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Neurogene Blase
Neurogene Blasenentleerungsstörungen

Allgemeines

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Bei der neurogenen Blasenentleerungsstörung handelt es sich um eine Störung des Wasserlassens, die aufgrund einer Schädigung von Nerven entstanden ist. Sie kann sowohl die Urinspeicherfunktion der Blase als auch den Vorgang der Blasenentleerung betreffen, wobei oft beides kombiniert auftritt. Die Betroffenen haben deshalb nur eine begrenzte Kontrolle über das Wasserlassen, was man in der Fachsprache als Inkontinenz bezeichnet. Darunter leidet auch die Sexualität, was vor allem bei jüngeren Menschen eine wesentliche Rolle spielt.

Bei einer solchen Diagnose ist deshalb eine lebenslange konsequente Betreuung durch Experten auf diesem Gebiet notwendig, um auf lange Sicht den Betroffenen zu mehr Lebensqualität zu verhelfen.

Wissenswertes über die Harnblase

Bild: Nieren, Harnleiter, Harnblase
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Die Harnblase ist ein mit Muskulatur ausgekleidetes Organ, welches innen hohl ist und je nach Füllung seine Form verändern kann. Sie speichert den Harn bis zur Harnentleerung. Das normale Fassungsvermögen, das zunehmenden Harndrang auslöst, beträgt 200-500 ml.
Bei der Harnblasenentleerung wird die Muskulatur der Harnblase angespannt. Dadurch werden die Öffnungen zu den beiden Harnleitern verschlossen, damit der Urin nicht zurück in die Nieren fliessen kann.

Ausserdem wird auf den Blaseninhalt Druck ausgeübt und der Übergang zur Harnröhre geöffnet. Durch die Harnröhre fliesst der Urin nach aussen.
Die Tätigkeit der Blasenmuskulatur wird durch das Nervensystem gesteuert. Nur ein korrektes Zusammenspiel aller beteiligten Nerven und Muskeln ermöglicht eine gute Speicher- und Entleerungsfunktion der Harnblase. Nervenschäden oder Nervenverletzungen stören dieses Zusammenspiel. Ursachen für eine solche Schädigung können z.B. eine Querschnittslähmung durch Unfall sein, eine fortgeschrittene Zuckererkrankung (Diabetes mellitus) oder auch Operationen, bei denen Nerven verletzt wurden.

Symptome

Die Blasenentleerungsstörung macht unterschiedliche Beschwerden, je nachdem, welche Nervenbereiche geschädigt wurden. Es kann beispielsweise so viel Urin in der Harnblase gesammelt werden, dass der Harnblasenverschluss dem Druck nicht mehr standhalten kann und der Urin tröpfchenweise über die Harnröhre nach aussen fliesst. In diesem Fall wird von einer Überlaufblase gesprochen, weil die Harnblase immer weitgehend gefüllt bleibt und nur die Menge Urin abfliesst, für die kein Raum mehr vorhanden ist.

Ganz unterschiedlich dazu verhält sich zum Beispiel die Reflexblase. In diesem Fall zieht sich die Harnblase plötzlich so heftig zusammen, dass eine nicht willentlich steuerbare Blasenentleerung erfolgt. Die Betroffenen verspüren dann plötzlich einen heftigen Harndrang, dem eine automatische Blasenentleerung folgt.

Es ist auch möglich, dass eine so genannte autonome Blase auftritt, bei der durch das unkoordinierte Arbeiten der Harnblasenmuskulatur alle 10-20 Minuten eine automatische Blasenentleerung stattfindet. Dabei wird die Harnblase jedoch nicht vollständig entleert, weshalb jeweils eine grössere Urinmenge in der Blase zurück bleibt.

Die Tatsache, dass nach der Harnentleerung immer eine gewisse Menge Urin in der Blase verbleibt, begünstigt das Entstehen einer Harnblasenentzündung, die sich zu einer Nierenentzündung ausweiten kann. Ausserdem staut sich der Urin permanent im Nierenbereich und wirkt durch den Druck auf die Niere schädigend.
Patienten mit neurogener Blasenentleerungsstörung unterliegen also vor allem dem Risiko der Zerstörung der Nierenfunktion bis hin zum Nierenversagen, was dann eine Nierenersatztherapie in Form einer so genannten Dialyse nötig macht. Diese wird nötig, weil sonst eine Vergiftung des Körpers entsteht, wenn die Abfallprodukte des Stoffwechsels nicht mehr über den Urin ausgeschieden werden können und sich so im Körper anhäufen.

Diagnose

Zunächst ist es für den Arzt wichtig, möglichst genaue Informationen vom Patienten über seine Probleme beim Wasserlassen zu erhalten. Der Patient wird zudem aufgefordert, über mehrere Tage ein Protokoll zu führen, welches unter anderem die Häufigkeit des Wasserlassens und die dabei abgegebene Urinmenge beinhalten sollte.
Um der Sache weiter auf den Grund zu gehen wird eine körperliche Untersuchung, in diesem Fall vor allem eine ausführliche Untersuchung des Nervensystems, durchgeführt. Um nachzuweisen, ob die Harnblase beim Wasserlösen komplett entleert werden kann, wird die Ultraschalluntersuchung eingesetzt. Zusätzlich werden auch der Druck des Urinstrahls und der Druck in der Blase während dem Wasserlassen gemessen.

Die gesammelten Untersuchungsergebnisse geben Hinweise darauf, welcher Teil des Harnsystems - Nerven oder Muskeln oder das Zusammenspiel beider Komponenten - nicht mehr ordnungsgemäss funktioniert. Danach richtet sich folglich die Wahl der Therapie.
Patienten mit Blasenentleerungsstörungen, die im Rahmen von unfallbedingten Querschnittslähmungen auftreten, erfordern eine hochspezialisierte Diagnostik und Therapie, wozu nur speziell eingerichtete Zentren in der Lage sind.

Therapie

Das Ziel der Therapie ist in erster Linie die Verhinderung des Harnrückstaus in die Nieren sowie die Senkung des Druckes in der Blase und damit die Erhaltung der Nierenfunktion.
Erst dann erfolgt die Sicherung der Kontrolle über die Blasenentleerung, das heisst der Kontinenz.
Das Spektrum der Therapiemöglichkeiten umfasst z.B. eine Behandlung mit Medikamenten, welche auf die Blasenmuskulatur einwirken. Sie führen dazu, dass die Blase selbst eine grössere Menge Urin halten kann, ohne undicht zu werden. Zudem müssen die Betroffenen lernen, den Urin über einen Katheter abzuleiten, damit die Blase vollständig entleert werden kann. Dies bedeutet, dass sie in bestimmten Zeitabständen einen dünnen Plastikschlauch durch die Harnröhre in die Blase einführen müssen, über welchen dann der Urin aus der Blase abfliessen kann. Auf diese Weise wird ein oben beschriebener Urinstau verhindert und der Druck in der Blase gesenkt.

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In anderen Fällen wird durch einen Arzt ein dünner Schlauch durch die Bauchdecke in die Blase eingeführt. Der Schlauch bleibt über eine längere Zeit in der Blase liegen, sodass der Urin kontinuierlich in einen Urinsammelbeutel abfliesst. Der Patient kann dann den vollen Beutel selbstständig gegen einen leeren auswechseln. Diese Art von Katheter bezeichnet man in der Fachsprache einen suprapubischen Katheter.
Natürlich erfährt der Patient bei beiden Methoden eine genaue Schulung über die Benutzung und Pflege des Katheters. Ist er selbst nicht mehr dazu in der Lage, übernimmt diese Aufgabe der Pflegedienst.


Zuletzt geändert: 26.09.2006 Druckversion Zum Seitenanfang
 
Autor/in: Jutta Manke, Ärztin
Editor/in: Urspeter Knecht, Dr. med., Arzt
ICD-10: N31.0
Keywords: Neurogene Blase, neurogene Blasenentleerungsstörungen, Urininkontinenz, Harninkontinenz, Inkontinenz, Überlaufblase, Reflexblase, Blasenentzündung, Nierenentzündung

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