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Rheumatoide Arthritis

Synonym: Chronische Polyarthritis

Zum SeitenanfangAllgemeines

Rheumatoide Arthritis, vier Stadien der Rheumatoiden Arthritis, Gelenksentzündung, Gelenkszerstörung, Versteifung des Gelenks

Die rheumatoide Arthritis ist eine chronische entzündliche Erkrankung vor allem der Finger-, Hand- und Fussgelenke, welche die betroffenen Gelenke mit der Zeit zerstört. Typischerweise sind mehrere Gelenke gleichzeitig und auf beiden Körperseiten die selben Gelenke betroffen. Die rheumatoide Arthritis ist eine sehr häufige Erkrankung, an der 1% aller Menschen im Laufe ihres Lebens erkranken, wobei Frauen deutlich häufiger betroffen sind.

Die der Krankheit zugrunde liegende Ursache ist nicht abschliessend bekannt. Man vermutet, dass mehrere Faktoren an ihrer Entstehung beteiligt sind. Auffällig ist jedoch eine Häufung der Erkrankung in gewissen Familien, was darauf hinweist, dass die Krankheit in den Genen verankert ist und damit vererbt werden kann.

Die Krankheit wird durch eine Fehlregulation des Immunsystems ausgelöst. Dabei greifen Stoffe unseres Immunsystems das Bindegewebe an, das um die Gelenke gelagert ist und verursachen dadurch eine Gelenkentzündung. Das Bindegewebe kann auch an anderen Stellen im Körper, wie zum Beispiel in den Lungen oder den Gefässen, angegriffen werden und sich entzünden.

Zum SeitenanfangSymptome

Die rheumatoide Arthritis wird meist im Alter von 25-50 Jahren das erste Mal manifest. Sie kann sehr unterschiedlich verlaufen. Näheres hierzu ist dem Abschnitt Verlauf und Prognose zu entnehmen.

Die Entzündung tritt typischerweise an mehreren Gelenken zur selben Zeit und symmetrisch auf beiden Körperhälften auf. Die am häufigsten betroffenen Gelenke sind die Finger- und Zehengelenke sowie die Hand- und Fussgelenke. Weniger häufig sind die Ellenbogen- und Kniegelenke, selten ist als Komplikation das Kiefergelenk betroffen.

Es sind mehrere Frühzeichen der rheumatoiden Arthritis bekannt. Einerseits treten immer wieder Gelenkschmerzen und Gelenkentzündungen auf. Ein Zeichen dieser Entzündung ist, dass ein beherzter Händedruck für diese Menschen sehr schmerzhaft sein kann. Ebenfalls ein Frühzeichen können wiederkehrende Sehnenscheidenentzündungen ohne spezielle Belastung und eine leichte Morgensteifigkeit sein.

Das akute Krankheitsstadium zeichnet sich durch die akute Entzündung und Schwellung mehrerer kleiner Gelenke mit begleitender Flüssigkeitsansammlung aus. Die Patienten haben zunehmend Mühe die Faust zu machen und ihr Händedruck wird schwächer. Durch das Entzünden und Anschwellen der Sehnenscheiden, der Ummantelung der Sehnen, kann sich ein Karpaltunnelsyndrom ausbilden, das zusätzliche Schmerzen und Gefühlsausfälle in der Hand verursacht.

Im fortgeschrittenen Stadium erfasst die Entzündung auch Gelenke, die näher beim Körper liegen, wie zum Beispiel das Ellenbogengelenk und das Kniegelenk und es treten immer grössere Verformungen der entzündeten Gelenke auf. Die Finger werden nach aussen gebogen, auch Ulnardeviation genannt. Durch das Reissen der Sehnen an den Fingern entstehen die Knopfloch- und Schwanenhalsdeformität. Typisch ist auch das Auftreten von Rheumaknoten auf der Streckseite (die Seite des Handrückens) der Gelenke.

Bei weit fortgeschrittener Krankheit kann die Gelenkentzündung auch in ganz anderen Körperregionen auftreten, was zum Beispiel Heiserkeit und Schmerzen beim Kauen verursachen kann. Nicht selten klagen diese Patienten auch über trockene Augen und einen trockenen Mund. In dem Fall sind auch die Tränendrüsen oder die Speicheldrüsen betroffen. Ebenso können die Augen direkt befallen sein.

Zum SeitenanfangDiagnose

Um die rheumatoide Arthritis zu diagnostizieren werden vor allem Blutuntersuchungen und Röntgenuntersuchungen durchgeführt. Zusätzlich kann durch eine Gelenkpunktion Gelenksflüssigkeit gewonnen und zur Abgrenzung anderer Krankheiten untersucht werden.

Bei der Blutuntersuchung werden mehrere Werte gefunden, die auf eine Entzündung hinweisen, über deren Entstehung jedoch keine Auskunft geben. Es können aber auch Produkte des Immunsystems gefunden werden, die auf das Bestehen einer rheumatoiden Arthritis hinweisen. Ein Beispiel ist der Rheumafaktor, ein Autoantikörper, der bei der überwiegenden Anzahl der Patienten, die an dieser Erkrankung leiden, nachgewiesen werden kann. Der Rheumafaktor ist eine Begleiterscheinung der Krankheit und nicht dessen Verursacher. Er kann jedoch einen komplizierten Verlauf anzeigen. Ein anderes Beispiel ist der antinukleäre Antikörper, welcher in 10-20% der Fälle im Blut gefunden wird.

Mit Hilfe einer Röntgenuntersuchung der betroffenen Regionen lassen sich frühestens Monate nach Ausbruch der Erkrankung Veränderungen feststellen. Auf den Röntgenbildern sind die Verformungen der Gelenke zu sehen sowie der Schaden am Knochen und am Gelenk, der durch die Entzündung entstanden ist. Auffällig ist die verminderte Knochendichte in der Nähe der betroffenen Gelenke. Der ebenfalls sichtbare Knochenumbau ist das Resultat des durch den Knochen eingeleiteten Reparaturvorgangs.

Die Untersuchung der Gelenksflüssigkeit hilft zur Abgrenzung gegenüber anderen entzündlicher Gelenkserkrankungen, für deren Diagnose ganz bestimmte Stoffe nachgewiesen werden müssen, die bei der rheumatoiden Arthritis fehlen.

So werden im Fall einer rheumatoiden Arthritis keine Bakterien in der Gelenksflüssigkeit gefunden, wie dies bei einer infektiösen Arthritis der Fall ist. Auch sind im Unterschied zur Gicht keine Uratkristalle vorhanden.

Die Gelenksflüssigkeit ist durch die Entzündung flüssiger und enthält viele weisse Blutkörperchen, was der Grund für ihr sichtbar trübes Aussehen ist.

Zum SeitenanfangTherapie

Physiotherapie und Ergotherapie
Eine der wichtigsten Massnahmen der Therapie ist die Krankengymnastik, denn dadurch kann die Beweglichkeit der Gelenke möglichst lange erhalten werden. Häufig erfolgt die Gymnastik mit Hilfe eines individuell zusammengestellten Heimturnprogrammes. Damit die Übungen korrekt durchgeführt werden, erhält der Patient bei deren Einübung Unterstützung von einem Physiotherapeuten. Nur ein akut entzündetes Gelenk sollte geschont werden, damit sich die Entzündung durch den Reiz der Bewegung nicht verschlimmert.

Im akuten Entzündungsschub wird die lokale Kälteanwendung, zum Beispiel mit Kältepackungen, die in ein Frottiertuch eingewickelt sind, als lindernd empfunden. Auch die lokale Wärmeanwendung kann je nach Empfinden des Patienten eine wohltuende Wirkung haben. Während eines akuten Schubes darf allerdings die lokale Wärmetherapie nicht angewendet werden.

Sehr mühsam oder unmöglich gewordene Arbeiten im Alltag können durch gezielte Beratung und Hilfsmittel erleichtert, beziehungsweise wieder ermöglicht werden. Dazu gehört auch die optimale Einrichtung des Arbeitsplatzes und der Wohnung.

Medikamentöse Therapie

In einer ersten Stufe werden entzündungshemmende Medikamente verwendet. Damit können rezeptfreie Schmerzmedikamente kombiniert werden, wenn dies nötig wird. Beispiele dafür sind Panadol®, Dafalgan® oder Ben-u-ron®. Die Entzündungshemmer wie auch die Schmerzmedikamente haben einen günstigen Einfluss auf die Schmerzen, die Morgensteifigkeit und die Gelenkfunktion.

Basismedikamente der rheumatoiden Arthritis bewirken eine Eindämmung der Krankheitsaktivität und werden dann angewendet, wenn die Diagnose der rheumatoiden Arthritis sicher gestellt wurde, und wenn die oben beschriebene Therapie mit Entzündungshemmern und Schmerzmedikamenten zu keinem befriedigenden Ergebnis führt. Nach einer mehrwöchigen Anwendung ist ein deutlich besseres Allgemeinbefinden der Patienten erkennbar und dadurch die Lebensqualität erheblich höher.
Für die Basistherapie werden auch Medikamente verwendet, welche die Aktivität des Immunsystems eindämmen.

Wenn die Erkrankung trotz der kombinierten Therapie mit Entzündungshemmern und den Basismedikamenten nicht kontrolliert werden kann, werden Steroide in Tablettenform verabreicht. Diese Medikamente können auch direkt in die Gelenke gespritzt werden, wenn nur wenige Gelenke von der starken Entzündung betroffen sind.

Seit Ende der 90iger Jahre sind auch biologische Medikamente sehr erfolgreich im Einsatz gegen die rheumatoide Arthritis. Es handelt sich dabei um sogenannte TNFalpha-Blocker, welche gentechnologisch hergestellt werden können. Sie bekämpfen sehr rasch und nachhaltig die Entzündungssymptome und stoppen bei der Mehrzahl der Patienten die Gelenkzerstörung, was mit den konventionellen Basismedikamenten bisher nur selten möglich war.

Die entzündete Innenschicht der Gelenkskapsel, die Synovialis, kann zur Eindämmung der Entzündung im betroffenen Gelenk auch entfernt werden. Bis vor kurzer Zeit wurde sie durch einen chirurgischen Eingriff entfernt. Damit das entzündete Gelenk nicht durch eine Operation geöffnet werden muss, wurde jedoch eine neue Technik entwickelt, bei der die Synovialis durch eine chemische oder radioaktive Substanz, die ins Gelenk gespritzt wird.

Wird ein wichtiges Gelenk durch die Entzündung zerstört, so kann es durch ein künstliches Gelenk ersetzt werden, um die Beweglichkeit zu gewährleisten.

Zum SeitenanfangVerlauf und Prognose

Der Verlauf dieser Krankheit ist schwer vorauszusagen. Gelegentlich besteht sie aus einem einzigen Entzündungsschub, nach dem sie vollständig ausheilt. Häufiger jedoch verläuft sie mit immer wiederkehrenden Entzündungsschüben, die in einem Abstand von Monaten und manchmal Jahren auftreten. Ebenfalls häufig verschlechtert sich die Krankheit nach dem ersten Auftreten ständig, ohne dass die Patienten jemals symptomfrei werden.

Nicht zu vernachlässigen sind die Auswirkungen auf den Alltag und den Beruf, welche die Krankheit mit sich bringt. Nach einem Krankheitsverlauf von 10 Jahren sind, je nach Beruf und begleitenden Umständen, rund 50% der Patienten Teil- oder Vollinvalide. Wichtig ist die frühzeitige Behandlung, um dieses Risiko einer Invalidität möglichst gering zu halten. Es besteht aber auch die Gefahr der Überbehandlung, die gravierende Schäden verursachen kann, wie zum Beispiel ein Magen- oder Duodenalulcus oder ein Hormonungleichgewicht durch Nebenwirkungen der Steroide (iatrogenes Cushing-Syndrom).

Autor/in:Dr. med. Urspeter Knecht, Arzt
Editor/in:Prof. Dr. Michael Seitz, Facharzt für Rheumatologie
Keywords:Rheumatoide Arthritis, chronische Polyarthritis, Schmerzen, Gelenksentzündung, Gelenkschmerzen, Arhtritis, Polyarthritis, Gelenk, Gelenke, Karpaltunnelsyndrom, Raynaud-Phänomene, Fehlregulation des Immunsystems, Bindegewebe, Entzündung der Sehnenscheide, schwacher Händedruck, kein Gefühl in der Hand
ICD-10:M05, M06
Zuletzt geändert:25.03.2016Zum Seitenanfang
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