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Morbus Basedow

Synonyme: Basedowsche Krankheit, Graves' Disease, Autoimmunthyreopathie, Autoimmunerkrankung, Autoimmunthyreopathie Typ 3, Immunthyreopathie, Immunhyperthyreose

Zusammenfassung

Der Morbus Basedow, auch Graves' Disease genannt, ist eine sogenannte Autoimmunkrankheit. Dabei greift das Abwehrsystem des Körpers, das Immunsystem, aus bisher nicht bekanntem Grund die eigene Schilddrüse an und führt dazu, dass die Schilddrüse zu viele Schilddrüsenhormone herstellt. Die Beschwerden beim Morbus Basedow kommen durch den Schilddrüsenhormonüberschuss zustande und sind vielfältig. Typischerweise kann die Schilddrüse zudem vergrössert sein und die Augen sowie die Haut können verändert werden. Die Diagnose des Morbus Basedow wird mit Gespräch, körperlicher Untersuchung, Ultraschall, Blutuntersuchungen, Gewebeuntersuchung und/oder Schilddrüsenszintigraphie gestellt. Zur Behandlung des Morbus Basedow werden Medikamente, Schilddrüsenoperation und/oder Radiojodtherapie eingesetzt.

Allgemeines

Im deutschsprachigen Raum kann der Morbus Basedow auch Basedowsche Krankheit genannt werden, da Morbus ein Begriff aus der lateinischen Sprache ist, der auf Deutsch Krankheit bedeutet. Basedow ist der Name von einem der beiden Entdecker der Erkrankung. Zudem wird der Morbus Basedow vor allem im englischsprachigen Raum Graves' Disease genannt, wobei Disease wiederum Krankheit heisst und Graves der Name des zweiten Entdeckers der Erkrankung ist.

Beim Morbus Basedow handelt es sich um eine Erkrankung der Schilddrüse, bei der das Abwehrsystem des Körpers, das sogenannte Immunsystem, aus einem bisher nicht bekannten Grund einen Fehler begeht. Es erkennt das Schilddrüsengewebe als Eindringling, der dem Körper schaden möchte. Zur Verteidigung produziert das Abwehrsystem Abwehrstoffe gegen das Schilddrüsengewebe, sogenannte Antikörper. Da diese Abwehrstoffe gegen die eigene Schilddrüse gerichtet sind, tragen sie auch die Bezeichnung Autoantikörper. Die Schilddrüsen-Autoantikörper regen in den Schilddrüsenzellen die Produktion von Schilddrüsenhormonen an. Die Folge ist eine erhöhte Menge an Schilddrüsenhormonen im Blut. Es wird von einer Hyperthyreose, einem Schilddrüsenhormonüberschuss, gesprochen.

Der Morbus Basedow ist eine Krankheit, bei der das Abwehrsystem des Körpers Abwehrstoffe, sogenannte Antikörper, gegen seine eigene Schilddrüse bildet. Häufig bildet ein Mensch dann nicht nur Abwehrstoffe gegen die Schilddrüse, sondern gleichzeitig oder später auch noch gegen andere Organe seines Körpers. Deshalb wird der Morbus Basedow oft von anderen Krankheiten des Abwehrsystems, wie beispielsweise einem Diabetes mellitus Typ 1, einer chronischen Polyarthritis, einer perniziösen Anämie, einer Vitiligo oder einer Myasthenia gravis, begleitet.

Der Morbus Basedow ist für etwa die Hälfte der Schilddrüsenüberfunktionen in der erwachsenen Bevölkerung verantwortlich. Somit leiden etwa zwei bis vier von hundert Menschen irgendwann in ihrem Leben an einem Morbus Basedow. Frauen erkranken daran fünf Mal häufiger als Männer. Die meisten Betroffenen erkranken zwischen dem 20ten und dem 40ten Lebensjahr an einem Morbus Basedow.

Die Schilddrüse

Abbildung: Schilddrüse von der Seite
Abbildung: Schilddrüse von der Seite
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Die Schilddrüse, auch Thyroidea oder Glandula thyroidea genannt, ist ein kleines, lebenswichtiges Organ unterhalb des Kehlkopfs. Von vorne umfasst sie halbkreisförmig die Luftröhre (siehe Abbildung). Unter der Haut des Halses kann sie getastet werden.
Die Schilddrüse produziert die Schilddrüsenhormone. Kontrolliert wird die Schilddrüse dabei durch die Hirnanhangsdrüse, welche wiederum durch ein bestimmtes Areal des Gehirns, den Hypothalamus, gesteuert wird. Durch diesen Regelkreis wird die Menge an Schilddrüsenhormonen im Blut fein eingestellt. Zur Produktion der Schilddrüsenhormone braucht die Schilddrüse Jod aus der Nahrung.
Die Schilddrüsenhormone regen in fast allen Zellen im Körper den Stoffwechsel an. So nehmen sie Einfluss auf den Zucker-, Fett- und Eiweisshaushalt, den Wärmehaushalt und die Körpertemperatur, das Herz und den Kreislauf, die Gemütsverfassung und die Leistungsfähigkeit, den Magen und den Darm, die Muskeln und das Nervensystem. Beim Kind steuern die Schilddrüsenhormone zudem die Gehirn- und Nervenentwicklung sowie das Knochenwachstum.
Neben den Schilddrüsenhormonen produziert die Schilddrüse mit speziellen Zellen, den C-Zellen, das Calcitonin. Das Calcitonin ist ein Hormon, welches den Kalziumspiegel im Blut senkt. Der Gegenspieler des Calcitonins ist dabei das Parathormon, das den Kalziumspiegel im Blut erhöht. Das Parathormon ist ein Hormon, welches von den Nebenschilddrüsen hergestellt wird.

Symptome

Beschwerden durch die Schilddrüsenüberfunktion

Abbildung 1: Beschwerden bei einer Überfunktion der Schilddrüse
Abbildung 1: Beschwerden bei einer Überfunktion der Schilddrüse
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Der Morbus Basedow geht praktisch immer mit einer Schilddrüsenüberfunktion einher. Die Schilddrüsenüberfunktion kann beim Betroffenen zu einer breiten Palette an Beschwerden führen, da die Schilddrüsenhormone in beinahe jeder Zelle des Körpers eine Anregung und Beschleunigung des Kreislaufes bewirken (siehe Abbildung 1). Häufig auftretende Beschwerden sind ein anhaltender Unruhezustand mit Nervosität, Gereiztheit, Schlaflosigkeit, Depression oder vermindertem Antrieb. Die Betroffenen berichten teils über einen unerklärlichen Gewichtsverlust trotz Heisshunger. Durchfall, Haarausfall, Muskelschwäche sowie ein feines Zittern der ausgestreckten Finger sind möglich. Die Körpertemperatur steigt an, der Betroffene wird überempfindlich gegenüber Wärme und schwitzt trotz normaler Aussentemperatur. Die Haut ist warm und feucht. Durch die Anregung des Kreislaufs steigen der Blutdruck und die Herzfrequenz. Insbesondere bei älteren Patienten kann es dadurch zur Herzschwäche mit Herzvergrösserung und Herzrhythmusstörungen bis zum Herzinfarkt kommen. Bei Betroffenen mit einem Diabetes mellitus ist eine Verschlechterung des Blutzuckers mit Zunahme der Zuckermenge im Blut möglich.

Für den Morbus Basedow typische Beschwerden

Abbildung 2: endokrine Orbitoopathie
Abbildung 2: endokrine Orbitoopathie
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Neben den Beschwerden des Schilddrüsenhormonüberschusses sind zusätzlich für den Morbus Basedow typische Beschwerden möglich. Bei etwa einem Drittel bis der Hälfte der Betroffenen wird eine einseitige oder beidseitige Veränderung der Augen beschrieben, die endokrine Orbitopathie oder endokrine Ophthalmopathie genannt wird (siehe Abbildung 2). Die Antikörper, die der Körper gegen die Schilddrüse bildet, führen zu einer Entzündung mit Anschwellung des Gewebes in der Augenhöhle. Die Schwellung drückt den Augapfel nach aussen. Das Auge wird für den Betrachter grösser, der Blick starr. Die Augenlider können nur noch mit Mühe geschlossen werden. Der Betroffene klagt über ein Druckgefühl, vermehrten Tränenfluss, Lichtempfindlichkeit, Brennen und Rötung der befallenen Augen. Die Schwellung in der Augenhöhle kann auch auf den Sehnerv drücken und zu einer Verschlechterung des Sehvermögens bis zum Erblinden führen. Durch Druck auf die Augenmuskeln kommt es zu Lähmungen. Der Betroffene schielt und sieht je nach Blickrichtung Doppelbilder. Die Augenveränderungen können mit, vor oder nach den Beschwerden der Schilddrüsenüberfunktion auftreten. Ihr Schweregrad ist unabhängig von der Menge der Schilddrüsenhormone im Blut.

Abbildung 3: gleichmässig vergrösserte Schilddrüse
Abbildung 3: gleichmässig vergrösserte Schilddrüse
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Neben den Augenveränderungen kann der Morbus Basedow eine gleichmässige Vermehrung des Schilddrüsengewebes, einen Kropf, bewirken (siehe Abbildung 3).
Ferner können die Abwehrstoffe im Gewebe unter der Haut zu einer entzündlichen Reaktion mit Verdickung der Haut durch Wassereinlagerung führen, einem sogenannten Myxödem. Dies zeigt sich vor allem vorne am Schienbein. Ein solches Myxödem ist selten. Es kommt lediglich bei zwei bis drei von hundert Betroffenen vor.

Treten die Schilddrüsenvergrösserung zusammen mit einer Beschleunigung des Pulses und einem Hervortreten der Augen auf, dann spricht man von der Merseburger Trias. Wenn man diese drei Beschwerden bei einem Betroffenen gleichzeitig beobachtet, ist dies typisch für den Morbus Basedow und erleichtert damit die Erkennung dieser Erkrankung. Wenn die typischen Augenveränderungen aber fehlen und die Schilddrüsenüberfunktion nur zu wenigen Beschwerden führt, wie es insbesondere bei älteren Menschen der Fall ist, kann die Diagnose eines Morbus Basedow durchaus verpasst werden.

Diagnose

Bemerkt eine Person Veränderungen im Sinne eines Morbus Basedow, sollte sie einen Arzt aufsuchen.

Abbildung 4: Abtasten der Schilddrüse
Abbildung 4: Abtasten der Schilddrüse
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Der Arzt wird in einem kurzen Gespräch nach Symptomen und Veränderungen fragen, die auf einen Morbus Basedow mit einer Schilddrüsenüberfunktion hinweisen könnten. Anschliessend wird der Arzt die Person von Kopf bis Fuss untersuchen. Zur Schilddrüsenuntersuchung wird er sich hinter die sitzende Person stellen und die Schilddrüse von hinten mit beiden Händen am Hals abtasten (siehe Abbildung 4). Beim Morbus Basedow ist dabei oft ein Schwirren der Schilddrüse spürbar, da die Schilddrüse wegen der Erkrankung besser durchblutet wird. Die Schilddrüse ist beim Morbus Basedow zudem meist vergrössert. Der Arzt wird den Betroffenen zum Schlucken auffordern. So kann er feststellen, ob die Schilddrüse mit ihrer Umgebung verwachsen ist. Solche Verwachsungen gibt es vor allem bei bösartigen Erkrankungen der Schilddrüse. Beim Verdacht auf einen Morbus Basedow wird der Arzt in der gleichen Position, das heisst hinter dem sitzenden Betroffenen stehend, von oben die Augen beurteilen. Aus dieser Position ist es einfacher zu beurteilen, ob eines oder beide Augen vermehrt aus der Augenhöhle hervorragen.

Abbildung 5: Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse
Abbildung 5: Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse
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Mit einer Ultraschalluntersuchung kann die genaue Grösse der Schilddrüse gemessen und ihre Gewebestruktur beurteilt werden (siehe Abbildung 5). Beim Morbus Basedow zeigt sich im Ultraschall eine gleichmässige Vermehrung des Schilddrüsengewebes mit einer typischen Veränderung der Gewebestruktur. Der Morbus Basedow weist in der Regel keine Knoten auf. Eine Blutentnahme mit Messung der Schilddrüsenhormone zeigt eine vermehrte Menge an Schilddrüsenhormonen im Blut. Der Verdacht auf einen Morbus Basedow wird erhärtet durch den Nachweis der Abwehrstoffe, der sogenannten Schilddrüsen-Autoantikörper im Blut. Aber nicht bei jedem Betroffenen können solche Antikörper nachgwiesen werden.

Betroffene einer Jodmangelstruma, die in der Schweiz allerdings immer noch eher selten ist, haben oft Knoten in der vergrösserten Schilddrüse. Erkrankt eine solche Person zusätzlich an einem Morbus Basedow, muss der Arzt oder Spezialarzt gleichzeitig mit der Untersuchung des Morbus Basedow auch noch abklären, ob die vorhandenen Knoten der Jodmangelstruma gut- oder bösartig sind. Bei Unsicherheit, ob es sich um gut- oder bösartige Knoten handelt, sollte eine Gewebeuntersuchung der Knoten durchgeführt werden, eine sogenannte Feinnadelpunktion. Dabei wird mit einer feinen Nadel durch die Haut direkt in den Knoten gestochen und Gewebe entnommen. Mit Hilfe eines Ultraschalls wird währenddessen sichergestellt, dass die Nadel am richtigen Ort liegt. Das Gewebe wird danach durch den Spezialisten unter dem Mikroskop weiter untersucht.

Sucht eine Person mit einer vergrösserten Schilddrüse und einer Schilddrüsenüberfunktion einen Arzt auf, muss dieser abklären, ob entweder ein Morbus Basedow oder fehlerhaftes, autonomes Schilddrüsengewebe die Ursache ist. Wenn die Schilddrüsenautoantikörper nicht erhöht sind, kann die Schilddrüsenszintigraphie bei der Unterscheidung weiterhelfen. Eine Szintigraphie ist eine Untersuchung, bei der radioaktiv markierte Stoffe in den Körper eingebracht werden, die sich im zu untersuchenden Organ anreichern und anschliessend mit einer speziellen Kamera sichtbar gemacht werden können. In diesem Fall macht man sich bei der Schilddrüsenszintigraphie zunutze, dass das fehlerhafte, autonome Schilddrüsengewebe mehr Jod aufnimmt als das normale Schilddrüsengewebe in seiner Umgebung. Beim Morbus Basedow hingegen nimmt das ganze Schilddrüsengewebe vermehrt Jod auf, da die Schilddrüsenhormonproduktion in allen Schilddrüsenzellen fälschlicherweise durch die Abwehrstoffe des Körpers gegen die Schilddrüse angeregt wird. Spritzt man dem Betroffenen leicht radioaktives Jod oder das dem Jod sehr ähnliche, leicht radioaktive Technetium in eine Vene, dann können in einem speziellen Röntgenverfahren auf einem Bild alle die Bereiche dargestellt werden, die das Jod oder das Technetium aufgenommen haben. Die Radioaktivität, die bei der Schilddrüsenszintigraphie verwendet wird, hat keine negativen Folgen für den Betroffenen.

Anschliessend an die genannten Untersuchungen sollte bei Betroffenen eines Morbus Basedow eine Abklärung der Augen durch einen Augenarzt erfolgen, wenn die Augen mitbetroffen sind.

Therapie

Da die Ursache des Morbus Basedow bisher nicht bekannt ist, kann der Morbus Basedow nicht ursächlich behandelt werden. Es gibt aber verschiedene Therapien, um die Beschwerden des Morbus Basedow zu bekämpfen.

Hemmung der Überproduktion von Schilddrüsenhormonen mit Medikamenten

Der Morbus Basedow wird zunächst über ungefähr ein Jahr mit Medikamenten behandelt, welche die Produktion von Schilddrüsenhormonen in der Schilddrüse hemmen, den sogenannten Thyreostatika. Da in der Schilddrüse noch Schilddrüsenhormone gespeichert sind, dauert es meist 2 bis 8 Wochen, bis sich die Menge an Schilddrüsenhormonen im Blut normalisiert und die Beschwerden des Betroffenen verschwinden. Eine Behandlung mit Thyreostatika erfordert viel Geduld und häufige Kontrollen beim Arzt, da die richtige Menge an Thyreostatika bei jedem Betroffenen anders ist und laufend angepasst werden muss. Beschwerden der Schilddrüsenüberfunktion bei zu geringer Menge an Thyreostatika, aber auch der Schilddrüsenunterfunktion bei zu grosser Menge sollen möglichst vermieden werden.

Nachdem die Schilddrüsenhormonmenge im Blut etwa ein Jahr lang mit einer sogenannten Erhaltungsdosis Thyreostatika im Normbereich gehalten werden konnte, wird das Medikament versuchsweise abgesetzt. Bei der Hälfte bis zwei Drittel der Betroffenen bleibt die Schilddrüsenhormonmenge im Blut auch ohne Thyreostatika normal, sodass keine weitere Therapie notwendig ist. Warum das so ist, ist bisher nicht bekannt. Bei den anderen Betroffenen steigt die Menge an Schilddrüsenhormonen im Blut wieder an, teilweise sofort, teilweise erst nach Wochen, Monaten oder Jahren. In der Regel wird dann eine endgültige Behandlung des Morbus Basedow durch eine operative Entfernung der Schilddrüse oder eine Radiojodtherapie empfohlen. Auf eine erneute Therapie mit Thyreostatika wird wegen der geringen Erfolgschancen meist verzichtet. Auf dringlichen Wunsch des Betroffenen oder bei Zuständen, die weder eine Operation noch eine Radiojod-Behandlung zulassen, kann der Morbus Basedow nach einem ausführlichen Gespräch zwischen Arzt und Betroffenem aber noch über längere Zeit mit Thyreostatika behandelt werden.

Radiojodtherapie und Operation

Die Radiojodtherapie ist einer der möglichen endgültigen Behandlungsschritte eines Morbus Basedow. Dabei muss der Betroffene radioaktives Jod in Form einer Tablette einnehmen. Das Schilddrüsengewebe, das normalerweise Jod zur Produktion der Schilddrüsenhormone aufnimmt, nimmt jetzt stattdessen das radioaktive Jod auf und wird durch die Radioaktivität zerstört. Da Jod in keinem anderen Gewebe des Körpers aufgenommen wird, wird neben der gewünschten Schädigung des Schilddrüsengewebes kein anderes Gewebe im Körper des Betroffenen zerstört. Nach Einnahme des Jods bei der Radiojodtherapie muss der Betroffene meist noch für etwa fünf Tage im Spital bleiben, da er im Urin und im Stuhl Radioaktivität ausscheidet.
Die Normalisierung der Schilddrüsenhormonmenge im Blut erfolgt bei der Radiojodtherapie erst nach zwei bis drei Monaten. Während dieser Zeit können zwar keine neuen Schilddrüsenhormone mehr durch die Schilddrüse produziert werden, aber die Speicher an Schilddrüsenhormonen in der Schilddrüse sind noch voll und werden aufgebraucht.

Neben der Radiojodtherapie kann zur endgültigen Behandlung eines Morbus Basedow praktisch die gesamte Schilddrüse durch eine Operation entfernt werden. Der Vorteil gegenüber der Radiojodtherapie liegt darin, dass die Schilddrüsenhormonmenge im Blut beinahe sofort sinkt, da die Speicher an Schilddrüsenhormonen zusammen mit dem Schilddrüsengewebe entfernt werden.

Ersatz von Schilddrüsenhormonen bei Entfernung der Schilddrüse

Oft nach der Radiojodtherapie aber sicher nach der operativen Entfernung des Schilddrüsengewebes muss der Patient lebenslang Schilddrüsenhormone in Tablettenform zu sich nehmen, um eine Schilddrüsenunterfunktion mit ihren Beschwerden zu vermeiden.

Behandlung der Augenveränderungen

Teilweise wird nach Erreichen einer normalen Menge an Schilddrüsenhormonen im Blut durch die Behandlung des Morbus Basedow eine Abnahme der Schwellung in den Augenhöhlen erreicht und die Augenbeschwerden verbessern sich. Bei ungenügender Abschwellung oder gar bei weiterer Zunahme der Schwellung trotz Therapie helfen oft Kortikosteroide, das sogenannte Kortison. Kortikosteroide hemmen Entzündungsreaktionen im Körper. In einzelnen Fällen muss eine Bestrahlung oder gar eine Operation des Gewebes in der Augenhöhle durchgeführt werden, um das Sehvermögen des Betroffenen zu retten. Es ist bekannt, dass Augenbeschwerden beim Morbus Basedow durch Rauchen zusätzlich verstärkt werden. Aus diesem Grund sollte der Betroffene beim Ausbruch eines Morbus Basedow aufs Rauchen verzichten.

Behandlung des Morbus Basedow und Schwangerschaft

Wird eine Frau, die an einem Morbus Basedow leidet, schwanger, wird die Behandlung zur Normalisierung der Schilddrüsenhormonmenge im Blut mit bestimmten Thyreostatika fortgesetzt. Hier empfielt es sich, einen Spezialisten beizuziehen. Auf eine Operation der Schilddrüse kann bis nach der Schwangerschaft gewartet werden. Eine Radiojodtherapie darf während einer Schwangerschaft und der anschliessenden Stillzeit nicht durchgeführt werden, um dem Kind keinen Schaden zuzufügen. Ein Abbruch der Schwangerschaft wegen eines Morbus Basedow ist in der Regel nicht notwendig.


Zuletzt geändert: 03.09.2008 Druckversion Zum Seitenanfang
 
Autor/in: med. prakt. Sidonie Achermann , Ärztin
Editor/in: Dr. Julia Feucht, Ärztin
Fachperson: Dr. med. Doris de Marco Stalder, Endokrinologie-Diabetologie FMH
ICD-10: E05.0
Keywords: Morbus Basedow, Basedow-Krankheit, Basedowsche Krankheit, Graves' Disease, Autoimmunthyreopathie, Autoimmunerkrankung, Autoimmunthyreopathie Typ 3, Immunthyreopathie, Immunhyperthyreose, Merseburger Trias, endokrine Orbitopathie, endokrine Ophthalmopathie, Exophthalmus, Myxödem, Prätibiales Myxödem, Marine-Lenhart-Syndrom, Hyperthyreose, Schilddrüsenüberfunktion, Schilddrüsenhormonüberschuss, Schilddrüsenhormonüberproduktion, Schielen, Erblinden, Radiojodtherapie, Schilddrüsenoperation, Struma, Autoimmunerkrankung, Radiojodtherapie, Schilddrüsenszintigraphie

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