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Akute Leukämie

Zum SeitenanfangAllgemeines

Die akute Leukämie ist eine bösartige Knochenmarkerkrankung, bei der die Vorläuferzellen der weissen Blutkörperchen bösartig verändert sind und sich deshalb unkontrolliert vermehren können. Sie breiten sich zunehmend im ganzen Knochenmarkraum aus und verdrängen dabei die nicht krankhaft veränderten Vorläuferzellen der roten Blutkörperchen sowie der Blutplättchen.

Die dabei entstehende Minderproduktion dieser zwei Blutzellarten ist für einige der entstehenden Symptome verantwortlich. Namentlich entsteht eine Blutarmut (Anämie) und ein Mangel an Blutplättchen (Störungen der Thrombozyten) mit den jeweils typischen Beschwerden, welche in den entsprechenden Kapiteln genau beschrieben werden.

Da diese bösartigen Zellen im Blutsystem entstehen, können sie theoretisch in alle Organe ausgeschwemmt werden, wo sie sich weiter teilen und so vermehren können. Eine solche Vermehrung von Zellen ist teilweise unter der Haut und unter der Mundschleimhaut in Form kleiner Knötchen ertastbar. Dieser Befall von verschiedenen Organen des Körpers verursacht mit Ausnahme des Hirn- und eben des Knochenmarkbefalls kaum eine Beeinträchtigung der entsprechenden Organfunktionen.

Akute lymphatische Leukämie (ALL), Akute myeloische Leukämie (AML)

Bei der ALL wie auch bei der AML sind Vorläuferzellen der weissen Blutkörperchen von der bösartigen Umwandlung betroffen. Der Unterschied zwischen der ALL und der AML ist, dass sich diese Vorläufer bei der ALL zu so genannten Lymphozyten, bei der AML hingegen zu so genannten Granulozyten oder Makrophagen entwickeln. Alle diese Zellen sind wesentliche Bestandteile des Immunsystems, erfüllen aber sehr unterschiedliche Aufgaben.

Die ALL wird zusätzlich in drei, die AML in 8 verschiedene Untergruppen eingeteilt, welche sich vor allem in Bezug auf den Krankheitsverlauf und die Prognose teilweise erheblich voneinander unterscheiden. Die ALL kommt vor allem bei Kindern zwischen dem 2. und 5. Lebensjahr vor. Sie ist die häufigste bösartige Tumorerkrankung im Kindesalter. Die AML kommt hingegen vor allem bei Erwachsenen vor, wobei das Risiko an einer AML zu erkranken mit steigendem Alter höher wird.

Zum SeitenanfangSymptome

Die akute Leukämie verursacht sehr unspezifische Symptome wie zum Beispiel Fieber und vermehrtes Schwitzen während der Nacht sowie Appetitverlust und einen daraus resultierenden Verlust von Körpergewicht. Müdigkeit, Blässe und Atemnot bei körperlicher Anstrengung sind ebenfalls typische Symptome, welche durch die entstandene Blutarmut (Anämie) verursacht werden.

Da auch die funktionstüchtigen weissen Blutkörperchen durch die Krankheit reduziert werden, entstehen vermehrt Fieber, eitrige Hautinfektionen sowie Pilzinfektionen.

Die deutlich reduzierte Anzahl der Blutplättchen hingegen kann sich durch Nasenbluten und Zahnfleischblutungen, oder durch das ungewöhnlich leichte Entstehen von Blutergüssen auch bei kleinsten Ereignissen bemerkbar machen.

Zum SeitenanfangDiagnose

Mit Hilfe einer Blutuntersuchung kann eine Blutarmut sowie die verminderte Konzentration der Blutplättchen und sofern vorhanden der weissen Blutkörperchen nachweisen werden. Diese Untersuchungen sind jedoch nicht sehr aussagekräftig und deshalb nur als Anhaltspunkt, dass eine akute Leukämie vorliegen könnte, zu gebrauchen.

Will man die akute Leukämie beweisen oder sicher ausschliessen, muss eine Untersuchung des Knochenmarks durchgeführt werden. Dies ermöglicht auch die Unterscheidung der zwei grossen Gruppen der akuten Leukämien, nämlich der akuten lymphatischen Leukämie und der akuten myeloischen Leukämie.

Für diese Untersuchung wird eine relativ dicke Hohlnadel durch die Haut in den Beckenkamm vorgeschoben. Durch diese Nadel wird dann mit Unterdruck eine kleine Menge Knochenmark herausgezogen, welches nach entsprechender Vorbereitung unter einem Mikroskop untersucht werden kann. Um die verschiedenen Leukämietypen sicher voneinander unterscheiden zu können, werden spezielle Färbemethoden, so genannte zytochemische Färbemethoden, angewendet.

Zum SeitenanfangTherapie

Bei der Behandlung einer akuten Leukämie werden grundsätzlich zwei Ziele verfolgt:

Einerseits müssen die Beschwerden, welche die Erkrankung verursacht, behandelt werden. Dazu gehört, dass die Personen wenn möglich vor Infektionskrankheiten geschützt werden müssen, da ihre Immunabwehr durch die Krankheit schwer beeinträchtigt ist. Tritt in dieser Situation der geschwächten Immunabwehr Fieber auf, ist die Behandlung mit einem Antibiotikum dringend notwendig, um eine allfällige Infektion mit Bakterien möglichst schnell unter Kontrolle zu bringen. Wenn nötig, wird auch die durch die akute Leukämie verursachte Blutarmut und Blutgerinnungsstörung durch die Gabe von roten Blutkörperchen und Blutplättchen behandelt.

Andererseits wird neben diesen allgemeinen Therapiemassnahmen eine gezielte Therapie mit dem Ziel der Heilung der akuten Leukämie geplant. Mit einer medikamentösen Krebsbehandlung, einer so genannten Chemotherapie, wird versucht, möglichst alle bösartig veränderten Zellen im Körper zu zerstören.

Wenn bei jungen Patienten nach der Chemotherapie keine Tumorzellen mehr nachgewiesen werden können, kann eine Transplantation von gesunden Spenderzellen in das Knochenmark, eine so genannte Stammzelltransplantation, vorgenommen werden.

Diese Therapie ist nur erfolgreich, wenn der ganze Körper möglichst frei von Tumorzellen ist. Deshalb wird vor der Transplantation zusätzlich eine Strahlentherapie durchgeführt, bei welcher die möglicherweise noch vorhandenen Tumorzellen zerstört werden.

Die häufigsten Nebenwirkungen dieser Therapie sind einerseits die Nebenwirkungen der Chemotherapie, welche vor allem durch den bekannten Haarausfall, aber auch durch Übelkeit, Erbrechen, Durchfall oder eine Entzündung der Schleimhäute gekennzeichnet sein kann. Daneben besteht wie bei jeder Chemotherapie wegen der Unterdrückung des Abwehrsystems ein erhebliches Risiko, an einer Infektionskrankheit zu erkranken. Das Immunsystem ist erst etwa ein Jahr nach der Chemotherapie wieder vollständig funktionstüchtig.

Nach erfolgter Knochenmark- oder Stammzelltransplantation besteht zudem die Gefahr einer Abstossungsreaktion der transplantierten Zellen. Dabei werden durch die entstehende Immunreaktion vor allem die Haut, der Darm und die Leber beschädigt.

Wenn diese Therapie unter optimalen Bedingungen durchgeführt wird, sind 80% der behandelten Personen durch die Knochenmark- oder Stammzelltransplantation geheilt. Die restlichen 20% erleiden im Verlauf des Lebens ein erneutes Auftreten der Leukämie.

Autor/in:Dr. med. Urspeter Knecht, Arzt
Keywords:Akute Leukämie, akute myeloische Leukämie, AML, akute lymphatische Leukämie, ALL, Blutkrebs, Leukämie, Knochenmark, Blutbildung, Blutarmut, Gerinnungsstörung, Abwehrschwäche, Knochenmarksbiopsie, Chemotherapie, Stammzelltransplantation, Knochenmarkstransplantation
ICD-10:C91.0, C92.0
Zuletzt geändert:05.11.2016Zum Seitenanfang
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