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Vitamin D

Synonyme: Cholecalciferol, Calciferol

Zusammenfassung

Vitamin D ist ein Vitamin, das als Hormon für den Knochenstoffwechsel und die Regelung des Kalzium- und Phosphathaushalts wichtig ist. Der Mensch kann seinen täglichen Vitamin D-Bedarf durch die Eigenproduktion von Vitamin D mithilfe von Sonnenlicht und die Vitamin D-Lieferung bei einer ausgewogenen Ernährung decken.
Wird der Vitamin D-Bedarf des Körpers nicht gedeckt, entsteht ein Vitamin D-Mangel. Verschiedene Ursachen können zu einem Vitamin D-Mangel führen. Die Beschwerden durch den Vitamin D-Mangel werden bei Kindern und Jugendlichen mit dem Begriff Rachitis bezeichnet, bei Erwachsenen mit dem Begriff Osteomalazie. Die Diagnose eines Vitamin D-Mangels wird mit Gespräch, körperlicher Untersuchung und Röntgenuntersuchungen gestellt. Die Behandlung des Vitamin D-Mangels hängt von seiner Ursache ab, wobei dem Körper wieder ausreichend Vitamin D zugeführt werden muss.
Erhält der Körper zu viel Vitamin D entsteht ein Vitamin D-Überschuss, der auch Vitamin D-Vergiftung genannt wird. Der Vitamin D-Überschuss führt zu einem Kalziumüberschuss mit zahlreichen, teils lebensbedrohlichen Beschwerden. Die Diagnose eines Vitamin D-Überschusses wird mit Gespräch, körperlicher Untersuchung und Blutuntersuchungen gestellt. Die Behandlung eines Vitamin D-Überschusses hängt von den Beschwerden Betroffener ab, wobei eine weitere Zufuhr von Vitamin D vermieden werden muss.

Allgemeines

Vitamine sind Substanzen, die der menschliche Körper für lebenswichtige Aufgaben benötigt. Deshalb erhielten die Vitamine auch ihren Namen. Denn Vita kommt aus der lateinischen Sprache und bedeutet Leben. Von den bisher bekannten Vitaminen sind 13 für den Menschen notwendig.
Eines dieser 13 Vitamine ist das Vitamin D. Unter dem Begriff Vitamin D wird eine Gruppe von Substanzen zusammengefasst. Diese Gruppe wird auch Calciferole genannt. Die wichtigsten beiden Substanzen sind das Vitamin D3, Cholecalciferol genannt, und das Vitamin D2, Ergocalciferol genannt.
Vitamin D übernimmt im Körper die Aufgabe eines Vermittlers zwischen verschiedenen Organen des Körpers und ist deshalb nicht nur ein Vitamin, wie es sein Name bereits sagt, sondern auch ein Hormon. Hormone sind nämlich nichts anderes als Botenstoffe, die zwischen dem Körper und seinen einzelnen Organen oder zwischen den einzelnen Organen vermitteln.
Eigentlich kann der Körper Vitamine nicht selbst herstellen und muss sie regelmässig mit der Nahrung aufnehmen, um seinen Bedarf zu decken. Das Vitamin D bildet dabei aber eine Ausnahme. Denn Vitamin D ist neben dem Niacin das einzige Vitamin, das der Körper mithilfe von Sonnenlicht in der Haut selbst herstellen kann. Meist erhält der Körper aber nicht genügend Sonnenlicht für eine ausreichende Produktion von Vitamin D und muss zusätzlich Vitamin D mit der Nahrung aufnehmen, um seinen täglichen Vitamin D-Bedarf zu decken. Sowohl das selbst hergestellte Vitamin D als auch das Vitamin D, das der Körper mit der Nahrung aufnimmt, sind aber noch nicht gebrauchsfertig und können ihre Aufgaben im menschlichen Körper erst erledigen, wenn sie von der Leber und der Niere aktiviert wurden. Vitamine, die noch nicht aktiv sind und deshalb im menschlichen Körper noch aktiviert werden müssen, werden in der Fachsprache auch als sogenannte Provitamine bezeichnet.
Da der menschliche Körper selbst Vitamin D herstellen kann, wird das Vitamin D teilweise gar nicht mehr zu der Gruppe der Vitamine, sondern nur noch zu den Hormonen gezählt.

Funktion

Wie oben beschrieben besteht die Aufgabe des Vitamin D darin, zwischen verschiedenen Organen des Körpers zu vermitteln, weshalb das Vitamin D ein sogenanntes Hormon ist. Das Vitamin D vermittelt zwischen der Niere, der Nebenschilddrüse, dem Darm und dem Knochen. So regelt das Vitamin D den Kalzium- und Phosphathaushalt des Körpers, sodass es keine zu kleine Menge an Kalzium und Phosphat im Blut hat, und ist für den Knochenstoffwechsel zuständig. Es bewirkt eine Erhöhung der Menge an Kalzium im Blut, indem es dem Darm befiehlt, mehr Kalzium aus der Nahrung in den Körper aufzunehmen. Gleichzeitig baut das Vitamin D Kalzium und Phosphat in den Knochen ein. Auf diese Weise sichert das Vitamin D die Stabilität des Knochens und schützt ihn vor Brüchen. Zudem erhöht das Vitamin D die Menge an Phosphat im Blut, indem es der Niere befiehlt, weniger Phosphat mit dem Urin auszuscheiden, und indem es der Nebenschilddrüse befiehlt, weniger Parathormon herzustellen.
Zur Regelung des Kalzium- und des Phosphathaushaltes arbeitet das Vitamin D mit dem bereits erwähnten Parathormon und dem Calcitonin zusammen. Das Parathormon ist ein Hormon, das von der Nebenschilddrüse hergestellt wird. Es erhöht im Blut die Menge an Kalzium und senkt die Menge an Phosphat, indem es den Knochen abbaut und indem es der Niere befiehlt, weniger Kalzium und dafür mehr Phosphat mit dem Urin auszuscheiden. Das Calcitonin ist ein von der Schilddrüse produziertes Hormon. Es senkt die Menge an Kalzium im Blut, indem es das Kalzium aus dem Blut in den Knochen einbaut

Abbildung 1: Regelkreislauf bei zu wenig Kalzium im Blut
Abbildung 1: Regelkreislauf bei zu wenig Kalzium im Blut
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Nimmt also aus irgendeinem Grund die Menge an Kalzium im Blut ab, bemerken dies die Nebenschilddrüse und die Schilddrüse (siehe Abbildung 1). Die Nebenschilddrüse produziert als Reaktion auf die verminderte Kalziummenge im Blut vermehrt Parathormon, welches daraufhin im Blut die Kalziummenge erhöht und die Phosphatmenge senkt. Die Schilddrüse produziert als Reaktion auf die verminderte Kalziummenge im Blut weniger Calcitonin, da dieses die Menge an Kalzium im Blut noch zusätzlich senken würde. Die Niere bemerkt, dass die Phosphatmenge im Blut gesunken ist, und aktiviert deshalb mehr Vitamin D. Das Vitamin D bewirkt wie das Parathormon eine Erhöhung der Kalziummenge im Blut. Zudem bewirkt das Vitamin D im Gegensatz zum Parathormon einen Anstieg der Menge an Phosphat im Blut. Um einen erneuten Abfall der Phosphatmenge im Blut durch das Parathormon zu verhindern, hemmt das Vitamin D zusätzlich die Produktion von Parathormon in der Nebenschilddrüse. Die Menge an Kalzium und an Phosphat im Blut normalisieren sich. Die Niere bemerkt, dass es wieder genügend Phosphat im Blut hat und produziert deshalb wieder weniger Vitamin D. Nimmt die Menge an Kalzium im Blut erneut ab, beginnt der Regelkreis von vorne.

Abbildung 2: Regelkreislauf bei zu viel Kalzium im Blut
Abbildung 2: Regelkreislauf bei zu viel Kalzium im Blut
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Eine zu grosse Menge an Kalzium im Blut wird durch das Parathormon und das Calcitonin verhindert (siehe Abbildung 2). Vitamin D ist dabei nicht beteiligt. Steigt somit die Kalziummenge im Blut an, nimmt in der Schilddrüse die Produktion von Calcitonin zu, welches die Kalziummenge im Blut senkt. Die Produktionsmenge an Parathormon wird in der Nebenschilddrüse als Reaktion auf die vermehrte Kalziummenge im Blut vermindert, da das Parathormon die Menge an Kalzium im Blut noch zusätzlich erhöhen würde. Normalisiert sich die Menge an Kalzium im Blut, bemerken dies wiederum die Schilddrüse und die Nebenschilddrüse und passen ihre Produktionsmengen erneut an.

Bedarf & Vorkommen

Der Körper deckt seinen täglichen Vitamin D-Bedarf, indem er einerseits selbst Vitamin D herstellt und indem er zusätzlich Vitamin D mit der Nahrung aufnimmt. Die Eigenproduktion von Vitamin D allein reicht nämlich nicht immer aus, um den Vitamin D-Bedarf des Körpers zu decken, da der Körper nicht genügend Sonnenlicht aufnehmen kann, insbesondere weil die Gefahr von Hautkrebs bekannt ist und man sich vor der Sonne schützt und weil im Winter die Sonne oft nicht genügend häufig und genügend lange scheint. Der Körper eines Kleinkindes, welches noch nicht ein Jahr alt ist, benötigt täglich etwa 0,01 Milligramm Vitamin D, erwachsene Menschen und Kinder über einem Jahr benötigen täglich etwa 0,005 Milligramm Vitamin D. Schwangere und stillende Frauen essen bekanntlich für mehr als eine Person und sollten deshalb ebenfalls täglich 0,01 Milligramm Vitamin D mit der Nahrung zu sich nehmen. Dies ist zwar eine sehr geringe Menge, aber der Körper kann nur sehr wenig Vitamin D herstellen und in der Nahrung ist auch nur sehr wenig Vitamin D enthalten.
In der Nahrung ist Vitamin D vor allem in tierischen Lebensmitteln wie Fischleberöl oder Lebertran, fettreichen Fischen, beispielsweise Forelle und Lachs, Milchprodukten und Eidotter enthalten. Aber auch Avocados oder Pilze sind eine Vitamin D-Quelle. In vielen Ländern wird Milch, Butter und Margarine zusätzlich mit Vitamin D angereichert, damit der tägliche Vitamin D-Bedarf gedeckt werden kann.

Vitamin D-Mangel

Allgemeines

Kann der Körper nicht genügend Vitamin D produzieren oder mit der Nahrung aufnehmen, um seinen Bedarf an Vitamin D zu decken, entsteht ein Vitamin D-Mangel, der bei Kindern zur sogenannten Rachitis und bei Erwachsenen zur sogenannten Osteomalazie führt. In unseren Breitengraden werden Vollbilder des Vitamin D-Mangels selten beobachtet. Ein Vitamin D-Mangel kann insbesondere bei Bewohnern von Alters- und Pflegeheimen, bei unreifen Frühgeborenen und bei Kleinkindern auftreten, falls sie im ersten Lebensjahr kein Vitamin D zusätzlich zum selbst hergestellten Vitamin D und zum Vitamin D aus der Nahrung erhalten.

Ursachen

Ursachen für einen Vitamin D-Mangel sind zu wenig Sonnenlicht, Mangelernährung, mangelhafte Verdauung, mangelhafte Aufnahme der verdauten Nährstoffe in den Körper, Leberzirrhose, Nierenversagen oder angeborene Erkrankungen.

Eine Mangelernährung kann entweder eine Unterernährung oder eine Fehlernährung sein. Bei einer Unterernährung besteht ein Mangel an allen Nährstoffen, sodass der Bedarf des Körpers mit der Nahrung nicht gedeckt werden kann. Bei einer Fehlernährung ist das Nahrungsangebot eigentlich ausreichend, aber durch eine falsche Zusammensetzung der Nahrung mit einem zu geringen Anteil an Vitaminen wird dem Körper trotzdem zu wenig Vitamin D mit der Nahrung zugeführt und ein Vitamin D-Mangel entsteht. Aber auch durch einen mangelnden Fettgehalt der Nahrung kann ein Vitamin D-Mangel entstehen. Denn Vitamin D zählt zu den fettlöslichen, den sogenannten lipophilen, Vitaminen. Fettlöslich bedeutet, dass diese Vitamine nur zusammen mit Fett im Verdauungstrakt aus der Nahrung aufgenommen werden können, sodass bei einer Nahrungszusammenstellung ohne Fett ein Mangel an den fettlöslichen Vitaminen entsteht. Ausserdem ist Vitamin D auch fast nur in sehr fettreichen Lebensmitteln enthalten. Mangelernährung ist insbesondere in Entwicklungsländern weit verbreitet. Aber auch in Industrieländern kann eine Fehlernährung oder eine Unterernährung vor allem in Alters- und Pflegeheimen, in Spitälern, bei Obdachlosen und bei Menschen unter grossem Termin- und Zeitdruck vorkommen. Dabei ist in Alters- und Pflegeheimen sowie in Spitälern in der Regel nicht allein eine falsche Nahrungszusammenstellung für die mangelhafte Zufuhr von Nahrungsbestandteilen verantwortlich, sondern die Personen in Alters- und Pflegeheimen sowie Spitälern können oder wollen wegen Veränderungen des Alters, unterschiedlichen Erkrankungen, der Einnahme von Medikamenten oder während und nach verschiedenen Behandlungen wie Operationen, Chemotherapien und Bestrahlungen nicht ausreichend von einzelnen, mehreren oder allen Nahrungsbestandteilen zu sich nehmen. Ausserdem hat der Körper dieser Personen wegen des Alters, Erkrankungen, der Einnahme von Medikamenten oder verschiedenen Behandlungen oft auch andere Bedürfnisse.

Bei einer mangelhaften Verdauung oder einer mangelhaften Aufnahme der Nährstoffe aus der Nahrung erhält der Körper eigentlich genügend Nährstoffe wie Vitamin D mit der Nahrung, um seinen Bedarf zu decken. Wegen unterschiedlichen Störungen im Körper, wie Erkrankungen des Darms, kann er diese Nährstoffe aber entweder gar nicht erst richtig verdauen oder nach der Verdauung im Darm nicht in den Körper aufnehmen. Es entsteht daher ebenfalls ein Vitamin D-Mangel, der von einem Mangel weiterer Nährstoffe begleitet sein kann.

Bei der sogenannten Leberzirrhose, die auch Leberschwund genannt wird, ist das Lebergewebe aus unterschiedlichen Gründen so stark geschädigt, dass es seine Aufgaben nicht mehr erledigen und somit auch das Vitamin D nicht mehr aktivieren kann. Deshalb hat es bei einer Leberinsuffizienz eigentlich genügend Vitamin D im Körper. Dieses Vitamin D ist aber nicht gebrauchsfertig und kann seine Aufgaben im Körper nicht erledigen, sodass bei betroffenen Personen das Beschwerdebild eines Vitamin D-Mangels auftritt. Genau gleich verhält es sich beim Nierenversagen, das in der Fachsprache Niereninsuffizienz genannt wird. Beim Nierenversagen ist das Nierengewebe wegen unterschiedlichen Ursachen so stark geschädigt, dass es seine Aufgaben nicht mehr erledigen kann und somit auch das Vitamin D nicht mehr aktivieren kann. Es hat deshalb auch beim Nierenversagen eigentlich genügend Vitamin D im Körper. Dieses Vitamin D ist aber wie bei der Leberzirrhose nicht gebrauchsfertig und kann seine Aufgaben im Körper nicht ausführen, sodass auch von einem Nierenversagen betroffene Personen an den Beschwerden eines Vitamin D-Mangels leiden.

Eine sehr seltene Ursache für einen Vitamin D-Mangel ist eine angeborene Veränderung der Erbinformation, die dazu führt, dass die Organe des Körpers die Botschaften des Vitamin D nicht mehr verstehen und dessen Anordnungen deshalb nicht erledigen können. Somit hat es eigentlich genügend, funktionierendes Vitamin D im Körper. Dieses kann aber seine Aufgaben im Körper nicht ausführen, sodass betroffene Personen an den Beschwerden eines Vitamin D-Mangels leiden.

Symptome

Wegen des Mangels an Vitamin D wird die Knochenbildung und dabei vor allem die Knochenverkalkung gestört. Die Knochen des Körpers sind in der Folge weniger stabil. Deshalb verbiegen sie sich unter der Belastung des Körpergewichts oder brechen. Die Beschwerden eines Vitamin D-Mangels sind bei Kindern und Erwachsenen nicht gleich. Denn bei Kindern ist das Skelett mit all seinen Knochen noch im Wachstum, bei Erwachsenen ist dieses Wachstum abgeschlossen. Bei Kindern führt der Vitamin D-Mangel zur Rachitis, bei Erwachsenen zur Osteomalazie.

Abbildung 3: Typische Verformungen des Skeletts bei einer Rachitis
Abbildung 3: Typische Verformungen des Skeletts bei einer Rachitis
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Die Beschwerden der Rachitis hängen vom Alter des betroffenen Kindes ab. Bekannt sind vor allem die Verformungen des Skeletts. In den ersten Lebensmonaten leiden betroffene Kinder aber weniger an Verformungen des Skeletts, sondern viel mehr an Veränderungen des Allgemeinzustands. Im zweiten bis dritten Lebensmonat zeigen sich die ersten Symptome in Form von Unruhe, Schreckhaftigkeit, vermehrtem Schwitzen und Hinterkopfglatze. Etwa einen Monat später kommen eine Muskelschwäche mit Froschbauch, bei dem die Bauchdecke schlaff und der Bauch aufgetrieben und gebläht ist, Verstopfungsneigung und erste Knochenerweichungen am Schädel hinzu. Der ungewöhnlich weiche Schädelknochen wird in der Fachsprache als Kraniotabes bezeichnet. Durch den Vitamin D-Mangel kann die Menge an Kalzium im Blut so weit absinken, dass es zu einem Kalziummangel kommt, durch welchen die Muskeln leichter erregt werden können und Muskelkrämpfe auftreten. Wiederum etwa einen Monat später im vierten Lebensmonat entsteht durch Abflachung des Hinterkopfes und Verdickung des Stirn- und Scheitelknochens das Bild eines Quadratschädels, in der Fachsprache Caput quadratum genannt (siehe Abbildung 3). Zudem kommt es zu einer Verdickung im Bereich der Rippen vorne am Brustkorb. Diese perlschnurartig aufgereihten Verdickungen der Rippen werden wegen ihres Erscheinungsbildes auch rachitischer Rosenkranz genannt (siehe Abbildung 3). Zudem verbreitern sich die Hand- und Fußgelenke. Später fallen die Kinder durch einen verzögerten Zahndurchbruch und Defekte im Zahnschmelz auf. Weitere Verformungen des Skeletts treten am Brustkorb, am Becken und den Beinen auf. Der Brustkorb wird glockenförmig und das Becken herzförmig. Die weichen Beinknochen verformen sich durch die Belastung beim Gehen. Es entstehen O-Beine, in der Fachsprache Coxa vara genannt (siehe Abbildung 3).

Bei Erwachsenen ist das Wachstum wie oben erwähnt abgeschlossen. Ein Vitamin D-Mangel führt bei Erwachsenen deshalb nicht zu den beschriebenen, typischen Verformungen des Skeletts. Bei Erwachsenen zeigt sich der Vitamin D-Mangel stattdessen in Form von schmerzhaften Knochenerweichungen, die als Osteomalazie bezeichnet werden. Schmerzen werden vor allem im Bereich der Hüfte und des Rückens beschrieben. Da die Knochen weniger stabil sind, können sie zudem bereits bei kleiner Krafteinwirkung brechen. Der Gang betroffener Erwachsener kann sich in typischer Weise verändern und zu einem Watschelgang werden. Die Muskelkraft nimmt meist ab. Wird die Krankheit über Jahre nicht erkannt, können auch die Beine von Erwachsenen krumm werden.

Tritt der Vitamin D-Mangel gemeinsam mit einem Mangel eines oder mehrerer anderer Nährstoffe auf, können weitere Beschwerden zu denjenigen des Vitamin D-Mangels hinzutreten. Diese Beschwerden werden in den entsprechenden Texten aufgeführt.

Häufiger als der seltene Vitamin D-Mangel ist in Industrieländern eine nicht ganz optimale Vitamin D-Versorgung, die sich bei Betroffenen mit Leistungseinbussen, geschwächter Infektabwehr und vermehrter Infektanfälligkeit, Konzentrationsschwäche, Kopfschmerzen und Müdigkeit äussern kann.

Diagnose

Treten bei einer Person die Beschwerden eines Vitamin D-Mangels auf, sollte sie einen Arzt zur weiteren Abklärung und bei Bedarf zur Behandlung aufsuchen. Der Arzt wird den Betroffenen in einem ausführlichen Gespräch nach Beschwerden und Veränderungen fragen, die ihm einen Hinweis auf einen Vitamin D-Mangel geben. Weiter wird er sich nach Nahrungsgewohnheiten und Krankheiten erkundigen, die einen Vitamin D-Mangel verursachen können. Anschliessend wird der Arzt den Betroffenen von Kopf bis Fuss untersuchen.
Hat der Arzt aufgrund des Gesprächs und der körperlichen Untersuchung den Verdacht auf einen Vitamin D-Mangel, kann er diesen Verdacht mithilfe von Röntgenbildern, die typische Veränderungen des Knochens zeigen, bestätigen.
Ist der Vitamin D-Mangel bestätigt, wird der Arzt die Ursache für den Vitamin D-Mangel mithilfe des Gesprächs und bei Bedarf mithilfe weiterer Untersuchungen suchen. Zudem wird der Arzt überprüfen, ob die betroffene Person neben dem Mangel an Vitamin D noch an einem Mangel eines anderen Nährstoffes leidet.

Therapie

Die Behandlung eines Vitamin D-Mangels hängt von seiner Ursache ab. Ist zu wenig Sonnenlicht, eine Mangelernährung, eine mangelhafte Verdauung oder eine mangelhafte Aufnahme der verdauten Nährstoffe in den Körper für den Vitamin D-Mangel verantwortlich, werden die Betroffenen mit der Gabe von Vitamin D behandelt. Sind Krankheiten für eine mangelhafte Verdauung oder eine mangelhafte Aufnahme der verdauten Nährstoffe in den Körper verantwortlich, dann müssen diese Krankheiten, wenn möglich, mit beispielsweise Medikamenten behandelt werden. Ist eine Heilung nicht möglich und reicht die Gabe von Vitamin D bei einer gestörten Verdauung oder einer gestörten Nährstoffaufnahme nicht aus, muss den Betroffenen das zusätzlich notwendige Vitamin D in Form von Spritzen gegeben werden. Sind Erkrankungen der Leber oder der Niere für den Vitamin D-Mangel verantwortlich, wird den Betroffenen aktiviertes Vitamin D gegeben. Zusätzlich zum Vitamin D müssen die Betroffenen eines Vitamin D-Mangels immer auch genügend Kalzium und Phosphat, die für den Knochenaufbau und die Knochenverkalkung notwendig sind, mit der Nahrung aufnehmen. Hierbei sind vor allem Milch und Milchprodukte empfehlenswert, die viel Kalzium und Phosphat enthalten.
Leidet die betroffene Person neben dem Vitamin D-Mangel noch an einem Mangel weiterer Nährstoffe, soll auch dieser behandelt werden.

Damit es gar nicht erst zu einem Vitamin D-Mangel kommt, wird Kleinkindern unter einem Lebensjahr, da sie einen grösseren Vitamin D-Bedarf haben, zusätzlich zur Vitamin D-Eigenproduktion des Körpers und zum Vitamin D aus der Nahrung täglich Vitamin D in Form von Tropfen gegeben.
Älteren Frauen wird nach den Wechseljahren eine ausreichende Vitamin D-Einnahme mit der Nahrung empfohlen, um einer sogenannten Osteoporose vorzubeugen, die oft nach den Wechseljahren auftritt und für einen Stabilitätsverlust des Knochens mit häufigeren Knochenbrüchen verantwortlich ist.

Prognose

Die Prognose eines nicht behandelten Vitamin D-Mangels ist nicht günstig. Kinder bleiben im Wachstum zurück und leiden an Verformungen des Skeletts. Die Verformungen des Skeletts bilden sich bei zu spätem Behandlungsbeginn kaum noch zurück. Bei Erwachsenen sinkt das Skelett allmählich in sich zusammen, die Betroffenen verlieren an Körpergrösse, die Schmerzen nehmen zu. Die Beschwerden können so stark werden, dass sich Betroffene kaum noch bewegen und nicht mehr ohne Hilfe aufstehen können, sodass sie sozusagen ans Bett gefesselt sind.
Wird hingegen rechtzeitig mit einer Vitamin D-Behandlung begonnen, bilden sich die Veränderungen durch den Vitamin D-Mangel sehr gut zurück. Am wichtigsten ist es, dass lebenslang auf eine genügende Aufnahme von Vitamin D geachtet wird.

Vitamin D-Überschuss

Allgemeines

Erhält der Körper zu viel Vitamin D, tritt ein Vitamin D-Überschuss auf, der auch Hypervitaminose D, Vitamin D-Intoxikation oder Vitamin D-Vergiftung genannt wird. Ein solcher Überschuss ist selten. Ein Vitamin D-Überschuss wird nicht durch einen zu langen Aufenthalt an der Sonne und auch nicht durch zu viel Vitamin D in einer ausgewogenen Ernährung verursacht. Ein Vitamin D-Überschuss kommt durch Einnahme von zu grossen Mengen an Vitamin D in Form von Medikamenten oder Vitaminpräparaten zustande.

Symptome

Der Überschuss an Vitamin D bewirkt einen Überschuss an Kalzium im Blut, welcher in der Fachsprache als Hyperkalzämie bezeichnet wird. Kalzium wirkt bei verschiedenen Prozessen im menschlichen Körper mit. Bei einem Kalziumüberschuss im Blut sind folglich verschiedenste Veränderungen bei den Betroffenen möglich. Diese Veränderungen werden unter dem Begriff Hyperkalzämiesyndrom zusammengefasst. Mögliche psychische Veränderungen sind Leistungseinbrüche, Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Gedächtnisstörungen oder depressive Verstimmungen. Durch die erhöhte Kalziummenge im Urin müssen die Betroffenen vermehrt Wasserlösen, bis zu mehreren Litern pro Tag. Dadurch verspürt der Betroffene vermehrten Durst. Beschwerden im Verdauungssystem können Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Gewichtsverlust und Verstopfung sein. Wird eine gewisse Menge an Kalzium im Blut überschritten, lagert sich das Kalzium an Gefässwänden, in Gelenken und in anderen Geweben ab. Gefässverkalkungen mit Bluthochdruck, Knorpelverkalkungen mit Gelenkschmerzen, einer sogenannten Pseudogicht, Nierenverkalkungen mit chronischem Nierenversagen und Herzmuskelverkalkungen mit Herzfrequenzerhöhungen und Rhythmusstörungen sind mögliche Folgen. Oft beschreiben Betroffene einen äusserst lästigen Juckreiz, der wahrscheinlich wegen Kalziumablagerungen in der Haut auftritt. Bei länger anhaltender Erkrankung werden die Muskeln betroffen. Eine Muskelschwäche insbesondere der Oberschenkel tritt auf, sodass Betroffene kaum noch ohne Hilfe aus dem Sitzen aufstehen können.
Selten kann das Hyperkalzämiesyndrom durch eine starke Zunahme des Kalziums im Blut ausser Kontrolle geraten. Die Nieren hören dann auf zu arbeiten. Die für den Körper giftigen Substanzen, die eigentlich mit dem Urin ausgeschieden werden sollten, steigen im Blut an. Der Betroffene fällt in ein sogenanntes hyperkalzämisches Koma oder Kalziumkoma. Eine Therapie muss unverzüglich im Spital, am besten auf einer Intensivstation, erfolgen. Trotz richtiger und rechtzeitiger Therapie sterben heutzutage noch immer etwa 20 % der Personen, die an einem hyperkalzämischen Koma erkrankt sind.

Diagnose

Bemerken Personen Veränderungen im Sinne eines Kalziumüberschusses im Rahmen eines Vitamin D-Überschusses, sollten sie einen Arzt zur weiteren Abklärung und bei Bedarf zur Behandlung aufsuchen. Der Arzt wird den Betroffenen in einem ausführlichen Gespräch nach Beschwerden und Veränderungen fragen, die ihm einen Hinweis auf einen Vitamin D-Überschuss geben. Weiter wird er sich nach der Ernährung und der Einnahme von Medikamenten oder Nahrungsergänzungsmitteln erkundigen, die einen Vitamin D-Überschuss erzeugen können. Anschliessend wird der Arzt den Betroffenen von Kopf bis Fuss untersuchen. Hat der Arzt aufgrund des Gesprächs und der körperlichen Untersuchung den Verdacht auf einen Kalziumüberschuss infolge eines Vitamin D-Überschusses, kann er diesen Verdacht mit einer Blutentnahme, bei der die Menge an Vitamin D und an Kalzium im Blut erhöht ist, bestätigen.

Therapie

Wird die Diagnose eines Vitamin D-Überschusses früh gestellt, reicht es als Behandlung meist aus, wenn die Einnahme von Vitamin D gestoppt und vorübergehend weniger Kalzium mit der Nahrung aufgenommen wird. In schweren Fällen muss zusätzlich mit Medikamenten versucht werden, die Kalziumwerte im Blut zu normalisieren.
Damit es aber gar nicht erst zu einem Vitamin D-Überschuss mit einem Kalziumüberschuss kommt, sollte bei einer Behandlung mit Vitamin D in regelmässigen Abständen die Menge an Kalzium im Blut und im Urin kontrolliert werden. Nehmen Personen Vitaminpräparate zu sich, sollten sie die Anweisungen in der Packungsbeilage befolgen.

Prognose

Ein Vitamin D-Überschuss hat eine gute Prognose, wenn er rechtzeitig erkannt und behandelt wird. Wird er nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, kann er mit dem Tod enden. In der Vergangenheit waren tödlich endende Vitamin D-Überschüsse häufig. Heute kommen sie nur noch selten vor.

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Zuletzt geändert: 22.04.2008 Druckversion Zum Seitenanfang
 
Autor/in: prakt. med. Sidonie Achermann , Ärztin
Editor/in: Dr. Julia Feucht, Ärztin
Fachperson: Diana Gulli, dipl. Ernährungsberaterin HF
ICD-10: E55, E64.3, M83, E67.3
Keywords: Vitamin D, Antirachitisches Vitamin D, Cholecalciferol, Calciferol, Rachitis, Osteomalazie, Englische Krankheit, Vitamin D3, Vitamin D2, Ergocalciferol, Vitamin D-Mangel, Mangel an Vitamin D, Osteomalazia, Osteomalacia, Froschbauch, Kraniotabes, Quadratschädels, Caput quadratum, Rosenkranz, glockenförmiger Brustkorb, kartenherzförmiges Becken, O-Beine, Coxa vara, Watschelgang, Hypervitaminose D, Vitamin D-Intoxikation, Vitamin D-Überschuss, Überschuss an Vitamin D, Vitamin D-Vergiftung, Hyperkalzämiesyndrom, hyperkalzämisches Koma, Kalziumkoma, Hypovitaminose D, Vitamine

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