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Hypophysenhinterlappen

Synonyme: Hirnanhangsdrüsenhinterlappen, HHL, Neurohypophyse

Zusammenfassung

Der Hypophysenhinterlappen, der auch Neurohypophyse genannt wird, ist ein Teil der hormonproduzierenden Hirnanhangsdrüse. Er selbst kann keine Hormone herstellen. Seine Aufgabe besteht darin, zwei Hormone, die im Hypothalamus, einem Teil des Gehirns, hergestellt werden, zu speichern. Verschiedene gutartige und bösartige Erkrankungen des Hypophysenhinterlappens sind möglich.

Allgemeines

Abbildung 1: Hirnanhangsdrüse
Abbildung 1: Hirnanhangsdrüse
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Die Hirnanhangsdrüse ist ein kleines lebenswichtiges, hormonproduzierendes Organ, das im sogenannten Türkensattel etwa im Zentrum des Schädels unterhalb des Gehirns und damit etwa auf Höhe der Nasenwurzel sitzt (siehe Abbildung 1). In der Fachsprache wird sie Hypophyse genannt. Die Hirnanhangsdrüse besteht aus dem Hypophysenhinterlappen und dem Hypophysenvorderlappen (siehe Abbildung 2). Der Hypophysenhinterlappen entsteht während der Schwangerschaft aus einer Ausstülpung des Zwischenhirns, weshalb der Hypophysenhinterlappen in der Fachsprache auch Neurohypophyse genannt wird und zum Gehirn gezählt werden kann. Der Hypophysenhinterlappen steht über den Hypophysenstiel direkt in Verbindung mit dem Hypothalamus, einem bestimmten Hirnareal. Der Hypophysenhinterlappen und der Hypophysenvorderlappen sind in ihrer Funktion voneinander unabhängig.

Abbildung 2: Aufbau der Hirnanhangsdrüse
Abbildung 2: Aufbau der Hirnanhangsdrüse
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Der Hypophysenhinterlappen selbst kann keine Hormone herstellen. Der Hypophysenhinterlappen ist lediglich ein Speicher für die im Hypothalamus, einem bestimmten Hirnareal, gebildeten Hormone Vasopressin und Oxytozin. Über die Nervenbahnen im Hypophysenstiel gelangen Vasopressin und Oxytozin vom Hypothalamus direkt in den Hypophysenhinterlappen, wo sie gespeichert und bei Bedarf ins Blut abgegeben werden. Mit dem Blut verteilen sich das Vasopressin und das Oxytozin dann im ganzen Körper und erledigen dort ihre Aufgaben.

Vasopressin (ADH)

Abbildung 3: Aufgaben des Vasopressins (ADH)
Abbildung 3: Aufgaben des Vasopressins (ADH)
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Vasopressin, das auch Adiuretin oder antidiuretisches Hormon, kurz ADH, genannt wird, ist ein lebenswichtiges Hormon. Hormone sind Botenstoffe, die die Anweisungen des Körpers seinen einzelnen Organen mitteilen und Meldungen von den Organen an den Körper zurückgeben. Vasopressin ist an der Regulierung des Wasserhaushalts im Körper beteiligt, indem es verhindert, dass zu viel Flüssigkeit mit dem Urin aus dem Körper ausgeschieden wird (siehe Abbildung 3). Trinkt eine Person zusätzlich zu wenig oder verliert eine Person zu viel Flüssigkeit in Form von Schweiss oder Blut, nimmt die Flüssigkeitsmenge im Körper ab. Diese Abnahme der Flüssigkeitsmenge im Körper zeigt sich dadurch, dass das Blut eindickt, die Menge an Blut abnimmt und dadurch der Blutdruck im Körper sinkt. Die Aufgabe von Vasopressin ist es, einer solchen Flüssigkeitsabnahme im Körper entgegenzuwirken.

Abbildung 4: Regelkreislauf des Vasopressins (ADH)
Abbildung 4: Regelkreislauf des Vasopressins (ADH)
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Die Produktion und die Ausschüttung von Vasopressin wird vom Hypothalamus selbst und von bestimmten Nervenzellen in der Halsschlagader überwacht (siehe Abbildung 4). Der Hypothalamus und die Nervenzellen messen ununterbrochen den Eindickungsgrad des Blutes, das Blutvolumen und den Blutdruck im Körper. Wird durch eine zu geringe Flüssigkeitsaufnahme oder einen zu grossen Flüssigkeitsverlust das Blut eingedickt, das Blutvolumen reduziert oder der Blutdruck gesenkt, wird dies vom Hypothalamus und den bestimmten Nervenzellen bemerkt. Als Reaktion auf diese Veränderungen bildet der Hypothalamus mehr Vasopressin und teilt dem Hypophysenhinterlappen mit, er solle mehr Vasopressin ins Blut freigeben. Das Vasopressin verteilt sich mit dem Blut über den ganzen Körper und befiehlt der Niere, weniger Flüssigkeit mit dem Urin aus dem Körper auszuscheiden. Dadurch nimmt die Flüssigkeitsmenge im Körper etwas zu, sodass das Blut wieder verdünnt wird, die Blutmenge zunimmt und der Blutdruck ansteigt. Zudem befiehlt das Vasopressin den kleinen Blutgefässen sich zusammenzuziehen, wodurch der Blutdruck noch zusätzlich ansteigt. Durch die vermehrte Flüssigkeitsmenge im Körper und die Gefässverengung normalisieren sich die Flüssigkeitsmenge im Körper und dadurch auch der Eindickungsgrad des Blutes, das Blutvolumen und der Blutdruck.

Oxytozin

Abbildung 5: Aufgaben des Oxytozins
Abbildung 5: Aufgaben des Oxytozins
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Oxytozin ist das zweite Hormon, das im Hypothalamus hergestellt und von der Hirnanhangsdrüse ins Blut freigegeben wird. Oxytozin hat mehrere Aufgaben im menschlichen Körper (siehe Abbildung 5). Es löst Geburtswehen aus, lässt nach der Geburt die Muttermilch in die Brust einschiessen, erlaubt die Abgabe der Muttermilch aus der Brust beim Stillen und ist für das Sexualleben wichtig, indem es bei Mann und Frau bei Zärtlichkeiten und beim Geschlechtsverkehr eine euphorisierende Wirkung im Gehirn hat.

Die Produktion und Ausschüttung des Oxytozins wird durch verschiedene Mechanismen ausgelöst (siehe Abbildung 6). Ein erster Reiz für die Produktion und Ausschüttung von Oxytozin ist die Geburt. Während der Geburt wird die Muskulatur in der Wand der Gebärmutter gedehnt. Der Hypothalamus nimmt diese Dehnung wahr und bildet mehr Oxytozin. Das Oxytozin erreicht über den Hypophysenstiel den Hypophysenhinterlappen und wird ins Blut freigegeben. Mit dem Blut wird Oxytozin zur Gebärmutter transportiert, wo es der Muskulatur der Gebärmutter befiehlt sich zusammenzuziehen, sodass Wehen auftreten und der Geburtsvorgang möglich ist. Gleichzeitig gelangt das Oxytozin mit dem Blut zur Brust und löst den Einschuss der Muttermilch in die Brust aus.

Abbildung 6: Regelkreislauf des Oxytozins
Abbildung 6: Regelkreislauf des Oxytozins
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Ein zweiter Reiz für die Produktion und Ausschüttung von Oxytozin ist das Saugen des Kindes an der Brustwarze während der Stillzeit. Der Hypothalamus nimmt den Reiz durch das Saugen an der Brustwarze wahr und bildet mehr Oxytozin, welches über den Hypophysenhinterlappen und das Blut zur Brust gelangt und dort die Muttermilch nach aussen freigibt.
Ein dritter Reiz für die Produktion und Ausschüttung von Oxytozin bei Mann und Frau sind Zärtlichkeiten und der Geschlechtsverkehr. Der Hypothalamus nimmt diese Berührungen ebenfalls war und produziert mehr Oxytozin. Das Oxytozin bewirkt im Gehirn eine Hochstimmung.

Erkrankungen

Gutartige und bösartige Erkrankungen des Hypophysenhinterlappens sind möglich. Sie gehen in der Regel mit einer Veränderung der Produktion des Vasopressins einher. Erkrankungen durch eine Veränderung der Produktion von Oxytozin sind äusserst selten und werden hier deshalb nicht besprochen. Die Erkrankungen werden danach unterschieden, ob eine Über- oder Unterproduktion besteht. Die Eigenschaften des Hormons, von dem aufgrund der Erkrankung der Hypophysenhinterlappens eine zu grosse oder zu geringe Menge im Blut vorhanden ist, entscheiden dann über die Beschwerden der Betroffenen.


Zuletzt geändert: 05.08.2008 Druckversion Zum Seitenanfang
 
Autor/in: prakt. med. Sidonie Achermann , Ärztin
Editor/in: Dr. Julia Feucht, Ärztin
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