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Kalzium

Synonyme: Ca, Gerinnungsfaktor IV

Zum SeitenanfangZusammenfassung

Kalzium (Ca) ist ein Elektrolyt, das im menschlichen Körper für die Stabilität von Knochen und Zähnen, für die Blutgerinnung, für die Funktion von Nerven und Muskeln und für die Aktivierung gewisser Enzyme und Hormone wichtig ist. Der Mensch kann seinen täglichen Kalziumbedarf mit einer ausgewogenen Ernährung decken. Die Menge an Kalzium im Blut stellt der Körper mithilfe der drei Botenstoffe Calcitonin, Vitamin D und Parathormon fein ein.

Nimmt die Konzentration des Kalziums im Blut ab, entsteht ein Kalziummangel, eine sogenannte Hypokalzämie. Verschiedene Ursachen können zu einem Kalziummangel führen. Betroffene eines Kalziummangels leiden an verschiedenen, teils lebensbedrohlichen Beschwerden. Die Diagnose eines Kalziummangels wird mit Gespräch, körperlicher Untersuchung, Herzkurve Blut- und/oder Urinuntersuchungen gestellt. Die Behandlung des Kalziummangels hängt von seiner Ursache ab, wobei die Kalziumkonzentration im Blut wieder normalisiert werden muss.

Nimmt die Konzentration des Kalziums im Blut zu, entsteht ein Kalziumüberschuss, eine sogenannte Hyperkalzämie. Verschiedene Ursachen können zu einem Kalziumüberschuss führen. Betroffene eines Kalziumüberschusses leiden an verschiedenen, teils lebensbedrohlichen Beschwerden. Die Diagnose eines Kalziumüberschusses wird mit Gespräch, körperlicher Untersuchung, Herzkurve, Blut- und/oder Urinuntersuchungen gestellt. Die Behandlung des Kalziumüberschusses hängt von seiner Ursache ab, wobei die Kalziumkonzentration im Blut wieder normalisiert werden muss.

Zum SeitenanfangAllgemeines

Elektrolyte, auch Mineralien, Mineralstoffe, Salze oder Mengenelemente genannt, sind Substanzen, die der menschliche Körper für lebenswichtige Aufgaben benötigt. Nur mit einer ausreichenden Menge aller Elektrolyte können im Körper alle Funktionen reibungslos ablaufen. Dabei benötigt der Körper nur sehr geringe Mengen von den einzelnen Elektrolyten. Diese Elektrolyte kann er aber nicht selbst herstellen, sondern muss sie regelmässig mit der Nahrung und Getränken aufnehmen.

Eines der Elektrolyte, die der Körper benötigt, ist das Kalzium, auch Calcium geschrieben. Kalzium wird mit den Buchstaben Ca abgekürzt. Im Körper wird etwa ein Kilogramm Kalzium gespeichert. Im Vergleich zu den anderen Elektrolyten ist das Kalzium damit das Elektrolyt, von dem es im menschlichen Körper die grösste Menge hat. Das Kalzium im Körper wird zum grössten Teil in Knochen und Zähnen gelagert. Nur etwa ein Prozent des Kalziums im Körper kommt in anderen Geweben und im Blut vor.

Zum SeitenanfangFunktion

Das Kalzium hat verschieden Funktionen im menschlichen Körper. Es sorgt für Stabilität und Festigkeit von Knochen und Zähnen. Dieses Kalzium in den Knochen kann bei Bedarf, das heisst, wenn zu wenig Kalzium mit der Nahrung aufgenommen wird, aus dem Knochen herausgelöst und vom Körper für andere Aufgaben verwendet werden, um den Bedarf des Körpers zu decken. Daneben ist Kalzium für die Blutgerinnung, für die Erregbarkeit und Funktion von Nerven- und Muskelgewebe und für die Aktivierung gewisser Enzyme und Hormone notwendig. In der Blutgerinnung wird Kalzium als Gerinnungsfaktor IV bezeichnet.

Zum SeitenanfangBedarf & Vorkommen

Damit der Körper genügend Kalzium zur Verfügung hat, muss täglich Kalzium mit der Nahrung aufgenommen werden. Der tägliche Kalziumbedarf des Körpers eines erwachsenen Menschen hängt davon ab, wieviel Kalzium mit Urin und Stuhl ausgeschieden wird. Im Durchschnitt beträgt der tägliche Kalziumbedarf des Körpers eines erwachsenen Menschen etwa ein Gramm Kalzium. Kinder und Jugendliche im Wachstum haben einen höheren Kalziumbedarf und sollten täglich etwa 1,2 Gramm Kalzium zu sich nehmen, da eine ausreichende Kalziumversorgung für das Wachstum des Knochengerüsts absolut notwendig ist.

Bei schwangeren und stillenden Frauen, die nicht nur für sich allein essen, beträgt der tägliche Kalziumbedarf etwa 1,2 Gramm Kalzium. Zudem wird der Kalziumbedarf des Körpers durch gewisse Nahrungsmittel erhöht, die Substanzen enthalten, die eine schnellere Ausscheidung des Kalziums aus dem Körper bewirken. So sollten Personen, die in grossen Mengen Eiweiss, Alkohol, Coca Cola oder Kaffee verzehren, mehr Kalzium mit der Nahrung aufnehmen. Damit der Mensch das Kalzium gut aus der Nahrung in den Körper aufnehmen kann, muss er zudem ausreichend Vitamin D mit der Nahrung aufnehmen.

In der Nahrung ist Kalzium vor allem in Milch und Milchprodukten sowie in kalziumreichen Mineralwassern enthalten. Daneben ist Kalzium auch in grünem Gemüse, wie Grünkohl oder Broccoli, Feigen und Nüssen, insbesondere in Mandeln, Haselnüssen und Paranüssen, enthalten, wenn auch in deutlich kleineren Mengen. Durch eine ausgewogene Ernährung kann der tägliche Kalziumbedarf normalerweise gedeckt werden.

Zum SeitenanfangRegulation

Die Menge an Kalzium im Blut stellt der Körper mit den drei Hormonen Calcitonin, Vitamin D und Parathormon fein ein. Hormone sind Botenstoffe, mit deren Hilfe der Körper, seine Zellen, Gewebe und Organe Informationen austauschen.

Das Calcitonin wird von den C-Zellen der Schilddrüse hergestellt. Es senkt die Menge an Kalzium im Blut, indem es das Kalzium aus dem Blut in den Knochen einbaut und indem es den Nieren und dem Darm befiehlt, mehr Kalzium mit dem Urin und dem Stuhl auszuscheiden.

Das Vitamin D wird vom Körper mithilfe von Sonnenlicht selbst gebildet oder in noch nicht gebrauchsfertiger Form mit der Nahrung aufgenommen und dann mithilfe von Leber und Niere fertiggestellt. Vitamin D erhöht die Menge an Kalzium im Blut, indem es dem Darm befiehlt, mehr Kalzium aus der Nahrung in den Körper aufzunehmen. Gleichzeitig baut Vitamin D vermehrt Kalzium in den Knochen ein, um einem Knochenabbau entgegenzuwirken.

Das Parathormon wird von den Nebenschilddrüsen hergestellt. Es erhöht die Menge an Kalzium im Blut, indem es vermehrt Knochen, der der Hauptspeicher für Kalzium ist, abbaut und indem es der Niere sagt, sie soll weniger Kalzium mit dem Urin ausscheiden.

Nimmt nun die Menge an Kalzium im Blut ab, bemerken dies die Nebenschilddrüse und die Schilddrüse (siehe Abbildung 1). Die Nebenschilddrüse produziert als Reaktion auf die verminderte Kalziummenge im Blut vermehrt Parathormon, welches daraufhin im Blut die Kalziummenge erhöht und die Phosphatmenge senkt. Die Schilddrüse produziert als Reaktion auf die verminderte Kalziummenge im Blut weniger Calcitonin, da dieses die Menge an Kalzium im Blut noch zusätzlich senken würde.

Die Niere bemerkt, dass die Phosphatmenge im Blut gesunken ist, und stellt deshalb mehr Vitamin D her. Das Vitamin D bewirkt wie das Parathormon eine Erhöhung der Kalziummenge im Blut. Ausserdem bewirkt das Vitamin D im Gegensatz zum Parathormon einen Anstieg der Menge an Phosphat im Blut. Um einen erneuten Abfall der Phosphatmenge im Blut durch das Parathormon zu verhindern, hemmt das Vitamin D zudem die Produktion von Parathormon in der Nebenschilddrüse.

Die Menge an Kalzium und an Phosphat im Blut normalisiert sich. Die Niere bemerkt, dass es wieder genügend Phosphat im Blut hat, und produziert deshalb wieder weniger Vitamin D. Nimmt die Menge an Kalzium im Blut erneut ab, beginnt der Regelkreis von vorne und in der Schilddrüse wird wieder weniger Calcitonin sowie in den Nebenschilddrüsen wieder mehr Parathormon produziert.

Regelkreislauf bei zu wenig Kalzium im Blut

Abbildung 1: Regelkreislauf bei zu wenig Kalzium im Blut
Regelkreislauf bei zu wenig Kalzium im Blut, Steuerung des Kalziumhaushalts im Körper

Die Menge an Kalzium und an Phosphat im Blut stellt der Körper mit den drei Hormonen Calcitonin, Vitamin D und Parathormon fein ein:

1. Hat es im Blut zu wenig Kalzium, wird dies von der Schilddrüse und den Nebenschilddrüsen  bemerkt.

2. Die Schilddrüse produziert in der Folge weniger Calcitonin, da das Calcitonin die Menge an Kalzium im Blut noch zusätzlich senken würde.

3. Die Nebenschilddrüsen produzieren als Reaktion auf die verminderte Kalziummenge im Blut mehr Parathormon.

4. Das Parathormon baut vermehrt Knochen ab, wodurch mehr Kalzium ins Blut freigesetzt wird, und befiehlt der Niere, sie soll weniger Kalzium und dafür mehr Phosphat mit dem Urin ausscheiden.

5. Durch den vermehrten Knochenabbau und die verminderte Ausscheidung von Kalzium mit dem Urin nimmt die Kalziummenge im Blut zu. Aber durch die vermehrte Ausscheidung von Phosphat mit dem Urin nimmt nun die Menge an Phosphat im Blut ab.

6. Die Nieren bemerken, dass die Phosphatmenge im Blut abnimmt.

7. Als Reaktion darauf produzieren die Nieren mehr Vitamin D.

8. Das Vitamin D befiehlt dem Darm, mehr Kalzium aus der Nahrung in den Körper aufzunehmen, und es befiehlt der Niere weniger Phosphat mit dem Urin auszuscheiden. Daneben befiehlt es der Nebenschilddrüse, weniger Parathormon herzustellen, um einen erneuten Abfall der Phosphatmenge im Blut zu verhindern, und baut mehr Kalzium und Phosphat in den Knochen ein, um den Knochen zu stabilisieren. Dadurch normalisieren sich die Menge an Kalzium und an Phosphat im Blut.

Steigt die Kalziummenge im Blut an, nimmt in der Schilddrüse die Produktion von Calcitonin zu, welches die Kalziummenge im Blut senkt (siehe Abbildung 2). Die Produktionsmenge an Parathormon wird in der Nebenschilddrüse als Reaktion auf die vermehrte Kalziummenge im Blut vermindert, da das Parathormon die Menge an Kalzium im Blut noch zusätzlich erhöhen würde. Normalisiert sich die Menge an Kalzium im Blut, bemerken dies wiederum die Schilddrüse und die Nebenschilddrüse und passen ihre Produktionsmengen erneut an.

Die Kalziummenge im Blut wird durch den Körper deshalb dermassen streng überwacht, weil sowohl eine zu geringe als auch eine zu grosse Menge schwerwiegende Folgen für den Körper haben können, wie in den Abschnitten Kalziummangel und Kalziumüberschuss beschrieben wird.

Regelkreislauf bei zu viel Kalzium im Blut

Abbildung 2: Regelkreislauf bei zu viel Kalzium im Blut
Regelkreislauf bei zu viel Kalzium im Blut, Steuerung des Kalziumhaushalts im Körper

Die Menge an Kalzium im Blut stellt der Körper mit den drei Hormonen Calcitonin, Vitamin D und Parathormon fein ein. Bei einem Anstieg der Menge an Kalzium im Blut erfolgt die Feineinstellung des Kalziums nur mithilfe des Regelkreises zwischen dem Parathormon und dem Calcitonin:

1. Hat es im Blut zu viel Kalzium, wird dies von den Nebenschilddrüsen und der Schilddrüse bemerkt.

2. Die Nebenschilddrüsen produzieren in der Folge weniger Parathormon, da das Parathormon die Menge an Kalzium im Blut noch zusätzlich erhöhen würde.

3. Die Schilddrüse produziert als Reaktion auf die vermehrte Kalziummenge im Blut mehr Calcitonin.

4. Das Calcitonin baut mehr Kalzium in den Knochen ein und befiehlt dem Darm und den Nieren, mehr Kalzium mit dem Stuhl und dem Urin auszuscheiden.

5. Durch den vermehrten Einbau von Kalzium in den Knochen, durch die vermehrte Ausscheidung von Kalzium über den Darm und die Nieren mit dem Stuhl und dem Urin und durch die verminderte Produktion von Parathormon in den Nebenschilddrüsen nimmt die Kalziummenge im Blut ab und normalisiert sich.

Zum SeitenanfangKalziummangel

Zum SeitenanfangAllgemeines

Nimmt die Konzentration des Kalziums im Körper durch eine Abnahme der Menge an Kalzium ab, entsteht ein Kalziummangel, in der Fachsprache Hypokalzämie genannt. Dabei spielt vor allem die Abnahme der Kalziumkonzentration im Blutplasma, also im Extrazellulärraum, ein Rolle, da eine Veränderung in den Zellen vom Körper besser ausgeglichen werden kann. Insbesondere bei jungen Frauen, Personen, die an Essstörungen oder einer Alkoholsucht leiden, Schwangeren, Stillenden und älteren Menschen kann ein Kalziummangel auftreten.

Ursachen

Ursachen für einen Kalziummangel sind eine ungenügende Kalziumzufuhr mit der Nahrung, eine Störung der Kalziumaufnahme aus der Nahrung, ein vermehrter Kalziumverlust, ein erhöhter Kalziumbedarf des Körpers und eine Störung des Steuermechanismen des Körpers.

Eine ungenügende Kalziumzufuhr mit der Nahrung kommt durch eine Mangelernährung oder durch eine Störung der Kalziumaufnahme aus der Nahrung in den Körper zustande. Eine Mangelernährung kann entweder eine Unterernährung oder eine Fehlernährung sein. Bei einer Unterernährung besteht ein Mangel an allen Nährstoffen, sodass der Bedarf des Körpers mit der Nahrung nicht gedeckt werden kann. Bei einer Fehlernährung ist das Nahrungsangebot eigentlich ausreichend, aber durch eine falsche Zusammensetzung der Nahrung mit einem zu geringen Anteil an Elektrolyten wird dem Körper trotzdem zu wenig Kalzium mit der Nahrung zugeführt und ein Kalziummangel entsteht.

Mangelernährung ist insbesondere in Entwicklungsländern weit verbreitet. Aber auch in Industrieländern kann eine Fehlernährung oder eine Unterernährung vor allem in Alters- und Pflegeheimen, in Spitälern, bei krankhaftem Übergewicht, bei Essstörungen, bei Alkoholsucht, bei Obdachlosen und bei Menschen unter grossem Termin- und Zeitdruck vorkommen.

Dabei ist in Alters- und Pflegeheimen sowie in Spitälern in der Regel nicht allein eine falsche Nahrungszusammenstellung für die mangelhafte Zufuhr von Nahrungsbestandteilen verantwortlich, sondern die Personen in Alters- und Pflegeheimen sowie Spitälern können oder wollen wegen Veränderungen des Alters, unterschiedlichen Erkrankungen, der Einnahme von Medikamenten oder während und nach verschiedenen Behandlungen wie Operationen, Chemotherapien und Bestrahlungen nicht ausreichend von einzelnen, mehreren oder allen Nahrungsbestandteilen zu sich nehmen. Ausserdem hat der Körper dieser Personen wegen des Alters, Erkrankungen, der Einnahme von Medikamenten oder verschiedenen Behandlungen oft auch andere Bedürfnisse.

Bei einer Störung der Kalziumaufnahme aus der Nahrung in den Körper erhält der Körper eigentlich genügend Kalzium mit der Nahrung, um seinen Bedarf zu decken. Da der Magen-Darm-Trakt aber durch unterschiedliche Veränderungen im Körper in Mitleidenschaft gezogen wird, kann er nicht mehr genügend Kalzium aus der Nahrung in den Körper aufnehmen. Es entsteht somit ein Kalziummangel.

Verliert der Körper vermehrt Kalzium, ohne gleichzeitig vermehrt Kalzium aufzunehmen, kann ebenfalls ein Kalziummangel auftreten. Der Körper verliert vermehrt Kalzium bei einer Nierenerkrankung mit Abnahme der Nierenfunktion, bei einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse oder bei langdauernder Einnahme von Medikamenten, beispielsweise gewisser Urin-fördernder Medikamente. Diese Medikamente befehlen der Niere, mehr Kalzium mit dem Urin auszuscheiden. Ferner kann der Körper bei gewissen Erkrankungen im Magen-Darm-Trakt mehr Kalzium über den Stuhl verlieren.

Unter gewissen Umständen kann der Kalziumbedarf des Körpers erhöht sein. Dazu gehören Schwangerschaft, Stillzeit und die Wachstumsphase von Kindern und Jugendlichen. Ohne vermehrte Aufnahme von Kalzium mit der Nahrung entsteht unter diesen Umständen ein Kalziummangel.

Werden die Mechanismen gestört, mit welchen der Körper die Kalziummenge im Blut steuert, kann ebenfalls ein Kalziummangel auftreten. Dies ist bei einer verminderten Produktion des Parathormons durch die Nebenschilddrüse, einem sogenannten Hypoparathyreoidismus, oder einem Vitamin D-Mangel der Fall. Sowohl das Parathoromon als auch das Vitamin D sind normalerweise dafür verantwortlich, mit verschiedenen Massnahmen einen Kalziummangel im Körper zu verhindern.

Symptome

Abbildung 3: Pfötchen- oder Geburtshelferstellung der Hand
Pfötchen- oder Geburtshelferstellung der Hand, Symptome bei Kalzimmangel, Beschwerden bei Kalziummangel

Durch den Kalziummangel sind die Muskeln und Nerven des Betroffenen leichter erregbar. Fühlstörungen und Krämpfe treten auf. In der Fachsprache wird von einem tetanischen Syndrom gesprochen. Solch ein tetanisches Syndrom kann zu einem tetanischen Anfall führen. Ein tetanischer Anfall ist eine lebensbedrohliche Sonderform des tetanischen Syndroms. Die Betroffenen eines tetanischen Anfalls nehmen zunächst Fühlstörungen wie beispielsweise ein Kribbeln vor allem um den Mund sowie an Händen und Armen, selten an den Beinen, wahr.

Danach treten Verkrampfungen der Muskulatur auf. Die Hände nehmen eine sogenannte Pfötchen- oder Geburtshelferstellung ein (siehe Abbildung 3). Durch eine Verkrampfung der Muskulatur um den Mund formt sich der Mund zu einem sogenannten Karpfen- oder Fischmund (siehe Abbildung 4). Die Füsse können sich zu einem Spitzfuss verkrampfen. Ein Zusammenziehen der Darm- und Blasenmuskulatur äussert sich mit Bauchschmerzen, Durchfällen und Harndrang. Insbesondere bei Kindern können sich die Kehlkopfmuskeln verkrampfen, was eine lebensbedrohliche Atemnot zur Folge hat. Das Bewusstsein von Betroffenen eines solchen tetanischen Anfalls ist in der Regel nicht eingeschränkt.

Abbildung 4: Fisch- oder Karpfenmund
Fisch- oder Karpfenmund, Symptome bei Kalziummangel, Folgen von Kalziummangel, Beschwerden bei Kalziummangel

Entsteht ein Kalziummangel wegen eines Mangels an Parathormon, können nach einer gewissen Zeit zudem Veränderungen wie Verkalkungen in verschiedenen Organen des Körpers auftreten. Häufige Veränderungen finden sich in den Augen und dem Gehirn. So treten in den Augenlinsen Verkalkungen auf. Diese Verkalkungen werden in der Fachsprache tetanische Katarakt genannt.

Wie bei dem im Alter häufig auftretenden grauen Star werden die Augenlinsen durch die Verkalkungen getrübt. Das Sehen wird langsam eingeschränkt. Zudem kann sich Wasser in den Sehnerv einlagern. Diese Wassereinlagerung zeigt sich in einer plötzlichen Verschlechterung des Sehvermögens.

Verkalkungen in bestimmten Gehirnarealen sind ebenfalls häufig. Sie werden unter dem Begriff Morbus Fahr zusammengefasst. Verkalkungen im Gehirn äussern sich mit Kopfschmerzen, Bewegungsstörungen, Sprachstörungen und langsam fortschreitender Demenz. Eine Demenz ist eine Veränderung, die sich mit zunehmender Störung des Gedächtnisses, des Denkens, der Urteilsfähigkeit, der Intelligenz und der Orientierung zeigt. Häufig führt eine Demenz bei dem Betroffenen zudem zu einer Veränderung der Persönlichkeit und einer Beeinträchtigung im sozialen und beruflichen Umfeld. Im Kindesalter sind Zahnentwicklungsstörungen und Minderwuchs Folgen eines Kalziumangels infolge eines unbehandelten Parathormonmangels.

Ausserdem trägt ein anhaltender Kalziummangel zur Entstehung einer sogenannten Osteoporose mit Abnahme der Knochenstabilität und vermehrter Knochenbrüchigkeit bei.

Je nach Ursache des Kalziummangels sind weitere Beschwerden möglich. Auch können weitere Beschwerden zu denjenigen des Kalziummangels hinzutreten, wenn der Kalziummangel gemeinsam mit einem Mangel eines oder mehrerer anderer Nährstoffe auftritt. Diese Beschwerden werden in den entsprechenden Texten aufgeführt.

Diagnose

Treten bei einer Person Beschwerden eines Kalziummangels auf, sollte sie einen Arzt zur weiteren Abklärung und bei Bedarf zur Behandlung aufsuchen. Der Arzt wird den Betroffenen in einem ausführlichen Gespräch nach Beschwerden und Veränderungen fragen, die ihm einen Hinweis auf einen Kalziummangel geben. Weiter wird er sich nach Nahrungsgewohnheiten, Krankheiten und Behandlungen erkundigen, die einen Kalziummangel verursachen können. Anschliessend wird der Arzt den Betroffenen von Kopf bis Fuss untersuchen.

Hat der Arzt aufgrund des Gesprächs und der körperlichen Untersuchung den Verdacht auf einen Kalziummangel, kann er diesen Verdacht mithilfe einer Blutentnahme mit Messung der Menge an Kalzium im Blut bestätigen. Eine verminderte Menge an Kalzium im Blut bestätigt den Verdacht auf einen Mangel an Kalzium. In gleicher Weise kann die Menge an Kalzium im Urin gemessen werden. Zudem zeigen sich in einer Herzkurve, einem sogenannten EKG oder Elektrokardiogramm, für den Kalziummangel typische Veränderungen, die das Vorliegen eines Kalziummangels ebenfalls bestätigen können.

Mit weiteren Untersuchungen muss die Ursache für den Kalziummangel gesucht werden, wenn sie nicht bereits bekannt ist. Zudem wird der Arzt überprüfen, ob die betroffene Person neben dem Mangel an Kalzium noch an einem Mangel eines anderen Nährstoffs leidet.

Therapie

Die Behandlung eines Kalziummangels hängt von seiner Ursache ab. Es sollte immer die Ursache bekämpft werden, wenn dies möglich ist. Zudem muss bis zur erfolgreichen Behandlung der Ursache oder, wenn die Ursache nicht behoben werden kann, auf Dauer dafür gesorgt werden, dass die Kalziumkonzentration im Körper normalisiert wird. Die Kalziummenge im Blut kann durch die Einnahme von Kalzium und Vitamin D erhöht werden.

Die Einnahme von Kalzium in Form von Kalziumtabletten garantiert ein gleichmässiges Angebot an Kalzium im Darm. Das Vitamin D sorgt dann für eine vermehrte Aufnahme dieses Kalziums aus dem Darm ins Blut. Auf diese Weise nimmt die Menge an Kalzium im Blut zu und die Kalziumkonzentration im Blut normalisiert sich. Da der Vitamin D-Bedarf nicht bei allen Betroffenen gleich ist, wird mit einer geringen Menge an Vitamin D in Tablettenform begonnen. Würde der Betroffene nämlich zu viel Vitamin D einnehmen, könnte dies zu einem Kalziumüberschuss mit seinen Folgen führen. Die Menge an Kalzium im Blut muss deshalb regelmässig von einem Arzt kontrolliert werden. Hat es dann zu viel oder zu wenig Kalzium im Blut, wird der Arzt die Menge an Kalzium und an Vitamin D, die der Betroffene einnehmen soll, anpassen.

Beim lebensbedrohlichen tetanischen Anfall muss eine sofortige Behandlung in einem Spital, am besten auf einer Intensivstation, begonnen werden. Dabei wird dem Betroffenen des tetanischen Anfalls unter anderem Kalzium als Infusion in eine Vene gegeben.

Leidet die betroffene Person neben dem Kalziummangel noch an einem Mangel weiterer Nährstoffe, sollte auch dieser behandelt werden.

Zum SeitenanfangKalziumüberschuss

Allgemeines

Nimmt die Konzentration an Kalzium im Körper zu, entsteht ein Kalziumüberschuss, in der Fachsprache Hyperkalzämie genannt. Dabei spielt insbesondere die Zunahme der Kalziumkonzentration im Blut, also im Extrazellulärraum eine Rolle, da eine Veränderung in den Zellen vom Körper besser ausgeglichen werden kann.

Ursachen

Ursache für einen Kalziumüberschuss ist vor allem eine vermehrte Herauslösung des Kalziums, das im Knochen gespeichert wird. Zudem können eine vermehrte Aufnahme von Kalzium, eine verminderte Kalziumausscheidung oder ein vermehrter Flüssigkeitsverlust zu einem Kalziumüberschuss führen.

Verschiedene Umstände führen dazu, dass mehr Kalzium aus dem Knochen freigesetzt wird. Dazu gehören unter anderem eine vermehrte Produktion von Parathormon in der Nebenschilddrüse, Bewegungsmangel, eine Schilddrüsenüberfunktion und bösartige Tumoren. Der Parathormonüberschuss bewirkt, dass mehr Knochen abgebaut und damit dem Körper mehr Kalzium zur Verfügung gestellt wird. Ein Bewegungsmangel führt dazu, dass mehr Kalzium aus dem Knochen freigesetzt wird. Denn ohne Bewegung wird der Knochen weniger beansprucht. Diese geringere Beanspruchung des Knochens hat zur Folge, dass der Körper mehr Knochen abbaut als aufbaut und den aufgebauten Knochen zudem noch schlechter mit Kalzium stabilisiert.

Ein Überschuss an Schilddrüsenhormonen bei einer Schilddrüsenüberfunktion beschleunigt den Stoffwechsel in beinahe allen Zellen des Körpers. So wird auch der Stoffwechsel des Knochens, insbesondere der Knochenabbau mit Freisetzung von Kalzium aus dem Knochen, durch den Überschuss an Schilddrüsenhormonen beschleunigt. Bösartige Tumoren bewirken ein vermehrtes Herauslösen von Kalzium aus dem Knochen, indem sie Ableger im Knochen bilden, die den Knochen auflösen, oder indem sie Substanzen bilden, die zu einem vermehrten Knochenabbau mit vermehrter Freisetzung von Kalzium aus dem Knochen führen. Beispiele für solche bösartigen Tumoren sind Lungenkrebs, Brustkrebs, Nierenkrebs, Blutkrebs, Leukämien genannt, oder sogenannte bösartige Lymphome. Insgesamt gesehen sind die Überproduktion von Parathormon in der Nebenschilddrüse und bösartige Tumoren die häufigsten Ursachen für einen Kalziumüberschuss.

Zu viel Kalzium wird dem Körper meist nicht mit der Nahrung, sondern in Form von Tabletten oder Spritzen zugeführt. Zudem kann ein Kalziumüberschuss entstehen, wenn zu viel Vitamin D mit der Nahrung oder in Form von Vitaminpräparaten und Medikamenten eingenommen wird, denn das Vitamin D bewirkt eine vermehrte Kalziumaufnahme aus der Nahrung.

Verschiedene Umstände können dazu führen, dass der Körper weniger Kalzium mit dem Urin ausscheidet und sich dieses Kalzium im Körper ansammelt. Mögliche Umstände sind Erkrankungen des Nierengewebes mit verminderter Funktionsfähigkeit der Niere, angeborene Veränderungen der Erbinformation, die dazu führen, dass weniger Kalzium mit dem Urin ausgeschieden wird, oder die Einnahme gewisser Medikamente, die der Niere befehlen, weniger Kalzium mit dem Urin auszuscheiden. Dazu gehören beispielsweise gewisse Urin-fördernde Medikamente.

Wenn der Körper viel Flüssigkeit verliert und diese nicht mit Trinken oder mit Infusionen ersetzt werden kann, nimmt die Flüssigkeitsmenge im Blut ab, das Blut wird eingedickt und die Kalziumkonzentration steigt an. Solch ein Flüssigkeitsverlust kann durch verschiedene Durchfallerkrankungen, Erbrechen, vermehrten Alkoholkonsum oder Medikamente, beispielsweise bestimmte Urin-fördernde Medikamente, hervorgerufen werden.

Symptome

Ein leichter Kalziumüberschuss führt meist nicht zu Beschwerden. Ein anhaltender, ausgeprägter Kalziumüberschuss führt zu unterschiedlichen Beschwerden. Diese Beschwerden werden unter dem Begriff Hyperkalzämiesyndrom zusammengefasst. Mögliche psychische Veränderungen sind Müdigkeit, Leistungseinbrüche, Antriebslosigkeit, Gedächtnisstörungen, Schläfrigkeit und Verlangsamung der geistigen Aktivität, Verlust der Orientierung über Zeit, Ort und Person oder psychische Erkrankungen.

Durch die erhöhte Kalziummenge im Urin müssen die Betroffenen vermehrt Wasser lösen, bis zu mehreren Litern pro Tag. Dadurch verspürt der Betroffene vermehrten Durst. Beschwerden im Verdauungssystem können Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Gewichtsverlust und Verstopfung sein. Wird eine gewisse Menge an Kalzium im Blut überschritten, lagert sich das Kalzium an Gefässwänden, in Gelenken und in anderen Geweben ab. Gefässverkalkungen mit Bluthochdruck, Knorpelverkalkungen mit Gelenkschmerzen, einer sogenannten Pseudogicht, Nierenverkalkungen mit chronischem Nierenversagen und Herzmuskelverkalkungen mit Herzfrequenzerhöhungen und Herzrhythmusstörungen sind mögliche Folgen. Der Knochen kann an einzelnen Stellen durch den Kalziumüberschuss beschädigt werden, was sich mit Knochenschmerzen äussert. Oft beschreiben Betroffene einen äusserst lästigen Juckreiz, der wahrscheinlich wegen Kalziumablagerungen in der Haut auftritt. Bei länger anhaltender Erkrankung werden die Muskeln betroffen. Eine Muskelschwäche insbesondere der Oberschenkel tritt auf, sodass Betroffene kaum noch ohne Hilfe aus dem Sitzen aufstehen können. Auch Muskellähmungen sind möglich.

Selten kann das Hyperkalzämiesyndrom durch eine starke Zunahme des Kalziums im Blut ausser Kontrolle geraten. Die Nieren hören dann auf zu arbeiten. Die für den Körper giftigen Substanzen, die eigentlich mit dem Urin ausgeschieden werden sollten, häufen sich im Blut an. Der Betroffene fällt in ein sogenanntes hyperkalzämisches Koma. Eine Therapie muss unverzüglich im Spital, am besten auf einer Intensivstation, erfolgen. Trotz richtiger und rechtzeitiger Therapie sterben heutzutage noch immer etwa 20 % der Personen, die an einem hyperkalzämischen Koma erkrankt sind.

Je nach Ursache des Kalziumüberschusses können weitere Beschwerden zu den oben genannten Beschwerden hinzukommen.

Diagnose

Treten bei einer Person Beschwerden eines Kalziumüberschusses auf, sollte sie einen Arzt zur weiteren Abklärung und bei Bedarf zur Behandlung aufsuchen. Der Arzt wird den Betroffenen in einem ausführlichen Gespräch nach Beschwerden und Veränderungen fragen, die ihm einen Hinweis auf einen Kalziumüberschuss geben. Weiter wird er sich nach Nahrungsgewohnheiten und Krankheiten erkundigen, die einen Kalziumüberschuss verursachen können. Anschliessend wird der Arzt den Betroffenen von Kopf bis Fuss untersuchen.

Hat der Arzt aufgrund des Gesprächs und der körperlichen Untersuchung den Verdacht auf einen Kalziumüberschuss, kann er diesen Verdacht mithilfe einer Blutentnahme mit Messung der Menge an Kalzium im Blut bestätigen. Eine Zunahme der Menge an Kalzium im Blut bestätigt den Verdacht auf einen Überschuss an Kalzium. In gleicher Weise kann die Menge an Kalzium im Urin gemessen werden. Zudem zeigen sich in einer Herzkurve, einem sogenannten EKG oder Elektrokardiogramm, für den Kalziumüberschuss typische Veränderungen, die das Vorliegen eines Kalziumüberschusses ebenfalls bestätigen können.

Mit weiteren Untersuchungen muss die Ursache für den Kalziumüberschuss gesucht werden, wenn sie nicht bereits bekannt ist. Zudem wird der Arzt überprüfen, ob die betroffene Person neben dem Überschuss an Kalzium noch an einem Überschuss eines anderen Nährstoffs leidet.

Therapie

Die Behandlung eines Kalziumüberschusses hängt von seiner Ursache ab. Es sollte immer die Ursache bekämpft werden, wenn dies möglich ist. Zudem muss bis zur erfolgreichen Behandlung der Ursache oder, wenn die Ursache nicht behoben werden kann, auf Dauer dafür gesorgt werden, dass die Kalziumkonzentration im Körper normalisiert wird.

So sollen Betroffene eines Kalziumüberschusses eine ausreichende Flüssigkeitsmenge zu sich nehmen oder als Infusionen erhalten, um das Kalzium im Blut zu verdünnen und damit die Kalziumkonzentration im Blut zu normalisieren. Auf den Konsum von Milchprodukten sollte der Betroffene zudem verzichten, da diese viel Kalzium enthalten. Die Kalziumausscheidung mit dem Urin kann mit bestimmten Urin-fördernden Medikamenten angetrieben werden. Zudem kann die zu hohe Kalziummenge im Blut mit bestimmten Medikamenten gesenkt werden. Bisphosphonate verhindern den Knochenabbau und fördern den Kalziumeinbau in den Knochen, wodurch die Kalziummenge im Blut sinkt. Die Gabe von Calcitonin als Infusion bewirkt, dass Kalzium in den Knochen eingebaut wird und die Menge an Kalzium im Blut abnimmt.

Autor/in:Dr. med. Sidonie Achermann, Ärztin, Dr. Julia Feucht, Ärztin
Editor/in:Andrea Meppiel, dipl. Ernährungsberaterin HF
Keywords:Kalzium, Ca, Calcium, Gerinnungsfaktor IV, Elektrolyte, Mineralien, Mineralstoffe, Salze, Mengenelemente, Kalziummangel, Hypokalzämie, Kalziumüberschuss, Hyperkalzämie, Hypokalciämie, Hypokalziämie, tetanisches Syndrom, tetanischer Anfall, Pfötchenstellung, Geburtshelferstellung, Karpfenmund, Fischmund, Spitzfuss, tetanische Katarakt, Morbus Fahr, Hyperkalzämiesyndrom, Pseudogicht, hyperkalzämisches Koma
ICD-10:E58, E64.8, E83.5
Zuletzt geändert:21.11.2016Zum Seitenanfang
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