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Brustfellentzündung

Synonyme: Pleuritis

Zum SeitenanfangAllgemeines

Eine Pleuritis bezeichnet eine Brustfellentzündung. Pleura bedeutet Brustfell und die Endung -itis weist auf eine Entzündung hin. Das Brustfell besteht aus zwei Blättern. Das äussere Blatt ist mit dem Brustkorb verwachsen und das innere Blatt liegt direkt der Lunge auf und ist mit dieser verwachsen. Zwischen diesen beiden Blättern befindet sich ein normalerweise nur wenige Millimeter dünner Raum, der Pleuraspalt. In ihm befindet sich Flüssigkeit, durch die ein reibungsloses Verschieben der beiden Brustfellblätter gegeneinander und damit der Lunge gegenüber dem Brustkorb ermöglicht wird. Der Pleuraspalt kann infolge einer Pleuritis vermehrt mit Flüssigkeit gefüllt und dadurch verbreitert werden. Man spricht in diesem Fall von einem Pleuraerguss.

Es können zwei verschiedene Formen von Brustfellentzündungen vorkommen. Es existiert entweder eine trockene Form (trocken=sicca; Pleuritis sicca) wenn kein Pleuraerguss vorliegt oder eine feuchte bei Vorliegen eines Pleuraergusses (Pleuritis exsudativa). Meist geht eine anfänglich trockene Brustfellentzündung im weiteren Verlauf in eine feuchte Form mit Pleuraerguss über.

Es ist wichtig zu wissen, dass eine Brustfellentzündung in den überaus meisten Fällen nicht als eigenständige Erkrankung, sondern als Begleiterscheinung auftritt.

Am häufigsten wird sie durch eine Lungenentzündung ausgelöst, welche sich von der Lungenoberfläche auf das Brustfell ausbreitet. Daneben kommt aber auch ein Lungeninfarkt oder Lungenkrebs als Ursache in Frage.

Es gibt auch noch andere infektiöse Erkrankungen, die eine Pleuritis verursachen können. Dazu gehören zum Beispiel die Tuberkulose sowie durch Viren ausgelöste Entzündungen, wie zum Beispiel Herpesviren.

Selten kommt es im Rahmen rheumatischer Erkrankungen oder durch einen Pleura-eigenen Krebs, dem Mesotheliom, zu einer Brustfellentzündung.

Bei jeder chronischen Entzündung befinden sich im betroffenen Gebiet über längere Zeit Blutzellen und Entzündungsstoffe, die zur Bildung von Narbengewebe beitragen. Dies ist auch bei der chronischen Pleuritis der Fall. Zudem ist das Aufeinanderreiben der entzündeten Brustfelle extrem schmerzhaft und die Betroffenen versuchen deshalb möglichst flach durchzuatmen. Durch diese flache Atmung werden die Brustfelle fast nicht mehr gegeneinander verschoben und liegen die meiste Zeit direkt einander auf, was eine Verwachsung und Narbenbildung begünstigt.

Eine solche Vernarbung der Pleurablätter wird als Komplikation einer Brustfellentzündung verstanden und in der Fachsprache als Pleuraschwarte bezeichnet. Die Lunge wird so fest mit dem Brustkorb verbunden und kann sich nur noch in einem kleineren Umfang entfalten. Die Atemzüge verkleinern sich und die pro Atemzug aufgenommene Luft vermindert sich beträchtlich. In der Folge tritt häufig eine Atemnot auf.

Tuberkulose

Diese infektiöse Erkrankung wird durch ein Bakterium ausgelöst, welches sich Mycobacterium tuberculosis nennt, und ist in Westeuropa dank guter Durchimpfungsrate beinahe ausgestorben.

Vor allem in Drittweltländern in Afrika und Asien sowie in Teilen Südamerikas und einigen Balkanstaaten ist diese Erkrankung jedoch immer noch oft anzutreffen. Da in den letzten Jahren viele Menschen aus oben genannten Gebieten in Industrieländer eingewandert sind, ist dieses Krankheitsbild auch bei uns in Westeuropa wieder häufiger anzutreffen. Tuberkulose tritt gehäuft bei HIV-positiven Menschen auf.

Da auch HIV-Infektionen in Indusriestaaten wieder zunehmend sind, stellt dies einen weiteren Grund für die beträchtlich hohe Zahl der an Tuberkulose Erkrankten in unseren Breitengraden dar.

Deshalb gehört Tuberkulose neben HIV nach wie vor zu den häufigsten Infektionskrankheiten und Todesursachen weltweit.

Weitere Informationen finden Sie im Kapitel Tuberkulose.

Zum SeitenanfangSymptome

Bei einer Pleuritis sicca, der trockenen Brustfellentzündung, sind heftigste, stark atemabhängige Schmerzen im entzündlichen Bereich des Brustkorbes vorhanden. Der Patient versucht, diese durch eine flache, schnelle Atmung zu vermeiden. Es können erhöhte Temperatur und ein Reizhusten als Begleiterscheinungen auftreten.

Meist geht die Pleuritis sicca im Verlauf in eine Pleuritis mit Ergussbildung über. In diesem Zustand verschwinden die Schmerzen typischerweise. Je grösser der Pleuraerguss wird, desto mehr wird die Lunge zusammengedrückt und es kommt zu einer erschwerten Atmung.

Eine Pleuravernarbung kann wie oben beschrieben zu Atemnot führen. Falls es zu einem beträchtlichen Sauerstoffmangel im Blut kommt, können andere Organe oder Körperteile davon mit betroffen werden. Dies macht sich durch bläulich-weisse Finger- und Zehenspitzen sowie blaue Lippen bemerkbar.

Zum SeitenanfangDiagnose

Die Diagnose einer Pleuritis sicca kann häufig bereits durch die typischen atemabhängigen, stärksten Brustschmerzen gestellt werden. Bei der feuchten Pleuritis sind diese Schmerzen jedoch nicht vorhanden. Deshalb erfolgt in einem ersten Schritt der Diagnostik die sorgfältige Untersuchung der Lunge durch einen Arzt, was eine Unterscheidung der beiden Formen ermöglicht.

Vor allem wenn keine klaren klinischen Zeichen vorhanden sind, muss zur sicheren Diagnose ein Röntgenbild der Lunge angefertigt werden. Damit können bereits relativ kleine Flüssigkeitsansammlungen oder auch eine Vernarbung der Pleura festgestellt werden.
Zudem kann so häufig die Grunderkrankung, zum Beispiel eine Lungenentzündung, diagnostiziert werden. Allenfalls müssen weitere Untersuchungen, wie ein Ultraschall oder ein Schichtröntgen (CT) zur Sicherung der Diagnose durchgeführt werden.

Als Ergänzung zur eben beschriebenen klinischen und bildgebenden Diagnostik wird eine Blutuntersuchung durchgeführt, bei welcher anhand der Konzentration von Entzündungszeichen das Ausmass der Entzündungsreaktion abgeschätzt werden kann.

Falls der Verdacht auf eine Tuberkulose besteht, reicht ein Röntgenbild nicht aus, sondern man muss mittels einem speziellen Hauttest (Mantouxtest) und der Untersuchung von Auswurf versuchen, diesen speziellen Erreger nachzuweisen.

Da die Tuberkulose grundsätzlich alle inneren Organe befallen kann, können die Tuberkulose-Erreger oft auch im Magensaft nachgewiesen werden. Wenn der Verdacht besteht, dass Viren die Pleuritis verursacht haben, müssen für deren Nachweis spezielle Blutuntersuchungen durchgeführt werden.

Zum SeitenanfangTherapie

Das Wichtigste ist eine starke Schmerztherapie. Denn erst im schmerzfreien Zustand, oder wenn die Schmerzen zumindest stark reduziert werden konnten, kann der Betroffene wieder tief durchatmen. Dadurch wird, wie oben erklärt, die Durchführung einer Atemtherapie ermöglicht, welche die Bildung einer Vernarbung verhindert.

Weiter muss eine Abklärung und Therapie der Ursache erfolgen, wobei zum Beispiel beim Vorliegen einer Lungenentzündung eine Therapie mit Antibiotika durchgeführt werden muss.

Ein Pleuraerguss selbst wird jedoch erst therapiert, wenn das Lungengewebe so stark zusammendrückt wird, dass dies zu einer Beeinträchtigung der Atmung führt. In diesen Fällen wird mittels Einlegen eines Schlauches in den Pleuraspalt die angesammelte Flüssigkeit nach aussen abgeleitet. In der Fachsprache wird dies Pleurapunktion genannt.

Wird zu spät, gar nicht oder falsch therapiert, kann die Bildung einer Pleuravernarbung eventuell nicht verhindert werden. In einem solchen Fall müssen bei starker Einschränkung der Lungenausdehnung häufig sogar operativ die beiden zusammengewachsenen Pleurablätter entfernt werden.

Autor/in:Jutta Manke, Ärztin
Editor/in:Dr. med. Urspeter Knecht, Arzt
Keywords:Pleuritis, Pleuraschwarte, Brustfellentzündung, Lungenfellentzündung, Pleuraerguss, Brustfellerguss, Pleuritis sicca, Pleuritis exsudativa, Lungenentzündung, Pneumonie, Mesotheliom
ICD-10:R09.1, J92
Zuletzt geändert:05.11.2016Zum Seitenanfang
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