Anzeige

Startseite  ⇒  Frauenheilkunde ⇒  Schwangerschaft ⇒  Normale Schwangerschaft ⇒  Mehrlings-Schwangerschaft

Anzeige

Online-Beratung - Fragen Sie unsere Ärzte!

Mehrlings-Schwangerschaft

Synonyme: Mehrlingsgravidität

Zum SeitenanfangAllgemeines

Allgemein spricht man von Mehrlingen, wenn sich in einer Schwangerschaft zwei oder mehr Kinder gleichzeitig entwickeln. Unter dem Begriff Zwillings-Schwangerschaft versteht man die gleichzeitige Entwicklung von zwei Kindern, unter Drillings-Schwangerschaft die gleichzeitige Entwicklung von drei Kindern, unter Vierlings-Schwangerschaft die gleichzeitige Entwicklung von vier Kindern, usw.

Häufigkeit von Mehrlingen

In Europa kommt auf etwa 85 Schwangerschaften eine Zwillings-Schwangerschaft, auf etwa 7.225 Schwangerschaften eine Drillings-Schwangerschaft, auf etwa 614.125 Schwangerschaften eine Vierlings-Schwangerschaft und auf etwa 50 Millionen Schwangerschaften eine Fünflings-Sschwangerschaft. Diese Häufigkeitsverteilung bezieht sich aber nur auf die Schwangerschaften, die auf natürlichem Wege entstanden sind. In Tat und Wahrheit hat die Häufigkeit von Mehrlingsgeburten in Europa im letzten Jahrzehnt nämlich deutlich zugenommen, weil sich viele Paare mit Kinderwunsch und Störungen der Fruchtbarkeit (Fertilitätsstörungen) in medizinische Behandlung begeben. Durch solche Behandlungen, insbesondere durch Hormontherapien, wird oftmals eine Mehrlings-Schwangerschaft ausgelöst.

Mehrlings-Schwangerschaften, die auf natürliche Art entstehen, sind bei Frauen in höherem Alter und bei Frauen, die schon mehrere Kinder geboren haben, häufiger zu beobachten. In Familien, in denen es bereits Mehrlinge gibt, ist die Wahrscheinlichkeit des erneuten Auftretens von Zwillingen oder Mehrlingen ebenfalls erhöht. Dies bezieht sich ausschliesslich auf Schwangerschaften mit mehreiigen Mehrlingen. Eineiige Mehrlinge treten grundsätzlich nicht gehäuft in Familien auf.

Die drei Eihäute

Detailansicht der drei Eihäute: Dezidua, Chorion, Amnion
Detailansicht der drei Eihäute: Dezidua, Chorion, Amnion, Gebärmutterwand

Während der Schwangerschaft ist das Kind in der Gebärmutter von der Fruchtblase umgeben. Die Fruchtblase ist ein geschlossener Sack, der mit Fruchtwasser gefüllt ist. Die Hülle der Fruchtblase setzt sich aus drei sogenannten Eihäuten zusammen, dem Amnion, dem Chorion und der Dezidua. Das Amnion ist die innerste Eihaut, sie liegt dem Kind am Nächsten und produziert einen Teil des Fruchtwassers. Das Chorion ist die mittlere Eihaut. Die Dezidua ist die äusserste Eihaut. Sie ist gleichzeitig die innerste Schicht der Gebärmutterwand. Sie ist in etwas veränderter Form auch bei Frauen vorhanden, die nicht schwanger sind. Damit das Kind am Ende der Schwangerschaft geboren werden kann, müssen die Eihäute zerreissen und das Fruchtwasser abfliessen. Dieser Vorgang wird Blasensprung genannt.

Die Fruchtblasenhülle aus den drei Eihäuten ist an einer Stelle mit der Gebärmutterinnenwand durch den Mutterkuchen, die sogenannte Plazenta, verwachsen. Das Kind wiederum ist über die Nabelschnur mit dem Mutterkuchen verbunden. Über den Mutterkuchen und die Nabelschnur besteht eine Verbindung zwischen dem Blutkreislauf des Kindes und dem der Mutter. Diese Verbindung dient der Versorgung des Kindes mit Nährstoffen und Sauerstoff. Gleichzeitig werden über diese Verbindung Abfallstoffe, die das Kind bildet, entsorgt.

Die drei Eihäute der Fruchtblase werden nach der Befruchtung einer Eizelle mit einer Samenzelle gebildet. Nach der Befruchtung beginnt sich die Eizelle zu teilen. In den ersten drei Tagen nach der Befruchtung sind alle Zellen noch gleich. Danach findet mit der Teilung der Zellen auch eine Spezialisierung der einzelnen Zellen statt. In der Folge bilden die einen Zellen den das Kind ernährenden Teil, den sogenannten Trophoblasten. Aus diesem entstehen wiederum der Mutterkuchen, das Chorion und das Amnion. Die anderen Zellen bilden den Teil, aus dem später das Kind hervorgeht, den sogenannten Embryoblasten. Das Chorion, das Amnion und der Mutterkuchen entstehen nicht alle gleichzeitig aus dem Trophoblasten. Zuerst bilden sich das Chorion und der Mutterkuchen, dann erst das Amnion. Sind die Eihäute einmal entstanden, können sie nicht mehr geteilt werden. Bei eineiigen Mehrlingen, die aus der Teilung einer befruchteten Eizelle hervorgehen, hängt es deshalb vom Zeitpunkt der Teilung der befruchteten Eizelle ab, ob die einzelnen Kinder Mutterkuchen, Chorion und Amnion untereinander teilen müssen.

Entstehung von Zwillingen

Nach ihrer Entstehung werden eineiige und zweieiige Zwillinge unterschieden. 70% aller Zwillinge sind zweieiig, das bedeutet sie sind aus zwei verschiedenen befruchteten Eizellen entstanden. 30% der Zwillinge sind eineiig, was bedeutet, das sie aus einer einzigen befruchteten Eizelle entstanden sind, die sich nach der Befruchtung geteilt hat. Diese Unterscheidung in eineiige und zweieiige Zwillinge ist einerseits für die zukünftigen Eltern, andererseits für den Arzt, der die Schwangere betreut, wichtig.

Zweieiige Zwillinge entstehen durch die Befruchtung von zwei verschiedenen Eizellen mit zwei verschiedenen Samenzellen. Diese Eizellen können sowohl aus einem als auch aus beiden Eierstöcken stammen. Beide befruchteten Eizellen entwickeln sich von Anfang an völlig unabhängig voneinander. Jede der zwei befruchteten Eizellen bildet sich durch Zellteilungen zu einem Zellhaufen mit 64 Zellen (Blastozyste) aus. Dann beginnen sich die Zellen neben dem Teilen zu spezialisieren. Einige Zellen bilden den das Kind ernährenden Teil, den sogenannten Trophoplasten, Aus dem Trophoblasten entstehen später der Mutterkuchen, das Chorion und das Amnion. Die anderen Zellen entwickeln sich zu dem Teil, aus dem später das Kind entsteht, dem sogenannten Embryoblasten.

Bei der Spezialisierung wird zuerst das Chorion gebildet, erst einige Tage später entsteht das Amnion. Da sich beide befruchteten Eizellen getrennt teilen und spezialisieren, sind beide Kinder von je einem eigenen Chorion und einem eigenen Amnion umgeben. Jedes der beiden Kinder hat zudem seinen eigenen Mutterkuchen (siehe Abbildung, a). Teilweise nisten sich die zwei befruchteten Eizellen jedoch so nahe beieinander in der Gebärmutter ein, dass die beiden Mutterkuchen miteinander verschmelzen. Sogar eine Verschmelzung der beiden Chorions ist möglich (siehe Abbildung, b). Zweieiige Zwillinge unterscheiden sich folglich in ihren Erbanlagen. Sie sind zueinander ebenso verschieden wie zwei Geschwister, die in zwei verschiedenen Schwangerschaften ausgetragen wurden.

Bei eineiigen Zwillingen läuft zunächst alles genauso ab wie in einer Schwangerschaft mit einem einzelnen Kind. Eine einzige Eizelle wird von einer Samenzelle befruchtet. Bei Einlingen entwickelt sich dann die befruchtete Eizelle in einem geschlossenen Verband weiter. Bei eineiigen Zwillingen teilt sich die befruchtete Eizelle aber aus bisher unbekannten Gründen innerhalb der ersten dreizehn Tage nach der Befruchtung in zwei Teile. Aus jedem dieser zwei Teile entsteht dann im Verlaufe der Schwangerschaft ein Kind. Da beide Teile aus derselben Eizelle und demselben Samen entstanden sind, verfügen sie über dieselben Erbanlagen. Sie haben deshalb im Gegensatz zu den mehreiigen Zwillingen auch immer dasselbe Geschlecht. Demzufolge sind diese Zwillinge, was den Körper und teilweise auch was den Charakter betrifft, gleich.

Vom Zeitpunkt der Trennung der befruchteten Eizelle in zwei Teile hängt ab, ob sich die eineiigen Zwillinge Eihäute und/oder Mutterkuchen teilen. Findet die Trennung der befruchteten Eizelle innerhalb der ersten drei Tage nach der Befruchtung statt, entstehen zwei vollständig getrennte, identische Eizellen. Diese zwei Eizellen wandern durch den Eileiter in die Gebärmutter. Dort suchen sich die zwei Eizellen unabhängig voneinander einen Platz in der Gebärmutter und nisten sich ein. Jedes der beiden Kinder besitzt einen eigenen Mutterkuchen, ein eigenes Chorion und ein eigenes Amnion. Diese Zwillings-Schwangerschaft wird mit dem Begriff dichorial-diamnial bezeichnet, das bedeutet es sind zwei Chorions und zwei Amnions vorhanden (siehe Abbildung, c). Die dichoriale-diamniale Zwillings-Sschwangerschaft ist mit etwa 70 von 100 Schwangerschaften mit eineiigen Zwillingen die mit Abstand häufigste Form der eineiigen Zwillings-Schwangerschaften.  Teilweise nisten sich die zwei Eizellen jedoch so nahe beieinander in der Gebärmutter ein, dass die beiden Mutterkuchen miteinander verschmelzen.

Sogar eine Verschmelzung der beiden Chorions ist möglich (siehe Abbildung, d).
Erfolgt die Trennung der befruchteten Eizelle zwischen dem 4. und 7. Tag nach der Befruchtung, hat sich die befruchtete Eizelle zuvor bereits mehrfach geteilt, in der Gebärmutter eingenistet und einen Mutterkuchen sowie ein Chorion gebildet. Trennt sich die befruchtete Eizelle erst zu diesem Zeitpunkt, müssen sich die zwei Kinder den Mutterkuchen und das Chorion teilen. Da sich das Amnion erst nach dem dem 4. bis 7. Tag nach der Befruchtung bildet, hat jedes Kind aber ein eigenes Amnion.. Diese Form der eineiigen Zwillings-Schwangerschaft wird monochorial-diamnial genannt (siehe Abbildung, e). Die monochoriale-diamniale Zwillingsschwangerschaft kommt bei etwa 30 von 100 Schwangerschaften mit eineiigen Zwillingen vor.

Eher selten findet die Trennung der befruchteten Eizelle erst zwischen dem 8. und 13. Tag nach der Befruchtung statt. Zu diesem Zeitpunkt hat sich die befruchtete Eizelle in der Gebärmutter eingenistet und Mutterkuchen, Chorion und Amnion gebildet. Kommt es erst dann zur Trennung, liegen die beiden Kinder in der gleichen Höhle und müssen sich Mutterkuchen, Chorion und Amnion teilen.  Es wird in diesem Fall von einer monochorialen-monoamnialen Zwillings-Schwangerschaft gesprochen (siehe Abbildung, f). Eine monochoriale-monoamniale Zwillings-Schwangerschaft tritt bei etwa einer von 100 Schwangerschaften mit eineiigen Zwillingen auf.

Äusserst selten findet eine Trennung der befruchteten Eizelle erst zwischen dem 13. und 16. Tag nach der Befruchtung statt. Zu diesem Zeitpunkt ist die Entwicklung der befruchteten Eizelle schon so weit fortgeschritten, dass eine Teilung nicht mehr vollständig möglich ist. Es entstehen sogenannte Siamesische Zwillinge (siehe Abbildung, g). Diese beiden  Kinder teilen sich bestimmte Körperteile, meist im Bereich des Oberkörpers, und sind miteinander verwachsen. Je nachdem wie spät die Teilung der befruchteten Eizelle stattfand und wie vollständig sie noch gelingen konnte, teilen sich die zwei Kinder gar ein oder mehrere innere Organe. Sind alle lebenswichtigen Organe doppelt vorhanden, können Siamesische Zwillinge durch eine Operation voneinander getrennt werden und eigenständig weiterleben. Eine Schwangerschaft mit siamesischen Zwillingen kommt bei etwa 1 von 300 Schwangerschaften mit eineiigen Zwillingen vor.

Trennt sich eine befruchtete Eizelle erst nach dem 16. Tag nach der Befruchtung, sind die beiden Teile nicht mehr lebensfähig. Diese Schwangerschaft wird durch eine Fehlgeburt beendet. Meist wird eine solche Schwangerschaft von der betroffenen Frau gar nicht als solche wahrgenommen.

Entstehung höhergradiger Mehrlinge (Drillinge, Vierlinge, etc.)

Höhergradige Mehrlinge können wie Zwillinge eineiig oder mehreiig sein, das heisst sie können wie bei den Zwillingen beschrieben aus einer einzelnen befruchteten Eilzelle hervorgehen oder aus mehreren. Drillinge beispielsweise können eineiig, zweieiig oder dreieiig sein. Eineiige Drillinge entstehen durch Trennung einer befruchteten Eizelle in drei gleiche Teile, die sich  getrennt von einander weiterentwickeln. Bei eineiigen Drillingen verfügen alle drei Kinder über dieselben Erbanlagen und haben deshalb auch dasselbe Geschlecht. Zweieiige Drillinge entstehen durch Befruchtung von zwei verschiedenen Eizellen mit zwei verschiedenen Samenzellen. Eine der zwei Eizellen trennt sich nach der Befruchtung in zwei gleichwertige Teile, die sich getrennt von einander weiterentwickeln, wie oben bei den eineiigen Zwillingen beschrieben wurde. Somit haben zwei der drei Kinder dieselben Erbanlagen, da sie aus der gleichen befruchteten Eizelle entstanden sind.

Das dritte Kind hingegen hat andere Erbanlagen, da es aus einer anderen befruchteten Eizelle hervorgegangen ist. Dreieiige Drillinge wiederum entstehen durch die Befruchtung von drei verschiedenen Eizellen mit drei verschiedenen Samenzellen. Alle drei Kinder haben unterschiedliche Erbanlagen. Drillinge können je nachdem, ob sie eineiig, zweieiig oder dreieiig sind, und je nachdem, ob und wann nach der Befruchtung die Trennung einer befruchteten Eizelle stattgefunden hat, ein, zwei oder drei Mutterkuchen, Chorions und Amnions haben.

Bedeutung der Klassifizierung nach der Anzahl von Chorions und Amnions

Die Einteilung in eineiige und mehreiige Mehrlinge und die Einteilung der Mehrlinge bezüglich der Anzahl Chorions und Amnions sind wichtige Kriterien für die weitere medizinische Betreuung der Schwangeren und der noch ungeborenen Kinder während einer Schwangerschaft. Bestimmte Erkrankungen in der Schwangerschaft können beispielsweise nur bei monochorialen Mehrlingen auftreten, einige sogar nur bei monochorial-monoamnialen Schwangerschaften. Monochorial-monoamniale Schwangerschaften sind immer mit einem besonders hohen Risiko für die ungeborenen Kinder verbunden, kommen aber auch nur sehr selten vor. Eine monochorial-monoamniale Schwangerschaft muss in allen Phasen der Schwangerschaft besonders genau überwacht werden. Die Anzahl Chorions und Amnions muss von dem die schwangere Frau betreuenden Frauenarzt bis zur 12., spätestens bis zur 14. Schwangerschaftswoche in einem Ultraschall beurteilt und niedergeschrieben werden. Danach ist aufgrund des Wachstums der Kinder eine Beurteilung der Eihäute äusserst schwierig. Ist die Anzahl Chorions und Amnions bei einer Mehrlings-Schwangerschaft bekannt, können bei den Kontrolluntersuchungen während der Schwangerschaft gezielt nach möglichen Erkrankungen und Komplikationen gesucht und diese frühzeitig behandelt werden.

Lage der Kinder in der Gebärmutter

Als Kindslage wird die Position bezeichnet, in der sich das Kind in der Gebärmutter befindet. Am Anfang der Schwangerschaft ist die Kindslage noch nicht von Bedeutung, da das Kind viel Platz hat und sich ständig bewegt. Erst wenn der errechnete Geburtstermin näher rückt, spielt die Lage der Mehrlinge eine wichtige Rolle. Denn die Kindslage ist ein wichtiger Punkt bei der Entscheidungsfindung bezüglich der Entbindungsart. Es wird zwischen einer Schädellage, einer Beckenendlage und einer Querlage unterschieden. Bei der Schädellage liegt das Kind mit dem Kopf nach unten ins Becken der Mutter zeigend in der Gebärmutter. Bei der Beckenendlage liegt das Kind hingegen mit dem Gesäss nach unten ins Becken zeigend in der Gebärmutter. Bei der Querlage liegt das Kind quer in der Gebärmutter.
Bei einer Zwillings-Schwangerschaft sind alle erdenklichen Kombinationen dieser drei Kindslagen möglich. Sie treten aber in unterschiedlicher Häufigkeit auf. Am Häufigsten liegen beide Kinder in Schädellage (siehe Abbildung, a). Als zweithäufigstes liegt ein Zwilling in Schädellage, der andere in Beckenendlage (siehe Abbildung, b). Als dritthäufigstes liegen beide Kinder in Beckenendlage(siehe Abbildung, c). Bei einer Schwangerschaft mit drei oder mehr Kindern gibt es dann unzählige Kombinationsmöglichkeiten der drei möglichen Kindslagen.

Die drei häufigsten Kombinationen der Kindslagen von Zwillingen in der Gebärmutter
Die drei häufigsten Kombinationen der Kindslagen von Zwillingen in der Gebärmutter, Lage von Zwillingen, Anordnung in der Gebärmutter

Komplikationen von Mehrlings-Schwangerschaften

Alle Komplikationen, die bei einer Einlings-Schwangerschaft auftreten können, können auch bei Mehrlings-Schwangerschaften vorkommen. Bei Mehrlings-Schwangerschaften, insbesondere bei monochorialen, sind sie sogar noch häufiger. Bei Mehrlings-Schwangerschaften sind zusätzliche Komplikationen möglich. Komplikationen, die bei allen Mehrlings-Schwangerschaften auftreten können, sind Frühgeburten,  Wachstumsverzögerungen, Erhöhungen des Blutdrucks der Schwangeren, im Volksmund Schwangerschaftsvergiftung genannt, Versterben eines einzelnen Kindes oder starkes Erbrechen der Schwangeren, eine sogenannte Hyperemesis. Zusätzliche Komplikationen, die in einer monochorialen Mehrlings-Schwangerschaft möglich sind, sind häufigere Fehlgeburten, das sogenannte fetofetale Transfusionssyndrom oder Fehlbildungen der Kinder. In der monoamnialen Mehrlings-Schwangerschaft können sich zudem die Nabelschnüre der einzelnen Kinder verdrillen, da alle Kinder in der gleichen Fruchthöhle liegen und nicht durch eine Zwischenwand wie das Amnion voneinander getrennt sind.

Hinweise auf eine Mehrlings-Schwangerschaft

Ein typisches Zeichen einer Mehrlings-Schwangerschaft, welches in Lehrbüchern angegeben wird,  ist ein im Vergleich zur Einlings-Schwangerschaft grösserer Bauchumfang. Bestand bei der betroffenen Frau zu einem früheren Zeitpunkt eine Einlings-Schwangerschaft, ist es ihr vielleicht möglich einen Vergleich anzustellen. Ansonsten ist dieses typische Zeichen einer Mehrlings-Schwangerschaft wenig hilfreich. Ausserdem könnten auffallend viele Kindsbewegungen von auffallend vielen kleinen Kindsteilen, die Armen und Beinen der Kinder entsprechen, oder von mehr als zwei "grossen" und "harten" Kindsteilen, die Kopf und Gesäss der Kinder entsprechen, wahrgenommen werden. Auch bei diesem Zeichen für eine Mehrlings-Schwangerschaft wird eine vorausgegangene Einlings-Schwangerschaft vorausgesetzt, mit der die Schwangere vergleichen kann. Aus diesem Grund werden diese Zeichen auch unsichere Zeichen einer Mehrlings-Schwangerschaft genannt.

Schwangerschaftsbeschwerden in einer Mehrlings-Schwangerschaft

n jeder Schwangerschaft können einige Beschwerden wie die Morgenübelkeit auftreten, die nicht eigentlichen Erkrankungen entsprechen. Infolge der Mehrbelastung durch gleich mehrere Kinder kommt es bei Frauen während einer Mehrlings-Schwangerschaft häufiger zu Schwangerschaftsbeschwerden. Schon zu Beginn einer Mehrlings-Schwangerschaft leiden Schwangere häufiger an starkem Schwangerschaftserbrechen. Dieses Schwangerschaftserbrechen kann so stark ausgeprägt sein, dass die Schwangere alle Flüssigkeit und Nahrung, die sie zu sich nimmt, erbrechen muss. Wenn das Schwangerschaftserbrechen so stark ausgeprägt ist, wird in der Fachsprache von einer Hyperemesis gravidarum gesprochen. Teilweise müssen die betroffenen Schwangeren für eine gewisse Zeit in ein Spital aufgenommen werden, wo ihnen Medikamente gegen die Übelkeit und Flüssigkeit in eine Vene gegeben werden.

Wenn die Kinder dann im Verlauf der Schwangerschaft immer grösser werden, drückt die Gebärmutter immer mehr gegen die umliegenden Organe im Bauch der Mutter. Durch Druck auf den Magen verspüren viele Frauen ein Sodbrennen oder saures Aufstossen. Gegen Ende der Schwangerschaft können sie dann nur noch kleine Portionen zu sich nehmen. Durch Druck auf das Zwerchfell können manche Frauen gegen Ende der Schwangerschaft nicht mehr tief ein- und ausatmen und werden kurzatmig. Durch Druck auf die Harnblase muss die Schwangere häufiger zur Toilette gehen. Manchmal verliert sie ungewollt Urin. Durch Druck der Gebärmutter auf den Darm leiden viele Frauen unter Verstopfung. Und durch Druck auf die Gefässe im Bauch sind Wasseransammlungen, sogenannte Ödeme, und Krampfadern in den Beinen möglich.

Schwangerschaftskomplikationen in einer Mehrlings-Schwangerschaft

Eine Mehrlings-Schwangerschaft geht mit einem erhöhten Risiko für Mutter und Kind einher.  Die Komplikationen, die in Einlings-Schwangerschaften auftreten können, sind auch bei Mehrlings-Schwangerschaften möglich und sogar häufiger. Weitere Komplikationen, die die Mutter oder/und die Kinder bedrohen, kommen wie oben aufgezählt bei Mehrlings-Schwangerschaften hinzu. Eine Komplikation, die das Leben der Mutter und das der Kinder bedroht, ist die sogenannte Schwangerschaftsvergiftung. Sie tritt in verschiedenen Schweregraden auf und zeigt sich mit Bluthochdruck, Übelkeit, starken Wassereinlagerungen ins Gewebe, vermehrter Eiweissausscheidung im Urin oder Krämpfen. Ohne rechtzeitige und richtige Therapie der Schwangerschaftsvergiftung können die Mutter und die Kinder sterben.

Risiken für die Kinder bei Mehrlings-Schwangerschaften

Die meisten Mehrlings-Schwangerschaften verlaufen gut. Da bei Mehrlings-Schwangerschaften aber häufiger Komplikationen auftreten können, die das Leben von Mutter und Kindern bedrohen, wird jede Mehrlings-Schwangerschaft von Anfang an als Risiko-Schwangerschaft eingestuft. Bei Zwillingen ist beispielsweise im Vergleich zu Einlingen das Risiko bis zu viermal grösser, dass die Kinder in den letzten Schwangerschaftsmonaten und den ersten Lebenswochen versterben. Ebenfalls vier Mal grösser ist das Risiko, dass die Kinder aufgrund von Geburtskomplikationen behindert sind. Bei Drillingen ist dieses Risiko sogar siebenmal höher.

Die meisten Risiken für Mehrlinge gehen im Mutterleib vom Mutterkuchen und der Nabelschnur aus. Ist der Mutterkuchen an einer ungünstigen Stelle in der Gebärmutter angewachsen, das heisst am oder über dem Muttermund, wird von einer sogenannten Plazenta praevia gesprochen. Bei einer Plazenta praevia und  bei einer vorzeitigen Ablösung des Mutterkuchens können starke Blutungen auftreten, die das Leben von Mutter und Kind bedrohen.

Blutungen aus diesen Ursachen kommen bei Zwillings-Schwangerschaften zwei- bis dreimal häufiger vor als bei Einlings-Schwangerschaften. Im Verlauf von Mehrlings-Schwangerschaften kommt es auch häufiger zu einer nicht ausreichenden Funktion des Mutterkuchens, was man als Plazentainsuffizienz bezeichnet. Eine Mangelentwicklung der Kinder während der Schwangerschaft ist die Folge. Komplikationen ausgehend von der Nabelschnur betreffen speziell Mehrlinge, die sich einen Mutterkuchen, ein Chorion und ein Amnion teilen. Diese Kinder bewegen sich in der gleichen Höhle. Dadurch kann sich die Nabelschnur des einen Kindes um den Hals des anderen Kindes legen und dieses strangulieren. Bewegt sich die Nabelschnur nicht wieder vom Hals des Kindes es weg, stirbt dieses.

Bei Mehrlings-Schwangerschaften kommt es oft vor  Vollendung der 37. von 40 Schwangerschaftswochen zur Geburt. Man spricht dann von einer Frühgeburt. Bei Drillingen ist das grundsätzlich bei jeder Drillings-Schwangerschaft der Fall. Im Schnitt werden Zwillinge 5 Wochen vor dem Termin geboren, Drillinge 8 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin. Eine Frühgeburt wird durch vorzeitige Wehen, eine vorzeitige Öffnung des Muttermundes oder ein zu frühes Platzen der Fruchtblase eingeleitet. Bei einer Frühgeburt sind die Kinder unreif. Die Unreife der kindlichen Organe hat je nach Zeitpunkt der Geburt bleibende Schäden zur Folge. Meist handelt es sich dabei um geistige Behinderungen. Bei zu früh geborenen Kindern ist die Atmung oft noch ungenügend und die Kinder müssen mit Sauerstoff beatmet werden. In der Folge treten Sehstörungen auf. Dadurch, dass die Beatmungstechnik laufend verbessert wird, nimmt die Zahl an Sehstörungen aber ab. Insgesamt ist die Sterblichkeit von Kindern aus Mehrlings-Schwangerschaften vor, während und nach der Geburt im Vergleich zu Schwangerschaften mit einem einzigen Kind deutlich erhöht.

Risiken bei der Geburt von Mehrlingen

Auch die Geburt von Mehrlingen ist im Vergleich zu Einlings-Schwangerschaften mit vermehrten Risiken verbunden. Je nach Lage der Kinder in der Gebärmutter können sich die Kinder unter der Geburt ineinander verhaken. Infolge der starken Dehnung der Muskulatur der Gebärmutterwand durch mehrere Kinder kommt es unter der Geburt häufig zu einer Wehenschwäche. Bei einer Wehenschwäche kann sich die Muskulatur der Gebärmutter nicht mehr richtig zusammenziehen und das Kind aus der Gebärmutter herauspressen. Ein Geburtsstillstand ist die Folge. Nach der Geburt ist eine Störung der Ablösung des Mutterkuchens mit vermehrtem Blutverlust möglich. Oder die Muskulatur der Gebärmutter kann sich nach der Geburt nicht mehr zusammenziehen. Starke Blutungen sind die Folge und gefährden das Leben der Mutter. Denn das Zusammenziehen der Gebärmutter nach der Geburt ist notwendig, um die durch die Ablösung des Mutterkuchens bedingte Blutung zum Stillstand zu bringen. Wenn sich eine Gebärmutter nach der Geburt nicht zusammenzieht, wird in der Fachsprache von einer Uterusatonie gesprochen. Schnelles Handeln ist notwendig, damit die Mutter nicht an einem zu grossen Blutverlust verstirbt. Teilweise reichen auch Medikamente, die die Gebärmuttermuskeln zum Zusammenziehen bringen. Teilweise muss aber die ganze Gebärmutter in einer Notfalloperation entfernt werden.

Zum SeitenanfangDiagnose

Der Verdacht auf eine Zwillings- oder Mehrlings-Schwangerschaft ergibt sich immer dann, wenn die Schwangere ungewöhnlich viele Kindsbewegungen angibt und der Bauchumfang auffallend gross ist. Durch Abtasten des Bauches der Schwangeren kann der Frauenarzt überprüfen, wo sich der Oberrand der Gebärmutter befindet. Bei einer Mehrlings-Schwangerschaft nimmt die Grösse der Gebärmutter schneller zu als bei einer Einlings-Schwangerschaft, weshalb der Oberrand der Gebärmutter weiter oben Richtung Rippen zu tasten ist als es der Schwangerschaftswoche entspricht.

Die Kindsbewegungen und der vergrösserte Bauchumfang sind in der Regel aber erst sehr späte Zeichen für eine Mehrlings-Schwangerschaft. Der Frauenarzt sollte bereits zuvor das Vorliegen einer Mehrlings-Schwangerschaft mittels einer Ultraschall-Untersuchung feststellen. Im Ultraschall lassen sich bei einer Mehrlings-Schwangerschaft mehrere Kinder beziehungsweise die Herzschläge mehrerer Kinder nachweisen. Im Ultraschall kann und sollte der Arzt zudem feststellen, wieviele Mutterkuchen, Chorions und Amnions vorhanden sind. Wie oben erwähnt, ist das Wissen über die Anzahl an Mutterkuchen, Chorions und Amnions wichtig für die weitere Betreuung. Eine monochoriale Zwillings-Schwangerschaft beispielsweise verlangt immer eine engmaschigere Kontrolle einer Schwangeren als eine dichoriale. Eine weitere Nachweismöglichkeit einer Mehrlings-Schwangerschaft besteht in der Ableitung der Herztonkurven der ungeborenen Kinder, in der Fachsprache Elektrokardiographien, kurz EKGs genannt, mit einer Herztonwehenschreibung, dem sogenannten Cardiotokogramm. Besteht eine Mehrlings-Schwangerschaft, können im Cardiotokogramm verschiedene Herztonkurven von verschiedenen Kindern aufgezeichnet werden. Bei der Blutuntersuchung fällt bei einer Mehrlings-Schwangerschaft zudem eine grössere Menge des Schwangerschaftshormons Beta-HCG im Blut auf als bei einer Schwangerschaft mit nur einem Kind.

Schwangerschaftskontrollen

Im Vergleich zu Einlings-Schwangerschaften sind bei Mehrlings-Schwangerschaften die Erkrankungsraten und Sterberaten für die Mutter und die Kinder erhöht. Damit die Komplikationen in einer Mehrlings-Schwangerschaft frühzeitig erkannt werden können, ist eine engmaschige, sorgfältige  Schwangerschaftskontrolle notwendig. Die Schwangerschaftskontrollen werden bei Mehrlings-Schwangerschaften in kürzeren Abständen durchgeführt als bei Schwangerschaften mit einem einzigen Kind. Bei jeder Vorsorgeuntersuchung wird der Muttermund getastet, um eine vorzeitige Öffnung des Muttermundes rechtzeitig erkennen zu können, was eine Frühgeburt zur Folge hat. Mittels Ultraschall wird das Wachstum der Kinder kontrolliert. Wachstumsverzögerungen oder ein fetofetales Transfusionssyndrom, die teilweise ein Handeln des Arztes verlangen, können so rechtzeitig erkannt werden.  Zudem wird bei der Ultraschall-Untersuchung die Funktion des Mutterkuchens kontrolliert, um rechtzeitig eine mangelnde Versorgung der Kinder festzustellen. Falls der Mutterkuchen an einer ungünstigen Stelle in der Gebärmutter angewachsen ist, wie es bei der Plazenta praevia der Fall ist, zeigt dies der Ultraschall. Ab der 28. Schwangerschaftswoche wird bei jedem Vorsorgetermin eine Aufzeichnung der Herztöne der Kinder und eventuell vorhandener Wehen, eine sogenannte Herztonwehenschreibung (CTG), durchgeführt. Dies  unterstützt das rechtzeitige Erkennen und Behandeln einer mangelnden Versorgung der Kinder oder vorzeitiger Wehen.

Engmaschige Schwangerschaftskontrollen

Bei Frauen mit einer Mehrlings-Schwangerschaft  werden engmaschigere Schwangerschaftskontrollen durchgeführt als bei einer Schwangeren, die ein einzelnes Kind erwarten. Grund für die engmaschigen Untersuchungen ist, dass die Mutter und die Kinder bei einer Mehrlings-Schwangerschaft häufiger von Komplikationen bedroht werden als bei einer Einlings-Schwangerschaft.

Körperliche Schonung der Mutter zur Vermeidung einer Frühgeburt

Der Verlauf und der Bedarf an medizinischen Massnahmen hängen immer auch vom Verhalten der Schwangeren während der Schwangerschaft ab. Eine Muttermundsschwäche, das heisst das vorzeitige Öffnen des Muttermundes mit darauf folgender Frühgeburt, kann durch rechtzeitige, konsequente Schonung verhindert oder zumindest hinausgezögert werden. In einer Mehrlings-Schwangerschaft sollte die Frau spätestens ab der zweiten Hälfte der Schwangerschaft sportliche Aktivitäten und andere körperliche Anstrengungen vermeiden. Wenn es medizinisch erforderlich ist, kann der Frauenarzt ein totales Beschäftigungsverbot aussprechen, an das sich der Arbeitgeber halten muss. Die Schwangere sollte die Freistellung in Anspruch nehmen, auch wenn sie sich noch fit fühlt und die Belastungen als nicht so schlimm empfindet. Die Überbeanspruchung des Muttermundes ist für die Schwangere nicht spürbar. Die Schwangere bemerkt diese Überbeanspruchung erst mit dem vorzeitigen Beginn der Geburt, wenn es für schonende Massnahmen bereits zu spät ist. Werden vorzeitige Wehen verspürt, können sie durch Schonung allein meist nicht mehr aufgehalten werden.

Andere Massnahmen sind dann notwendig, um eine Fehl- oder Frühgeburt zu vermeiden. Die häusliche Belastung sollte die schwangere Frau ebenfalls reduzieren. Den Einkauf können auch andere erledigen. Anstrengende Putzarbeiten und Treppensteigen sollten vermieden werden. Nach Möglichkeit sollte soviel wie möglich im Sitzen erledigt werden. Zusätzlich empfiehlt es sich, dass die Schwangere öfter eine Pause macht, in der sie eine entspannte Position einnimmt. Am besten legt sie sich sogar für eine Weile hin.

Therapie von Schwangerschaftskomplikationen

Mittels engmaschiger Schwangerschaftskontrollen können Schwangerschaftskomplikationen frühzeitig erkannt und behandelt werden. Tritt eine sogenannte Schwangerschaftsvergiftung auf, dann ist die einzige Therapie, die diese Erkrankung wirklich heilt, die Beendigung der Schwangerschaft durch das Einleiten der Geburt. Der Zeitpunkt dafür hängt aber einerseits vom Schweregrad der Erkrankung und zum anderen von der Schwangerschaftswoche ab. Ist die schwangere Frau sehr schwer krank, muss sie zuerst auf der Intensivstation solange behandelt werden, bis ihr ein Kaiserschnitt zugemutet werden kann. Vor der 36. von 40 Schwangerschaftswochen versucht man, die Schwangere auf der Intensivstation solange zu behandeln, bis die Kinder ausserhalb des Mutterleibs lebensfähig sind. Hat die Schwangere Frau nicht solch starke Beschwerden, kann die Krankheit mit Medikamenten im Schach gehalten und dadurch die Geburt hinausgezögert werden.

Immer wenn eine Geburt vor der 34. Schwangerschaftswoche droht, sollte eine Lungenreifungsbehandlung durchgeführt werden. Vor der 34. Schwangerschaftswoche ist die Lunge der Kinder noch unreif. Mit einer solchen Behandlung wird das Ausreifen der Lunge unterstützt und die Kinder leiden nach der Geburt weniger an Atemproblemen. Wenn möglich, sollte versucht werden, die Geburt bis zur 36. Schwangerschaftswoche hinauszuzögern. Danach kann die Geburt bei Bedarf eingeleitet werden, ohne dass den Kindern zusätzlich geschadet wird. Besteht aber eine Lebensgefahr für die Mutter, die anders nicht beherrscht werden kann, muss die Geburt vor der 36. Schwangerschaftswoche eingeleitet werden.

Ist der Mutterkuchen bei einer Plazenta praevia an einer ungünstigen Stelle in der Gebärmutter angewachsen, am oder über dem Muttermund, drohen starke Blutungen, die für Mutter und Kinder lebensbedrohlich sein können. In der Regel ist ein Kaiserschnitt früher oder später unumgänglich. Nur in den Fällen, wo der Mutterkuchen zwar tief sitzt, aber noch genügend Abstand vom Muttermund besitzt, kann eine Geburt auf normalem Weg versucht werden, wenn die zukünftigen Eltern dies wünschen. Sobald die Kinder ausreichend entwickelt sind und keine negativen Folgen durch eine vorzeitige Geburt mehr zu befürchten sind, wird ein Kaiserschnitt genannt, durchgeführt. Dies geschieht in der Regel nach der 36. von 40 Schwangerschaftswochen, also noch bevor Wehen eingetreten sind. Die Risiken dieser etwas vorzeitigen Entbindung sind kleiner, als das Blutungsrisiko beim Eintritt der Wehen. Treten schon früher schwere Blutungen oder Wehen auf, muss der Kaiserschnitt notfallmässig durchgeführt werden. Wenn möglich wird die Operation noch hinausgezögert, damit die Kinder sich noch so lange wie möglich im Mutterleib weiter entwickeln können. Der Mutter  werden unter anderem Medikamente zur Wehenhemmung gegeben, sogenannte Tokolytika. Und beim Auftreten von Blutungen sind Bluttransfusionen notwendig. Die Kinder können durch eine Lungenreifungsbehandlung noch besser auf die Situation nach der Geburt vorbereitet werden.

Beim Verdacht einer vorzeitigen Ablösung des Mutterkuchens muss die Mutter sofort mit dem Krankenwagen ins Spital eingewiesen werden und die Kinder schnellst möglich per Kaiserschnitt entbunden werden, ansonsten verbluten Mutter und Kinder. Ist die Funktion des Mutterkuchens nicht ausreichend, wird dies als Plazentainsuffizienz bezeichnet. Bettruhe wirkt sich zunächst günstig auf die Funktion des Mutterkuchens aus. Geht es den Kindern gut, wird abgewartet und die Geburt zum für die Kinder günstigsten Termin eingeleitet. Geht es den Kindern nicht gut, müssen sie möglichst schnell entbunden werden.

Während einer Mehrlings-Schwangerschaft wird bei jeder Schwangerschaftskontrolle die Länge des Gebärmutterhalses gemessen. Durch regelmässige Untersuchungen werden eine Verkürzung des Gebärmutterhalses und eine vorzeitige Öffnung des Muttermundes rechtzeitig erkannt und können behandelt werden. So kann eine Frühgeburt teilweise vermieden werden. Wenn der Gebärmutterhals für zu kurz befunden wird und der Muttermund sich zu weiten begonnen hat, kann als Vorsichtsmassnahme eine so genannte Cerclage um den Muttermund gelegt werden. Dabei wird unter Vollnarkose ein Kunststoffband um den Gebärmutterhals geschlungen und zugezogen. Dieser Eingriff sollte in einer Klinik erfolgen, die mit den Komplikationen dieses Eingriffs, das heisst den einsetzenden Wehen und der Frühgeburt, umgehen kann. Dieser Eingriff wird gewöhnlich zwischen der 14. und der 28. Schwangerschaftswoche vorgenommen. Zu dem Zeitpunkt, zu dem die Cerclage eingelegt wird, darf keine Scheideninfektion vorliegen, da diese Infektion sonst in die Gebärmutter aufsteigt und zur Frühgeburt oder zum Tod des Kindes im Mutterleib führt. Die Umschlingung des Gebärmutterhalses wird in der Geburtsklinik kurz vor der Entbindung entfernt, dafür braucht man üblicherweise keine Vollnarkose. Eine Cerclage ist aber nicht immer nur hilfreich. Die Technik ist riskant. Blutungen, Infektionen und Fehlgeburten sind möglich. Deshalb wird sie nur empfohlen, wenn sie  als letzte Methode den Verlust der Kinder verhindern kann.


Auch vorzeitige Wehen, die zu einer vorzeitigen Öffnung des Muttermundes und damit zu einer Frühgeburt führen können, können durch regelmässige Schwangerschaftskontrollen rechtzeitig erkannt werden. Ist die Wehentätigkeit noch nicht bedrohlich, verordnet der Arzt erst einmal Bettruhe, teilweise im Krankenhaus. Bessert sich die Situation durch Ruhe und Entspannung nicht, wird die Gebärmutter direkt mit Medikamenten ruhiggestellt. Zuerst verschreibt der Arzt Magnesium. Hilft das nicht, verordnet er stärkere Beruhigungsmittel. Die letzte Stufe, um die vorzeitige Geburt zu stoppen, sind wehenhemmende Medikamente, sogenannten Tokolytika, die direkt mit einer Infusion in die Vene gespritzt werden.

Geburt von Mehrlingen

Mehrlinge kommen fast immer vor dem errechneten Geburtstermin zur Welt. Die Geburt von Mehrlingen sollte in einer Klinik erfolgen, in der eine ausreichende Überwachung von Mutter und Kindern während der Geburt und eine kontinuierliche Versorgung der Neugeborenen und der Mutter nach der Geburt gewährleistet sind. Bei höhergradigen Mehrlingen, das heisst Drillingen, Vierlingen usw., wird immer ein Kaiserschnitt empfohlen. Bei Zwillingen wird während der Schwangerschaft die Lage der Kinder und des Mutterkuchens in der Gebärmutter mittels Ultraschall bestimmt. So kann entschieden werden, ob die Kinder auf normalem Weg geboren werden können oder ein Kaiserschnitt gemacht werden muss.

Für einen Kaiserschnitt wird man sich bei Zwillingen entscheiden, wenn eine Frühgeburt vor Beginn der 35. Schwangerschaftswoche vorliegt oder wenn eines oder beide Kinder sehr klein sind, das heisst wenn sie ein im Ultraschall geschätztes Gewicht von weniger als 1500 Gramm haben. Auch wenn ein geschätzter Gewichtsunterschied von mehr als 500 Gramm zwischen den beiden Kindern besteht, wird man sich von vorne herein zum Kaiserschnitt entscheiden. Genauso sind zwei besonders grosse Kinder mit einem geschätzten Gewicht von mehr als 4000 Gramm pro Kind sowie zusätzliche Risiken bei der Mutter ein Grund für einen Kaiserschnitt. Sollte der in der Gebärmutter dem Muttermund am Nächsten liegende Zwilling in Beckenendlage oder Querlage liegen, wird ebenfalls noch in der Schwangerschaft ein Kaiserschnitt geplant.

Zwillinge, die sich einen Mutterkuchen, ein Chorion und ein Amnion teilen, werden ebenfalls oft durch einen Kaiserschnitt entbunden, da bei ihnen das Risiko für einen Nabelschnurvorfall beim zweiten Zwilling besteht. Von einem Nabelschnurvorfall spricht man, wenn die Nabelschnur eines Kindes am vorangehenden Teil vorbei nach aussen gleitet und dabei die Blutzufuhr zum Kind abgedrückt wird. In diesem Fall gleitet die Nabelschnur des zweiten Kindes am vorangehenden Teil des ersten Kindes vorbei nach aussen, wodurch das erste Kind die Blutzufuhr zum zweiten Kind abdrückt. Das Gehirn des zweiten Kindes kann durch den Sauerstoffmangel bleibend geschädigt werden.

Wenn die Zwillings-Schwangerschaft unauffällig verlief, kann bei günstigen Bedingungen eine normale Geburt angestrebt werden. Voraussetzungen dafür sind, dass die Kinder mindestens 2000 Gramm und höchstens 4000 Gramm wiegen und der erste Zwilling mit dem Kopf nach unten im Becken liegt. Die Geburt des ersten Zwillings erfolgt normal. Die Geburt des zweiten Kindes sollte innerhalb von 15 - 20 Minuten erfolgen. Das zweite Kind ist aufgrund der Gebärmutterverkleinerung und der Gefahr einer vorzeitigen Ablösung des Mutterkuchens gefährdet. Die Geburt des zweiten Zwillings wird oft mit Hilfe beispielweise einer Saugglocke unterstützt. Verschiedene Gründe können aber auch dazu führen, dass während einer als normal geplanten Zwillings-Geburt doch ein Kaiserschnitt notwendig wird. Werden die Herztöne des zweiten Zwillings oder beider Kinder unter der Geburt schwächer, wird sich grosszügig für einen Kaiserschnitt umentschieden. Teilweise wird der erste Zwilling auch normal geboren wird und dann ein Kaiserschnitt beim zweiten Zwilling durchgeführt. Diese Situation ist verhältnismässig selten. Nach der Geburt werden Mutter und Kinder sorgfältig überwacht, um Komplikationen rechtzeitig erkennen und behandeln zu können.

Autor/in:Dr. Julia Feucht, Ärztin
Editor/in:Dr. med. Sidonie Achermann, Ärztin
Keywords:Mehrlings-Schwangerschaft, Mehrlingsschwangerschaft, Mehrlingsgravidität, Mehrlings-Gravidität, Schwangerschaft mit Mehrlingen, Mehrlinge, Zwillings-Schwangerschaft, Zwillingsschwangerschaft, Zwillinge, Drillings-Schwangerschaft, Drillingsschwangerschaft, Drillinge, Vierlinge, Fünflinge, höhergradige Mehrlinge
ICD-10:O30
Zuletzt geändert:05.11.2016Zum Seitenanfang
Anzeige

© 2005 – 2016 eesom AG – Alle Rechte vorbehalten www.eesom.com

Anzeige