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Neutropenie

Synonyme: Mangel an neutrophilen Granulozyten im Blut

Zum SeitenanfangAllgemeines

Neutropenie bedeutet, dass im Blut die Anzahl neutrophiler Granulozyten zu tief ist, der wichtigsten Zellen unter den weissen Blutkörperchen, welche unserem Abwehrsystem gegen Krankheitserreger angehören. Die Neutropenie ist selber keine Krankheit, sondern kann als eine Folge verschiedenster Erkrankungen und nach der Einnahme einiger Medikamente auftreten.

Verschiedene Krankheiten, die das Knochenmark schädigen, stören die dort stattfindende Produktion der Granulozyten wie auch der anderen Blutzellen. Dazu gehören zum Beispiel Leukämien und die myeloproliferativen Syndrome, aber auch Ableger, so genannte Metastasen anderer Krebserkrankungen. Aber auch wenn wichtige Stoffe zur Herstellung der Blutzellen wie zum Beispiel Vitamin B12 oder Folsäure in ungenügend hoher Konzentration im Blut vorhanden sind, kann die Bildung der Granulozyten beeinträchtigt sein. Schliesslich können auch Infektionskrankheiten mit Grippeviren, HIV, oder Tuberkulose und anderen Erregern diese Wirkung haben.

Ausser einer gehemmten Bildung kann ein gesteigerter Verbrauch und Abbau von Granulozyten eine Neutropenie herbeiführen. Da neutrophile Granulozyten besonders an der Bekämpfung von Bakterien beteiligt sind, werden sie bei schweren akuten bakteriellen Infektionen verbraucht und sind deshalb im Blut erniedrigt.

Weitere häufige Ursachen eines verstärkten Abbaus der Granulozyten sind eine vergrösserte Milz (Splenomegalie), welche überdurchschnittlich viele Granulozyten speichert und abbaut, eine Fehlfunktion des körpereigenen Immunsystems sowie Medikamente, welche zusätzlich auch die Funktion der Zellen stören können.

Das Blut und seine Bestandteile:

Das Blut besteht zu etwas mehr als der Hälfte aus Wasser und verschiedenen gelösten Stoffen. Den anderen Teil machen Zellen aus, also die roten und weissen Blutkörperchen sowie die Blutplättchen. Da der überwiegende Teil der Blutzellen rote Blutkörperchen sind, wird der Anteil der Zellen im Blut über die Menge an roten Blutkörperchen definiert. Dieser zelluläre Volumenanteil wird in der Fachsprache als Hämatokrit bezeichnet. Der flüssige Teil des Blutes wird Plasma genannt. Es besteht zu etwa 90 % aus Wasser. Den Rest bilden die im Plasma gelösten Substanzen, wobei es sich hierbei vor allem um Eiweisse handelt.

Das Blut erfüllt mit all seinen Bestandteilen eine grosse Vielfalt an Aufgaben.Die roten Blutkörperchen, auch Erythrozyten genannt, haben die Aufgabe den ganzen Körper mit Sauerstoff zu versorgen. Den dazu benötigten Sauerstoff nehmen die Erythrozyten in der Lunge auf. Die weissen Blutkörperchen, die Leukozyten, bekämpfen Krankheitserreger und Tumorzellen, produzieren Antikörper, beseitigen aber auch beschädigte oder alte Körperzellen. Zu den weissen Blutkörperchen gehören die Lymphozyten und Granulozyten sowie auch die Makrophagen.


Die Blutplättchen, so genannte Thrombozyten, sind ein wesentlicher Bestandteil des Gerinnungssystem. Kommt es zu einer Beschädigung einer Blutgefässwand, können die Plättchen aneinander kleben und ein Blutgerinnsel bilden, eine Art Pfropf, welcher den Defekt in der Wand abdichtet.

In der Blutflüssigkeit sind ausserordentlich viele Stoffe mit den unterschiedlichsten Funktionen gelöst. Einerseits sind es Nährstoffe wie Eiweisse, Fette und Zucker sowie auch Salze, Vitamine und Spurenelemente, welche durch die Nahrung aufgenommen werden. Anderseits ist das Blut auch ein wichtiges Transportmittel für Hormone und Abfallstoffe.

Das Blut ist ausserdem ein zentrales Medium für die Immunabwehr, da einerseits die Abwehrstoffe über das Blut effizient in den ganzen Köper verteilt werden können und anderseits die Abwehrstoffe im Blut direkt mit den Krankheitserreger in Kontakt kommen, die somit abgewehrt werden können.

Zum SeitenanfangSymptome

Zu Beginn der Erkrankung klagen die Betroffenen vor allem über Fieber, Gewichtsabnahme sowie allgemeine Leistungsminderung; alles Symptome, welche nicht direkt auf diese Erkrankung hinweisen.
Die spezifischen Symptome ergeben sich vor allem durch die Verdrängung der normalen Blutbildung. Im Vordergrund stehen dabei die Symptome einer Blutarmut mit Müdigkeit, Schwäche, Kurzatmigkeit und Herzklopfen.

Im Verlauf der Krankheit fehlen auch weisse Blutkörperchen und Blutplättchen. Die verschiedenen weissen Blutkörperchen übernehmen die Abwehr von Krankheitserregern. Bei einem Mangel entsteht eine erhöhtes Risiko, an Infektionen zu erkranken.

Blutplättchen spielen eine wichtige Rolle bei der Blutgerinnung, indem sie aneinander haften und so ein Blutgerinnsel bilden. Wenn durch die Krankheit zu wenige oder schlecht funktionierende Blutplättchen hergestellt werden, entsteht eine erhöhte Blutungsneigung. Das bedeutet, dass betroffene Patienten zum Beispiel häufiger unter Nasenbluten leiden oder in den Magen oder Darm bluten. Dies wird oft erst daran erkannt, dass sie Blut erbrechen oder pechschwarzen Stuhl ausscheiden, da das Blut im Darm von Darmbakterien zersetzt wird und dabei die schwarze Farbe annimmt.

Wenn die Milz durch die zusätzliche Blutproduktion stark vergrössert ist, kann sie durch den Druck auf die umliegenden Organe ein unangenehmes Druck- und Völlegefühl verursachen. Teilweise treten ebenfalls stechende Bauchschmerzen auf, welche durch eine Minderdurchblutung der vergrösserten Milz verursacht werden, da Teile des Milzgewebes absterben.

Wie bei der Polyzytämia vera leiden manche Patienten unter Juckreiz oder Gicht mit Gelenksbeschwerden. Beides hat damit zu tun, dass ständig viele kranke oder schlecht funktionierende Zellen abgebaut und die anfallenden Abfallstoffe im Blut angehäuft werden.

Zum SeitenanfangDiagnose

Besteht aufgrund der oben beschriebenen Symptome der Verdacht auf eine Osteomyelosklerose, wird als erstes eine Blutuntersuchung durchgeführt. Bei der Osteomyelofibrose treten je nach Krankheitsstadium unterschiedliche Veränderungen auf. Ganz früh wird eine erhöhte Zahl weisser Blutkörperchen und Blutplättchen gezählt. Diese Frühphase dauert nur kurz. Es kommt danach zu einer Verminderung sämtlicher Blutzellen, insbesondere aber der roten Blutkörperchen. Zusätzlich können unreife Zellen im Blut auftreten, welche unter normalen Umständen nur im Knochenmark zu finden sind. Vom Aussehen her weisen die roten Blutkörperchen typische Veränderungen auf. Daran erkennt man meist, ob sie in der Milz gebildet worden sind. Auch die Blutplättchen sind oft zu gross und haben eine abnormale Form.

Neben der Blutuntersuchung wird meist auch eine Knochenmarkprobe, in der Regel aus dem Beckenkamm, entnommen und unter dem Mikroskop untersucht. Typischerweise sieht man die oben beschriebene Vermehrung eines faserigen Bindegewebes. Gleichzeitig findet man deshalb deutlich weniger Zellen, bei welchen es sich um die unreifen Vorstufen der Blutzellen handelt. Normalerweise gibt es im blutbildenden Knochenmark nur wenig Komponenten des faserigen Gewebes, hingegen vor allem die Vorstufen der Blutzellen.

Zum SeitenanfangTherapie

Als heilende Therapie steht nur die Transplantation fremden Knochenmarks zur Verfügung. Für die in den meisten Fällen über 60jährigen Patienten wäre diese Prozedur jedoch zu gefährlich. Deshalb ist das Ziel einer Therapie, die Symptome zu behandeln.

Die mangelnden roten Blutkörperchen werden mittels Transfusionen aus Spender-Blut regelmässig ersetzt. Ist der Wert der Blutplättchen sehr tief, können auch sie mit Blutplättchenkonzentraten ersetzt werden. Mit Hilfe einer medikamentösen Therapie kann einerseits versucht werden, die Bildung der roten Blutkörperchen zu stimulieren. Anderseits wird, zum Beispiel mit einer Chemotherapie, das Wachstum des Gewebes gebremst, welches die blutbildenden Zellen im Knochenmark verdrängt. Sehr selten muss eine so genannte Splenektomie durchgeführt werden, was bedeutet, dass die Milz operativ entfernt werden muss.

Autor/in:Dr. med. Claudia Meier, Ärztin
Editor/in:Dr. med. Urspeter Knecht, Arzt
Keywords:Neutropenie, Mangel, weisse Blutkörperchen, Leukozyten, Leukozytenmangel, Neutrophile Granulozyten, Abwehrsystem, Knochenmark, Blut, Blutzellen, Leukämien, myeloproliferativen Syndrome, Vitamin-B
ICD-10:D70
Zuletzt geändert:05.11.2016Zum Seitenanfang
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