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Chronische Rückenschmerzen

Synonyme: Rückenverspannungen, verspannter Rücken

Zum SeitenanfangAllgemeines

Rücken mit Schädel, Wirbelsäule und Becken
Aufbau der Wirbelsäule: Wirbelkörper, Bandscheiben, Nervenaustrittsstellen, Kreuzbein, Steissbein
Rückenmuskulatur, Wirbelsäule, kleine Rückenmuskeln, Beckenknochen, verspannte Rückenmuskulatur, verstauchte Rückenmuskulatur

Eine der häufigsten Erkrankungen sind die chronischen Rückenschmerzen. Sie sind zusammen mit dem grippalen Infekt der häufigste Grund für ein Fehlen am Arbeitsplatz und stellen damit nicht nur ein grosses gesundheitliches, sondern auch wirtschaftliches Problem dar.

Sehr viele verschiedene Auslöser, die von einer "falschen Bewegung" über ein nicht korrektes Anheben einer Last bis zu Metastasen eines bösartigen Tumors reichen, können Rückenschmerzen verursachen.

Der Aufgabenbereich des Rückens ist sehr breit und reicht von der Haltefunktion des Körpers, welche die aufrechte Körperhaltung ermöglicht, bis zu den komplexen Beuge- und Drehbewegungen, die einen wesentlichen Bestandteil der Beweglichkeit unseres Körpers ausmachen.

Damit der Rücken diese sehr unterschiedlichen Funktionen ausüben kann, ist eine aufwändige Konstruktion aus Knochen, Gelenken, Bändern und Muskeln notwendig.

Wie auf der zweiten Abbildung sichtbar, entspricht die Wirbelsäule dem knöchernen Skelett des Rückens. Sie besteht aus 24 Wirbeln, wobei immer zwischen zwei Wirbeln eine Bandscheibe eingelagert ist. Diese dient als Stossdämpfer, um die Schläge, die auf die Wirbelsäule einwirken, etwas abzudämpfen.

Die direkt neben der Wirbelsäule verlaufende Rückenmuskulatur, sowie auch die Bauchmuskulatur, deren schräg verlaufender Anteil um den Rumpf herum bis zur Rückenmuskulatur reicht, verleihen dem Rücken die Stabilität und ermöglichen die Bewegung des Rumpfes.

Wirbelkörper, Bandscheibe, Nervenabgänge aus dem Rückenmark, Rückenmark im Wirbelkanal

Eingeschlossen in einen durch die Wirbelsäule gebildeten Kanal, verläuft das Rückenmark, von dem aus in regelmässigen Abständen Nerven abgehen, die den Körper versorgen. Immer zwischen zwei Wirbelkörpern besteht auf beiden Seiten der Wirbelsäule eine solche Nervenaustrittstelle. Durch diese ungünstige Lage werden bei einer Verletzung der Wirbelsäule die abgehenden Nerven oft auch mit beschädigt. Dies kann Schmerzen, unter anderem die typischen, ausstrahlenden Schmerzen verursachen.

Der unterste Teil der Wirbelsäule, die Lendenwirbelsäule, ist der am stärksten belastete Abschnitt. Sie verbindet den Rumpf mit dem Becken und den Beinen, trägt das ganze Gewicht des Körpers oberhalb des Beckens und ist an fast allen Bewegungen des täglichen Lebens beteiligt. Deshalb wirkt sich eine Beeinträchtigung der Lendenwirbelsäule im alltäglichen Leben deutlich einschränkend aus.

Vor allem bei sehr lang anhaltenden Rückenschmerzen kann ein Missverhältnis zwischen dem vorhandenen Leidensdruck und den klinischen Befunden auftreten. Bei den Betroffenen ist dies oft ein Ausdruck einer hohen beruflichen, familiären oder psychischen Belastung, welche eine wesentliche Rolle bei der Entstehung oder dem Anhalten der Rückenschmerzen spielen. Je länger eine Arbeitsunfähigkeit aufgrund der Rückenbeschwerden anhält, desto schlechter ist die Prognose im Bezug auf einen Wiedereinstieg in das normale Berufsleben.

Zum SeitenanfangUrsachen und Symptome

Die lokalen Schmerzen können andauernd vorhanden sein oder phasenweise auftreten. Die Schmerzen werden sehr unterschiedlich beschrieben und können oberflächlich oder tief empfunden werden und einen dumpfen und diffusen oder hellen, scharfen Charakter haben.

Es werden drei unterschiedliche Typen Kreuzschmerzen unterschieden:

Lokale Schmerzen

Die lokalen Schmerzen entstehen vor allem aufgrund von Verspannungen oder Verstauchungen der Rückenmuskulatur durch einen Unfall und sind auf eine ganz bestimmte Region des Rückens beschränkt. Durch intensive körperliche Bewegungen und langes Verharren in derselben Position ohne sich zu bewegen verschlimmern sie sich meist. Um die Schmerzen zu vermeiden, wird oft unbewusst eine körperliche Fehlhaltung angenommen und unnatürliche Bewegungsabläufe ausgeführt, die ihrerseits zu zusätzlichen Muskelverspannungen und Schmerzen führen können. Die Schmerzen gehen normalerweise im Verlauf von Wochen kontinuierlich zurück.

Nervenkompressions-Schmerzen

Nervenkompressionsschmerzen können durch eine Vielzahl verschiedener Erkrankungen entstehen. Dazu gehören zum Beispiel die Diskushernie, ein enger Spinalkanal (knöcherner Kanal der Wirbelsäule, in welchem das Rückenmark verläuft), oder wenn Tumoren in diesem Kanal wachsen und so das Rückenmark verdrängen. Auch Knochensporne oder so genannte Überdruckzysten der Gelenkhaut, welche beide als Abnutzungserscheinungen der Wirbelsäulengelenke entstehen, können die vom Rückenmark abgehenden Nerven zusammenpressen und so diese Schmerzen verursachen.

Sie sind am Ort der Verletzung dumpf und können von einem Muskelhartspann auf beiden Seiten der Wirbelsäule auf der Höhe des Geschehens begleitet sein. Die Schmerzen werden durch lange Spaziergänge, durch Husten oder Niesen, oder wenn man sich mit gestreckten Beinen auf dem Boden sitzend vornüberbeugt, verstärkt. Typischerweise werden sie von ausstrahlenden Schmerzen begleitet, welche als einschiessend oder elektrisierend wahrgenommen werden, und die über das Gesäss in ein oder beide Beine ausstrahlen. Bei sehr starker Nervenkompression können Gefühlsausfälle, Taubheit von Zehen, Ameisenlaufen oder sogar Lähmungen auftreten. Diese Nervenkompressions-Schmerzen sind üblicherweise im Verlauf von Wochen oder Monaten rückläufig, können jedoch bei ausgeprägter und anhaltender Symptomatik eine chirurgische Entlastung erfordern. Kennzeichen für einen solchen Verlauf sind Lähmungserscheinungen oder der Verlust der Darm- und Blasenkontrolle.

Fortgeleitete Schmerzen

Diese Kreuzschmerzen entstehen in einem anderen Organ des Bauchraums und werden dann in die Region des tiefen Rückens projiziert. Es handelt sich um tiefe, konstante und diffuse Schmerzen, die sich bei Bewegung weder verschlimmern noch verbessern. Bezeichnenderweise werden sie im Verlauf der Nacht schlimmer. Ein typisches Beispiel einer Erkrankung, die solche Schmerzen auslöst, ist ein Harnwegsinfekt, bei dem auch die Nieren betroffen sind (Pyelonephritis).

Was ist ein "Ischias"?

Nervenabgänge aus dem Rückemark, Nerven, Abstrahlung von Rückenschmerzen ins Bein und in den Fuss

Der Ischiasnerv ist ein fast fingerdicker Nerv, der von den Nervenabgängen der unteren Wirbelsäule ausgeht, und unter den Gesässmuskeln durch hinunter ins Bein und bis zum Fuss zieht und dieses versorgt. Im Verlauf des Beines gehen von diesem dicken Nerv mehrere Äste zu den versorgenden Muskeln ab.

Entzündet sich der Nerv, oder wird er durch einen Krankheitsprozess zusammengedrückt oder verletzt, entstehen meist nur einseitige Empfindungsstörungen, zum Beispiel in Form von Ameisenlaufen, und einschiessende, ins Bein und in den Fuss ausstrahlende Schmerzen ("Ischias"). Diese werden durch Treppensteigen, Joggen oder durch Dehnung des Nervs (zum Beispiel mit gestreckten Beinen auf den Boden sitzen und sich vornüberbeugen) verstärkt.

Zum SeitenanfangDiagnose

Das wichtigste Element bei der Diagnostik von Rückenschmerzen ist die genaue Erfassung der Symptome. Dabei ist von besonderer Bedeutung, ob zum Beispiel ein Unfall die Rückenschmerzen ausgelöst hat, ob sich die Schmerzen schleichend entwickelt haben oder ob sie plötzlich und ohne ein auslösendes Ereignis entstanden sind. Weiter ist es wichtig zu wissen, wo genau der Schmerz lokalisiert ist, ob er in eine andere Körperregion ausstrahlt und ob er durch eine bestimmte Körperhaltung oder Bewegung verstärkt oder gelindert werden kann. Des Weiteren ist auch der Schmerztyp für die Diagnostik ein wichtiges Kriterium. Dieser hängt davon ab, ob der Schmerz in der Nacht oder in Ruhe mit einer Versteifung der Rückenmuskulatur entsteht, oder ob er nach körperlicher Bewegung oder Arbeit auftritt.

Daneben können begleitend zu den Rückenschmerzen auch andere Beschwerden wie zum Beispiel Fieber und Gewichtsverlust auftreten, die einen entscheidenden Hinweis auf die Ursache geben können.

Da eine persönliche, berufliche oder familiäre Belastungssituation wie in der Einleitung bereits erwähnt Rückenschmerzen verursachen oder ein Ausheilen verzögern kann, sollten in einem Gespräch auch derartige Auslöser erkannt werden.

Zum SeitenanfangTherapie

Falls der Verdacht vorliegt, dass eine behandelbare Ursache die Beschwerden auslöst, sollte möglichst rasch eine entsprechende Diagnostik zum Beweis oder Ausschluss durchgeführt und die Ursache behandelt werden.

Wenn die spezifischen Zeichen, die auf einen bestimmten Auslöser hindeuten, fehlen, ist eine Schmerztherapie angebracht mit dem Ziel der möglichst raschen Wiederaufnahme einer normalen Berufstätigkeit. In der akuten Phase ist eine körperliche Schonung angezeigt, wobei möglichst rasch die normale Alltagstätigkeit wieder aufgenommen werden sollte.

Bei der medikamentösen Schmerztherapie kommen in einem ersten Schritt Schmerzmittel wie Panadol®, Dafalgan® oder Ben-u-ron® zur Anwendung.

Die zweite Stufe der Schmerztherapie besteht aus Medikamenten der Gruppe der Entzündungshemmer. Diese Medikamente müssen vom Arzt verschrieben werden und sind wirksamer als die Medikamente der ersten Stufe. Sie bekämpfen auch die durch die Entzündung entstandene Schwellung am Ort der Verletzung.

Ist die akuteste Phase überwunden, kann man mit Wärmekissen und Massage versuchen die verspannte Rückenmuskulatur zu lockern. Die Wärmeeinwirkung auf die verspannte Muskulatur bewirkt ausserdem eine Schmerzlinderung.

Durch Krankengymnastik wird die Bauch- und Rückenmuskulatur gekräftigt und damit die Stabilisierung des Rumpfes durch diese Muskeln verbessert. In der untenstehenden Tabelle sind einige dieser Übungen beschrieben und mit Bildern illustriert.

Das ergonomische Gestalten des Arbeitsplatzes, und die Anschaffung eines guten Stuhles für Leute, die viel sitzend arbeiten, sind wichtige Schritte für eine langfristig erfolgreiche Therapie.

Zum SeitenanfangPrognose

Die Schmerzsyndrome des Rückens haben eine sehr gute Prognose und Heilungschance. Mehr als 90% aller Patienten sind in Monatsfrist ungeachtet der Therapie beschwerdefrei. Die Aussichten sind umso günstiger, je schneller die Beschwerden behoben werden können und je schneller die Patienten wieder einer normalen Berufstätigkeit nachgehen können.

Übungen zur Vorbeugung von Rückenschmerzen

Kräftigung der Rumpfmuskulatur

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Für diese Übung legt man sich mit angezogenen Beinen auf den Rücken. Dann wird das Gesäss angespannt, das Becken 1-2cm vom Fussboden abgehoben und die Bauchmuskeln angespannt. Diese Position wird für etwa 10 Sekunden gehalten. Die Übung sollte 20x wiederholt werden.

Aufbauübung der Bauchmuskulatur

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Auch für diese Übung legt man sich mit angezogenen Beinen auf den Rücken. Die Arme werden überkreuzt auf die Brust gelegt. Dann wird die Bauchmuskulatur angespannt und der Oberkörper etwa 30cm vom Boden angehoben und für 10 Sekunden gehalten. Der Hals sollte dabei gestreckt bleiben, so dass das Kinn nicht das Brustbein berührt. Es sollten 3 Serien à 10 dieser Übungen gemacht werden.

Dehnübung für die Streckmuskulatur der Hüfte

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Zur Ausgangsstellung legt man sich wiederum mit angezogenen Beinen auf den Rücken, fasst sich mit beiden Händen in die Kniekehle eines Beines und zieht dieses langsam auf den Bauch. Diese Stellung wird für etwa 10 Sekunden gehalten. Die gleiche Übung wird am anderen Bein durchgeführt. Diese Übung dient zur Dehnung der Muskulatur und wird pro Bein 10x wiederholt.

Dehnübung für die Beugemuskulatur der Beine

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Für diese Übung setzt man sich mit gestreckten und gespreizten Beinen auf den Boden. Dann platziert man beide Hände auf einem Knie und fährt mit beiden Händen dem Schienbein entlang nach unten bis eine Spannung im Bein zu spüren ist. Diese wird für 10 Sekunden gehalten. Diese Übung sollte keine Schmerzen verursachen. Sie wird bei jedem Bein 10x wiederholt.

Dehnübung für die Streckmuskulatur des Beines

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Bei dieser Dehnübung steht man auf einem Bein. Das andere wird etwa 90° gebeugt und mit der Hand der gleichen Seite wird das Fussgelenk umfasst. Es muss dabei darauf geachtet werden, dass die beiden Knie zusammen bleiben. Dann wird das Fussgelenk gegen die Hand gedrückt und diese Spannung für etwa 10 Sekunden gehalten. Diese Übung wird auf jeder Seite 10x wiederholt.

Autor/in:Dr. med. Urspeter Knecht, Arzt
Editor/in:Prof. Dr. med. Michael Seitz, Facharzt für Rheumatologie
Keywords:Chronische Rückenschmerzen, Rückenverspannungen, Diskushernie, Ischias, Kreuzschmerzen, Muskelverspannungen, Schmerztherapie, Kräftigung der Rumpfmuskulatur, Aufbauübung der Bauchmuskulatur, Dehnübung für die Streckmuskulatur der Hüfte, Dehnübung für die Beugemuskulatur der Beine, Dehnübung für die Streckmuskulatur des Beines
ICD-10:M54
Zuletzt geändert:25.03.2016Zum Seitenanfang
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