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Komplikationen nach Magen-Operationen

Synonyme: Postgastrektomiesyndrom

Allgemeines

Nach einer Magenoperation mit teilweiser oder praktisch vollständiger Entfernung des Magens - es wird von einer teilweisen oder vollständigen Gastrektomie gesprochen - kann es zu Verdauungsbeschwerden kommen. Die Häufigkeit und Art der Symptome, die nach einer Operation auftreten, können je nach Eingriffsart variieren.

Bevor bekannt war, dass das Magengeschwür vor allem durch das Bakterium Helicobacter pylori entsteht, welches die Magenschleimhaut befallen kann, wurde häufig der den Magen versorgende Nerv durchtrennt. Durch diese, auch Vagotomie genannte Operation, wurde erreicht, dass weniger Magensäure produziert und dadurch der Magen geschützt wird.
Allerdings wird dieses Verfahren heute nicht mehr angewendet, da es zahlreiche Nebenwirkungen nach sich zieht. Es kann jedoch vorkommen, dass der Nerv als unerwünschte Nebenwirkung im Rahmen einer Magenoperation durchtrennt wird.

Symptome

Ganz generell treten bei fast jeder dritten Person nach einer teilweisen oder vollständigen Entfernung des Magens mitunter ausgeprägte Symptome auf. Typisch sind vor allem Verdauungsstörungen mit Gewichtsverlust und Erbrechen sowie auch eine Blutarmut, Dünndarmgeschwüre und Bewegungsstörungen des Darms.

Wird durch die Operationsmethode nur ein kleines Stück Magen übrig gelassen, so stellt sich nach der Nahrungsaufnahme früh ein Sättigungsgefühl mit Völle- und Druckgefühl ein. Um diese unangenehmen Gefühle zu vermeiden, essen die Betroffenen nur wenig und verlieren deshalb oft rasch an Gewicht.

Eine nicht selten gesehene Komplikation ist das so genannte Frühdumping. Dabei gelangt aufgrund der Magenentfernung ein nahezu unverdauter Nahrungsbrei in tiefere Teile des Dünndarms. Dadurch wird dem Körper, vor allem dem Blut, eine erhebliche Menge Flüssigkeit entzogen, was zu einem akuten Volumenmangel mit den typischen Symptomen Schwindel und Schwächegefühl sowie Bauchschmerzen und Durchfall führen kann. Diese Symptome treten gewöhnlich schon kurze Zeit, das heisst 10-30 Minuten nach dem Essen auf.

Weniger häufig tritt das so genannte Spätdumping auf. Dabei wird vor allem bei kohlenhydratreicher Ernährung unkontrolliert Insulin freigesetzt, was die typischen Symptome wie Heisshunger, Unwohlsein, Kaltschweissigkeit und Schwäche verursacht. Dies sind die Symptome eines zu tiefen Blutzuckerspiegels, einer so genannten Hypoglykämie, welche auch bei einem Diabetiker auftreten, wenn er zuviel Insulin spritzt.

Ebenfalls mögliche Beschwerden nach einer Magenoperation sind die so genannten Loop-Syndrome. Dabei besteht entweder eine Entleerungsstörung des operierten Magens oder Darms, oder aber der oberste Darmabschnitt wird durch Darmbakterien überwuchert. Durch diese Bakterien werden wichtige Bestandteile der Galle unbrauchbar gemacht und so eine normale Verdauung verhindert. Auch hier leiden die Betroffenen an den unterschiedlichsten Symptomen wie Appetitverlust, Völlegefühl, Erbrechen und Durchfall sowie einem daraus resultierenden kontinuierlichen Gewichtsverlust.

Wird als unerwünschte Nebenwirkung im Rahmen einer Magenoperation der den Magen versorgende Nerv durchtrennt, kann es ebenfalls nach dem Essen zu einem Völle- und Druckgefühl sowie auch zu Aufstossen und Magenbrennen kommen.

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Magenoperationen

Bei einer so genannten Magenresektion wird der untere Teil des Magens, welcher den Magen mit dem Dünndarm verbindet, entfernt.
Nach der Entfernung muss der restliche Magen wieder mit dem Dünndarm verbunden werden. Einerseits kann der abgesetzte Darm wie auf der nebenstehenden Abbildung direkt an den verbleibenden Magen genäht werden. Diese Operation wird Billroth I genannt.

 

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Bei einer so genannten Billroth II Operation wird der Restmagen seitlich an den Dünndarm genäht und das vom Magen abgesetzte Ende des Dünndarms verschlossen. Somit tritt der Speisebrei etwas weiter unten vom Magen in den Dünndarm über. Das Dünndarmstück bis zur Einmündung des Magens ist in seiner Funktion nach wie vor sehr wichtig, weil es die Verdauungssäfte von der Bauchspeicheldrüse sowie auch die Galle zu der Stelle transportiert, wo der Speisebrei in den Darm eintritt.

 

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Beim dritten klassischen Verfahren, der so genannten Roux-Y-Gastroentereostomie, werden etwa die ersten 50cm des Dünndarms vom restlichen Dünndarm abgeschnitten und auf der Magenseite durch eine Naht verschlossen. Das andere Ende wird ungefähr 50cm weiter unten seitlich an den verbliebenen Dünndarm genäht. Das nun noch offene Ende des Dünndarms wird mit dem Magen verbunden. Der Nachteil dieses Verfahrens ist, genauso wie bei einer Billroth II-Operation, dass der Nahrungsbrei nicht mehr die ganze Länge des Dünndarms durchläuft.

 

Bei einer so genannten Umstellungsoperation wird meist eine Billroth II-Operation nachträglich in eine Roux-Y-Operation oder in eine Billroth-I-Operation umgewandelt.

Therapie

In allen Fällen ist es wichtig, dass die Betroffenen häufig und in regelmässigen Abständen über den Tag verteilt kleine Mahlzeiten einnehmen. Dadurch können in der Regel die oben beschriebenen Symptome vermindert oder sogar ganz vermieden werden.

Beim Auftreten eines Dumping-Syndroms muss zusätzlich darauf geachtet werden, dass die Mahlzeiten möglichst Kohlenhydratarm sind. Lebensmittel wie zum Beispiel Brot, Teigwaren oder Kartoffeln sollten daher nur in kleinen Mengen konsumiert werden.

Ein häufig parallel zu den Symptomen vorkommender Vitamin B12-Mangel muss durch regelmässige Vitamin-B12-Spritzen in die Muskulatur ausgeglichen werden.

Nur ausgeprägte Dumping-Syndrome, bei denen die eben beschriebene Therapie nicht zum gewünschten Erfolg führt, sowie auch Loop-Syndrome können durch eine Umstellungsoperation therapiert werden.

Bei einer bakteriellen Überwucherung des Darms ist eine langfristige Antibiotikum-Therapie unumgänglich.

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Zuletzt geändert: 26.09.2006 Druckversion Zum Seitenanfang
 
Autor/in: Urspeter Knecht, Dr. med., Arzt
ICD-10: K91.1
Keywords: Postgastrektomiesyndrom, Dumping, Frühdumping, Spätdumping, Loop-Syndrome, Gastrektomie, Komplikationen Magenoperation, Komplikation Magen-OP, Folgeschäden, Spätfolgen, Billroth, Billrot, Bilroth, Roux, Gewichtsverlust

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