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Gicht

Synonyme: Hyperurikämie, Hyperuricämie

Zum SeitenanfangAllgemeines

Gicht entsteht durch eine Abbaustörung gewisser Nahrungsmittelbestandteile, bei der sich ungewöhnlich grosse Mengen von Harnsäure im Blut ansammeln. Wird eine gewisse Blutkonzentration überschritten, lagert sich die Harnsäure in Form von Harnsäurekristallen in den Gelenken ab. Die Krankheit ist gekennzeichnet durch immer wiederkehrende, schmerzhafte Entzündungsschübe in den befallenen Gelenken. Am häufigsten betroffen sind die Grundgelenke der Grosszehen und die Finger- und Ellenbogengelenke.

Aufgrund des Entstehungsmechanismus, der zu diesen hohen Harnsäurekonzentrationen im Blut führt, wird die Gicht in zwei grosse Gruppen unterteilt. Ganz allgemein entsteht die Harnsäure hauptsächlich durch den Abbau von so genannten Purinen, die vor allem in zellreichen Nahrungsmitteln wie Fleisch und Innereien, sowie Kaffee vorkommen. Der Konsum von alkoholhaltigen Getränken und ein geringer Flüssigkeitskonsum provozieren zusätzlich die Entstehung eines Gichtanfalls. Aus diesem Grund wird ein Gichtanfall häufig durch eine exzessive Nahrungsaufnahme in Kombination mit dem Genuss von alkoholhaltigen Getränken ausgelöst.

Die primäre Gicht kommt familiär gehäuft vor und entsteht aufgrund einer gestörten Harnsäureausscheidung der Nieren. Dieser Defekt wird auf mehreren fehlerhaft codierten Genen vererbt. Nur ein kleiner Teil der primären Gicht wird durch eine ebenfalls vererbbare, gesteigerte Harnsäureproduktion verursacht. Die primäre Gicht tritt sehr häufig kombiniert mit körperlichem Übergewicht, Bluthochdruck, übermässigem Alkoholkonsum und dem Diabetes mellitus auf.

Die sekundäre Gicht wird durch eine zugrunde liegende Erkrankung oder ein Risikoverhalten ausgelöst. Häufige Beispiele, die zu einer erhöhten Harnsäureproduktion führen sind Leukämien, Chemotherapie bei Krebserkrankungen und hoher Konsum von Fleisch und Innereien. Bei übermässigem Alkoholkonsum, chronischen Nierenerkrankungen, gewissen Medikamenten oder einem schlecht eingestellten Diabetes mellitus entsteht die hohe Harnstoffkonzentration durch eine verminderte Ausscheidung über die Nieren.

Zum SeitenanfangSymptome

Meist beginnt die Krankheit ohne Vorwarnung akut mit einem äusserst schmerzhaften Gichtanfall in der Nacht, der oft von hohem Fieber begleitet ist. In der Regel ist zu Beginn der Erkrankung nur ein Gelenk, am häufigsten das Zehengrundgelenk betroffen. Es können aber auch mehrere Gelenke, vorzugsweise der Beine, aber auch der Arme betroffen sein. Das entzündete Gelenk ist geschwollen, überwärmt und die darüber liegende Haut gerötet. Beim Abklingen des akuten Entzündungsschubs schuppt die Haut über dem Gelenkt häufig ab. Wird der Gichtanfall nicht behandelt, dauert er mehrere Tage an. Die ersten Gichtanfälle heilen ohne bleibende Folgen ab, so dass die Patienten zwischen den Gichtanfällen in aller Regel keine Beschwerden haben.

Wenn die verordnete Therapie nicht konsequent eingehalten wird, kann die Erkrankung chronisch verlaufen. Es bilden sich dabei gelblich Knoten, so genannte Gichttophi aus, vor allem über den Fingergelenken, an mechanisch belasteten Stellen wie über Knie- und Ellenbogengelenken und an kälteexponierten Stellen, wie zum Beispiel an den Ohrmuscheln. Wenn die Gichttophi mit einer Nadel angestochen werden, tritt eine weissliche, breiige Substanz aus, die bei näherer Untersuchung aus Harnsäurekristallen besteht. Durch die immer wiederkehrenden Gelenkentzündungen werden die Gelenke kontinuierlich weiter beschädigt, in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt und verformt.

Eine häufige Begleiterkrankung der Gicht, die etwa jeden fünften Patienten betrifft, ist das Harnsteinleiden (Urolithiasis). Diese Steine, welche die abführenden Harnwege blockieren und so den Harnabfluss erschweren, führen zu massiven kollikartigen Bauchschmerzen und oft zu Harnweginfekten.

Ähnlich präsentiert sich auch die infektiöse Arthritis, die aufgrund der völlig unterschiedlichen Ursache und Therapie dringend von der Gicht unterschieden werden muss.

Zum SeitenanfangDiagnose

Für die Diagnosestellung der Gicht spielen die charakteristischen klinischen Symptome eine sehr grosse Rolle. Das nächtliche Auftreten, der typische Gelenkbefall zum Beispiel des Grosszehengrundgelenks, und das Auslösen der Attacke durch eine sehr grosse Mahlzeit, bei der typischerweise auch Alkohol konsumiert wird, sind Symptome, die auf die Gicht hinweisen.

Um die Diagnose zu bestätigen, werden im Blut eine erhöhte Harnsäurekonzentration und während einem akuten Gichtanfall allgemeine Entzündungszeichen gesucht. Da jedoch ein normaler Harnsäurespiegel im Blut eine Gicht nicht ausschliesst, kann in diesem Fall das betroffene Gelenk punktiert werden und in der Gelenkflüssigkeit ebenfalls nach den beweiserbringenden Harnsäurekristallen gesucht werden. Wenn zum Zeitpunkt der Diagnosestellung bereits ein Gichttophus entstanden ist, wird dieser punktiert und in dessen Inhalt nach den Harnsäurekristallen gesucht. Wenn sich der Tophus in einem Knochen entwickelt, kann er mit einem Röntgenbild sichtbar gemacht werden. Werden diese Tophi gross, können sie zum Einbrechen des ganzen Knochens führen.

Eventuell entstandene Nierensteine werden mit Hilfe eines Ultraschalls der Nieren nachgewiesen.

Zum SeitenanfangTherapie

Das Ziel der Gichttherapie besteht einerseits in der Behandlung eines akuten Gichtanfalls und anderseits in der Vorbeugung weiterer Gichtattacken.

Behandlung des akuten Gichtanfalls

Es sind praktisch alle Entzündungshemmer wirksam und damit zur Gichttherapie geeignet. Wichtig ist, dass sie sofort in der maximal möglichen Dosis eingenommen werden.

Bei schweren Attacken können auch die äusserst wirksamen steroidalen Entzündungshemmer wie zum Beispiel Prednison über kurze Zeit in Tablettenform eingenommen oder in das Gelenk gespritzt werden.

Basisbehandlung zur Vorbeugung weiterer Attacken

Zur Vermeidung eines Gichtanfalls sollte auf Nahrungsmittel, die einen hohen Gehalt an Purinen beinhalten, verzichtet werden. Dazu gehören vor allem Kaffee, Fleisch und Innereien. Auch Fertigsuppen und -sossen, sowie Hülsenfrüchte sind purinreich. Es muss ebenfalls darauf geachtet werden, dass mindestens zwei Liter pro Tag getrunken werden. Durch die daraus resultierende verstärkte Urinausscheidung werden auch die Harnsäuren verstärkt ausgeschieden. Auf alkoholhaltige Getränke sollte konsequent verzichtet werden, da sie eine verminderte Harnsäureausscheidung verursachen und im Falle von Bier sogar purinreich sind.

Es gibt auch Medikamente, welche die Harnsäureausscheidung fördern. Äusserst wichtig ist, dass während der Therapie mit diesen Medikamenten genügende Mengen getrunken werden, also mindestens zwei Liter pro Tag. Sonst besteht die Gefahr, dass wegen der Anreicherung der Harnsäuren im Urin Nierensteine entstehen.

Andere Medikamente verringern die Harnsäuresynthese und senken so das Risiko einer akuten Gichtattacke. Das Medikament Colchizin hat sich zur Behandlung eines Gichtanfalls ebenfalls als sehr wirksam erwiesen.

Autor/in:Dr. med. Urspeter Knecht, Arzt
Editor/in:Prof. Dr. med. Michael Seitz, Facharzt für Rheumatologie
Keywords:Gicht, Hyperurikämie, Hyperuricämie, Harnsäure, Harnsäurekristalle, Gichtanfall, Gelenksentzündung, Gelenkschmerzen, Schmerzen, Gelenk, Gelenke, Bluthochdruck, arterielle Hypertonie, Diabetes Mellitus, Alkoholkonsum, Nierenerkrankungen
ICD-10:M10, E79.0
Zuletzt geändert:06.11.2016Zum Seitenanfang
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