ausschüttung von Wachstumshormon, sondern auch diejenige von thyreoideastimulierendem Hormon im Hypophysenvorderlappen gehemmt und umgekehrt. Zudem wird die Produktion und Ausschüttung von thyreoideastimulierendem Hormon im Hypophysenvorderlappen durch Östrogene, die weiblichen Geschlechtshormone, gefördert und durch Glukokortikoide gehemmt.

Der Regelkreislauf des TSH

Abbildung 10: Regelkreislauf des TSH
Regelkreislauf des TSH, Regelkreislauf des Thyreoideastimulierendes Hormons

Die Menge an thyreoideastimulierendem Hormon (TSH), die der Hypophysenvorderlappen herstellt und ins Blut ausschüttet, wird durch einen Regelkreis zwischen den Schilddrüsenhormonen im Blut, dem Hypothalamus, der Hirnanhangsdrüse und der Schilddrüse fein eingestellt:

1. Der Hypothalamus misst ständig die Menge an Schilddrüsenhormonen im Blut.

2. Mithilfe des Botenstoffs TRH leitet der Hypothalamus der Hirnanhangsdrüse weiter, ob die Menge an Schilddrüsenhormonen im Blut normal, zu gross oder zu klein ist.

3. Mithilfe des Botenstoffs TSH leitet die Hirnanhangsdrüse der Schilddrüse je nach Menge an Schilddrüsenhormonen im Blut weiter, dass sie weiterhin in gleich grosser, in geringerer oder in grösserer Menge Schilddrüsenhormone herstellen und ins Blut ausschütten soll.

4. Je nach Meldung der Hirnanhangsdrüse passt die Schilddrüse ihre Produktion und Ausschüttung von Schilddrüsenhormonen ins Blut an, sodass die Menge an Schilddrüsenhormonen im Blut normal bleibt oder wird und weder zu gross noch zu klein ist.

Zum SeitenanfangProlaktin

Abbildung 11: Aufgaben des Prolaktins
Aufgaben des Prolaktins, Funktion des Prolaktins, Funktion von Prolaktin im Hormonsystem

Prolaktin fördert während der Schwangerschaft gemeinsam mit Östrogen und Progesteron das Wachstum der Brust zur späteren Produktion der Muttermilch (siehe Abbildung 11). Nach der Schwangerschaft ermöglicht Prolaktin die Produktion von Muttermilch in der Brust und verhindert während der Stillzeit einen regelmässigen Menstruationszyklus mit einem regelmässigen Eisprung. Das Stillen gilt aber nicht als sichere Verhütungsmethode. Auch bei der nicht-schwangeren sowie nicht-stillenden Frau und beim Mann hat das Prolaktin Einfluss auf die Fruchtbarkeit, da das Prolaktin, wenn es in grösserer Menge im Körper vorhanden ist, die Produktion von Gonadotropinen im Hypophysenvorderlappen und damit die Funktion der Hoden beim Mann und der Eierstöcke bei der Frau stört.

Die Produktion und die Ausschüttung von Prolaktin im Hypophysenvorderlappen wird durch verschiedene Mechanismen kontrolliert (vgl. gelber Kasten unten). Bei Männern und bei Frauen, die nicht schwanger sind und die nicht stillen, ist das Prolaktin normalerweise nur in geringer Menge im Blut vorhanden. Die Produktion und Ausschüttung des Prolaktins im Hypophysenvorderlappen folgt einem Tag-Nacht-Rhythmus, sodass es in der Nacht die grösste und früh am Morgen die kleinste Menge an Prolaktin im Blut hat.

Die Produktion und Ausschüttung von Prolaktin im Hypophysenvorderlappen wird bei Frauen, die nicht schwanger sind und die nicht stillen, und bei Männern durch Dopamin gehemmt. Dopamin ist ein Botenstoff, mit dem sich die Anteile des Nervensystems untereinander unterhalten und mit dem das Nervensystem anderen Organen wie dem Hypophysenvorderlappen Befehle gibt. Gewisse Medikamente wirken ähnlich wie Dopamin und hemmen die Produktion und Ausschüttung von Prolaktin zusätzlich.

Wenn eine Frau schwanger ist oder wenn eine Frau stillt, wird dies vom Hypothalamus wahrgenommen. Als Reaktion fördert der Hypothalamus mithilfe einer von ihm gebildeten Substanz die Produktion und die Ausschüttung von Prolaktin im Hypophysenvorderlappen und hebt die Hemmung durch Dopamin auf. Während der Stillzeit ist das Saugen an den Brustwarzen durch das Kind das Zeichen für den Hypothalamus, dass er weiterhin die Produktion und Ausschüttung von Prolaktin im Hypophysenvorderlappen fördern und die Hemmung durch Dopamin verhindern muss.

Aber auch Stress, Unterzuckerung, vermehrter Schlaf oder bestimmte Medikamente, die die Wirkung des Dopamins aufheben, können die Produktion und Ausschüttung von Prolaktin im Hypophysenvorderlappen fördern. Stress kann deshalb bei Mann und Frau zu einer vorübergehenden Unfruchtbarkeit führen oder eine solche noch verstärken, da eine vermehrte Menge an Prolaktin im Blut die Produktion von Gonadotropinen im Hypophysenvorderlappen und damit die Funktion der Hoden beim Mann und der Eierstöcke bei der Frau stört.

Zudem wird die Produktion und Ausschüttung von Prolaktin im Hypophysenvorderlappen gesteigert, wenn bei einer Schilddrüsenunterfunktion der Hypothalamus mit einer bestimmten Substanz, dem Thyreotropin Releasing Hormon, dem Hypophysenvorderlappen befiehlt, mehr thyreoideastimulierendes Hormon herzustellen. Denn mit dem thyreoideastimulierenden Hormon bewirkt der Hypothalamus nicht nur eine Anregung der Produktion von Schilddrüsenhormonen in der Schilddrüse, sondern gleichzeitig auch eine vermehrte Produktion von Prolaktin im Hypophysenvorderlappen.

Regelkreislauf des Prolaktins

Abbildung 12: Regelkreislauf des Prolaktins
Regelkreislauf des Prolaktins

Die Menge an Prolaktin, die der Hypophysenvorderlappen herstellt und ins Blut ausschüttet, wird durch den Hypothalamus gesteuert. Bei Männern und bei nicht-schwangeren und nicht-stillenden Frauen wird die Produktion und Ausschüttung von Prolaktin im Hypophysenvorderlappen durch Dopamin gehemmt.

1. Wenn eine Frau schwanger ist oder stillt, bemerkt dies der Hypothalamus.

2. Der Hypothalamus hebt die Hemmung durch Dopamin auf und befiehlt der Hirnanhangsdrüse mithilfe des Botenstoffs TRH, Prolaktin herzustellen und ins Blut auszuschütten.

3. Das Prolaktin gelangt mit dem Blut zur weiblichen Brust und fördert während der Schwangerschaft das Wachstum der Brust zur späteren Produktion der Muttermilch. Während der Stillzeit ermöglicht das Prolaktin die Produktion der Muttermilch.

Zum SeitenanfangErkrankungen des Hypophysenvorderlappens

Verschiedene gutartige und bösartige Erkrankungen des Hypophysenvorderlappens sind möglich. Sie können mit einer Veränderung der Hormonproduktion einhergehen. Geht eine Erkrankung des Hypophysenvorderlappens mit einer Veränderung der Hormonproduktion einher, wird sie nach dem veränderten Hormon benannt. Wenn zu viel von dem Hormon produziert wird, wird von einer Überproduktion oder einem Überschuss dieses Hormons gesprochen, wenn zu wenig von dem Hormon produziert wird, von einer Unterproduktion oder einem Mangel. Die Eigenschaften des Hormons, von dem aufgrund der Erkrankung des Hypophysenvorderlappens eine zu grosse oder zu geringe Menge hergestellt wird, entscheiden schliesslich über die Beschwerden der Betroffenen.

Autor/in:Dr. med. Sidonie Achermann, Ärztin
Editor/in:Dr. Julia Feucht, Ärztin
Keywords:Hypophysenvorderlappen, Hirnanhangsdrüsenvorderlappen, Vorderlappen der Hirnanhangsdrüse, Vorderlappen der Hypophyse, HVL, Adenohypophyse, Hypophyse, Hirnanhangsdrüse, Türkensattel, Sella turcica, Hypophysenstiel, Infundibulum, Stillen, Wachstumshormon, GH, Growth Hormon, Somatotropin, STH, hGH, human Growth Hormon, somatotropes Hormon, Längenwachstum, Hypothalamus, Somatostatin, Gonadotropine, luteinisierendes Hormon, LH, follikelstimulierendes Hormon, FSH, Sexualhormone, Testosteron, Östrogen, Progesteron, Eisprung, adrenocorticotropes Hormon, ACTH, Kortikotropin, Corticotropin, adrenokortikotropes Hormon, thyreoideastimulierendes Hormon, TSH, thyreotropes Hormon, Thyreotropin, Thyreoidea stimulierendes Hormon, Prolaktin, Muttermilch, Stillzeit, Dopamin, Prolactin, laktotropes Hormon, LTH, Laktotropin
Zuletzt geändert:18.11.2016Zum Seitenanfang
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