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Eiweisse (Proteine)

Synonyme: Proteine, Peptide, Oligopeptide, Polypeptide

Zum SeitenanfangZusammenfassung

Die Eiweisse, die auch Proteine oder Peptide genannt werden, gehören zu den Grundnährstoffen. Sie sind die Grundbausteine aller Zellen und damit die Bausteine des Lebens. Die Eiweisse dienen als Enzyme, Hormone, Membranproteine, Stütz- und Gerüstproteine, kontraktile Proteine, Plasmaproteine, Transportproteine, Speicherproteine, Antikörper, Blutgerinnungsfaktoren, Alloantigene und Reservesubstanzen.

Die zahlreichen unterschiedlichen Eiweisse sind aus den sogenannten Aminosäuren aufgebaut. Es gibt 20 unterschiedliche Aminosäuren. Gewisse Aminosäuren, die sogenannten essentiellen Aminosäuren, kann der Körper nicht selbst herstellen und muss sie deshalb mit der Nahrung aufnehmen. Andere Aminosäuren, die nichtessentiellen Aminosäuren, kann der menschliche Körper selbst herstellen und muss sie deshalb nicht mit der Nahrung aufnehmen. Die Art, die Reihenfolge und die Anzahl der zu einem Eiweiss zusammengefügten Aminosäuren bestimmen über die Art des Eiweisses und dessen Funktionen.

Eine mangelnde Zufuhr von Eiweissen kann bei Betroffenen zu unterschiedlichen Beschwerden und Krankheiten führen. Eine überschüssige Zufuhr von Eiweissen stellt eine Belastung für Leber und Nieren dar.

Zum SeitenanfangAllgemeines

Die Eiweisse gehören zu den Grundnährstoffen und sind Energie-liefernde Nahrungsbestandteile wie die Fette und die Kohlenhydrate. Eiweisse, Fette und Kohlenhydrate werden auch als Hauptnährstoffe oder Makronährstoffe bezeichnet. Die Eiweisse werden zudem Proteine oder Peptide genannt.
Die Eiweisse sind die Grundbausteine aller Zellen und damit die Bausteine des Lebens. Sie verleihen den Zellen, den Organen und dem Körper Struktur, ermöglichen den Transport und Austausch von Substanzen, erlauben das Vermitteln von Informationen und Anordnungen und unterstützen zahlreiche Abläufe im Körper.

Zum SeitenanfangAufbau

Es gibt unzählige Eiweisse. Diese Eiweisse unterscheiden sich in ihrem Aufbau und haben verschiedene Aufgaben im Körper. Eiweisse sind aus einzelnen Bausteinen, den sogenannten Aminosäuren, aufgebaut. Es gibt zwanzig unterschiedliche Aminosäuren. Sie heissen Alanin (Ala), Arginin (Arg), Asparagin (Asn), Asparaginsäure (Asp), Cystein (Cys), Glutamin (Gln), Glutaminsäure (Glu), Glycin (Gly), Histidin (His), Isoleucin (Ile), Leucin (Leu), Lysin (Lys), Methionin (Met), Phenylalanin (Phe), Prolin (Pro), Serin (Ser), Threonin (Thr), Tryptophan (Trp), Tyrosin (Tyr) und Valin (Val).
Acht dieser zwanzig Aminosäuren sind essentiell, das heisst der Körper kann sie nicht selbst herstellen, sondern muss sie mit der Nahrung aufnehmen. Dazu gehören Isoleucin, Leucin, Lysin, Methionin, Phenylalanin, Threonin, Tryptophan und Valin.

Ohne die Aufnahme dieser acht essentiellen Aminosäuren kann der Körper über längere Zeit nicht gesund bleiben und überleben, da er diese Aminosäuren für den Aufbau der lebensnotwendigen Eiweisse benötigt. Im Säuglingsalter sind zusätzlich die zwei Aminosäuren Arginin und Histidin essentiell. Denn der Körper eines Säuglings ist noch nicht in der Lage, ausreichend Arginin und Histidin selbst herzustellen. Ausserdem kann die Aminosäure Tyrosin essentiell werden, falls der Körper nicht genügend von der Aminosäure Phenylalanin erhält. Denn der Körper benötigt die Aminosäure Phenylalanin, um die Aminosäure Tyrosin herzustellen.

Die anderen Aminosäuren, die auch nichtessentielle oder entbehrliche Aminosäuren genannt werden, kann der Körper ebenfalls mit der Nahrung aufnehmen, er muss es aber nicht, da er diese Aminosäuren selbst produzieren kann, wenn er die dafür notwendigen Bausteine mit der Nahrung erhält.
Die Art, die Reihenfolge und die Anzahl der zu einem Eiweiss zusammengefügten Aminosäuren bestimmen über die Art des Eiweisses und dessen Funktionen. Mit den zwanzig Aminosäuren kann eine äusserst grosse Anzahl an unterschiedlichen Eiweissen mit unterschiedlichen Funktionen aufgebaut werden. Eiweisse aus weniger als 100 Aminosäuren werden Peptide genannt, Eiweisse aus mehr als 100 Aminosäuren Proteine.

Struktur der Eiweisse

Abbildung 1: Struktur der Eiweisse
Struktur der Eiweisse, Aninosäuren, Primärstruktur, Sekundärstruktur, Tertiärstruktur, Quartärstuktur

1. Primärstruktur: Dabei ist die Kette aus Aminosäuren, aus denen ein Eiweiss besteht, nicht gefaltet.

2. Sekundärstruktur: Die Kette aus Animosäuren nimmt bestimmte räumliche Strukturen ein, wie beispielsweise gewisse Schleifen.

3. Tertiärstruktur: Das Eiweiss ist nun vollständig gefaltet und räumlich angeordnet.

4. Quartärstruktur: Verschiedene vollständig gefaltete Eiweisse lagern sich zusammen, um gewisse Aufgaben im Körper erfüllen zu können.

Ein Eiweiss ist aber erst dann funktionsfähig, wenn die Kette aus einzelnen Aminosäuren auf eine bestimmte Art und Weise gefaltet wird und dadurch eine bestimmte räumliche Struktur einnimmt. In der Fachsprache wird von einer Primärstruktur, einer Sekundärstruktur, einer Tertiärstruktur und einer Quartärstruktur gesprochen (siehe Abbildung 1). Bei der Primärstruktur eines Eiweisses handelt es sich um die nicht gefaltete Kette aus einzelnen Aminosäuren. Solange das Eiweiss nur aus einer solchen Aminosäuren-Kette besteht und nicht gefaltet ist, ist es nicht funktionsfähig.

In der Sekundärstruktur nimmt die Kette der Aminosäuren, aus der ein Eiweiss besteht, bestimmte räumliche Strukturen wie beispielsweise gewisse Schleifen ein.

Von der Tertiärstruktur wird gesprochen, wenn die räumlichen Strukturen der Sekundärstruktur noch weiter zusammengefaltet werden und damit das Eiweiss vollständig räumlich angeordnet und funktionsfähig ist. Müssen mehrere gleiche oder verschiedenen vollständig räumlich angeordnete Eiweisse zusammengelagert werden, um eine Aufgabe im Körper erfüllen zu können, wird von einer Quartärstruktur gesprochen. Gewisse Eiweisse im Körper können sogar nur in einer solchen Quartärstruktur funktionsfähig werden.

Verliert ein Eiweiss seine natürliche Faltstruktur und liegt nicht mehr in seiner Tertiärstruktur vor, verliert es seine Eigenschaften und funktioniert nicht mehr. Bei diesem Strukturverlust wird von Denaturierung oder Denaturieren der Eiweisse gesprochen. Verschiedene Umstände können zu einem Denaturieren von Eiweissen führen. Dazu gehören hohe Temperaturen. Dafür ist das bekannteste Beispiel das Eiweiss des Hühnereis, das beim Kochen fest wird, da die Eiweisse darin denaturieren und damit ihre Eigenschaften verlieren. Dieses Denaturieren verwendet der Körper zur Selbstverteidigung. So wird die Körpertemperatur erhöht und Fieber entsteht, um Eindringlinge wie Krankheitserreger zu bekämpfen, die dem menschlichen Körper schaden könnten. Denn durch die erhöhte Körpertemperatur denaturieren die Eiweisse in den Krankheitserregern, wodurch die Krankheitserreger unschädlich gemacht werden. Aber hohes Fieber kann auch für den Menschen lebensgefährlich sein. Denn durch das Fieber denaturieren nicht nur die Eiweisse von Krankheitserregern, sondern auch die Eiweisse des Körpers selbst, wodurch sie ihre lebensnotwendigen Aufgaben im Körper nicht mehr erfüllen können. In der Regel denaturieren die Eiweisse von Krankheitserregern aber bei tieferen Temperaturen als die Eiweisse des menschlichen Körpers und der menschliche Körper nimmt bei Fieber keinen grösseren Schaden.

Zum SeitenanfangFunktion

Eiweisse haben bei allen Lebewesen lebensnotwendige Aufgaben. Im menschlichen Körper dienen die Eiweisse als Enzyme, Hormone, Membranproteine, Stütz- beziehungsweise Gerüstproteine, kontraktile Proteine, Plasmaproteine, Transportproteine, Speicherproteine, Antikörper, Blutgerinnungsfaktoren, Alloantigene und als Reservesubstanzen für die Energieversorgung des Körpers im Hungerzustand.

Enzyme ermöglichen im Körper den Ablauf gewisser chemischer Prozesse unter Verwendung von nur wenig Energie. Ohne die Enzyme könnten zahlreiche lebensnotwendige Abläufe des Körpers nicht stattfinden.

Hormone, wie das Wachstumshormon oder die Schilddrüsenhormone, sind Botenstoffe, die Anweisungen des Körpers seinen einzelnen Organen mitteilen und Meldungen von den Organen an den Körper zurückgeben.

Membranproteine sind in die Wände der einzelnen Zellen des Körpers eingebaut. Membranproteine ermöglichen der Zelle den Austausch von Informationen und Substanzen mit ihrer Umgebung.
Stütz- und Gerüstproteine, wie das Keratin der Haare oder das Kollagen des Bindegewebes, sind für den Aufbau des Körpers und seiner einzelnen Bestandteile notwendig.

Kontraktile Proteine, wie das Myosin, erlauben es den Muskelfasern des Körpers, sich bei Gebrauch eines Muskels zusammenzuziehen, sodass der Muskel angespannt werden kann. Die Muskeln bestehen somit hauptsächlich aus Eiweissen.

Plasmaproteine sind Eiweisse, die im Blut vorkommen und dort zahlreiche Aufgaben übernehmen. So sorgen sie beispielsweise für die richtige Zusammensetzung und Verdünnung des Blutes.

Transportproteine, wie das Hämoglobin im Blut, sind ein Transportmittel für Substanzen, die an einem Ort im Körper hergestellt werden und nach der Herstellung an einem anderen Ort im Körper benötigt werden.

Speicherproteine, wie das Myoglobin im Muskel, sind ein Lager für Substanzen, die der Körper benötigt.

Antikörper, auch Schutzproteine genannt, sind Abwehrstoffe, die vom Abwehrsystem des Körpers, dem sogenannten Immunsystem, zur Verteidigung gegen Eindringlinge hergestellt werden, die dem Körper schaden könnten.

Blutgerinnungsfaktoren sind Bestandteile des Blutes, die dafür sorgen, dass der Körper bei einer Verletzung nicht zu viel Blut verliert und dass aber gleichzeitig die Blutgefässe nicht durch eine zu starke Blutgerinnung verschlossen werden.

Alloantigene sind Merkmale von Zellen, durch die beispielsweise die Blutgruppe eines Menschen bestimmt wird.

In Leber, Milz und Muskulatur werden die Eiweisse zudem als Reservesubstanzen angehäuft. Tritt ein Hungerzustand auf, bei dem nicht mehr ausreichend Energie mit der Nahrung aufgenommen werden kann, kann aus diesen sogenannten Reservesubstanzen Energie in Form von Zucker für die lebensnotwendigen Organe und deren Aufgaben gewonnen werden. Aus einem Gramm Aminosäuren können vier Kilokalorien beziehungsweise 17 Kilojoule Energie gewonnen werden

Zum SeitenanfangVorkommen & Verwertung

Eiweisse sind in pflanzlichen und tierischen Nahrungsmitteln enthalten. Viele pflanzliche Eiweisse sind in Vollkorngetreide, Soja, Hülsenfrüchten, Tofu und Quorn enthalten. Viele tierische Eiweisse gibt es in Eiern, Milchprodukten, Fleisch und Fisch. Die Eiweisse bilden neben den Kohlenhydraten und den Fetten den Hauptbestandteil der menschlichen Nahrung.

Nach der Aufnahme der Eiweisse mit der Nahrung werden diese im Magen-Darm-Trakt verdaut. Das bedeutet, sie werden in ihre Einzelteile, das heisst in die Aminosäuren, aufgespalten. Die einzelnen Aminosäuren können danach durch die Darmwand in die Blutgefässe aufgenommen werden und mit dem Blut zu den Zellen, Geweben und Organen transportiert werden. Aus diesen Aminosäuren werden dann im Körper diejenigen Eiweisse neu wiederhergestellt, die der Körper, seine Zellen, Gewebe und Organe benötigen. Wie oben erwähnt müssen die essentiellen Aminosäuren mit der Nahrung aufgenommen werden, da der Körper sie nicht selbst herstellen kann. Die anderen Aminosäuren kann der Körper auch selbst herstellen, wenn er die einzelnen Bausteine dieser Aminosäuren mit der Nahrung erhält. Zur Herstellung dieser Eiweisse besitzt der Körper Baupläne. Diese Baupläne werden in der Erbinformation des Körpers, der sogenannten DNS oder DNA, gespeichert.

Zum SeitenanfangBedarf

Die empfohlene Menge an Eiweiss, die ein Mensch täglich mit der Nahrung zu sich nehmen soll, hängt vom Alter, vom Geschlecht und vom Zustand der Person ab. Säuglinge müssen etwa 2 Gramm Eiweiss pro Kilogramm Körpergewicht mit der Nahrung zu sich nehmen. Diese Menge nimmt mit zunehmendem Alter ab. Bei erwachsenen Männern und Frauen beträgt der tägliche Eiweissbedarf noch etwa 0.8 Gramm Eiweiss pro Kilogramm Körpergewicht. Schwangere und stillende Frauen haben einen grösseren täglichen Eiweissbedarf, da sie nicht nur für sich allein essen. Schwangere Frauen sollen deshalb ab dem vierten Schwangerschaftsmonat täglich zu den 0.8 Gramm Eiweiss pro Kilogramm Körpergewicht noch zusätzliche 10 Gramm Eiweiss mit der Nahrung zu sich nehmen, stillende Frauen zusätzliche 15 Gramm Eiweiss. Der Eiweissbedarf nimmt zudem bei Stress, Leistungssport, schwerer körperlicher Arbeit, Krankheit und Gewichtsreduktion in Form verschiedener Diäten zu.

Bei einer ausgewogenen Ernährung sollten etwa 15% des täglichen Energiebedarfs des Körpers mit Eiweiss gedeckt werden, wobei der Körper aus einem Gramm Eiweiss etwa vier Kilokalorien beziehungsweise 17 Kilojoule an Energie gewinnen kann. Der Körper verwendet die Eiweisse als Energiequelle, wenn er die Kohlenhydratspeicher aufgebraucht hat, was vor allem während einer Hungerperiode oder einer Diät geschieht. Insbesondere während einer einseitigen Diät werden sehr schnell Muskeleiweisse abgebaut, so dass Muskelgewebe verloren geht. Durch diesen Muskelverlust nimmt dann aber auch der Energiebedarf des Körpers ab und der Körper der betroffenen Personen braucht nicht mehr gleich viel Energie in Form von Nahrung wie vor der Diät. Dies ist der Grund, warum viele Personen nach Beendigung einer Diät, wenn sie sich wie vor der Diät ernähren, rasch wieder an Gewicht zunehmen, was als Jojo-Effekt bezeichnet wird. Der Aufbau des verlorenen Muskelgewebes dauert zudem bedeutend länger als deren Abbau.

Während einer Mangelversorgung kann der Körper aus den Aminosäuren der Eiweisse Traubenzucker, Glukose genannt, herstellen. Die Glukose kann dann von allen Zellen im Körper zur Energiegewinnung verwendet werden. Insbesondere die Blutzellen und weitgehend auch die Zellen des Gehirns können die Energie, die sie benötigen, um ihre Aufgaben zu erledigen, nur in Form von Glukose aufnehmen.

Zum SeitenanfangErkrankungen

Insbesondere ein Mangel an Eiweissen im Körper kann zu Beschwerden führen. Werden dem Körper dagegen zu viele Eiweisse zugeführt, werden diese in der Regel einfach wieder ausgeschieden.

Eiweiss-Mangel

Eine der möglichen Veränderungen des Eiweisssystems des Körpers ist der Mangel an Eiweiss. Ein anhaltender Mangel an Eiweiss tritt meist zusammen mit einem anhaltenden Mangel an Energie auf und wird als Protein-Energie-Mangelernährung, kurz PEM, bezeichnet.

Ursache für einen solchen Mangel kann eine zu geringe Aufnahme von Eiweissen mit der Nahrung, ein erhöhter Eiweissbedarf des Körpers oder ein vermehrter Eiweissverlust sein.

Ein Eiweiss-Mangel ist in Entwicklungsländern insbesondere bei Kleinkindern nach dem Abstillen häufig. Denn in Entwicklungsländern ist wegen der weiten Verbreitung von Armut oft kein ausreichendes und ausgewogenes Nahrungsangebot vorhanden. Zudem sind in Entwicklungsländern Krankheiten, wie Aids oder Tuberkulose, die den Eiweissbedarf des Körpers noch erhöhen, häufig.

In Industrieländern ist ein anhaltender Eiweiss-Mangel aufgrund einer mangelhaften Eiweisszufuhr mit der Nahrung äusserst selten und wird eigentlich nur bei Menschen beobachtet, die wegen unterschiedlichen Krankheiten, wie beipielsweise Essstörungen, erhöhtem Lebensalter oder einseitiger vegetarischer oder veganer Ernährung nicht genügend essen können oder wollen. Etwas häufiger kann ein Eiweiss-Mangel in Industrieländern durch Erkrankungen der Leber, des Verdauungstraktes, der Nieren und der Haut zustande kommen. Dies ist möglich, wenn bei Erkrankungen der Leber das Lebergewebe so stark beschädigt ist, dass es nicht mehr ausreichend Eiweisse herstellen kann, oder wenn vermehrt Eiweisse bei Erkrankungen des Verdauungstraktes, der Nieren oder der Haut verloren gehen. Weitere schwerwiegende Erkrankungen können den Eiweissbedarf des Körpers stark erhöhen, sodass ein Eiweiss-Mangel entsteht, wenn die Eiweisszufuhr mit der Nahrung nicht erhöht wird.

Eine Protein-Energie-Mangelernährung kann zu drei verschiedenen Krankheitsbildern mit unterschiedlichen Beschwerden führen, dem Kwashiorkor, dem Marasmus und dem marasmischen Kwashiorkor.

Abbildung 2: Kwashiorkor bei einem Säugling
Abbildung 2: Kwashiorkor bei einem Säugling

Mögliche Beschwerden bei der Erkrankung Kwashiorkor sind vermehrte Brüchigkeit der Haare, Haarausfall, verminderte körperliche und geistige Leistungsfähigkeit, beeinträchtigte Fruchtbarkeit und Verschlechterung des Abwehrsystems mit erhöhter Anfälligkeit für Infektionskrankheiten (siehe Abbildung 2). Weiter zeigen sich bei Betroffenen ausgeprägte Flüssigkeitseinlagerungen im Gewebe, sogenannte Ödeme. Solche Ödeme sind vor allem in Form geschwollener Füsse, Beine und Hände sichtbar, in schweren Fällen in Form von Schwellung im Gesicht und grossen Bäuchen, sogenannten Hungerbäuchen. Die Muskeln Betroffener werden dünner und schwächer. Leber und Milz können an Grösse zunehmen. Durchfälle, eine Blutarmut mit Blässe, Leistungseinbusse, Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und Atembeschwerden sowie Störungen bei der Verteilung der Farbpigmente in der Haut insbesondere an den Beinen sind möglich. Kinder und Jugendliche sind zudem meist appetitlos, teilnahmslos und leiden an Störungen des Wachstums und der geistigen Entwicklung. Der Allgemeinzustand Betroffener ist schlecht.

Abbildung 3: Marasmus bei einem Säugling

Typische Beschwerden eines Marasmus sind starker Gewichtsverlust mit Verlust des Unterhautfettgewebes, Muskelschwund und verringertem Wachstum bei Kindern und Jugendlichen (siehe Abbildung 3). Körpertemperatur, Blutdruck und Herzschlag sind erniedrigt. Kinder, die an einem Marasmus leiden, haben oft greisenhaft eingefallene Gesichtszüge und einen aufgetriebenen Bauch. Betroffene eines Marasmus haben im Gegensatz zu denjenigen eines Kwashiorkors oft noch Appetit und leiden deshalb an Hunger.

Bei einem marasmischen Kwashiorkor sind die Beschwerden des Marasmus und des Kwashiorkor gemischt. Starke Gewichtsverluste treten zusammen mit Flüssigkeitseinlagerungen in den Geweben, sogenannten Ödemen, auf.

Die Behandlung eines Eiweiss-Mangels beziehungsweise einer Protein-Energie-Mangelernährung hängt von ihrer Ursache ab. Es sollte immer die Ursache bekämpft werden, wenn dies möglich ist. Entsteht der Eiweiss-Mangel wegen einer mangelhaften Zufuhr von Eiweissen mit der Nahrung, muss dafür gesorgt werden, dass der Körper wieder ausreichend Eiweisse und Energie mit der Nahrung erhält, wobei dieser Wiederbeginn der ausreichenden Eiweissaufnahme allmählich und unter Kontrolle durchgeführt werden sollte, um Komplikationen zu vermeiden.

Sind Krankheiten für die Entstehung eines Eiweiss-Mangels verantwortlich, müssen diese Krankheiten, wenn dies möglich ist, behandelt werden. Bis zur erfolgreichen Behandlung dieser Krankheiten oder, wenn die Krankheiten nicht geheilt werden können, muss dafür gesorgt werden, dass der Körper auf Dauer ausreichend Eiweisse und Energie mit der Nahrung erhält um seinen Bedarf zu decken. Ohne Behandlung führen ein anhaltender, ausgeprägter Eiweiss- und Energie-Mangel zu einem Versagen aller Körperfunktionen, sodass Betroffene sterben.

Angeborene und teils vererbbare Krankheiten mit einem Eiweiss-Mangel

Neben dem bisher beschriebenen Mangel aller Eiweisse kann aber auch nur ein Eiweiss im Körper fehlen. Ursache für solch einen Mangel eines einzelnen Eiweisses ist aber nicht eine mangelnde Zufuhr mit der Nahrung. Meist ist eine Veränderung der Erbinformation, eine sogenannte Mutation, für den Mangel des einzelnen Eiweisses im Körper verantwortlich. Denn wegen der Veränderung der Erbinformation hat der Körper entweder nur noch einen fehlerhaften Bauplan, den er für die Herstellung des betroffenen Eiweisses benötigt, oder er verliert den Bauplan sogar ganz. In der Folge stellt der Körper entweder ein fehlerhaftes Eiweiss her, das seine Aufgaben nicht erfüllen kann, oder er ist gar nicht mehr in der Lage das Eiweiss herzustellen. Durch eine solche Veränderung, die ein einzelnes Eiweiss im Körper betrifft, kommen zahlreiche angeborene und vererbbare Krankheiten zustande, die in der Fachsprache auch als Erbkrankheiten bezeichnet werden. Je nachdem welches Eiweiss fehlt leiden Betroffene an einer anderen Erkrankung. Die Beschwerden dieser Erkrankungen werden von den Eigenschaften desjenigen Eiweisses bestimmt, das fehlt.

Zum SeitenanfangEiweiss-Überschuss

n Industrieländern kommt es durch das reichliche Nahrungsangebot in allen Gesellschaftsschichten oft zu einer übermässigen Zufuhr von Eiweissen mit der Nahrung. Dieser Eiweiss-Überschuss wird in der Regel wieder ausgeschieden. Dazu müssen die überschüssigen Eiweisse aber zuerst im Körper umgewandelt und dann aus dem Körper ausgeschieden werden. So kann eine übermässige Eiweisszufuhr Leber und Nieren stark belasten.

Autor/in:Dr. med. Sidonie Achermann, Ärztin
Editor/in:Dr. Julia Feucht, Ärztin
Keywords:Eiweiss, Eiweisse, Aminosäuren, Enzyme, Proteine, Membranproteine, Stütz- und Gerüstproteine, kontraktile Proteine, Plasmaproteine, Transportproteine, Speicherproteine, Antikörper, Blutgerinnungsfaktoren, Alloantigene und Reservesubstanzen, Alanin (Ala), Arginin (Arg), Asparagin (Asn), Asparaginsäure (Asp), Cystein (Cys), Glutamin (Gln), Glutaminsäure (Glu), Glycin (Gly), Histidin (His), Isoleucin (Ile), Leucin (Leu), Lysin (Lys), Methionin (Met), Phenylalanin (Phe), Prolin (Pro), Serin (Ser), Threonin (Thr), Tryptophan (Trp), Tyrosin (Tyr) und Valin (Val), Arginin, Histidin, Peptide, Reservesubstanzen für die Energieversorgung des Körpers, MembranproteineStütz- und GerüstproteineKontraktile, Plasmaproteine, Transportproteine, Speicherproteine, Antikörper, Blutgerinnungsfaktoren, Alloantigene, Eiweiss-Mangel, Eiweiss-Überschuss
ICD-10:E40, E41, E42, E43, E44, E45, E46, E64.0
Zuletzt geändert:06.11.2016Zum Seitenanfang
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