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Fette

Synonyme: Öle

Zusammenfassung

Die Fette, die in flüssiger Form Öle genannt werden, gehören zu den Grundnährstoffen und werden vom menschlichen Körper als Lieferanten von Energie und Bausteinen benötigt. Ausserdem kann der Körper nur mit ihrer Hilfe die lebensnotwendigen Vitamine A, D, E und K aus der Nahrung aufnehmen. Bei den Fetten aus der Nahrung handelt es sich vor allem um Cholesterin und Triglyceride. Triglyceride bestehen aus Glycerin und Fettsäuren. Gewisse Fettsäuren kann der Körper nicht selbst herstellen und muss sie deshalb mit der Nahrung aufnehmen. Dazu gehören auch die ungesättigte Omega-6-Fettsäure Linolsäure und die ungesättigte Omega-3-Fettsäure Linolensäure. Andere Fettsäuren und das Cholesterin kann der menschliche Körper selbst herstellen und muss sie deshalb nicht mit der Nahrung aufnehmen. Sowohl eine mangelnde als auch eine übermässige Zufuhr von Fetten kann bei Betroffenen zu unterschiedlichen Beschwerden und Krankheiten führen.

Allgemeines

Die Fette gehören zu den Grundnährstoffen und sind Energie-liefernde Nahrungsbestandteile wie die Eiweisse und die Kohlenhydrate. Fette, Eiweisse, und Kohlenhydrate werden auch Hauptnährstoffe oder Makronährstoffe genannt. In flüssiger Form werden Fette als Öle bezeichnet.

Aufbau

Es gibt verschiedene Fette. Bei den Fetten, die mit der Nahrung aufgenommen werden, handelt es sich hauptsächlich um sogenannte Triglyceride und um Cholesterin.

Triglyceride

Triglyceride, die auch Neutralfette oder Triacylglycerine genannt werden, bestehen aus einem sogenannten Glycerinmolekül und drei Fettsäuren. Da es verschiedene Fettsäuren gibt, die sich in ihrer Länge und ihrem sogenannten Sättigungsgrad voneinander unterscheiden, entsteht ein anderes Triglycerid mit anderen Eigenschaften, je nachdem welche drei Fettsäuren an das Glycerin angehängt werden.

Die Fettsäuren werden nach ihrer Länge und ihrem sogenannten Sättigungsgrad unterschieden. Lange Fettsäuren werden als langkettig, kurze Fettsäuren als kurzkettig bezeichnet. Es gibt somit langkettige, mittelkettige und kurzkettige Fettsäuren. Im Allgemeinen können kurzkettige Fettsäuren besser vom menschlichen Körper verdaut werden als langkettige Fettsäuren.

Zudem wird nach dem sogenannten Sättigungsgrad der Fettsäuren zwischen gesättigten, einfach ungesättigten und mehrfach ungesättigten Fettsäuren unterschieden. Der Sättigungsgrad einer Fettsäure wird dadurch bestimmt, mit welchen Bindungen die einzelnen Bausteine der Fettsäure miteinander verbunden sind. Eine sogenannte Doppelbindung gilt als ungesättigt. Enthält eine Fettsäure keine Doppelbindungen als Verbindung zwischen den einzelnen Bausteinen, wird sie als gesättigte Fettsäure bezeichnet. Enthält sie eine Doppelbindung, wird sie als einfach ungesättigte Fettsäure bezeichnet. Enthält sie mehrere Doppelbindungen, wird sie als mehrfach ungesättigte Fettsäure oder Polyensäure bezeichnet. Je mehr Doppelbindungen eine Fettsäure enthält, desto bevorzugter wird sie vom menschlichen Körper als Baustein verwendet. Fettsäuren mit wenigen oder gar keinen Doppelbindungen werden oft direkt in die Speicher im Fettgewebe eingelagert.
Enthält eine Fettsäure Doppelbindungen, wird sie mit dem griechischen Buchstaben Omega gekennzeichnet. Das heisst, bei jeder Omega-Fettsäure handelt es sich um eine ungesättigte Fettsäure.
Gewisse ungesättigte Fettsäuren sind zudem essentiell. Das heisst, der Körper kann sie nicht selbst herstellen, sondern muss sie mit der Nahrung aufnehmen. Zu diesen essentiellen Fettsäuren zählen die zweifach ungesättigte Omega-6-Fettsäure Linolsäure und die dreifach ungesättigte Omega-3-Fettsäure Linolensäure, wobei die Zahl den Ort angibt, an dem die erste Doppelbindung in der Fettsäure vorkommt. Ohne die Aufnahme dieser essentiellen Fettsäuren kann der Körper über längere Zeit nicht gesund bleiben und überleben, da er diese Fettsäuren für lebensnotwendige Aufgaben benötigt.
Die Linolsäure benötigt der Körper für die Herstellung einer lebensnotwendigen vierfach ungesättigten Fettsäure. Diese vierfach ungesättigte Fettsäure wird Arachidonsäure genannt. Arachidonsäure ist Bestandteil beinahe aller Zellwände des Körpers und darüber hinaus werden aus der Arachidonsäure verschiedene Substanzen gebildet, die im Körper einen Einfluss auf verschiedenste Mechanismen haben. Dazu gehören das Kreislauf- und das Gefässsystem, die Haut sowie die Hormone. In den Nahrungsmitteln kommt die Arachidonsäure nur in geringen Mengen vor. Zu diesen Nahrungsmitteln gehören Fleisch, Fisch und Eigelb.
Aus der essentiellen Omega-3-Fettsäure Linolensäure werden im Körper Substanzen hergestellt, die die Gefässe vor Verschlüssen und Verstopfungen, sogenannten Thrombosen, und den Körper vor Entzündungen schützen.

Die nicht-essentiellen gesättigten und ungesättigten Fettsäuren kann der Körper ebenfalls mit der Nahrung aufnehmen, muss er aber nicht, da er diese Fettsäuren selbst herstellen kann, wenn er die notwendigen Bausteine mit der Nahrung erhält.

Neben den aufgezählten Fettsäuren gibt es noch die sogenannten Transfettsäuren. Die Transfettsäuren kommen in der Natur nur in kleinen Mengen vor. Sie sind vorwiegend in Produkten von Wiederkäuern, also beispielsweise in Kalbs- oder Rindfleisch und deren Milchprodukten, enthalten. Industriell entstehen Transfettsäuren bei der Härtung pflanzlicher Öle, die beispielsweise zur Produktion von Backwaren eingesetzt werden. Es wird angenommen, dass diese industriellen Transfettsäuren einen schlechten Einfluss auf die Gesundheit des menschlichen Körpers haben. Deshalb sollten Nahrungsmittel, die Transfettsäuren, das heisst gehärtete Fette, enthalten, eher gemieden und nur in geringen Mengen verzehrt werden.

Cholesterin

Cholesterin, auch Cholesterol genannt, ist ein lebensnotwendiges Fett, das der Körper zum Aufbau verschiedener Hormone, als Baustein für neue Gewebe und zur Produktion der Gallensäure benötigt. Der Körper kann das Cholesterin, das er benötigt, grösstenteils selbst herstellen und muss es deshalb nur in geringen Mengen mit der Nahrung aufnehmen. Cholesterin ist in der Nahrung ausschliesslich in tierischen Fetten aus tierischen Nahrungsmitteln enthalten.

Funktion

Die Hauptaufgabe der Fette ist die Lieferung von Energie, damit der Körper und seine Bestandteile funktionieren können. Aus einem Gramm Fett können 9,3 Kilokalorien beziehungsweise 39 Kilojoule Energie gewonnen werden. Damit liefern Fette im Vergleich zu Eiweissen und Kohlenhydraten mehr als doppelt so viel Energie. Die Energie, die die Fette liefern, wird aber erst dann vom Körper verwendet, wenn er keine Energie mehr in Form von Kohlenhydraten hat, um seinen Bedarf zu decken. So wird auch bei körperlicher Anstrengung zuerst die Energie in Form der Kohlenhydrate verbraucht. Erst anschliessend, das heisst etwa nach einer halben Stunde körperlicher Belastung, wird Energie in Form der Fette verbraucht. Zur vollständigen Fettverbrennung bei der Energiegewinnung aus Fetten braucht der Körper allerdings immer eine gewisse Menge an Kohlenhydraten. Ansonsten kann der Körper die Fette nicht vollständig verbrennen und es entstehen Substanzen, die Ketonkörper genannt werden. Diese werden über die Atemluft und den Urin ausgeschieden und führen dabei zu einen unangenehmen Mundgeruch und einem unangenehm riechenden Urin.
Daneben sind Fette als Bausteine für den Aufbau verschiedener Bestandteile des Körpers notwendig. Sie werden beispielsweise für den Bau gewisser Hormone und der Gallensäuren benötigt. Sie wirken als mechanische Puffer und schützen damit Organe, wie die Nieren oder die Augen, vor Verletzungen durch mechanische Einwirkungen von aussen. Sie überziehen zudem die Haut, wodurch die Haut vor dem Austrocknen und vor dem Eindringen krankmachender Substanzen geschützt wird. Ausserdem werden die Fette benötigt, um die lebensnotwendigen fettlöslichen Vitamine A, D, E und K aus der Nahrung in den Körper aufzunehmen.

Bedarf

Der tägliche Energiebedarf eines Menschen hängt von Alter, Geschlecht, Zustand und Tätigkeit ab. Im Durchschnitt benötigt ein erwachsener Mann etwa 2300 Kilokalorien beziehungsweise 9623 Kilojoule, eine erwachsene Frau etwa 1900 Kilokalorien beziehungsweise 7950 Kilojoule. Dieser Energiebedarf nimmt beispielsweise bei vermehrter körperlicher Arbeit zu und mit zunehmendem Alter ab. Es wird empfohlen, diesen Tagesbedarf an Kalorien zu 25 bis 30 % mit Fetten zu decken, wobei der Körper aus einem Gramm Fett etwa neun Kilokalorien beziehungsweise 39 Kilojoule an Energie gewinnen kann. Ein erwachsener Mann sollte somit im Durchschnitt täglich etwa 80 Gramm Fette zu sich nehmen, eine erwachsene Frau etwa 63 Gramm Fette.
Bei einer ausgewogenen und gesunden Ernährung sollte darauf geachtet werden, dass ungesättigte Fettsäuren den gesättigten Fettsäuren vorgezogen werden und dass der Körper ausreichend essentielle Fettsäuren mit der Nahrung erhält. So sollen etwa 10% des Fettbedarfs in Form gesättigter Fettsäuren aufgenommen werden, etwa 13% in Form einfach ungesättigter Fettsäuren und etwa 7% in Form mehrfach ungesättigter Fettsäuren. So werden etwa doppelt so viele ungesättigte Fettsäuen wie gesättigte Fettsäuren zugeführt. Von den essentiellen Fettsäuren sollen täglich etwa sieben Gramm Linolsäure und etwa ein Gramm Linolensäure mit der Nahrung aufgenommen werden. Transfettsäuren sollen so wenig wie möglich mit der Nahrung aufgenommen werden.
Cholesterin müsste der Körper eigentlich gar nicht mit der Nahrung aufnehmen, da er dieses selbst herstellen kann, wenn er die notwendigen Bausteine mit der Nahrung erhält. Da die tierische Nahrung aber Cholesterin enthält und dieses nicht einfach beseitigt werden kann, soll zumindest darauf geachtet werden, dass täglich nicht mehr als 300 Milligramm Cholesterin mit der Nahrung aufgenommen werden.

Vorkommen

Fette sind in pflanzlichen und tierischen Nahrungsmitteln enthalten. In tierischen Nahrungsmitteln mit tierischen Fetten, wie beispielsweise Fleisch, Schmalz, Talg, Milch und Butter, sind im Gegensatz zu den pflanzlichen Lebensmitteln hauptsächlich gesättigte und kaum ungesättigte Fettsäuren enthalten. Zudem enthalten die tierischen Nahrungsmittel Cholesterin. So sollte der Bedarf des Körpers vor allem mit pflanzlichen Fetten gedeckt werden. Dabei sollte beachtet werden, dass pflanzliche Öle zudem meist mehr kurzkettige und ungesättigte Fettsäuren enthalten, pflanzliche Fette mehr langkettige und gesättigte Fettsäuren. Besonders wertvoll sind deshalb Raps- und Olivenöl.
Die essentielle Omega-6-Fettsäure Linolsäure und die essentielle Omega-3-Fettsäure Linolensäure sind in verschiedenen pflanzlichen Nahrungsmitteln in ausreichender Menge enthalten. Viel Linolsäure ist in Distel-, Sonnenblumen-, Traubenkern- und Maiskeimöl, viel Linolensäure in Lein-, Soja-, Walnuss- und Hanföl sowie in Balttgemüse, Kresse, Leinsamen und Portulak. Auch das Fett in fettreichen Fischen und in Fischölen enthält im Gegensatz zu den anderen tierischen Nahrungsmitteln einen hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren und an der essentiellen Omega-3-Fettsäure Linolensäure.
Da die beiden Fettsäuren Omega-6 und Omega-3 im Körper dasselbe System zur Weiterverarbeitung verwenden, das nur eine beschränkte Kapazität zur Verarbeitung dieser Fettsäuren hat, sollten sie in einem günstigen Verhältnis mit der Nahrung aufgenommen werden, um im Körper optimal wirken zu können. In einem günstigen Mischungsverhältnis mit einem fünffach höheren Anteil an Omega-6 als an Omega-3 gibt es die beiden essentiellen Fettsäuren vor allem in Raps- und Olivenöl. Gleichzeitig sind Raps- und Olivenöl die einzigen Öle, die die erwünschten einfach ungesättigten Fettsäuren, wie beispielsweise die Ölsäure, in ausreichender Menge liefern, ohne gleichzeitig viele gesättigte Fettsäuren zu liefern. Deshalb werden das Raps- und das Olivenöl für die Verwendung in der kalten Küche und das Olivenöl zudem für die Verwendung in der warmen Küche empfohlen. Zum Braten oder Frittieren eignet sich das sogenannte High Oleic Sonnenblumenöl. Dies ist ein Spezialöl, das eine gute Fettsäurenzusammensetzung aufweist und besonders hitzestabil ist. Alle anderen Öle sind für die Alltagsküche nicht empfehlenswert, da sie entweder zu viel Omega-6-Fettsäure oder zu wenig Vitamin E enthalten. Das Vitamin E schützt sowohl das Öl als auch den menschlichen Körper vor schädlichen Reaktionen.
Insgesamt kann der Fettbedarf des Körpers mit einer ausgewogenen Ernährung von optimaler Fettqualität gut gedeckt werden. In den Industrieländern werden in allen Gesellschaftsschichten meist sogar zu viele Fette mit der Nahrung aufgenommen, leider aber meist die falschen, nämlich die gesättigten Fette.

Verwertung

Nach der Aufnahme der Fette mit der Nahrung, werden diese im Magen-Darm-Trakt verdaut. Das bedeutet, sie werden so verarbeitet, dass der Körper sie anschliessend durch die Wand des Dünndarms in die Blutgefässe aufnehmen kann.
Der Körper kann aus den verdauten Fetten, die er mit der Nahrung aufgenommen hat, diejenigen Fette herstellen, die er benötigt. Diese Produktion erfolgt vor allem in der Leber. Anschliessend können die Zellen, Gewebe und Organe des Körpers die Fette als Bausteine und Energiequellen verwenden.
Bei Bedarf kann der Körper aus den Fetten auch den Traubenzucker Glukose herstellen. Denn beim Fettabbau werden die Fette in ihre Bestandteile, das Glycerin und die Fettsäuren, aufgeteilt. Aus dem Glycerin kann der Körper anschliessend den Traubenzucker Glukose herstellen. Dies ist wichtig, da gewisse Zellen im Körper nur Glukose zur Energiegewinnung verwenden können. Dazu gehören die Blutzellen und weitgehend auch die Zellen des Gehirns. Ansonsten könnten die Blutzellen und die Zellen des Gehirns ihre Aufgaben nicht mehr erledigen und würden zugrunde gehen, wenn der Körper nicht ausreichend Glukose in Form von Kohlenhydraten mit der Nahrung erhält, um den Bedarf der Blutzellen und der Gehirnzellen zu decken. Die Muskeln, wie auch der Herzmuskel, des menschlichen Körper können die Fettsäuren als Energielieferanten verwenden. Im Hungerzustand, wenn der Körper keine Energie mehr in Form von Kohlenhydraten erhält, kann er somit die Fette als Energiequelle nutzen, wobei die Fette im Hungerzustand nicht mehr vollständig abgebaut werden können, da es zum vollständigen Abbau immer etwas Glukose braucht. Deshalb entstehen bei der Energiegewinnung aus Fetten im Hungerzustand sogenannte Ketonkörper. Diese können von den Geweben des Körpers und nach einer gewissen Anpassungszeit zumindest teilweise auch vom Gehirn als Energielieferanten genutzt werden. Hält der Hungerzustand aber an und nehmen die Ketonkörper im Blut zu, wird das Blut mit der Zeit übersäuert und Betroffene können in ein sogenanntes ketoazidotisches Koma fallen und ohne Behandlung sterben.
Hat der Körper mehr Fette aus der Nahrung aufgenommen als seine Zellen, Gewebe und Organe im Moment benötigen, speichert er das überflüssige Fett in Form von Triglyceriden im Fettgewebe ab. Erhält der Körper irgendwann einmal zu wenig Fette mit der Nahrung, um seinen Energiebedarf zu decken, kann er das im Fettgewebe gespeicherte Fett, wie oben beschrieben, zurück in Energie für die Zellen, Gewebe und Organe des Körpers verwandeln.

Erkrankungen

Sowohl ein Mangel als auch ein Überschuss an Fetten kann bei Betroffenen zu unterschiedlichen Beschwerden und Krankheiten führen.

Fett-Mangel

Ein Mangel an Fetten kann verschiedene Ursachen haben. Dazu gehören eine Mangelernährung oder eine langdauernde fettfreie Ernährung beispielsweise im Rahmen einer sehr einseitigen Diät.

Eine Mangelernährung kann entweder eine Unterernährung oder eine Fehlernährung sein. Bei einer Unterernährung besteht ein Mangel an allen Nährstoffen, sodass der Bedarf des Körpers mit der Nahrung nicht gedeckt werden kann. Bei einer Fehlernährung ist das Nahrungsangebot eigentlich ausreichend, aber durch eine falsche Zusammensetzung der Nahrung mit einem zu geringen Anteil an Fetten werden dem Körper trotzdem zu wenig Fette mit der Nahrung zugeführt und ein Mangel an Fetten entsteht. Mangelernährung ist insbesondere in Entwicklungsländern weit verbreitet. Aber auch in Industrieländern kann eine Fehlernährung oder eine Unterernährung vor allem in Alters- und Pflegeheimen, in Spitälern, bei Essstörungen, bei sehr einseitigen Diäten bei krankhaft übergewichtigen Personen, bei Alkoholsucht, bei Obdachlosen und bei Menschen unter grossem Termin- und Zeitdruck auftreten. Dabei ist in Alters- und Pflegeheimen sowie in Spitälern in der Regel nicht allein eine falsche Nahrungszusammenstellung für die mangelhafte Zufuhr von Nahrungsbestandteilen verantwortlich, sondern die Personen in Alters- und Pflegeheimen sowie Spitälern können oder wollen wegen Veränderungen des Alters, unterschiedlichen Erkrankungen, der Einnahme von Medikamenten oder während und nach verschiedenen Behandlungen wie Operationen, Chemotherapien und Bestrahlungen nicht ausreichend von einzelnen, mehreren oder allen Nahrungsbestandteilen zu sich nehmen. Ausserdem hat der Körper dieser Personen wegen des Alters, Erkrankungen, der Einnahme von Medikamenten oder verschiedenen Behandlungen oft auch andere Bedürfnisse.

Eine mangelhafte Zufuhr von Fetten mit der Nahrung kann zu einem Mangel an Energie führen, die der Körper, seine Gewebe, Organe und Zellen benötigen. Ohne diese Energie kann der Körper seinen Stoffwechsel und denjenigen seiner Zellen nicht aufrechterhalten und richtig funktionieren. Deshalb fahren der Körper und alle seine Zellen bei einem Energiemangel den Stoffwechsel herunter. Das Körpergewicht und der Energiebedarf sinken. Die Menge an gutem, die Gesundheit förderndem Cholesterin nimmt im Blut ab.
Da der Körper die Fette aber nicht nur als Energielieferanten benötigt, sondern auch als Bausteine, sind durch den Mangel an Fetten weitere Beschwerden möglich. Dabei äussert sich ein Mangel an Fetten vor allem dann mit Beschwerden, wenn dem Körper zu wenig essentielle Fettsäuren zugeführt werden. Dies ist nur sehr selten der Fall. Bei einem Mangel an der essentiellen Linolsäure können Betroffene an Sehstörungen, Muskelschwäche und Störungen der geistigen Leistungsfähigkeit leiden. Ein Mangel an der essentiellen Linolensäure kann zu Hauterkrankungen, gestörter Wundheilung, Verfettung der Leber, vermehrter Anfälligkeit für Infekte, Wachstumsverzögerung und Blutarmut mit Blässe, Leistungseinbusse, Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und Atembeschwerden führen. Weitere Beschwerden können ausserdem auftreten, da eine fettarme Ernährung zu einem Mangel der Vitamine A, D, E und K mit unterschiedlichen Beschwerden führen kann, die in den entsprechenden Texten zu den Vitaminen aufgeführt werden.

Die Behandlung eines Fett-Mangels hängt von seiner Ursache ab. Es sollte immer die Ursache bekämpft werden, wenn dies möglich ist. Entsteht der Fett-Mangel wegen einer mangelhaften Zufuhr von Fetten mit der Nahrung, insbesondere von essentiellen Fettsäuren, muss dafür gesorgt werden, dass der Körper durch eine Umstellung der Nahrung mit einer Optimierung der verwendeten Nahrungsfette wieder ausreichend Fette und dabei insbesondere ausreichend essentielle Fettsäuren mit der Nahrung erhält.

Fett-Überschuss

In Industrieländern kommt es in allen Gesellschaftsschichten durch das reichliche Nahrungsangebot oft zu einer übermässigen Zufuhr von Fetten mit der Nahrung. Solch eine übermässige Zufuhr von Fetten kann, insbesondere bei einem hohen Anteil gesättigter Fettsäuren, negative Folgen für die Gesundheit haben. Im Blut können die Blutfettwerte ansteigen und zu einer Hyperlipidämie oder Hypercholesterinämie führen. Zudem wird das überschüssige Fett in Depots gespeichert, da aufgrund der hohen Fettzufuhr mit der Nahrung zu viele Kalorien aufgenommen werden. Übergewicht ist die Folge. Erhöhte Blutfettwerte und Übergewicht haben vielfältige gesundheitsschädigende Auswirkungen auf den menschlichen Körper. Durch Überbeanspruchung und mechanische Überbelastung treten Schädigungen des Bewegungsapparates mit frühzeitiger Abnutzung der Gelenke auf. Die körperliche Leistungsfähigkeit wird eingeschränkt. In den Hautfalten sammelt sich Schweiss an, was die Haut schädigt. So können vermehrt Hautausschläge und Entzündungen der Haut auftreten. Psychische Probleme sowie Einschränkungen des sexuellen Verlangens und der Potenz sind häufig. Zudem treten verschiedene Erkrankungen bei übergewichtigen Menschen gehäuft auf. Dazu gehören die Zuckerkrankheit Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Gicht, Gallensteine und eine Gefässverkalkung, Arteriosklerose genannt. Eine Gefässverkalkung hat zur Folge, dass verschiedene Gewebe und Organe im Körper nicht mehr gut durchblutet und mit Sauerstoff versorgt werden. Dies kann sich bei Betroffenen als sogenannte Angina pectoris, Herzinfarkt oder Schlaganfall zeigen. Insgesamt kann Übergewicht somit die Lebensqualität und die Lebenserwartung deutlich einschränken.

Ein Fett-Überschuss mit seinen Folgen kann aber auch andere Ursachen als eine vermehrte Fettzufuhr mit der Nahrung haben. So kann eine Veränderung der Erbinformation, eine sogenannte Mutation, für einen Überschuss der Triglyceride oder des Cholesterins im Körper verantwortlich sein. Denn wegen der Veränderung der Erbinformation hat der Körper entweder nur noch einen fehlerhaften Bauplan für die Herstellung gewisser Eiweisse oder er verliert deren Bauplan sogar ganz. Diese Eiweisse benötigt der Körper aber für die Herstellung und Verteilung der Triglyceride und des Cholesterins im Körper. In der Folge werden Herstellung und Verteilung der Fette im Körper gestört und die Fette reichern sich im Körper an. Durch eine solche Veränderung können verschiedene Krankheiten zustande kommen, die sich mit einem Fett-Überschuss im Blut, einer sogenannten Hyperlipidämie oder Hypercholesterinämie, und den oben aufgezählten Folgen äussern.

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Zuletzt geändert: 17.04.2008 Druckversion Zum Seitenanfang
 
Autor/in: prakt. med. Sidonie Achermann , Ärztin
Editor/in: Dr. Julia Feucht, Ärztin
Fachperson: Andrea Meppiel, dipl. Ernährungsberaterin HF
ICD-10: E78
Keywords: Fette, Makronährstoffe, Hauptnährstoffe, Hyperlipidämie, Hypercholesterinämie, Cholesterin, Fettsäuren, Öle, Triglyceride, Glycerin, Neutralfette, Triacylglycerine, Omega-Fettsäuren, Omega-3-Fettsäure, Omega-6-Fettsäure, Linolsäure, Linolensäure, Arachidonsäure, Transfettsäuren, Cholesterol, Fettüberschuss, Fett-Überschuss, Übergewicht, Adipositas, erhöhte Blutfettwerte, Fettmangel, Fett-Mangel

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