Nebenschilddrüse
Zusammenfassung
Die Nebenschilddrüse besteht aus meist vier kleinen, lebenswichtigen Körperchen. Diese Körperchen befinden sich im Hals hinter der Schilddrüse, unterhalb des Kehlkopfes.
Die Nebenschilddrüsen produzieren das Parathormon. Das Parathormon stellt zusammen mit Vitamin D und Calcitonin die Menge an Kalzium und Phosphat im Blut ein. Kalzium und Phosphat haben unterschiedliche Aufgaben im Körper. Verschiedene Erkrankungen der Nebenschilddrüsen können auftreten.
Allgemeines
Abbildung 1: Nebenschilddrüsen von vorne
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Bei der Nebenschilddrüse handelt es sich um meist vier einzelne kleine Körperchen. Sie werden in der Medizin auch Glandulae parathyroideae oder Epithelkörperchen genannt. Die vier Körperchen befinden sich im Hals hinter der Schilddrüse, unterhalb des Kehlkopfes (siehe Abbildung 1, Abbildung 2 & Abbildung 3). Der nahen Lage zur Schilddrüse verdanken die Nebenschilddrüsen ihren Namen. Selten können Nebenschilddrüsen im Brustkorb gefunden werden.
Die Nebenschilddrüsen sind sehr klein. Ihr Durchmesser beträgt fünf bis acht Millimeter. Sie werden deshalb auch mit den Begriffen linsen- oder erbsengross beschrieben.
Abbildung 2: Nebenschilddrüsen von hinten
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Die Nebenschilddrüse ist ein lebenswichtiges hormonproduzierendes Organ. Hormone sind Botenstoffe, die Anweisungen des Körpers an einzelne Organe überbringen und Meldungen von den Organen an den Körper zurückgeben. Die Nebenschilddrüse produziert das Parathormon. Das Parathormon sorgt für die Feineinstellung der Menge an Kalzium und Phosphat im Blut. Kalzium ist für viele Prozesse im menschlichen Körper verantwortlich. Dazu gehören der Knochenbau, die Blutgerinnung sowie die Muskel- und die Nervenfunktion. Phosphat ist ebenfalls für den Knochenbau und zusätzlich für den Energiestoffwechsel im Körper zuständig.
Das Parathormon erhöht im Blut die Menge an Kalzium und senkt die Menge an Phosphat. Die Menge an Kalzium im Blut erhöht das Parathormon, indem es vermehrt Knochen abbaut und indem es der Niere befiehlt, weniger Kalzium mit dem Urin auszuscheiden (siehe Abbildung 4).
Abbildung 3: Nebenschilddrüsen von der Seite
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Der Knochen ist der Hauptspeicher für Kalzium. Durch den Knochenabbau und die verminderte Kalziumausscheidung mit dem Urin in der Niere steigt die Menge an Kalzium im Blut an. Der Knochen ist aber nicht nur der Hauptspeicher für Kalzium, sondern auch für Phosphat. Aus diesem Grund wird beim Knochenabbau durch das Parathormon nicht nur Kalzium, sondern auch Phosphat ins Blut freigesetzt. Die Menge an Phosphat im Blut nimmt durch die Wirkung des Parathormons aber nicht zu sondern ab, da die Niere im Austausch gegen das Kalzium eine grössere Menge an Phosphat mit dem Urin ausscheiden muss.
Parathormon ist in zwei Regelkreisläufe involviert. Diese Regelkreisläufe sorgen für die Feineinstellung der Menge an Kalzium und Phosphat im Blut. Durch die Feineinstellung der Menge an Kalzium und Phosphat im Blut wird in beiden Regelkreisen dafür gesorgt, dass der Knochenaufbau und der Knochenabbau sich die Waage halten. Den einen Regelkreislauf bildet das Parathormon mit dem Calcitonin, den anderen mit dem Vitamin D. Die beiden Regelkreisläufe sind eng miteinander verbunden.
Abbildung 4: Aufgaben des Parathormons
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Im Regelkreislauf, den das Parathormon mit dem Calcitonin bildet, wird die Kalziummenge im Blut fein eingestellt. Das Parathormon erhöht die Menge an Kalzium im Blut, indem es das Kalzium aus den Knochen ins Blut freisetzt. Sein Gegenspieler das Calcitonin senkt die Menge an Kalzium im Blut, indem es das Kalzium aus dem Blut in den Knochen einbaut und indem es den Nieren und dem Darm befiehlt, mehr Kalzium mit dem Urin und dem Stuhl auszuscheiden. Calcitonin ist ein Botenstoff, der von den C-Zellen der Schilddrüse gebildet wird.
Im Regelkreislauf, den das Parathormon mit dem Vitamin D bildet, wird die Menge an Kalzium und an Phosphat im Blut fein eingestellt. Das Parathormon erhöht im Blut die Menge an Kalzium und senkt die Menge an Phosphat, indem es den Knochen abbaut und indem es der Niere befiehlt, weniger Kalzium und dafür mehr Phosphat mit dem Urin auszuscheiden. Das Parathormon wird dabei vom Vitamin D einerseits unterstützt, andererseits ist das Vitamin D aber auch teilweise der Gegenspieler des Parathormons. Vitamin D ist ein Botenstoff, der vom Körper mithilfe von Sonnenlicht selbst hergestellt oder in einer noch nicht gebrauchsfertigen Form mit der Nahrung aufgenommen und im Körper mit Hilfe von Leber und Niere fertiggestellt wird. Vitamin D hilft dem Parathormon, die Menge an Kalzium im Blut zu erhöhen, indem es dem Darm befiehlt, mehr Kalzium aus der Nahrung in den Körper aufzunehmen. Gleichzeitig wirkt das Vitamin D als Gegenspieler dem Parathormon beim Knochenabbau entgegen und baut wieder mehr Kalzium und Phosphat in den Knochen ein. Auf diese Weise wird verhindert, dass der Knochen mit der Zeit an Stabilität verliert und bricht. Zudem erhöht das Vitamin D als Gegenspieler des Parathormons die Menge an Phosphat im Blut, indem es der Nebenschilddrüse befiehlt, weniger Parathormon herzustellen, und indem es der Niere befiehlt, weniger Phosphat mit dem Urin auszuscheiden.
Abbildung 5: Regelkreislauf bei zu wenig Kalzium im Blut
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Die Feineinstellung der Menge an Kalzium und Phosphat im Blut wird bei einer zu geringen Kalziummenge im Blut durch beide Regelkreisläufe kontrolliert. Nimmt die Menge an Kalzium im Blut ab, bemerken dies die Nebenschilddrüsen und die Schilddrüse (siehe Abbildung 5). Die Nebenschilddrüsen produzieren als Reaktion auf die verminderte Kalziummenge im Blut vermehrt Parathormon, welches daraufhin im Blut die Kalziummenge erhöht und die Phosphatmenge senkt. Die Schilddrüse produziert als Reaktion auf die verminderte Kalziummenge im Blut weniger Calcitonin, da dieses die Menge an Kalzium im Blut noch zusätzlich senken würde. Die Niere bemerkt, dass die Phosphatmenge im Blut gesunken ist, und stellt deshalb mehr Vitamin D her. Das Vitamin D bewirkt wie das Parathormon eine Erhöhung der Kalziummenge im Blut. Zudem bewirkt das Vitamin D im Gegensatz zum Parathormon einen Anstieg der Menge an Phosphat im Blut. Um einen erneuten Abfall der Phosphatmenge im Blut durch das Parathormon zu verhindern, hemmt das Vitamin D ausserdem die Produktion von Parathormon in den Nebenschilddrüsen. Die Menge an Kalzium und an Phosphat im Blut normalisieren sich. Die Niere bemerkt, dass es wieder genügend Phosphat im Blut hat, und produziert deshalb wieder weniger Vitamin D. Nimmt die Menge an Kalzium im Blut erneut ab, beginnt der Regelkreis von vorne und in der Schilddrüse wird wieder weniger Calcitonin sowie in den Nebenschilddrüsen wieder mehr Parathormon produziert.
Abbildung 6: Regelkreislauf bei zu viel Kalzium im Blut
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Bei einem Anstieg der Menge an Kalzium im Blut erfolgt die Feineinstellung des Kalziums nur mithilfe des Regelkreises zwischen dem Parathormon und dem Calcitonin. Steigt die Kalziummenge im Blut an, nimmt in der Schilddrüse die Produktion von Calcitonin zu, welches die Kalziummenge im Blut senkt (siehe Abbildung 6). Die Produktionsmenge an Parathormon wird in den Nebenschilddrüsen als Reaktion auf die vermehrte Kalziummenge im Blut vermindert, da das Parathormon die Menge an Kalzium im Blut noch zusätzlich erhöhen würde. Normalisiert sich die Menge an Kalzium im Blut, bemerken dies wiederum die Schilddrüse und die Nebenschilddrüsen und passen ihre Produktionsmengen erneut an.
Verschiedene Erkrankungen der Nebenschilddrüsen sind möglich. Meist handelt es sich um gutartige Veränderungen im Nebenschilddrüsengewebe, selten um bösartige. Die Erkrankungen der Nebenschilddrüsen bewirken eine Fehlfunktion der Parathormonproduktion. Ein Parathormonüberschuss im Blut, ein sogenannter Hyperparathyreoidismus, oder ein Parathormonmangel, ein sogenannter Hypoparathyreoidismus sind die Folge. Durch die veränderte Menge an Parathormon im Körper verändern sich die Kalziummenge im Blut und der Knochenbau, was zu verschiedenen, auch schwerwiegenden Beschwerden führen kann.
