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Blutentnahme aus der Nabelschnur

Synonyme: Chordozentese, Cordozentese, Nabelschnurpunktion, Fetalblutentnahme

Zum SeitenanfangZusammenfassung

Bei der Nabelschnurpunktion, in der Fachsprache auch Chordozentese genannt, wird bei  Verdacht auf Blutarmut, Infektionen, Bluterkrankungen, Veränderungen der Erbinformation oder Stoffwechselstörungen während der Schwangerschaft aus der Nabelschnur des ungeborenen Kindes Blut entnommen. Die Entnahme des Nabelschnurblutes erfolgt mit einer dünnen Nadel durch die Bauchdecke der Schwangeren. Die Untersuchung wird unter ständiger Ultraschallkontrolle durchgeführt, um das Kind im Mutterleib durch die Nadel nicht zu verletzen.

Die Entnahme des Nabelschnurblutes wird einer Schwangeren angeboten, wenn beim ungeborenen Kind gewisse Erkrankungen ausgeschlossen oder bestätigt werden sollen. Das ist insbesondere dann wichtig, wenn aufgrund von auffälligen Blutwerten der Mutter oder auffälligen Ultraschallbefunden der Verdacht auf eine Blutarmut, eine Infektion, eine Bluterkrankung, Veränderungen der Erbinformation oder Stoffwechselstörungen besteht. Mit einer Blutuntersuchung des ungeborenen Kindes können sehr zuverlässig Infektionen wie Röteln, Ringelröteln oder Toxoplasmose beim Kind im Mutterleib nachgewiesen werden. Auch wenn ein Verdacht auf Störungen der Erbinformation des Kindes schnell bestätigt werden muss oder eine vorher durchgeführte Fruchtwasseruntersuchung, eine sogenannte Amniozentese, oder die Untersuchung von Gewebe aus dem Mutterkuchen, eine sogenannte Chorionzottenbiopsie, kein eindeutiges Ergebnis ergaben, wird Blut aus der Nabelschnur des Kindes entnommen und untersucht.

Im Rahmen einer Blutentnahme aus der Nabelschnur kann bei einem Kind aber nicht nur eine Erkrankung nachgewiesen oder ausgeschlossen werden, sondern das ungeborene Kind kann bei Bedarf auch behandelt werden. Eine Behandlung eines Kindes im Mutterleib nennt man auch fetale Therapie. Hauptgrund für eine Behandlung des Kindes im Mutterleib ist eine Blutarmut des Kindes im Rahmen einer Blutgruppenunverträglichkeit, einer sogenannten Rhesusinkompatibilität, oder im Rahmen einer Infektion mit Ringelröteln. Bei einer Blutarmut bekommt das ungeborene Kind eine sogenannte Bluttransfusion, das heisst ihm werden Blut oder Blutbestandteile direkt in die Nabelschnur gegeben. Auch das direkte Zuführen von Medikamenten in die Nabelschnur des Kindes ist im Rahmen der Blutentnahme aus der Nabelschnur möglich.

Die Blutentnahme aus der Nabelschnur wird normalerweise nur zu späten Schwangerschaftszeitpunkten nach der 20. Schwangerschaftswoche zur Untersuchung des kindlichen Blutes vorgenommen. Das Ergebnis einer Untersuchung der Erbinformation aus dem Nabelschnurblut des ungeborenen Kindes bekommt man meist nach sieben Tagen, die Ergebnisse der Blutuntersuchung auf Infektionen oder Blutarmut in der Regel schneller.

Bei der Untersuchung des Mutterkuchens kommt es bei ein bis zwei von hundert Untersuchungen zu einer Fehlgeburt. Aber auch Blutungen, vorzeitige Wehen, eine Infektion der Eihäute und ein vorzeitiger Blasensprung sind möglich. Erhält das ungeborene Kind gleichzeitig mit der Blutentnahme Blut oder Blutbestandteile, eine sogenannte Bluttransfusion, kann es in seltenen Fällen dazu kommen, dass die Transfusion nicht in das Blutgefäss der Nabelschnur erfolgt, sondern in das umliegende Gewebe der Nabelschnur. Dadurch werden die Gefässe in der Nabelschnur zusammengedrückt und das Blut kann nicht mehr zum oder vom Kind weg fliessen. Es handelt sich somit um einen Notfall. Das Kind muss sofort per Kaiserschnitt entbunden werden. Die Entnahme von Blut aus der Nabelschnur und die Behandlung des ungeborenen Kindes über die Nabelschnur ist also nicht absolut ungefährlich. Zusätzlich gelingt nicht jede Untersuchung auf Anhieb. Das Ergebnis der Untersuchung des Blutes des Nabelschnur ist in fast allen Fällen richtig. In wenigen Fällen ergibt die Fruchtwasseruntersuchung aber ein falsches Ergebnis und bezeichnet ein gesundes Kind fälschlicherweise als krank oder ein krankes Kind fälschlicherweise als gesund.

Zum SeitenanfangWie wird die Blutentnahme aus der Nabelschnur durchgeführt?

Die Blutentnahme aus der Nabelschnur wird normalerweise nach der 20. Schwangerschaftswoche zur Untersuchung des kindlichen Blutes vorgenommen.

Der Arzt stellt mit einer Ultraschalluntersuchung die genaue Lage des Kindes in der Gebärmutter fest und bestimmt dann am Bauch der Schwangeren eine geeignete Einstichstelle zur Entnahme von Blut aus der Nabelschnur, sodass das Kind im Mutterleib bei der Untersuchung nicht verletzt wird. Gleichzeitig wird mit dem Ultraschall die Position einer gut zugänglichen Stelle der Nabelschnur innerhalb der Fruchtblase bestimmt. Diese Stelle sollte möglichst nahe am Ansatz der Nabelschnur am Mutterkuchen sein. Die Entnahme des Blutes aus der Nabelschnur des ungeborenen Kindes erfolgt mit einer dünnen Nadel durch die Bauchdecke der Schwangeren. Eine örtliche Betäubung oder Schmerzmittel sind bei diesem Eingriff in der Regel nicht nötig, da der Schmerz meist sehr gering ist. Es wird eine sehr kleine Menge Blut entnommen, etwa 6 Milliliter. Das ist etwa der 20ste Teil eines Deziliters. Die Blutentnahme aus der Nabelschnur ist nicht durchführbar, wenn der Mutterkuchen an der Vorderseite der Gebärmutter liegt und gross ist, da für die Blutentnahme aus der Nabelschnur nicht durch den Mutterkuchen durchgestochen werden darf. Sonst treten starke Blutungen auf und das Leben der Mutter und des ungeborenen Kindes sind gefährdet.

Zum SeitenanfangGründe für eine Blutentnahme aus der Nabelschnur

Die Blutentnahme aus der Nabelschnur wird einer Schwangeren angeboten, wenn man etwas über die Zusammensetzung des Blutes des ungeborenen Kindes erfahren möchte. Das ist insbesondere dann wichtig, wenn aufgrund von auffälligen Blutwerten der Mutter oder auffälligen Ultraschallbefunden der Verdacht auf eine Blutarmut, eine Infektion, eine Bluterkrankung, Veränderungen der Erbinformation oder Stoffwechselstörungen besteht. Eine Blutarmut kann bei einer Blutgruppenunverträglichkeit zwischen Mutter und Kind, wie der Rhesusinkompatibilität, oder bei einer Infektion des ungeborenen Kindes mit Ringelröteln auftreten. Der Erreger der Ringelröteln, ein Virus, kann während der Schwangerschaft in etwa bei einem Drittel der Fälle über den Mutterkuchen auf das ungeborene Kind übertragen werden und beim Kind unter anderem eine Blutarmut auslösen. Mit einer Blutuntersuchung des ungeborenen Kindes kann zudem sehr zuverlässig eine Infektion des Kindes im Mutterleib mit Röteln oder Toxoplasmose nachgewiesen werden.

Ein weiterer Grund für die Durchführung einer Blutentnahme aus der Nabelschnur des Kindes im Mutterleib ist die Abklärung eines sogenannten Hydrops fetalis des ungeborenen Kindes. Darunter versteht man eine Flüssigkeitsansammlung, die sich über weite Teile des Körpers eines ungeborenen Kindes ausgebreitet hat. Durch die Flüssigkeitsansammlung wird die Haut des Kindes deutlich vom Körper abgehoben, was der Arzt im Ultraschall sehen kann. Eine solche Flüssigkeitsansammlung kann sowohl bei einer Blutgruppenunverträglichkeit als auch bei diversen anderen Erkrankungen des Kindes auftreten und ein Hinweis auf diese Erkrankung sein. Auch das sogenannte fetofetale Transfusionssyndrom ist ein Grund für die Durchführung einer Blutentnahme aus der Nabelschnur. Ein fetofetales Transfusionssyndrom kann bei gewissen eineiigen Zwillings-Schwangerschaften auftreten. Dabei handelt es sich um ein Ungleichgewicht des Blutaustausches zwischen den ungeborenen Kindern. Dadurch entwickelt der eine Zwilling eine Blutarmut, der andere Zwilling einen Hydrops fetalis, also eine Flüssigkeitsansammlung im Körper. Die Blutentnahme wird dann bei jedem der Zwillinge gemacht, um festzustellen, wie gut oder wie schlecht es den Kindern geht.

Selten wird eine Blutuntersuchung des ungeborenen Kindes zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen des Kindes im Mutterleib durchgeführt. Unter Herzrhythmusstörungen versteht man eine Störung der normalen Herzschlagfolge, verursacht durch nicht regelrechte Vorgänge bei der Erregungsbildung und -leitung im Herzmuskel. Wenn es in Einzelfällen besonders dringlich erforderlich ist, kann eine Blutentnahme aus der Nabelschnur auch gemacht werden, um die sogenannten Chromosomen, die Erbinformation des Kindes, untersuchen zu können. Die aus der Nabelschnur entnommene Blutprobe wird dann im Labor durch einen Spezialisten untersucht. Die Untersuchung der Erbinformation aus dem entnommenen Blut der Nabelschnur wird auch dann durchgeführt, wenn eine Fruchtwasseruntersuchung, eine sogenannte Amniozentese, oder eine Untersuchung von Gewebe aus dem Mutterkuchen, eine sogenannte Chorionzottenbiopsie, ein unklares Ergebnis ergaben.

Zum SeitenanfangBehandlung des ungeborenen Kindes im Rahmen einer Nabelschnurpunktion

Die Entnahme des Nabelschnurblutes erfolgt mit einer dünnen Nadel durch die Bauchdecke der Schwangeren. Der Arzt sticht dazu mit der Nadel in die Fruchtblase des Kindes im Mutterleib. Nachdem aus der Nabelschnur über die Nadel Blut entnommen wurde, kann das Kind über die gleiche Nadel bei Bedarf behandelt werden. Die Behandlung des ungeborenen Kindes im Mutterleib nennt man auch fetale Therapie.

Hauptgrund für die Behandlung des Kindes im Mutterleib ist eine Blutarmut des Kindes im Rahmen einer Blutgruppenunverträglichkeit, einer sogenannten Rhesusinkompatibilität, oder im Rahmen einer Infektion mit Ringelröteln. Eine schwere Blutarmut des ungeboren Kindes  aufgrund einer Blutgruppenunverträglichkeit kann sehr erfolgreich mittels mehrmaligem Blutaustausch im Mutterleib therapiert werden. Der Blutaustausch erfolgt dabei über die dünne Nadel, welche zuvor durch die Bauchdecke der Schwangeren bis in die Nabelschnur des Kindes vorgeschoben wurde.

Wenn es nötig ist, dem ungeborenen Kind Medikamente zu verabreichen, wie es bei Herzrhythmusstörungen der Fall ist, geschieht dies entweder über die Mutter, indem die Mutter selbst das Medikament einnimmt und dieses dann mit dem Blut über den Mutterkuchen und die Nabelschnur zum Kind gelangt, oder man gibt das Medikament direkt in die Nabelschnur des Kindes im Rahmen einer Nabelschnurpunktion. Das bedeutet aber auch, dass eine Nabelschnurpunktion teilweise mehrfach im Rahmen einer Schwangerschaft durchgeführt werden muss, falls das Kind mehrmals Medikamente benötigt.

Zum SeitenanfangWelche Komplikationen können bei einer Blutentnahme aus der Nabelschnur auftreten?

Bei der Blutentnahme aus der Nabelschnur können Komplikationen auftreten. Deshalb wird eine Blutentnahme aus der Nabelschnur nur nach einem ausführlichen Gespräch mit den zukünftigen Eltern und in den Fällen durchgeführt, wenn sie wirklich notwendig ist.

Bei hundert durchgeführten Blutentnahmen aus der Nabelschnur kommt es bei etwa einer Schwangeren zu einer Fehlgeburt. Neben der Fehlgeburt ist die häufigste Komplikation einer Entnahme von Blut aus der Nabelschnur durch die Bauchdecke ein vorzeitiger Blasensprung. Unter einer Fehlgeburt versteht man die vorzeitige Beendigung der Schwangerschaft, noch bevor das Kind ausserhalb des Mutterleibs überleben kann. Als vorzeitiger Blasensprung wird das Zerreisen der Fruchtblase noch vor dem Beginn der Eröffnungsperiode der Geburt bezeichnet. Ein Zusammenziehen der Gebärmutter im Sinne von Wehen tritt nach einer Blutentnahme aus der Nabelschnur relativ häufig auf, lässt in der Regel aber rasch wieder nach. Infektionen, Blutungen oder Verletzungen der Gebärmutter werden seltener beobachtet. Eine Verletzung des Kindes durch die Einstichnadel ist extrem selten, da während der ganzen Untersuchung mit einem Ultraschall kontrolliert wird, dass das Kind nicht mit der Nadel verletzt wird. In seltenen Fällen kann der Eingriff aus technischen Gründen nicht durchgeführt werden oder misslingt.

Erhält das ungeborene Kind gleichzeitig mit der Blutentnahme Blut oder Blutbestandteile, eine sogenannte Bluttransfusion, kann es in seltenen Fällen dazu kommen, dass die Transfusion nicht in das Blutgefäss der Nabelschnur erfolgt, sondern in das umliegende Gewebe der Nabelschnur. Dadurch werden die Gefässe in der Nabelschnur zusammengedrückt und das Blut kann nicht mehr zum oder vom Kind weg fliessen. Es handelt sich somit um einen Notfall. Das Kind muss sofort per Kaiserschnitt entbunden werden.

Zum SeitenanfangWo liegen die Grenzen der Untersuchung des Nabelschnurblutes?

Mit der Blutentnahme aus der Nabelschnur kann die Zusammensetzung des Blutes des ungeborenen Kindes untersucht werden. So können eine Blutarmut, Infektionen, Bluterkrankungen, Veränderungen der Erbinformation oder Stoffwechselstörungen des Kindes nachgewiesen werden. Die meisten Fehlbildungen von Kindern, vor allem die Fehlbildungen des Herzens, die sogenannten Herzfehler, sind somit in einer Untersuchung des Mutterkuchens nicht erkennbar. Mit der Ultraschalluntersuchung in der 20. Schwangerschaftswoche, einer Routine-Untersuchung während der Schwangerschaft, können derartige Fehlbildungen in vielen Fällen aber durch den Arzt erkannt werden. Eine Ultraschalluntersuchung kann aber keine Rückschlüsse auf die Erbanlagen des ungeborenen Kindes geben und kann deshalb eine Untersuchung des Nabelschnurblutes nicht ersetzen.

Zum SeitenanfangWas muss sonst noch beachtet werden?

Nicht jede Untersuchung gelingt auf Anhieb. Die Entnahme des Blutes aus der Nabelschnur mit einer dünnen Nadel durch die Bauchdecke der Schwangeren kann misslingen oder es kann im Labor, das das Blut untersucht, eine Untersuchung fehlschlagen. Ausserdem kommt es in einem von zweihundert Fällen vor, dass die Zellen in der Kultur nicht wachsen und deshalb nicht weiter untersucht werden können. Die Schwangere muss dann entscheiden, ob sie eine Wiederholung des Tests wünscht oder nicht.

Das Ergebnis der Blutentnahme aus der Nabelschnur ist in fast allen Fällen richtig. Das bedeutet, wenn das Ergebnis der Untersuchung des Nabelschnurblutes ergibt, dass das ungeborene Kind eine Erkrankung hat, dann ist das Kind in fast allen Fällen auch tatsächlich krank. Oder umgekehrt, wenn das Ergebnis der Untersuchung des Nabelschnurblutes ergibt, dass das ungeborene Kind gesund ist, dann ist das Kind in fast allen Fällen auch tatsächlich gesund. Es gibt aber auch wenige Fälle, in denen die Untersuchung des Nabelschnurblutes ein gesundes Kind fälschlicherweise als krank oder ein krankes Kind fälschlicherweise als gesund ausgewiesen hat. Letzteres kann zum Beispiel dann passieren, wenn sich eine Erkrankung nur in einem Teil der Zellen des Kindes zeigt und bei der Untersuchung des Nabelschnurblutes zufälligerweise nur gesunde Zellen untersucht wurden. In jedem Fall muss der Arzt vor dem Durchführen der Untersuchung ein ausführliches Gespräch mit den Eltern über die Untersuchung, Gründe für die Untersuchung, Komplikationen der Untersuchung, Folgen und Möglichkeiten je nach Ergebnis der Untersuchung führen.

Autor/in:Dr. Julia Feucht, Ärztin
Editor/in:Dr. med. Sidonie Achermann, Ärztin
Keywords:Chordozentese, Cordozentese, Nabelschnurpunktion, Fetalblutentnahme, Blutentnahme aus der Nabelschnur, Fetale Therapie, Nabelschnur, Schwangerschaft, Erbinformation, Chromosomen, Erbkrankheiten, Anämie, Blutarmut, Rhesusinkompatibilität, Blutgruppenunverträglichkeit, Röteln, Ringelröteln, Toxoplasmose
Zuletzt geändert:05.11.2016Zum Seitenanfang
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