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Verminderung des Fruchtwassers

Synonyme: Oligohydramnion, Oligohydramnie, Oligamnion

Zum SeitenanfangAllgemeines

Eine Verminderung des Fruchtwassers auf weniger als 300 Milliliter am Ende der Schwangerschaft wird als Oligohydramnion bezeichnet. Aufgrund des Fruchtwassermangels hat es in der Gebärmutter zu wenig Platz für das Kind. Es wird von der Gebärmutter zusammengezwängt, sodass eine Fehlhaltung des Kopfes, ein sogenannter Schiefhals, oder der Füsse, sogenannte Klumpfüsse, möglich sind. Auch Veränderungen am Kopf, wie beispielsweise ein platt gedrücktes Gesicht, oder eine Mangelentwicklung, also zu geringe Körpermasse des Kindes im Mutterleib, können auftreten.

Das Fruchtwasser

Während der Schwangerschaft ist das Kind in der Gebärmutter von der Fruchtblase umgeben. Die Fruchtblase ist ein geschlossener Sack, der mit Fruchtwasser gefüllt ist. Die Hülle der Fruchtblase setzt sich aus den drei sogenannten Eihäuten zusammen. Das Amnion ist die innerste Eihaut, sie liegt dem Kind am Nächsten und produziert einen Teil des Fruchtwassers. Den anderen Teil des Fruchtwassers produziert das Kind, indem seine Nieren Urin bilden, den das Kind über die Harnwege in die Fruchthöhle ausscheidet. Der Urin macht mengenmässig den grössten Anteil des Fruchtwassers aus. Damit es nicht plötzlich zu viel Fruchtwasser in der Fruchthöhle hat bildet das Kind eine Art Kreislauf. In dem Kreislauf trinkt das Kind das Fruchtwasser, welches es hergestellt hat.

Im Darm des Kindes wird das Fruchtwasser ins Blut aufgenommen. Mit dem Blut gelangt es in die Nieren und wird dort wieder in Form von Urin ausgeschieden. Auf diese Weise bleibt die Menge an Fruchtwasser immer etwa gleich. Wird vom Kind zu viel Fruchtwasser getrunken oder zu wenig Urin produziert, hat es in der Fruchtblase zu wenig Fruchwasser, was in der Fachsprache Oligohydramnion genannt wird. Wird vom Kind zu wenig Fruchtwasser getrunken oder zu viel Urin produziert, enthält die Fruchtblase zu viel Fruchtwasser, was als Hydramnion beziehungsweise als Polyhydramnion bezeichnet wird.

Die normale Fruchtwassermenge beträgt in der 10. Schwangerschaftswoche etwa 30 Milliliter, in der 20. Schwangerschaftswoche etwa 350 Milliliter, in der 30. bis 34. Schwangerschaftswoche etwa 1000 Milliliter und zur Geburt etwa 800 Milliliter. Bereits ab der 4. Schwangerschaftswoche umgibt das Fruchtwasser den Embryo vollständig und verhindert damit Verwachsungen des Kindes mit der Innenseite der Fruchtblasenhülle. Das Fruchtwasser dient zudem als Schutzkissen für das Kind, indem es Stösse von Aussen abfängt, und ermöglicht es dem wachsenden Kind, sich zu bewegen. Eine weitere Funktion übernimmt das Fruchtwasser in der Eröffnungsphase der Geburt. Es unterstützt die Aufdehnung der Geburtswege. Diese Funktion kann das Fruchtwasser aber nur wahrnehmen, wenn der Blasensprung noch nicht erfolgt und die Fruchtblase noch intakt ist. Eine ausreichende Fruchtwassermenge ist zudem für die normale Ausreifung der Lungen des ungeborenen Kindes notwendig.

Zum SeitenanfangUrsachen

Die Ursachen für eine Verminderung des Fruchtwassers sind entweder beim Kind, bei der Mutter oder bei Mutter und Kind zu suchen. Vom Kind ausgehende Ursachen für ein Oligohydramnion sind in erster Linie Fehlbildungen des Kindes. Die Fehlbildungen finden sich vor allem in den Nieren und den ableitenden Harnwegen, das heisst dem Harnleiter und der Harnröhre. Ein Beispiel für solche Fehlbildungen sind die Missbildungen beider Nieren beim Potter-Syndrom, sodass die Nieren keinen Urin mehr bilden können, und teilweise fehlen sogar beide Nieren beim Potter-Syndrom. Weitere Beispiele für Fehlbildungen, die ein Oligohydramnion zu Folge haben, sind Nieren mit vielen flüssigkeitsgefüllten Hohlräumen, sogenannte polyzystische Nieren, und Verengungen des Harnleiters und der Harnröhre. Durch diese Fehlbildungen wird vom Kind entweder kein Urin produziert oder der Urin kann nicht als Fruchtwasser in die Fruchthöhle ausgeschieden werden.

Da der Urin mengenmässig den grössten Anteil an der Produktion des Fruchtwassers darstellt, ist eine Verminderung des Fruchtwassers die Folge. Eine Abnahme der Fruchtwassermenge kommt, wie auch eine Vermehrung der Fruchtwassermenge, bei Mehrlings-Schwangerschaften und hier vor allem bei eineiigen Zwillings-Schwangerschaften mit Entwicklung eines sogenannten fetofetalen Transfusionssyndroms gehäuft vor. Dabei handelt es sich um ein Ungleichgewicht des Blutaustausches zwischen den ungeborenen Kindern. Ein Kind erhält dabei zu wenig Blut und bildet zu wenig Fruchtwasser, das andere Kind erhält zu viel Blut und bildet zu viel Fruchtwasser.

Mütterliche Ursachen für einen Fruchtwassermangel beruhen meist auf einem Bluthochdruck in der Schwangerschaft, einer sogenannten schwangerschaftsinduzierten Hypertonie. Durch den Bluthochdruck wird der Mutterkuchen geschädigt, sodass der Mutterkuchen seine Aufgaben nicht mehr erfüllen kann. Es wird in der Fachsprache von einer sogenannten Plazentainsuffizienz gesprochen. Wegen der Plazentainsuffizienz ist der Austausch zwischen Mutter und Kind nicht mehr gut und das Kind wird nicht ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Es kommt zu einer Mangelentwicklung des Kindes im Mutterleib. Wenn die Mutter raucht, altert der Mutterkuchen schneller und kann wie beim Bluthochdruck seine Aufgaben nicht mehr erfüllen. Eine Plazentainsuffizienz ist die Folge.

Als mögliche Ursache für ein Oligohydramnion kommt auch ein sogenannter vorzeitiger Blasensprung mit Fruchtwasserverlust in Frage. Von einem vorzeitigen Blasensprung spricht man, wenn bereits vor den Geburtswehen Fruchtwasser aufgrund eines Risses in der Fruchtblase abgeht. Auch bei einer sogenannten Übertragung kann es zu einer Verminderung des Fruchtwassers kommen. Von einer Übertragung spricht man, wenn die Schwangerschaftsdauer mehr als 42 Wochen beträgt. Nach den 42 Schwangerschaftswochen ist das Kind so gross, dass es nicht mehr genügend von der Gebärmutter versorgt werden kann. Eine allgemeine Austrocknung bei der Mutter kann ebenfalls zu einer Verminderung des Fruchtwassers führen. Denn bei einer Austrocknung hat die Mutter zu wenig Flüssigkeit im Blut, dadurch nimmt die Blutmenge ab. Hat es im Körper der Mutter weniger Blut, erhält auch das Kind über den Mutterkuchen weniger Flüssigkeit. Wenn es im Körper des Kindes weniger Flüssigkeit hat, produzieren die Nieren des Kindes weniger Urin. Wenn die Nieren des Kindes weniger Urin bilden, hat es in der Fruchthöhle weniger Fruchtwasser.

Zum SeitenanfangSymptome

Eventuell berichtet die Schwangere, dass die Kindsbewegungen seltener zu spüren sind, weil sich das Kind wegen der verminderten Fruchtwassermenge nur noch wenig bewegen kann oder weil es dem Kind schlecht geht. War die Schwangere früher schon einmal schwanger, stellt sie zudem vielleicht fest, dass ihr Bauch kaum noch grösser wird.

Zum SeitenanfangDiagnose

Bei der Untersuchung durch den Arzt fällt auf, dass die Gebärmutter zu klein ist für die Schwangerschaftswoche. Bei der Ultraschalluntersuchung durch den Arzt bestätigt sich, dass zu wenig Fruchtwasser vorhanden ist, teilweise ist das Kind sogar nur noch von einem schmalen Saum von Fruchtwasser umgeben.

Als Ursache für den Fruchtwassermangel muss ein lang zurückliegender Blasensprung ausgeschlossen werden. Tritt die Verminderung des Fruchtwassers zwischen der 14. und der 26. Schwangerschaftswoche auf, sollte mittels einer Analyse der Erbinformation im Rahmen einer Fruchtwasseruntersuchung nach Veränderungen der Erbinformation und mittels Ultraschall nach Fehlbildungen des Kindes gesucht werden, die den Fruchtwassermangel verursachen könnten.

Wurde mit einer Ultraschalluntersuchung eine Verminderung der Fruchtwassermenge festgestellt, aber keine Fehlbildungen erkannt, dann kann der Arzt durch eine feine Nadel, die durch die Bauchdecke der Mutter bis in die Fruchtblase reicht, 300 Milliliter Zucker-Kochsalz-Lösung in die Fruchtblase spritzen. Später wiederholt der Arzt dann die Ultraschalluntersuchung. Durch dieses Vorgehen lassen sich Störungen im Bereich der Nieren und der Harnwege besser erkennen. Wenn nämlich eine Fehlbildung im Bereich der Nieren oder der Harnwege vorliegt, die die Urinproduktion verhindert, dann wird bei der zweiten Ultraschalluntersuchung wieder zuwenig Fruchtwasser in der Fruchtblase vorhanden sein, da das Kind die Kochsalzlösung in der Zwischenzeit getrunken hat und nicht mehr ausscheiden kann.

Zum SeitenanfangTherapie

Eine spezielle Therapie des Oligohydramnions gibt es nicht. Die Ursachen können in der Regel nicht rückgängig gemacht werden. Fehlt nur wenig Fruchtwasser, reicht es zum Teil aus, wenn die Mutter mehr trinkt. Fehlen grössere Fruchtwassermengen, kann versucht werden, die Fruchtblase durch eine Zucker-Kochsalz-Lösung wieder aufzufüllen. Dazu wird eine Nadel durch die Bauchdecke der Mutter vorsichtig bis in die Fruchtblase des Kindes geschoben. Dass die Nadel am richtigen Ort liegt und nicht das Kind verletzt, wird dabei mit einem Ultraschallgerät kontrolliert.

Ist das Kind so weit entwickelt, dass es auch ausserhalb des Mutterleibs überleben kann, dann sollte man die baldige Geburt des Kindes anstreben. Aufgrund des Fruchtwassermangels ist bei einer vaginalen Geburt, also einer Geburt auf dem normalen Geburtsweg, vermehrt mit Veränderungen der kindlichen Herztöne zu rechnen, da das Kind wegen der engen Raumverhältnisse seine eigene Nabelschnur abdrückt und dadurch den Blutfluss zwischen sich und dem Mutterkuchen unterbricht.

Autor/in:Dr. Julia Feucht, Ärztin, Dr. med. Sidonie Achermann, Ärztin
Editor/in:Prof. Dr. med. Michel Müller, Facharzt für Gynäkologie
Keywords:Oligohydramnion, Oligohydramnie, Oligamnion, Verminderung des Fruchtwassers, Fruchtwassermangel, Fruchtwasserunterproduktion, zu wenig Fruchtwasser, Fetofetales Transfusionssyndrom, Potter-Syndrom, Fruchtblase, Fruchtwasser, polyzystische Nieren, Ureterstenose, Urethrastenose
ICD-10:O41.0
Zuletzt geändert:05.11.2016Zum Seitenanfang
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